Protokoll der Sitzung vom 18.09.2014

Meine Damen und Herren! Aber nicht nur Stendal als Geburtsort in ein Winckelmann-Ort in SachsenAnhalt. Winckelmann studierte an der Universität in Halle Philosophie, er war in Osterburg als Hauslehrer tätig und er war fünf Jahre Konrektor der Lateinschule in Seehausen.

Wir erwarten deshalb ein Konzept zur Vorbereitung der Winckelmann-Jubiläen 2017/2018, welche alle Wirkungsstätten Winckelmanns, insbesondere die in der Altmark, einbezieht. Es darf nicht passieren, dass wir einzig und allein Reformation und Luther-Jubiläum abfeiern und die

Symbolfigur der Aufklärung so gut wie keine Beachtung findet.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Im Übrigen ist in der Vergangenheit genau das - also dass man ihm zu wenig Beachtung geschenkt hat - schon einmal passiert. Ich erinnere an das Jahr 2012. Im Jahr 2012 fand im Stendaler Winckelmann-Museum eine Ausstellung statt mit dem Titel „Die Artemis von Pompeji und die Entdeckung der Farbigkeit der griechischen Plastik“. Zu dieser Ausstellung wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen eine Originalplastik der Artemis von Pompeji nach Stendal gebracht und dort ausgestellt. Kaum einer im Land nahm hiervon Notiz, obwohl diese Plastik kulturhistorisch bedeutender und mit Sicherheit auch wertvoller war, als die gesamte Pompeji-Ausstellung, die Herr Meller gleichzeitig in Halle veranstaltete.

Bezeichnend in diesem Zusammenhang war auch, dass es bundesweit ein enormes Presseecho gab, die FAZ am Sonntag hatte die Geschichte sogar auf der Titelseite. Nur in Sachsen-Anhalt spielte es keine Rolle.

Meine Damen und Herren! Wir haben die Chance, es in den Jahren 2017/2018 anders und besser zu machen. Lassen Sie uns diese Chance, die die Winckelmann-Jubiläen mit sich bringen, nutzen, um auch um den Norden Sachsen-Anhalts als Zentrum der Winckelmann-Forschung in der internationalen und überregionalen, aber auch in der regionalen Wahrnehmung zu etablieren! Nutzen wir die Möglichkeit, das Wirken Winckelmanns mit einem wichtigen Teil Sachsen-Anhalts zu verbinden! - Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)

Danke sehr, Kollege Gebhardt, für die Einbringung. - Bevor Herr Minister Dorgerloh für die Landesregierung spricht, können wir zwei Besuchergruppen bei uns begrüßen Das sind zum einen Damen und Herren der CDU-Ortsgruppe Sudenburg-Friedenshöhe aus Magdeburg. Seien Sie herzlich willkommen!

(Beifall im ganzen Hause)

Zum anderen begrüßen wir Damen und Herren des Gewerbevereins Loburg. Seien auch Sie herzlich willkommen!

(Beifall im ganzen Hause - Unruhe)

Herr Minister Dorgerloh, Sie haben das Wort. - Ich bitte darum, dass der Lärmpegel etwas gesenkt wird.

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herzlichen Dank, lieber Herr Gebhardt, für

dieses wunderbare Biopic, wie man neudeutsch sagt, also für die Vorstellung von Johann Joachim Winckelmann in diesem Haus als den Begründer der klassischen Archäologie und Kunstgeschichte als moderne Wissenschaft.

Wenn Sie die Rede aufmerksam verfolgen, dann werden Sie feststellen, dass das Land gemeinsam mit der Winckelmann-Gesellschaft schon Erhebliches tut, um diese beiden Jubiläen vorzubereiten.

Auch ich will noch einmal kurz festhalten, dass die Sicht von Winckelmann auf die Antike und auf die humanistischen Ideale insbesondere auch die Weimarer Klassik beeinflusst hat und insgesamt die europäische Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts maßgeblich mit geprägt hat.

Das Winckelmann-Museum darf darum zu Recht als eines der bedeutendsten kulturhistorischen Museen Sachsen-Anhalts bezeichnet werden. Es ist zugleich das einzige Museum zum Leben und Wirken des Forschers und Gelehrten Johann Joachim Winckelmann. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass es im Jahr 2006 in das Blaubuch der Bundesregierung als kultureller Gedächtnisort aufgenommen worden ist.

Zum Museum gehören - für diejenigen, die noch nicht da waren - ein Ausstellungs- und Begegnungszentrum für Senioren, der berühmte Seniorencampus in Kooperation mit der Hochschule Magdeburg-Stendal und ein überregional ausstrahlendes Kindermuseum. Wir haben dort eine unglaublich gute museumspädagogische Arbeit, die in vielen Fällen wegweisend für andere Museen war.

Das Museum wird seit Jahren vom Kultusministerium gefördert. Das wird auch künftig so sein. Wir haben es erst in dieser Legislaturperiode geschafft, die Zuwendungen zu erhöhen. Konkret für 2012 und 2013 gab es eine jährliche Zuwendung in Höhe von 97 000 €.

Vor wenigen Wochen konnte ich in Stendal sein und den Zuwendungsvertrag um vier Jahre bis einschließlich 2017 verlängern, um ein ganz klares Signal zu senden, nicht nur für Stendal und die Altmark, sondern auch insgesamt, dass die Gesellschaft in der Lage ist, die Vorbereitungen für das Jubiläum gut und verlässlich anzugehen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben es schon gehört, am 9. Dezember 2017 - das ist der Tag, an dem in Wittenberg sozusagen schon aufgeräumt wird - begehen wir den 300. Geburtstag von Winckelmann. Im Jahr darauf, am 8. Juni 2018, haben wir den 250. Todestag.

Beide Anlässe sind eine gute Chance, das Landeskind Winckelmann entsprechend zu würdigen, aber auch die einzelnen Orte und Personen, mit

denen er insbesondere in der Altmark zu tun hatte, näher zu beleuchten.

Ich glaube, es ist für die gesamte kulturpolitische Strategie des Landes wichtig, dass wir immer versuchen, in den verschiedenen Regionen des Landes die sich anbietenden kulturellen Highlights zu würdigen. Das war mit dem Naumburger Dom, dem Antrag auf Ernennung zum Unesco-Welterbe, mit Cranach und dem Bauhaus so. Jetzt wird mit Bismarck und Winckelmann auch der Norden des Landes einbezogen.

Vor Kurzem haben wir eine wunderbare Ausstellung in Wernigerode eröffnet. Halle veranstaltet die Sonderausstellung zu August von Sachsen „Im Land der Palme“. Sie sehen, dass wir die Ereignisse regional ganz gut verteilen.

Vor diesem Hintergrund bietet diese Debatte einen guten Anlass, Ihnen die Planung zum Winckelmann-Jubiläum vorzustellen. Wir sind seit Langem mit dieser Gesellschaft intensiv dabei, das Jubiläum vorzubereiten und sind im wechselseitigen Gespräch.

Klar ist - das muss an dieser Stelle noch einmal deutlich gesagt werden; das ist anders, als das im Antrag formuliert ist -, dass die Federführung bei der Winckelmann-Gesellschaft liegt, wo auch die Fachexpertise und letzte Verantwortung sein müssen.

Die Winckelmann-Ehrungen werden mit dem Geburtstag im Dezember 2017 ihren Auftakt nehmen und bis Ende 2018 andauern. Wir dürfen während dieser Zeit ein hochkarätiges Programm erwarten, das auch schon in der Vorbereitungsphase sichtbar wird.

Kurz skizziert sind folgende Aktivitäten geplant bzw. werden schon angegangen und umgesetzt:

Wer sich für Winckelmann interessiert, der wird die Veranstaltungsreihe in der Landesvertretung in Berlin kennen. So sollen Winckelmann und die Jubiläen stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken. Wir haben seit 2013 eine Reihe, bei der sich die mit der Biografie Winckelmanns verbundenen Städte der Altmark und der Börde Stendal, Osterburg, Seehausen, Salzwedel, Hadmersleben usw. in Berlin mit ihren entsprechenden kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten präsentieren.

Die nächste Veranstaltung ist übrigens heute Abend in Berlin. Dort ist Seehausen als wichtigste und zeitlich längste Wirkungsstädte Winckelmanns in der Altmark, nämlich von 1743 bis 1748, präsent.

Dazu kommen regelmäßige Fachvorträge in der Landesvertretung, ca. zwei-, dreimal im Jahr.

Ein internationaler Kongress im Jahr 2018 zur internationalen Wirkung Winckelmanns wird gemein

sam mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und natürlich der Winckelmann-Gesellschaft in Berlin und Stendal veranstaltet. Bereits heute führt die Winckelmann-Gesellschaft jährlich internationale Tagungen in Vorbereitung der Jubiläen durch, die letzte vor Kurzem in Warschau. Ich hatte die Ehre, dort die Schirmherrschaft zu übernehmen.

Es wird eine zentrale Winckelmann-Jubiläumsausstellung im Winckelmann-Museum geben. Wir müssen das Jubiläum nutzen, eine neue Dauerausstellung zu installieren, die durch verschiedene Themenkomplexe in den Sonderausstellungen ergänzt wird. Gleichzeitig dient das der Erschließung der Sammlung, hier insbesondere Grafik des 17. und 18. Jahrhunderts, Antikensammlung, moderne Kunst. Aber auch die Neugestaltung der Kinder- und Erlebniswelt ist geplant - Stichwort „Inklusion und Barrierefreiheit“.

Wer das Museum kennt, der weiß, dass es sich unter dem Dach - das ist nicht der ideale Ort - in einem Fachwerkhaus befindet. Wir wollen diese Veränderung auch unter Einbeziehung des Ausstellungs- und Begegnungszentrums für Senioren vollziehen.

Wer schon den Kalender zücken will, der darf sich den 8. Juni 2018 notieren. Dann wird voraussichtlich die Jubiläumsausstellung zum 250. Todestag eröffnet.

Ein Antrag auf Förderung - so ist es mit der Winckelmann-Gesellschaft besprochen - soll im Herbst 2014 mit uns im Kultusministerium diskutiert werden und entsprechend eingereicht sein.

(Zustimmung von Herrn Scheurell, CDU)

Daher ist klar, dass es jetzt noch keine Förderung geben kann. Vielmehr wird das im Laufe des Herbstes passieren. Dazu muss sich die Winckelmann-Gesellschaft selbst noch darüber klar werden, in welcher Größenordnung sie welche Gelder benötigt und welche Kofinanzierung von Kommune, Landkreis, Stiftung, Kooperationspartnern und anderen, wie auch dem Bund, zu erwarten ist.

Ein weiterer Punkt sind die geplanten Korrespondenzausstellungen in Stendal und in der Altmark, wie zum Beispiel im Altmärkischen Museum oder im Stadtarchiv in Stendal, aber auch in den Städten, die schon genannt worden sind, Salzwedel, Osterburg und Seehausen.

Die schon angesprochene strukturelle Umgestaltung des Museumscampus - so kann man es vielleicht nennen - in ein homogenes Museumsgelände, auf dem die in den letzten 30 Jahren hinzugewonnenen Gebäudeteile neu in ein überschaubares und ineinandergreifendes Raumkonzept zusammengeführt werden, soll in Angriff genommen werden.

Die Stadt Stendal hat schon mit der Schaffung entsprechender Möglichkeiten im Hinblick auf das Jubiläum begonnen und wird dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen realisieren. Ich konnte mich im Juni 2014 bei einem Vor-Ort-Termin davon überzeugen.

All das ist geplant. Hinzu kommt noch eine Edition des Gesamtwerkes in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt in der Reihe „Johannes Joachim Winckelmann - Schriften und Nachlass“. Das soll bis zum Jubiläumsjahr weitestgehend abgeschlossen werden.

Wichtig ist auch, über die internationale Vernetzung und Kooperation in Vorbereitung des Jubiläums zu informieren. Hier sind Einrichtungen wie das Getty Research Institute in den USA, die vatikanischen Sammlungen, das Casa di Goethe in Rom, die Akademie der Bildenden Künste in Wien, die Akademie der Geschichte und der Künste in Madrid sowie das Museum Schloss Wilanów in Warschau dabei, um nur einige zu nennen.

Sie merken schon, wir werden ein riesiges Jubiläum begehen, das bundesweit in diesem Umfang noch keine umfassende Würdigung erhalten hat. Aber klar ist auch: Das Zeitalter der Aufklärung, in dem wir uns mit Winckelmann befinden, gehört zu den kulturhistorischen Schwerpunktthemen des Landes. Spätestens wenn man im Dessau-Wörlitzer Gartenreich oder im Gleimhaus unterwegs ist, wird man das feststellen.

Wir können mit diesem Jubiläum als „Land der Aufklärung“ auch überregional noch bekannter werden und können uns auf den internationalen Tagungen, bei den Ausstellungen mit den Publikationen gut platzieren. Durch die internationalen Kooperationen bekommen wir eine wunderbare Möglichkeit, um auf europäischer Ebene und darüber hinaus zu werben.

Also, man kann sagen, dass die Dinge auf einem guten Weg sind. Viele Partner sind dabei. Ich will an dieser Stelle einmal sehr herzlich der Winckelmann-Gesellschaft für ihr großes Engagement danken.

(Beifall im ganzen Hause)

- Sie alle haben bemerkt, dass der Stendaler zu klatschen begonnen hat. Wunderbar.