Dieter Hilser

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Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie mir vor meinen Ausführungen zu dem von den Koalitionsfraktionen eingebrachten Antrag zum Wohnen im Alter einen Hinweis vorab: Ich möchte aus gegebenem Anlass ausdrücklich betonen, dass die folgenden Ausführungen auf wissenschaftlich fundierten Tatsachen und Aussagen anerkannter Fachexperten beruhen.
Noch ein Hinweis speziell für Herrn Schulte von der CDU-Fraktion: Herr Sahnen, ich sehe, Herr Schulte kann nicht im Saal sein, würden Sie es bitte an ihn weitergeben. Sollte er wieder Quellen für meine Ausführungen suchen, so will ich ihm diesmal helfen und empfehle ihm die Lektüre des Zweiten Altersberichtes der Bundesregierung zum Thema Wohnen im Alter - herausgegeben 1998 von Ihrer Parteikollegin Claudia Nolte.
Meine Damen und Herren, während die Opposition noch bemüht ist, Fragen an die Landesregierung zum Thema Wohnen im Alter zu stellen, haben die Koalitionsfraktionen bereits konkrete Handlungsschritte und Handlungsnotwendigkeiten zur Verbesserung der Wohnsituation im Alter beschlossen und heute vorgelegt.
Wir wollen beschreiben und vorgeben, wie die künftige Wohnbauförderung in unserem Land aussehen soll, damit Wohnen im Alter lebenswert bleibt. Die CDU hat diesem Thema bisher nichts anderes entgegengestellt als eine Große Anfrage.
Werte Kolleginnen und Kollegen, es ist eine allseits bekannte Tatsache, dass sich die Altersstruktur der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland kontinuierlich verändert. Bis zum Jahre 2030 wird die Zahl älterer Menschen von heute knapp 16,9 Millionen auf ca. 26,4 Millionen anwachsen. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung wird von rund 20 auf 26 % zunehmen. Die Zahl allein stehender Älterer wird sich in diesem Zeitraum von rund 7,8 Millionen auf voraussichtlich 13,2 Millionen Menschen erhöhen. Dies geht mit einer weiteren Ausdifferenzierung von Lebensbedingungen, Lebensformen und Wohnkonzepten einher. Daher brauchen wir neben den bestehenden auch neue Modelle zur Sicherung angemessener Wohn- und Lebensbedingungen im Alter.
Weiter verändern sich auch Familienstrukturen und soziale Netzwerke, also wandelt sich das Beziehungsgeflecht zwischen den Menschen. Es ist bereits heute absehbar, dass das Hilfepotenzial innerhalb der Familien in den nächsten Jahren ebenfalls abnehmen wird. Somit wird die Einbindung in erweiterte Netzwerke und Beziehungsfelder - z. B. des Freundes- und Bekanntenkreises oder der Nachbarschaft - immer wichtiger werden.
Die Familie bleibt allerdings dennoch künftig das Fundament für ein humanes Zusammenleben der Generationen. Wir wissen, dass die überwiegende Zahl älterer Menschen nicht isoliert, sondern in räumlicher Nähe zu ihrer Familie, zu ihren Kindern und Enkelkindern wohnen möchte. Dies gilt um
gekehrt auch für die jüngere Generation. Festzustellen ist daher eine Tendenz des Zusammenlebens der Generationen in räumlicher Nähe, ohne die Eigenständigkeit zu verlieren. Das Wohnen unter einem Dach oder um die Ecke erleichtert wechselseitige Hilfeleistungen und stärkt das selbst bestimmte Wohnen älterer Menschen bis ins hohe Alter.
Wir stehen vor der Frage, welche baulichen und sozialen Konzepte den Bedürfnissen der Menschen heute und in Zukunft entsprechen. Denn anders als übliche Gebrauchsgüter haben Wohnungen eine lange Lebensdauer, nicht selten 100 Jahre und mehr. Stadtplanungen prägen Wohnquartiere auf Jahrzehnte.
Uns ist bewusst, dass Wohnen im Alter nicht allein eine Frage ist, die ältere Menschen betrifft. Nicht selten wird bereits in jungen Jahren zu Beginn des Erwerbslebens - etwa durch den Bau eines Hauses - darüber entschieden, wie man selbst im Alter wohnen wird.
Verehrte Damen und Herren, für ein menschenwürdiges, zufriedenes und selbstständiges Leben im Alter sind die Wohnung und das Wohnumfeld von zentraler Bedeutung.
Denn Wohnen hat etwas mit Schutz, Geborgenheit, Ruhe und Gewohnheit zu tun. Insbesondere für ältere Menschen steht das Wohnen im Mittelpunkt ihrer alltäglichen Lebenserfahrung. Ältere Menschen verbringen im Gegensatz zu anderen Generationen die weitaus größte Tageszeit in ihrer Wohnung oder im engeren Wohnumfeld. Es ist der Wunsch der überwiegenden Zahl älterer Menschen, möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können.
Ältere Menschen fühlen sich üblicherweise mit dem gewohnten Zuhause eng verbunden. Für sie ist das Wohnquartier eine nicht selten über Jahrzehnte gewachsene Heimat geworden. Wenn die bisherige Wohnung jedoch den besonderen Bedürfnissen des Alters nicht gerecht wird, müssen die Wohnbedingungen durch gezielte Anpassungsprozesse verbessert werden. Darüber hinaus ist der Neubau altengerechter Wohnungen zwingend notwendig.
Beim Bau und Umbau von Wohnungen ist nicht nur der augenblicklich vorhandene Bedarf von Bedeutung, sondern auch die sich abzeichnende demographische Entwicklung - also das Älterwer
den der Gesellschaft - zu berücksichtigen. Wohnungen müssen an diese Veränderungen des Lebenszyklus angepasst werden. Das verlangt vorausschauendes Planen und das Offenhalten von Optionen für den Um- und Ausbau bestehender Wohnungen.
Dies gilt auch für barrierefreies Bauen und Wohnen in einem Bereich, in dem die Landesregierung erhebliche Vorleistungen erbracht hat. Barrierefreiheit erleichtert nicht nur älteren Menschen die Erledigung der täglich anfallenden Besorgungen, sondern hilft auch anderen Personengruppen wie jungen Familien mit Kindern oder Behinderten.
Weitere wichtige Voraussetzungen für Wohnqualität, aber auch für Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe im Alter sind darüber hinaus vielfältige und in ihren unterschiedlichen Funktionen gemischte Wohnquartiere. Hierzu gehören private und öffentliche Dienstleistungsangebote im Wohnviertel, medizinische Betreuung, Pflegedienste, aber auch Grünflächen und Erholungsmöglichkeiten sowie Freizeit- und Kultureinrichtungen.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie auch das an Herrn Schulte weitergeben: Hier endet erst einmal die durchaus hilfreiche Recherche im zweiten Altenbericht der Bundesregierung.
Wir als SPD-Fraktion haben uns seit Jahren mit den Fakten dieser demographischen Entwicklung befasst und auseinander gesetzt. Dies hat u. a. dazu geführt, dass wir die Einsetzung einer Enquetekommission zur Zukunft der Städte in Nordrhein-Westfalen beantragt haben. Auch wurde dies in unserer Großen Anfrage 18 zur Zukunft des Wohnens und der Wohnquartiere in Nordrhein-Westfalen berücksichtigt.
Mit dem von den Koalitionsfraktionen vorgelegten Antrag beabsichtigen wir nunmehr, im Rahmen der sozialen Wohnungsbauförderung in Nordrhein-Westfalen dieser demographischen Entwicklung der Gesellschaft Rechnung zu tragen und zielgerichtet altengerechte Wohnungen zu errichten oder herzurichten. Damit wollen wir der Zielgruppe der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich üblicherweise am Wohnungsmarkt nicht selbstständig angemessen versorgen kann, ein bedarfsgerechtes Angebot zur Verfügung stellen. Mit dieser Initiative geben wir realistische Antworten und schlagen Lösungen für die heutigen und sich für die Zukunft abzeichnenden Bedürfnisse vor.
Die CDU-Fraktion stattdessen verstrickt sich in der Erarbeitung und Vorstellung einzelner Anfra
gen bzw. einer Großen Anfrage zum bereits mehrfach behandelten Thema.
Zum Abschluss gestatte ich mir auch noch folgenden Hinweis: Erst das Landeswohnungsbauvermögen gibt uns die Möglichkeit, mit finanziellen Ressourcen den Umbau des Förderungssystems vorzunehmen. Wäre es nach der CDU-Fraktion gegangen, wäre das Landeswohnungsbauvermögen in der Vergangenheit bereits für zweckentfremdete Angelegenheiten verscherbelt worden,
zum Beispiel für den Aufbau eines Kapitalstocks für die Beamtenversorgung, eine völlig willkürliche zweckfremde Verwendung des Wohnungsbauvermögens, das uns dann für diesen wichtigen Ansatz in der Wohnungsbauförderung nicht mehr zur Verfügung stehen würde.
Die SPD-Landtagsfraktion sieht für diese Initiative eine breite Zustimmung künftiger Bewohner, ihrer Familien und künftiger Investoren. - Herzlichen Dank.