Bei allem Respekt – und das möchte ich hier auch noch einmal tun – natürlich auch gegenüber der Hochschulautonomie unseres Universitätsklinikums: Wir brauchen zusätzliche Kapazitäten zur Behandlung von COVID-19 sowie von Long-COVID, um auch diesem chronischen Müdigkeitssyndrom und dem chronischen Erschöpfungssyndrom, das Herr Montag hier angesprochen hat, zu begegnen und in Zusammenarbeit auch mit unseren Reha-Kliniken noch weitere Angebote zu schaffen.
Zunächst brauchen wir aber erst einmal eine Ver stetigung und den Ausbau der Forschung, um vor allen Dingen zum Thema „Long-COVID bei Kindern und Jugendlichen“ Erkenntnisse zu haben, um dann auch Therapien zu verbessern. In unseren eingeforderten Ergänzungen finden wir es wichtig, die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesell schaften einzubeziehen und Wissenstransfer zu fördern und diesen zu optimieren.
An dieser Stelle möchte ich mich gern sehr herzlich für das bisher Geleistete bedanken. Dank der schnellen, unbürokratischen Netzwerkarbeit der Landesärztekammer Thüringens, der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens, der Heilmittelerbringer und weiterer medizinischer Leistungserbringer in der ambulanten und in der stationären Gesundheitsversorgung wurde in den letzten Monaten die Behandlung der COVID-19-Erkrankung und des
Vielen Dank, Herr Abgeordneter. Als nächsten Redner rufe ich Abgeordneten Zippel, Fraktion der CDU, auf.
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, um es gleich vorweg zu sagen und damit auch nicht der Eindruck entsteht, die CDU-Fraktion wolle sich mit fremden Federn schmücken: Die Feder, aus der dieser Antrag floss, gehört der FDP. Ihr gebührt der Dank und die Anerkennung für diese Initiative. Meine Fraktion ist aufgrund der inhaltlichen Zustimmung beigetreten und in diesem Sinne ist es dann ein gemeinsamer Antrag von FDP und CDU.
Wir unterstützen diesen Antrag natürlich sehr gern und vollumfänglich, nicht nur, weil er inhaltlich sehr gut ist, sondern auch, weil er ein sehr wichtiges und – man muss auch sagen – ein beunruhigendes Thema anspricht. Long-COVID oder auch Post-COVID-19-Syndrom genannt ist eine lang anhaltende und wiederkehrende Symptomatik nach einer COVID-19-Erkrankung. Es wurde hier gerade eben schon dargelegt, dass die beobachteten Symptome sehr unterschiedlich sind: Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksstörungen, chronische Müdigkeit, all das aber eben auch bei mildem Verlauf, in manchen Fällen eben auch Entzündungsreaktionen an verschiedenen Organen, mitunter auch psychologische Symptome wie Depressionen, die Patienten sind im Alltag sehr eingeschränkt, mitunter sogar berufsunfähig. Die Symptome treten in allen Altersgruppen auf.
Das Ausmaß der Krankheit ist noch nicht absehbar und es kommen immer wieder neue Erkenntnisse hinzu. Ging man am Anfang noch von einer Atemwegserkrankung aus, ist inzwischen bekannt, dass es sich doch allgemein um eine Gefäßerkrankung handelt, was auch die Komplexität und die weite Verteilung im Körper erklärt. Die Gefahr besteht, dass Long-COVID gerade in Thüringen vergleichsweise häufig auftreten könnte. Das ist nur eine Vermutung meinerseits, wir kennen noch keine Zahlen dazu, aber die Vermutung liegt doch nahe. Thüringen hatte in der zweiten und dritten Welle fast durchweg einen traurigen Spitzenplatz inne, was die Zahl der Infektionen betrifft. Damit ist eben auch die Zahl der potenziell Betroffenen in Thüringen höher.
Was heißt das alles nun? Ganz einfach: Wir brauchen mehr Forschung, wir brauchen mehr Daten. Hier setzt dieser Antrag an. Wir wollen die LongCOVID-Forschung durch ein ganzes Bündel an Maßnahmen unterstützen. Gleichzeitig soll eine hochqualifizierte Behandlung der Betroffenen sichergestellt werden. In Rücksprache mit Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung soll auf die Entwicklung einer Leitlinie als Orientierungsund Entscheidungshilfe hingearbeitet werden – ein ganz wesentlicher Schritt für den alltäglichen Kampf des medizinischen Fachpersonals gegen diese Erkrankung.
Gleichzeitig gilt es, den Einsatz für eine dauerhafte Finanzierung der Behandlung durch die Selbstverwaltung zu stärken und die Behandlung am Universitätsklinikum Jena und der dortigen Post-COVIDAmbulanz durch den Landeshaushalt zu flankieren. Die Erkenntnisse aus all dieser Forschung sollen dann auch in die Fortbildungen der Landesärztekammer mit einfließen.
Wir wissen noch zu wenig über das Phänomen Long-COVID. Das lässt sich als Fazit über all das zusammenfassen. Was wir aber wissen, ist schlichtweg beunruhigend. Wir brauchen eine breite Evidenzbasis, wir müssen diese Basis schaffen. Ich freue mich, dass die regierungstragenden Fraktionen die Relevanz des Themas erkannt haben und sich nun an dem Antrag beteiligen. Das ist ein gutes Signal. Es geht um die Sache und es kamen auch wirklich gute inhaltliche Ergänzungen im neuen gemeinsamen Antrag. Ich sage es mal so: Über das eingefügte Lob an die Landesregierung können wir großzügig hinwegsehen, wenn es denn der Sache dient. Ich würde mich der Einschätzung von Herrn Plötner doch nur bedingt anschließen. Aber wir arbeiten hier an der Sache und deswegen schweigen wir mal über den Rest.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter. Für die SPD-Fraktion hat jetzt Frau Abgeordnete Dr. Klisch das Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Landtagspräsident, auch von meiner Seite einen guten Tag. Ja, meine Vorredner haben es gesagt: Was wäre das für ein Plenum, wenn wir nicht über Corona reden? Heute reden wir aber eben nicht
über Corona in Form der akuten Handlungsoption, sondern es geht um das gesundheitliche Danach, um das Corona-Danach, Long-COVID.
Ich bin auch der FDP dafür dankbar, dass Sie diesen Aufschlag gemacht hat. Ich glaube, dass das wieder mal dafürspricht, wie wir, wenn es um Gesundheits- oder auch um Wissenschaftsinhalte geht, schnell und konstruktiv zusammenarbeiten können. Deswegen geht ein großer Dank an alle Beteiligten, die sich in den letzten 48 Stunden noch mal Zeit genommen haben, um dieses Projekt auf den Weg zu bringen.
Corona – meine Vorredner sagten es – ist ja ein Chamäleon in dem, wie man Corona erlebt, wenn man an Corona erkrankt, und dementsprechend sehen auch – manchmal, nicht immer – die Nachwirkungen von Corona aus. Ich kann das aus meiner eigenen ärztlichen Tätigkeit bestätigen. Hätten Sie mich vor einem Jahr gefragt, was denn Long-COVID ist, hätte ich gesagt: keine Ahnung, habe ich noch nicht gesehen. Mittlerweile sehe ich das quasi täglich in meiner Arbeit und das sind wirklich dramatische Schicksale. Menschen, wenn – das klingt jetzt banal – man sich nicht konzentrieren kann oder wenn man die Treppe nicht hochkommt oder man schmeckt nichts oder man spürt nicht, ob der Tee kalt oder heiß ist, man hat Muskelschmerzen, man weiß auch gar nicht, wie lange solche Beschwerden noch anhalten. Man hat also ganz viel Unsicherheit und ist dann sicherlich auch psychisch belastet. Also das sind nicht einfach nur irgendwelche Symptome, die man mal nach einer Woche mit einem Medikament wegwischen kann. Wir haben hier noch viele Fragezeichen und wir brauchen hier auf jeden Fall – meine Vorredner sagten es – noch sehr viel Forschung. Wir sind – und da möchte ich aber auch meinen ärztlichen Kollegen und auch allen Therapeuten im Land danken – trotz allem aufgrund unseres pragmatischen Herangehens auch hier schon sehr konsequent und schon sehr weit vorangekommen.
Denn letztendlich ist es ja genau dem zu verdanken, dass Ärzte nicht immer auf Politik warten und auch nicht die Therapeuten, dass einfach auch schon ein Austausch stattfindet, wie man dieses Syndrom und auch wie man natürlich Corona selbst bestmöglich behandeln kann. Genau dem ist es zu verdanken, dass wir dank der Wissenschaftler wissen, wie zum Beispiel auch Komplikationen bei Impfungen überhaupt entstehen und damit auch wissen, wie wir diese behandeln können. Trotz allem brauchen wir – gerade, wenn es um Long-COVID geht – klare Leitlinien. Wir brauchen wirklich eine klare Definition, worüber wir eigentlich reden. Und wir brauchen evidenzbasierte Therapien. Denn
nur so können wir auch wirklich jeden Bürger in diesem Land gleichermaßen auf gleicher Grundlage Therapien anbieten und Kompetenzstrukturen letztendlich auch effizient stärken und auch Fragen beantworten, wie es Herr Plötner gerade angesprochen hat, wenn es dann doch auch um die Frage geht: Ich bin jetzt langfristig nicht belastbar, wie sieht es denn aus, kann ich auch mal auf meine Rentenansprüche zurückgreifen oder Ähnliches? – Also genau das ist die Frage dahinter.
Es wurde gerade auch schon gesagt. Letztendlich geht es nicht darum, nur Expertise an irgendeinem Ort zu haben, sondern es geht darum, nicht auf informellen Kanälen, sondern auf offiziellen Kanälen Expertise zu den Menschen, zu den Therapeuten, zu den Behandlern zu bringen – und das sind nicht nur Hausärzte, das sind Fachärzte, das sind aber auch genauso Heilmittelerbringer, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und das sind die ambulanten und stationären Rehabilitationseinrichtungen, die wir natürlich auch stärken müssen. Das ist auch Teil der Verbesserung dieses Antrags gewesen, den wir als Rot-Rot-Grün geleistet haben, dass wir das als eine Aufgabe von uns allen sehen. Deswegen haben wir Politiker, denke ich, heute den ersten Schritt getan in die Richtung, die Gesundheit unserer Bürger in diesem Land ein Stückchen weiter abzusichern, zu schützen und nachhaltig zu stärken. Deswegen noch mal vielen Dank!
Vielen Dank, Frau Abgeordnete. Nächste Rednerin ist Abgeordnete Pfefferlein, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, auch ich möchte mich an der Stelle erst mal dafür bedanken, dass wir so schnell einen gemeinsamen Antrag auf den Weg gebracht haben und die FDP wirklich den Aufschlag gemacht hat. Ich finde das sehr kollegial und ich bin das auch gewohnt, muss ich ausdrücklich sagen, in diesem Ausschuss, dass wir da so miteinander umgehen und auch für die Sache ganz schnell eine Lösung finden und das haben wir gestern gefunden. Ich finde, das ist ein starkes Signal auch für die Betroffenen, was wir heute, wenn wir diesen Antrag beschließen, geben. Vielen Dank an dieser Stelle.
Die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Zahlen zeigen nämlich ein düsteres Bild, auch wenn die Zahlen im Prinzip fallen – Gott sei Dank auch in Thüringen – und die Hoffnung wächst, dass wir vielleicht keine vierte Welle bekommen, doch so sind in den vergangenen Wochen und Monaten viele Menschen Opfer des Coronavirus geworden. Ich möchte noch mal die aktuellen Zahlen von heute nennen: 3.702.535 Menschen sind nachweislich an COVID-19 erkrankt, 3.526.100 Menschen gelten davon als wieder genesen, das heißt, sie sind nicht mehr ansteckend. Aber sind alle wieder gesund? Viele Menschen, die an COVID-19 erkrankt waren, leiden nach Abklingen der akuten COVID-19-Infektion unter vielfältigen unterschiedlichen Beschwerden, sie brauchen eine lange Zeit zur Genesung. Forschungsministerin Karliczek nannte Anfang der Woche die unglaublich hohe Zahl von 350.000 Patientinnen und Patienten – Herr Montag hat es vorhin schon gesagt –, die von Long-COVID betroffen sind. Jeden Zehnten also plagen lang anhaltende Spätfolgen. Die Menschen berichten nach einer COVID-19-Erkrankung von ausgeprägter Müdigkeit, die über viele Wochen anhält. Andere klagen über Schmerzen in der Brust oder Muskelbeschwerden. Einige haben neurologische Probleme wie Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzen oder Geschmacks- bzw. Geruchsverlust, aber an allererster Stelle steht die chronische Erschöpfung.
Was genau auf Betroffene zukommen kann, ist bislang nicht erforscht. Allerdings gibt es viele Berichte aus der Praxis. Viele Patientinnen und Patienten berichten von Symptomen, die an einem Tag kommen und am nächsten Tag wieder verschwinden, manche beschreiben es wie einen Adventskalender, bei dem sich an jedem Tag eine Tür öffnet und ein neues Symptom zeigt. Solche Spätfolgen können einen oder sogar bis vier Monate nach der Corona-Infektion auftreten. Die Ursachen für diese langwierigen Krankheitsverläufe sind noch weitgehend unklar, die Anzahl der Betroffenen ist unklar und auch insgesamt gibt es bisher nur wenige gesicherte Erkenntnisse zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion.
Wir haben hier nun unseren gemeinsamen Antrag. Dieser Antrag spricht viele Aspekte an und macht viele Vorschläge. Vieles davon ist aber wichtig für die bundesweite und sogar internationale Entwicklung. Manches liegt nicht in den Händen der Landesregierung und lässt zum Beispiel eine Entscheidung unabhängiger Organisationen wie des UKJ zu. Thüringen aber muss vieles davon und vieles andere unterstützen und wir müssen da die Augen ganz genau aufhalten, um nichts zu verpassen, was Unterstützung braucht. Und Thüringen muss sich noch besser vernetzen.
Um wirklich ein gutes Handlungskonzept für Thüringen zu entwickeln, brauchen wir den Zugang zu belastbaren Zahlen, das Wissen über schon vorhandene Behandlungsmöglichkeiten und Versorgungslücken. Deshalb habe ich im April die Kleine Anfrage 7/2062 dazu eingereicht, falls jemand nachschauen möchte. Ich bin hoffnungsfroh, dass ich bald mit einer Antwort von der Landesregierung rechnen kann.
Die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Spät- und Langzeitfolgen von COVID-19 befindet sich national und international in sehr unterschiedlich fortgeschrittenen Entwicklungsstadien. Fakt ist, es braucht Post-COVID-Ambulanzen, Post-COVIDKliniken und Rehabilitationskliniken sowie Selbsthilfegruppen, auch wenn sicher eine Beurteilung der Effektivität der unterschiedlichen Versorgungsformen derzeit noch nicht möglich ist, und einen länderübergreifenden Austausch über die im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie stehenden Folgen. Sicher müssen wir Behandlungsangebote im Bereich von Post- und Long-COVID ausbauen. Hier brauchen wir die Kassenärztliche Vereinigung an unserer Seite. Die Unterstützung von Selbsthilfegruppen zu Long-COVID und von Austauschnetzwerken ist meist kurzfristig und vor Ort machbar. Aber das braucht auch unsere Unterstützung.
Wir haben also jede Menge große Aufgaben vor uns. Das schaffen wir nur zusammen. Deshalb bitte ich um Unterstützung für diesen Antrag und bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich.
Sehr geehrter Herr Präsident, werte Kollegen Abgeordnete und Zuhörer am Livestream, als Mediziner ist es essenziell, sich mit allen Facetten einer Erkrankung zu befassen, mit den Ursachen, akuten Symptomatiken und möglichen chronischen Verläufen. Die Forschung ist wichtig und dringend gefordert, wenn es sich um eine neuartige Erkrankung handelt, auch wenn es das altbekannte Coronavirus betrifft, welches in neuer Verwandlung daherkommt. Es ist notwendig und selbstverständlich, die Forschung auch zu Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung zu aktivieren und zu intensivieren. Das ist glücklicherweise schon in vollem Gange. Die FDP hat das erkannt und das Thema in ih
Bemerkenswert ist nur, dass alle Altparteien auf diesen Antrag noch aufgesprungen sind, und ich finde es doch ein bisschen als Zumutung, dass vor der Lüftungspause ein elfseitiger Vorabdruck als 3. Neufassung dann bekannt gemacht wurde und kaum Zeit war, sich das mal ordentlich durchzulesen.
Wir benötigen auch hier eine fundierte Datengrundlage, die wissenschaftlich fundiert erhoben werden muss, um die notwendigen richtigen Entscheidungen abzuleiten. Im letzten Jahr waren wir es leider gewohnt, Entscheidungen aus dem Bundesgesundheitsministerium präsentiert zu bekommen, die mehr auf Vermutungen, Schätzungen, Unfähigkeit und Panikmache statt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierten. Und dieser Prozess hält leider an, beispielhaft seien die Anti-Corona-Maßnahmen genannt, die auf unsicheren Tests beruhen, auf Neuinfektionen, die keine sind, auf Inzidenzen, die beliebig zurechtgetestet werden, und auf Zwangsmaßnahmen, die jenseits valider Daten und des gesunden Menschenverstandes festgelegt werden.
Nun aber zurück zum Thema „COVID-19-Langzeitfolgen“: In der wissenschaftlichen medizinischen Literatur sind bereits Ergebnisse zu finden, die hoffen lassen, Patienten mit dem Problem Post-COVID bzw. Long-COVID helfen zu können. Prof. Dr. med. Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena, Infektiologe und Internist, hat sich des Themas der Spätfolgen von COVID-19 angenommen und auch eine Post-COVID-Ambulanz eingerichtet, um den Betroffenen eine Anlaufstelle zu bieten. Er schätzt insbesondere die mit COVID-19 einhergehende Endotheliitis – zu Deutsch Gefäßentzündung – als eine Komplikation ein, die später jenseits einer Lungenaffektion für bedeutsame Folgeerkrankungen verantwortlich sein kann. Aktuelle radiologische Untersuchungen bestätigen diese Entzündungsaktivität an den großen Körperarterien. Dem kann man mit einer gerinnungshemmenden Therapie begegnen. Obwohl es dafür noch keine in Studien belegte Evidenz gibt, sticht doch die Gerinnungsproblematik derart heraus, dass ein gewisser nebenwirkungsarmer Schutz der Patienten angebracht erscheint. Das ist ein vielversprechender Ansatz für diese Komplikation.
Ein weiteres Problem als Langzeitfolge ist Fatigue. Dieses Symptom ist auch bei Krebserkrankungen und deren Therapie bereits bekannt. Auch wenn ein
schwerer Verlauf, zum Beispiel mit invasiver Beatmung oder Intensivtherapie, die Patienten eher für Langzeitfolgen zu disponieren scheint, ist dies gleichwohl keine Zwangsläufigkeit. Gerade für die Post-COVID-Müdigkeit oder Fatigue spielt es offenbar keine Rolle, ob die Patienten stationär behandelt worden sind. Das Team um Dr. Liam Townsend, Klinischer Forscher am Trinity College Dublin, zeigte an einem Studienkollektiv von 128 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 49,5 Jahren und zu 54 Prozent Frauen, dass zehn Wochen nach den ersten COVID‑Symptomen mehr als die Hälfte, genau 67 von 128 Patienten, über persistierende Fatigue klagte. Dies stand allerdings nicht im Zusammenhang mit der Schwere der Erkrankung, etwa einer stationären oder ambulanten Therapie, Sauerstoffgabe oder Intensivbehandlung.
Auch in der Post-COVID-Ambulanz in Jena liegt das Verhältnis der Geschlechter bei einem Anteil der Frauen von 54 Prozent. Das mittlere Alter ist mit 51 Jahren ähnlich. Die Spanne der Altersverteilung der Patienten lag zwischen 17 und 77 Jahren. 46 Prozent der Patienten hatten die Erkrankung ohne Krankenhausaufenthalt überwunden. Dies zeigt, dass auch bei leichten Verläufen gehäuft Beschwerden auftreten können. In Jena beobachtete man Fatigue zu 60 Prozent, Depressionen zu 40 Prozent und kognitive Störungen zu 20 Prozent, allerdings jeweils in meist leichterer Ausprägung. Vor allem aber ist Fatigue ein prominentes Symptom in den internationalen Studien.
Es darf gehofft werden, dass die wissenschaftliche Forschung bald Ergebnisse liefern kann, um die Langzeitfolgen von COVID-19 zu beeinflussen, möglicherweise zu beherrschen und den Patienten helfen zu können.
Abschließend wünsche ich mir zu einem anderen Problem im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 die gleiche nötige Aufmerksamkeit, Vehemenz und politische Unterstützung, zum Thema „Massenimpfung gegen Corona“ mit zahlreichen unklaren Todesfällen und schweren Erkrankungen und Komplikationen. Vielen Dank.
Vielen Dank, Herr Abgeordneter. Für die FDP-Fraktion liegt mir eine Wortmeldung des Abgeordneten Montag vor.