Rolf Seel
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Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Es freut mich natürlich ganz besonders, dass wir uns mit FDP und SPD auf einen gemeinsamen Antragstext verständigt haben.
Wie in jedem Jahr steht in unserem Bundesland Nordrhein-Westfalen seit dem Jahreswechsel alles ganz im Zeichen der fünften Jahreszeit. In fast allen Kreisen, Städten und Dörfern unseres Landes wird das karnevalistische Brauchtum mit großem ehrenamtlichem Engagement der Mitglieder der 1.807 Karnevalsvereine und -gesellschaften gepflegt, die in 16 Regionalverbänden zusammengeschlossen und im Bund Deutscher Karneval vereint sind.
Dabei sind rund 1 Million Einzelmitglieder in den in Nordrhein-Westfalen ansässigen Karnevalsgesellschaften und -vereinigungen ehrenamtlich tätig. Es ist mir und uns eine große Freude, mit Blick auf den heute einzubringenden Antrag, dem die Würdigung und Anerkennung des karnevalistischen Brauchtums in NRW zugrunde liegt, die anwesenden Präsidenten der Regionalverbände in NordrheinWestfalen auf der Plenartribüne begrüßen zu können.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die nordrheinwestfälischen Karnevalsgesellschaften, -vereine und -organisationen sind ein fester Bestandteil des ehrenamtlichen bürgerschaftlichen Engagements in unserem Lande. Sie leisten einen wertvollen Beitrag bei der Förderung der Heimat- und Brauchtumspflege und sind in vielfältiger Weise auf karitativem und sozialem Gebiet und in der ganzjährigen Jugendförderung aktiv.
Der Karneval war und ist geprägt von dem jeweiligen gesellschaftlichen Zeitgeist und nicht zuletzt von den Menschen, die ihn erst beleben. Die ersten Wurzeln stammen aus dem 12. Jahrhundert und dokumentieren einen Festkomplex christlicher Prägung. Karneval ist ein bedeutendes Traditionsgut und ein Teil des gemeinsamen europäischen Kulturerbes. Nach wie vor fest im christlichen Jahres
lauf verankert, hat er als Schwellenfest vor der österlichen Fastenzeit eine klare zeitliche Begrenzung.
Eine Herausforderung für die Gegenwart und Zukunft des Karnevals stellt die Integration der Migranten ins Brauch- und Festgeschehen für die Karnevalsvereine in NRW dar.
Es ist ein großes Anliegen, die Stärkung der regionalen Besonderheiten zu betonen. Dazu gehört auch die Beibehaltung des Dialekts und der regionalen Mundart in den Wort- und Redebeiträgen. Karneval lebt aus der Heimat und gewinnt gleichzeitig daraus seine Weltoffenheit. Unverzichtbar ist es, den Karneval auf traditions- und landschaftsgebundener Grundlage zu pflegen, um seine regionalen Ausprägungsformen zu erhalten. Es gilt dabei besonders, eigene Kräfte zu fördern, den Ortsbezug beizubehalten und trotzdem offen zu sein für neue Einflüsse.
Das Traditionsbewusstsein ist ein wesentlicher Motor und Stabilisator des Karnevals. Allerdings erfordert der richtige Umgang mit der Tradition, wie wir sicher alle wissen, viel Fingerspitzengefühl. Die Verantwortlichen in den Karnevalsvereinen und -vereinigungen sind deshalb gefordert, mit Augenmaß Altes und Neues miteinander zu verbinden. Um beide genannten Extreme zu vermeiden, gilt es, das rechte Maß zwischen Tradition und Wandel, zwischen Statik und Dynamik, zwischen Beharrung auf Altem und Offenheit für Neues zu finden. Davon, dass dieser schwierige Spagat den NRW-Karnevalsvereinen bislang gut gelungen ist, haben wir uns, liebe Kolleginnen und Kollegen, jährlich bei den ungezählten Karnevalsveranstaltungen in unserem Bundesland überzeugen können.
Es ist zwingend erforderlich, dass das Kulturgut Karneval generationsübergreifend gepflegt wird, um den Erhalt auch zukünftig zu garantieren und langfristig sicherzustellen. Dazu ist es notwendig, die Kinder und Jugendlichen frühzeitig in das Brauchtumsgeschehen einzubinden und in den Vereinen ganzjährig zu fördern.
Danke schön. Ich sehe, die Grünen haben Sinn für Humor.
Um diese anerkennenswerten Leistungen würdigen zu können, haben wir den Antrag heute vorgelegt. Wir sehen, dass die Arbeit der Karnevalsvereine einen wertvollen Beitrag zur Heimat- und Brauchtumspflege darstellt. Wir würdigen das ehrenamtliche und gesamtgesellschaftliche kulturelle und soziale Engagement.
Wir unterstützen die Forderung der SPD, einen Karnevalskulturatlas zu erstellen. Wir erkennen das integrative Potenzial der Karnevalsvereine an.
Wir bitten die Präsidentin, jährlich Einzelpersonen und Karnevalsvereine wegen herausragender ehrenamtlicher Leistungen besonders zu würdigen und zu ehren, beispielsweise im Rahmen des jährlich stattfindenden Karnevalsempfangs.
Die Regionalverbände des Landes NRW werden gebeten, bis zum 11.11. eines jeden Jahres der Präsidentin ihre Vorschläge für die Ehrungen vorzulegen.
Ich komme zum Schluss, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Das Brauchtum Karneval zieht nachhaltig und unverkennbar seine Spuren durch unser Bundesland.
Wir bitten deshalb die Kolleginnen und Kollegen der Grünen, auch unserem Antrag zuzustimmen. Wir haben zwar Ihren hervorragenden Entschließungsantrag zur Kenntnis genommen, aber ich muss sagen: Für mich ist das kein ernst gemeinter Beitrag.
Ich sehe darin einen schlecht gemachten Beitrag für den neuen Karnevalsatlas, den wir ja gleich beschließen werden. Aber wie Sie wissen: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.