Inge Howe

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Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die EnqueteKommission ist durch zwei Gutachten zum Thema "Hormonersatztherapie in den Wechseljahren" darauf aufmerksam gemacht worden, dass die derzeitige Praxis der Hormonverschreibung vor, während und nach den Wechseljahren ein erhebliches Gesundheitsrisiko für eine große Zahl von Frauen darstellt.
Aufgrund internationaler Studien zur Hormonersatztherapie sind in den USA und in Großbritannien Besorgnis erregende Zahlen von Krebserkrankungsrisiken bei Frauen nach der Einnahme von Wechseljahrshormonen bekannt geworden. Insbesondere zeigte sich eine teilweise drastische Zunahme von Erkrankungsrisiken für Brustkrebs, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Komplikationen durch Beinvenenthrombosen, Lungenembolien sowie Gallenblasenerkrankungen und Eierstockkrebs.
Die WHI-Studie in den USA wurde deshalb vorzeitig abgebrochen. Sowohl in den USA wie auch in Großbritannien gehen seitdem die Verordnungszahlen für Wechseljahrshormone deutlich zurück.
Die Erkenntnisse aus den Studien sind durchaus auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Allerdings werden in Deutschland nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen. Anders, als es die FDP in ihrem Entschließungsantrag behauptet, hat sich die Verordnungspraxis seitdem nur unwesentlich geändert.
Die klimakterischen Beschwerden werden von vielen Medizinern als ein Mangel gesehen, dem in der Regel durch eine Hormonersatztherapie begegnet wird. Wechseljahrshormone sind in Deutschland die am häufigsten verordneten Arzneimittel für Frauen im Lebensabschnitt zwischen 50 und 59 Jahren.
Die Enquete-Kommission hat diese Ergebnisse für so drastisch erachtet, dass es nicht zu verantworten gewesen wäre, so lange abzuwarten, bis der Bericht im Sommer 2004 vorliegt. Die Hochrechnungsergebnisse und Prognose des Gutachtens von Prof. Greiser implizieren einen sofortigen Handlungsbedarf. Das war Anlass für alle Mitglieder der Kommission, einen Antrag zu formulieren, der diese Problematik aufzeigt und die Landesregierung zu Maßnahmen auffordert, die die derzeitige Praxis der Hormonverschreibung in den Wechseljahren verändert.
Das soll vor allem durch entsprechende Aufklärungs- und Informationskampagnen geschehen. Selbst die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft hat Empfehlungen zur Hormontherapie im Klimakterium veröffentlicht, die eine Verschreibung nur noch bei ausgeprägten Wechseljahrsbeschwerden mit Beeinträchtigung der Lebensqualität für vertretbar halten.
Der Landtag fordert neben der Landesregierung die verantwortlichen Akteure im Gesundheitswesen in Nordrhein-Westfalen auf, Initiativen zur Reduzierung der genannten Gesundheitsrisiken zu ergreifen.
Hierbei geht es nicht darum - das betone ich -, in das Arzt-Patientinnen-Verhältnis einzugreifen, wie es die FDP behauptet.
Vielmehr geht es darum sicherzustellen, dass Frauen über den Inhalt der internationalen Studien umfassend informiert werden. Dass das nicht geschieht, belegt eine neue Internetrecherche der Webseiten gynäkologischer Arztpraxen durch die Universität Bremen, aus der hervorgeht, dass auf
80 % der Seiten die WHI-Studie kritisiert wird und als statistische Spielerei oder als Aufhetzkampagne der Presse deklariert wird. 68 % der Webseiten befürworten Hormontherapien. Keine einzige lehnt diese ab. Nur 9 % informieren ausgewogen.
Das bestätigt, dass die geübte Praxis anders aussieht. Der Entschließungsantrag der FDP ist als reine Klientelpolitik zu bewerten.
Deshalb besteht umgehender Handlungsbedarf. Die Frauen müssen aufgeklärt und damit in die Lage versetzt werden, gemeinsam mit dem Arzt eine informierte Nutzen-Risiken-Abwägung treffen zu können.
Ich freue mich ganz besonders, dass es gelungen ist, aus der Mitte der Enquetekommission heraus einen so wichtigen Antrag so kurzfristig zu beschließen und ins Parlament einzubringen.
Deshalb bitte ich um Zustimmung zu unserem Antrag und Ablehnung des FDP-Antrags. - Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.