Protokoll der Sitzung vom 18.09.2014

- Sie alle haben bemerkt, dass der Stendaler zu klatschen begonnen hat. Wunderbar.

Die Landesregierung ist natürlich daran interessiert, diese Konzeptplanung der WinckelmannGesellschaft umgesetzt zu sehen und wird sie dabei beraten, begleiten und unterstützen.

Deshalb bitte ich Sie um Zustimmung zu dem Änderungsantrag der Koalitionsfraktionen und hoffe, dass Sie die dargestellten Aspekte zur Kenntnis

nehmen und beim Jubiläum anwesend sind. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei der CDU)

Danke, Herr Minister. - Es ist eine Dreiminutendebatte vereinbart worden. Die Landesregierung hat die ihr vorgegebene Redezeit mehr als verdreifacht. Ich bitte die Debattenrednerinnen und -redner, das nicht in voller Höhe auszunutzen.

Als erster Debattenredner spricht der Abgeordnete Herr Güssau für die CDU-Fraktion. Bitte sehr.

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Habe ich jetzt 20 Minuten Zeit?

Also, Herr Güssau!

(Heiterkeit - Herr Gallert, DIE LINKE: Jetzt haben Sie die Präsidentin gereizt!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Stendaler - der Minister hat es gerade gesagt - und als ehemaliger Absolvent der Erweiterten Oberschule namens Winckelmann habe ich die Möglichkeit heute genutzt. Das Winckelmann-Museum liegt in meinem Wahlkreis, und da freut man sich als Stendaler, zu diesem Thema sprechen zu dürfen.

Es ist eine erfreuliche Gelegenheit für mich. Ich möchte die eigene Stadt, die Winckelmann-Gesellschaft, das Winckelmann-Museum und grundsätzlich das Erbe Winckelmanns in der Kürze der Zeit etwas näher beleuchten. Für mich, für die Stendaler und für die Altmärker ist das Thema ein sehr wichtiges und es wird in der regionalen Presse gut beleuchtet und hinterfragt.

Ich freue mich auch, dass die Direktorin des Museums Frau Dr. Bruer angereist ist und diese Debatte verfolgt.

Ja, meine Damen und Herren, ich bin der Fraktion DIE LINKE sehr dankbar. Herr Gallert, wir haben im Vorfeld ein Gespräch geführt. Man kann ruhig verraten, dass wir miteinander reden.

(Herr Gallert, DIE LINKE: Ach! - Herr Scheu- rell, CDU: Was?)

Ich bin zuverlässig in dieser Hinsicht, sodass ich sage, dass wir in die richtige Richtung gehen und dieses Thema im Landtag bereden wollen, weil es uns gemeinsam ein wichtiges Anliegen ist.

Ich will keine überflüssigen Wiederholungen vornehmen. Der Minister ist sehr umfangreich auf

dieses Thema eingegangen. Wenn er noch zuhört - -

(Frau Niestädt, SPD: Was soll das denn? - Zuruf von Herrn Miesterfeldt, SPD)

Ich möchte Ihnen sagen, dass Winckelmanns Wirken für die moderne Archäologie als Wissenschaft nicht hoch genug einzuschätzen ist. Winckelmann hat einen weltweiten Bekanntheitsgrad. Sicherlich war es damals wie heute nicht nur das Talent Winckelmanns, sondern es waren auch die durchaus als gut einzustufenden Bildungsmöglichkeiten im damals schon ländlichen Raum im damaligen Stendal, die ihn zu einem geistigen Faktor im 18. Jahrhundert werden ließen.

Winckelmann - Herr Gebhardt hat es auch erwähnt - besuchte die Lateinschule in Stendal. Er beherrschte mehrere Sprachen. Man kann sagen: Er war für die damaligen Verhältnisse durchaus polyglott.

Johann Joachim Winckelmann gehört zu jenen Persönlichkeiten, die im 18. Jahrhundert ganz entscheidend die Paradigmen des modernen Denkens bis in die Gegenwart mitbestimmt haben. Er war der berühmteste Altertumswissenschaftler seiner Zeit. Er gilt als ein Hauptvertreter der deutschen Aufklärung und als Begründer des europäischen Klassizismus. Seine Sicht auf die Antike bestimmte zugleich nachhaltig die Literatur der deutschen Klassik. Enorm war sein Einfluss auf Goethe, Lessing und Herder.

Sein Hauptwerk „Geschichte der Kunst des Altertums“ gehört - ähnlich wie gut zwei Jahrhunderte zuvor Martin Luthers Bibel - zu jenen Werken, die die deutsche Schriftsprache in entscheidendem Maße beeinflussen sollten.

Kurzum: Winckelmann war damals und ist noch heute eine feste Größe, wenn man sich die großen Denker der Aufklärung im 18. Jahrhundert vor Augen führt.

Die beiden Jubiläen in den Jahren 2017 und 2018 bieten nun die Gelegenheit, das Erscheinungsbild und den geistigen Einfluss, den Winckelmann ausgeübt hat und der bis heute wirkt, umfassend und erkenntnisorientiert der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Dazu bedarf es einer planerischen Konzeption. Diese ist von der Winckelmann-Gesellschaft schon in Angriff genommen worden, wie überhaupt die Winckelmann-Gesellschaft die Hauptlast der Jubiläumsplanung zu tragen hat. Mit ihren 600 Mitgliedern in 20 Ländern weltweit ist sie dazu durchaus in der Lage. Diese Vernetzung ist umfangreich und Stendal wird schon jetzt bekannt gemacht. Dieser Aspekt sollte weiter ausgebaut werden.

Mit Blick auf die Uhr möchte ich jetzt nicht auch noch auf das Kindermuseum eingehen, das von

großem Interesse für die Altmark und für Stendal ist.

Ich möchte an dieser Stelle sagen, meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen, das Thema, das wir heute behandeln, ist kein Streitthema. Genau deshalb sollte sich bei Ihnen allen die Einsicht durchsetzen, dass wir als Landesgesetzgeber in der Pflicht sind, der Winckelmann-Gesellschaft und der Stadt Stendal aus Anlass der WinckelmannJubiläen und darüber hinaus auch zukünftig öffentlichkeitswirksame Unterstützung zukommen zu lassen. - Herzlichen Dank.

(Beifall im ganzen Hause)

Danke sehr, Herr Kollege Güssau. - Ich möchte eine Bemerkung machen. Wir können alle dazu beitragen, dass die Ministerinnen und Minister uns besser zuhören, nämlich indem wir sie auf den Bänken nicht dauernd in Anspruch nehmen.

(Zustimmung von Herrn Gallert, DIE LINKE, und von Minister Herrn Dorgerloh)

Als nächste Debattenrednerin für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN spricht Frau Professor Dr. Dalbert.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich muss es nicht wiederholen: Es ist unbestritten, dass Winckelmann für die Archäologie, für die Kunstgeschichte und - Herr Gebhardt hat das sehr ausführlich und, wie ich finde, sehr plastisch dargestellt - für unser Bild von der Antike große Bedeutung hat. Das ist nicht trennbar von der Person Winckelmann. Deswegen ist es unbestreitbar, dass es ein bedeutendes Jubiläum ist, wenn der 300. Geburtstag und der 250. Todestag einer so bedeutsamen Persönlichkeit begangen werden.

Wir haben ein Winckelmann-Museum. Wir haben eine sehr aktive Winckelmann-Gesellschaft. Diese Arbeit ist gar nicht hoch genug zu schätzen. Ich erinnere mich daran, dass ich, als dieser Antrag das erste Mal auf der Tagesordnung stand und sozusagen einem Bombenfund zum Opfer fiel, morgens auf dem Bahnhof in Halle eine Klasse aus dem Saalekreis traf, die mit ihrer Lehrerin gerade auf dem Weg zum Winckelmann-Museum war, weil dort eine ganz herausragende museumspädagogische Arbeit geleistet wird. Die Kinder freuten sich alle, dort hinzukommen.

Deswegen sind auch mehr als die Hälfte der Besucher des Winckelmann-Museums Kinder. Ich finde, das ist auch etwas, worauf das WinckelmannMuseum stolz sein kann, auch deshalb, weil das Winckelmann-Museum dafür eigentlich gar nicht gut ausgestattet ist, nicht über einen Museumspädagogen oder eine Museumspädagogin verfügt, sondern mit sehr viel Kreativität und Engagement

diese Arbeit stemmt. Auch dafür mein herzlicher Dank an die beteiligten Personen, die diese herausragende Arbeit leisten.

(Beifall im ganzen Hause)

Wir haben gehört - der Herr Minister hat es ausführlich dargestellt -, was alles schon in der Planung ist, was auf dem Weg ist. Es ist gut so, dass das so ist.

Aber, ganz ehrlich, liebe Kolleginnen und Kollegen: Was soll ich mit einem solchen Antrag? - Sowohl der Geburtstag als auch der Todestag sind seit mehr als 100 Jahren bekannt. Das betrifft auch andere Persönlichkeiten in unserem Land. Wir haben ein sehr kulturreiches Land mit vielen Persönlichkeiten, die weit über die Grenzen von SachsenAnhalt, von Deutschland hinaus von Bedeutung sind.

Wollen wir jetzt Politik machen, bei der es darum geht, dass derjenige, der am schnellsten rennt oder sich am schnellsten erinnert, dass demnächst ein Jubiläum ansteht, einen Antrag einbringt?

Das, glaube ich, kann keine gute Politik für unser Land sein. Wir können uns nicht von Jubiläum zu Jubiläum stürzen, wobei das Jubiläum, das dem einen als Erstes einfällt, eine besondere Bedeutung bekommt. Nein, ich sage: Wir brauchen eine Auseinandersetzung - ich nenne das jetzt einmal ein bisschen dröge - über einen Museumsplan für Sachsen-Anhalt. Das gilt für alle Ebenen.

Wenn ich mit Leuten im Land rede, dann stelle ich fest, dass die mir alle zum Beispiel nicht erklären können, was eine Landesausstellung ist und wann eine Landesausstellung kommt. Niemand weiß das. „August unter Palmen“ ist keine Landesausstellung. „Editha“ war eine Landesausstellung. Kein Mensch kann mir erklären, warum das eine so und das andere so ist. Damit sind aber Gelder verbunden.

Jetzt wollen wir etwas für Winckelmann tun. Hardy Güssau legt sich ins Zeug und sagt, für Winckelmann muss etwas getan werden. Er trägt aber einen Antrag der CDU und der SPD mit, mit dem das Geld herausgestrichen wurde. Das muss man auch einmal sagen.

(Zustimmung von Herrn Dr. Köck, DIE LIN- KE)

Das ist ja einer der beiden Unterschiede zwischen dem Antrag der CDU und der SPD auf der einen und dem Antrag der Fraktion DIE LINKE auf der anderen Seite.

Wir haben überhaupt keine Aussagen dazu, wie sich die Landesregierung eine - so nenne ich das einmal - museale Grundversorgung vorstellt.

Wenn Sie über das Land fahren und mit Museumsvertretern reden, dann werden Sie feststellen, dass

die Museen am Hungertuch nagen. Die Energiekosten sind um 43 % gestiegen. Die Museen reduzieren ihre Öffnungszeiten, weil sie das mit dem Personal nicht mehr gestemmt bekommen und vieles mehr.

Deswegen sage ich: Ich schätze die Bedeutung von Herrn Winckelmann genauso ein, wie Herr Gebhardt, der Antragsteller, das tut. Ich schätze das Winckelmann-Museum und die WinckelmannGesellschaft. Ich bin auch froh zu hören, dass dort Aktivitäten im Gange sind. Aber ich glaube, so ein Antrag bringt uns nicht weiter.

Wir müssen grundsätzlicher debattieren, wie wir mit unseren Museen umgehen wollen, wo wir sozusagen Spitzen ansetzen, wo wir Jubiläen oder Landesausstellungen ansetzen, wie wir eine museale Grundversorgung finanzieren. Deswegen wird meine Fraktion sich bei der Abstimmung über die beiden Anträge der Stimme enthalten. - Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.