Protokoll der Sitzung vom 08.11.2007

(Abg. Edith Sitzmann GRÜNE: In Nepal gibt’s nur hohe Berge!)

Wie wollen Sie denn da noch glaubwürdig auftreten?

(Beifall bei den Grünen und des Abg. Reinhold Gall SPD – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Nepal hat ein natürliches Tempolimit!)

Ein Zweites: Selbst ein Tempolimitgegner, wie Bundesumweltminister Gabriel es offensichtlich ist, muss in seiner eigenen Partei einräumen, dass ein Tempolimit den CO2-Ausstoß um 2,5 Millionen t pro Jahr vermindern würde. Gleichzeitig weiß man, dass diese 2,5 Millionen t nicht einmal in zwei Jahren mit dem milliardenschweren Sanierungsprogramm erreicht werden, das der Bund bezüglich Zuschüssen für die energetische Gebäudesanierung aufgelegt hat, Herr Kollege Röhm. Dann muss man doch fragen: Was spricht dagegen, dass wir uns endlich einen Ruck geben und diese Maßnahme ergreifen?

Es deutet auch viel darauf hin, dass ein solches Tempolimit auch Konsequenzen auf die Konstruktion unserer Autos hätte. Das würde zur Folge haben, dass an unserem Standort kleinere Fahrzeuge mit leichteren Motoren und geringerem Verbrauch produziert würden.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Da haben wir Aus- wahlmöglichkeiten!)

Als Letztes, Herr Kollege Röhm: Es gibt auf den Autobahnen pro Jahr 600 Tote – nur auf den Autobahnen.

(Abg. Jörg Döpper CDU: Nicht nur durch Raser!)

Dazu kommen 30 000 Verletzte. Die Hauptursache dafür, Herr Kollege – reden Sie einmal mit der Polizei –,

(Abg. Jörg Döpper CDU: Die permanent links fahren! Schleicher!)

sind nun einmal überhöhte Geschwindigkeiten. Von daher gesehen gibt es da für mich keine Ausrede.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen)

Meine Damen und Herren, Baden-Württemberg produziert jährlich 76 Millionen t CO2. Global gesehen entspricht das der Menge, die an einem einzigen Tag emittiert wird. Was bei uns in einem Jahr emittiert wird, geschieht in globalem Maßstab an einem Tag. Jetzt könnte man leicht auf die Idee kommen,

zu sagen: „Was hat diese ganze Diskussion mit uns zu tun? Letztendlich entscheidet sich die Klimadebatte in China, Indien und anderen prosperierenden Schwellenländern.“ Ich halte diese Position für grundfalsch.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das stimmt!)

Letztendlich achten die Chinesen und Inder sehr genau darauf, wie die reichen Industrieregionen, zu denen wir zählen, mit dem Klimaproblem umgehen.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Klar! Mit gutem Recht!)

Es geht auch darum, hier eine Vorbildfunktion einzunehmen und deutlich zu machen, dass man Wachstum und Wohlstand auch mit weniger Energieverbrauch und einem geringeren Verbrauch an natürlichen Ressourcen erreichen kann – auch mit drastisch reduzierten CO2-Emissionen. Das ist unsere Aufgabe.

Wenn wir das tun, profitieren wir wiederum davon, weil über den Export von Energieeinspartechnologien und regenerativen Technologien bei uns Arbeitsplätze geschaffen werden und Wertschöpfung stattfindet.

Mit dem Erneuerbare-Wärme-Gesetz haben wir gestern aus meiner Sicht einen wichtigen Baustein für eine zukunftsgerichtete Klimaschutzpolitik auf den Weg gebracht. Aber ich darf Sie in diesem Zusammenhang auch einmal an Ihr eigenes Lebensmotto erinnern, Frau Ministerin. Wie ich kürzlich gelesen habe,

(Abg. Ulrich Lusche CDU: Auf der Homepage!)

lautet dies: „Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen.“ Von daher würde ich Sie bitten,

(Abg. Jörg Döpper CDU: Lassen Sie das andere!)

von den Vorschlägen, die wir mit unserem Antrag vorgelegt haben, doch wirklich Gebrauch zu machen und in der Klimaschutzpolitik künftig eine Schippe draufzulegen.

(Abg. Jürgen Walter GRÜNE: Wir sind nicht in Ne- pal, sondern in Baden-Württemberg!)

Herzlichen Dank.

(Beifall bei den Grünen)

Für die CDU-Fraktion erteile ich Herrn Abg. Lusche das Wort.

(Abg. Jörg Döpper CDU: So, jetzt!)

Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja schon angesprochen worden; ich habe mir einmal die Mühe gemacht, das zusammenzuzählen: zwölf detaillierte Nachfragen der SPD, 24 Nachfragen der Grünen mit 21 Unterpunkten.

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Aber passiert ist nichts!)

Ich glaube, es dürfte auf der Hand liegen, dass wir das alles heute nicht innerhalb von jeweils fünf Minuten seriös abhandeln können.

(Zuruf: Dann verlängern wir die Redezeit!)

Manches brauchen wir auch nicht. Da steht vieles drin – ich nenne nur einmal die Stichworte Besteuerung von Kerosin, Behandlung von Flugleistungen –, was wir hier schon angesprochen haben.

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Es passiert halt nichts!)

Ich hatte mir eigentlich das eine oder andere überlegt. Nur, Herr Kollege Knapp, mit Ihrem Einstieg reizen Sie mich natürlich, noch einmal auf die Beratungen des gestrigen Tages zurückzukommen.

(Abg. Thomas Knapp SPD: Genau das wollen wir!)

Sehen Sie es mir nach, ich muss Ihnen einfach sagen: Mit dem, was Sie gestern hier veranstaltet haben, mit Ihrem Abstimmungsverhalten haben Sie aus unserer Sicht dem Klimaschutz – und um den sollte es eigentlich gehen – einen Bärendienst erwiesen.

(Beifall bei der CDU und des Abg. Dieter Ehret FDP/ DVP – Abg. Dr. Stefan Scheffold CDU: Sehr gut!)

Ich will Ihnen auch erklären, warum: Man kann ja in dem einen oder anderen Punkt durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Sie haben allerdings vorhin von „Ankündigungen“ gesprochen. Nach meinem Verständnis ist das keine Ankündigung. Vielmehr ist das unsere ureigene Tätigkeit, wenn der Landtag ein Gesetz beschließt. Da muss ich schon einmal daran erinnern: Wir sind die Ersten, die ein solches Gesetz beschließen, wir sind die Ersten, die ein seriöses Gesetz in dieser Form vorlegen.

(Abg. Jörg Döpper CDU zur SPD: Hören Sie doch auf!)

Deswegen wäre es ein Zeichen von Größe gewesen – auch wenn der Bundesumweltminister sich noch in der Zeitung dazu äußern musste; das will ich nicht weiter kommentieren –,

(Abg. Thomas Knapp SPD: Nur weil er angegriffen worden ist!)

diesem Gesetz auf der Basis, auf der wir uns verständigt hatten, nicht die Zustimmung zu versagen.

Warum ist das für den Klimaschutz so wichtig? Wir wissen auch, dass wir den Bürgern damit Belastungen auferlegen. Wir wissen auch, dass der Klimaschutz noch nicht überall die Akzeptanz findet, die er finden müsste.

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Dann macht halt mal!)

Deswegen wäre es umso wichtiger gewesen, wenn auch Sie das getan hätten, was die Kollegen von den Grünen getan haben, nämlich trotz der natürlich auch zum Teil vorhandenen anderen Vorstellungen das Gesetz mitzutragen,

(Zuruf der Abg. Ursula Haußmann SPD)

um ein klares Zeichen zu setzen. Ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass der Hintergrund für Ihr Verhalten war,

(Abg. Reinhold Gall SPD: Sie haben schon Ge- setzentwürfe von uns abgelehnt, die Sie später mit gleichem Inhalt selbst eingebracht haben!)

dass Sie auf diese Art und Weise den etwas angeschlagenen Bundesumweltminister unterstützen wollten.