Da aber der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird, bedeutet dies auch mehr Ausbildungsgänge als bisher. Mit Blick auf den heutigen Antrag meiner Fraktion zum Thema Lehrkräftegewinnung möchte ich in diesem Zusammenhang anmerken, dass uns der Ausbau der Erzieherausbildung kaum gelingen wird, wenn wir nicht zeitnah in die Ausbildung von Berufsschullehrkräften investieren. Auch in diesem Bereich gehen nämlich in den nächsten Jahren viele Kollegen in Pension. Dies wird die Ausbildungskapazitäten leider massiv begrenzen. Deshalb ist es notwendig, kurzfristig eine Ausbildungsoffensive für Ausbilderinnen und Ausbilder zu starten. Ab 2023 haben wir ein Problem. Dann stoßen wir an unsere Grenzen und müssen schnell reagieren. Dazu gab es in dem Antrag heute ein Angebot. Wenn wir diese Forderung jetzt also gemeinsam beschließen wollen, sollten wir aber auch Ideen haben, wie wir sie in absehbarer Zeit umsetzen können.
Mir ist auch etwas unklar, was Sie mit den Quereinsteigern meinen. Meine Vorrednerinnen und Vorredner haben es schon erklärt; das muss ich nicht noch einmal tun. Wir haben viele Programme für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger in Brandenburg. Angesichts des schon angesprochenen Mangels wird es aber in den kommenden Jahren notwendig sein, sogenannte fachfremde Berufsgruppen einzustellen. Diese müssen die Möglichkeit erhalten, sich berufsbegleitend zu qualifizieren, um perspektivisch auch mit Erzieherinnen und Erziehern gleichgestellt zu sein. Wir dürfen den Blick nicht nur auf den Erzieherberuf verengen, sondern wir brauchen auch multiprofessionelle Teams an unseren Kitas, zum Beispiel Heilerziehungspfleger, Heilpädagoginnen, Sozial- und Kindheitspädagogen.
Natürlich darf die Anerkennung von beruflichen Abschlüssen bei einer Tätigkeit als pädagogisches Personal nicht beliebig ausgedehnt werden. Hier müssen klare Qualitätsstandards sein. Die Ministerin hat sich dazu im Ausschuss eindeutig geäußert, und ich vertraue ihr dabei. Da gibt es auch keine Trickserei. Ich finde es schon ziemlich komisch, wie Sie sich da ausgedrückt haben. Für mich war das eine wichtige Klarstellung.
Kurzum, bei aller Wertschätzung Ihrer Ziele bleiben für mich doch viele Fragen offen. Wir werden uns enthalten und sind bestrebt, im Rahmen der Selbstbefassung im Ausschuss genau darüber noch einmal zu diskutieren: Abschaffung des Schulgeldes, mögliche Ausbildungsvergütungen, Erhöhung der Kapazitäten, perspektivisch gebrauchte Ausbilderinnen sowie Ausbilder und, worüber wir noch nicht geredet haben, die Qualität der Ausbildung.
Herr Schieske, genauso, wie es auch bei dem anderen Antrag der Fall war, müssen wir auch bei diesem Antrag ganzheitlich denken. Das gibt Ihr Antrag nicht her. Deshalb werden wir ihn ablehnen. - Vielen Dank.
Vielen Dank. - Wir setzen die Aussprache mit dem Beitrag der Abgeordneten Petra Budke für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fort. Bitte sehr.
Liebe Abgeordnete! Liebe letzte Gäste, die wir hier noch haben! Kita ist Bildung - unter diesem Slogan haben sich Eltern, Fachkräfte und Träger in den letzten Jahren erfolgreich für Verbesserungen in unserem Kitasystem starkgemacht, und das ist wichtig. Denn in den ersten Lebensjahren wird der Grundstein für die zukünftige Entwicklung eines Kindes gelegt. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir genau diesen Jahren mehr Aufmerksamkeit in unserem Bildungssystem schenken.
Es wurde bereits mehrfach betont, und wir können es gar nicht oft genug sagen: Wir als Koalition haben uns entscheidende Verbesserungen für die Kitas vorgenommen. Es wird auch zu Recht mehr Geld in die Kitas fließen.
Eine grundlegende Reform des Kita-Gesetzes ist ebenfalls in Arbeit. Dabei soll zum Beispiel auch über Verbesserungen bei der Vor- und Nachbereitung, bei Fortbildungen und bei Leitungsfreistellungen nachgedacht werden, damit die einzelnen Erzieherinnen mehr Zeit für jedes einzelne Kind haben. Dazu tragen auch die Verbesserungen der Betreuungsschlüssel ganz entscheidend bei.
Wir wollen die grundlegende Reform des Kita-Gesetzes auch mit einem großen Beteiligungsprozess, der gerade mit einer sehr erfolgreichen Auftaktveranstaltung gestartet ist. Dabei werden wir auch die Erzieherinnen- und Erzieherausbildung sowie den Einsatz von multiprofessionellen Teams in den Kitas in den Blick nehmen.
Natürlich stellt sich auch die Frage, woher denn die vielen zusätzlich benötigten Erzieherinnen und Erzieher kommen sollen, wenn es diesen entscheidenden Fachkräftemangel schon gibt. Wir haben ihn ja heute auch bezüglich anderer Berufsgruppen angesprochen.
Es wurde jetzt schon mehrfach ein Blick auf die Ausbildung geworfen. Deshalb möchte ich das alles nicht wiederholen. Ja, die Ausbildung ist sehr lang. Denn es gab entscheidende Qualitätsverbesserungen dadurch, dass ein mittlerer Schulabschluss nicht mehr ausreicht, sondern die jungen Leute zuerst noch eine Fachschule besuchen und möglicherweise eine Ausbildung zur Sozialassistentin absolvieren müssen. Das dauert zwei Jahre plus drei Jahre Erzieherfachschule. Das ist eine sehr lange Zeit und, wie ich finde, für die jungen Leute auch sehr schwierig, wenn es in diesen Jahren keine Ausbildungsvergütung gibt.
Diese Ausbildung ist aber auch an vielen staatlichen Schulen und Oberstufenzentren möglich und kostet dort nichts. Es gibt - das wurde auch gesagt - viele Schulen freier Träger, für deren Besuch Schulgeld anfällt. Ich finde, wir sollten darüber nachdenken, dass das Land diese Kosten übernimmt, wie wir es bei den Pflegefachschulen schon erfolgreich umgesetzt haben.
Liebe Abgeordnete von BVB / FREIE WÄHLER, eine Möglichkeit der tätigkeitsbegleitenden Qualifizierung gibt es doch bereits. Es reicht ein Blick ins Internet. Dann würden Sie sehen, dass eine individuelle Bildungsplanung möglich ist. Viele Internetseiten, zum Beispiel des Ministeriums, aber auch der freien Träger, klären darüber auf, wie es laufen kann, dass man - in kürzerer Zeit, zum Beispiel in zwei bis drei Jahren - dual eine Ausbildung absolviert, wenn man schon über eine Ausbildung verfügt. Dann, liebe BVB / FREIE WÄHLER, erhält man auch eine Vergütung.
Weitere Verbesserungen in der frühkindlichen Bildung und eine Reform des Kita-Gesetzes - das ist ein zentrales Anliegen dieser Koalition. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass unsere Kitas gute Bildungsangebote bereitstellen und unsere Kinder die bestmögliche Förderung mit gut qualifiziertem Personal und guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen erhalten. Daran arbeiten wir. - Danke schön.
Herr Vizepräsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Ein Wort zur erfolgreichen Fachkräftesicherung, ein Blick zurück: In diesem Schuljahr befinden sich 5 100 Fachschülerinnen und Fachschüler an unseren Ausbildungsstätten. Vor zehn Jahren waren es 3 100. Das heißt, wir haben tatsächlich 2 000 mehr im System, die diesen wunderbaren Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers erlernen wollen. Weil das so ist, ist es uns in der letzten Wahlperiode auch gelungen, die Personalverbesserung durchzuführen, auf 1:11 in Kitas bzw. auf 1:5 in Krippen.
Nicht zuletzt ist es uns auch gelungen, das erfolgreiche Programm der Kiezkitas umzusetzen. Ich habe dort jedenfalls eine Reihe von qualifizierten Fachkräften gesehen, die zusätzlich durch Mittel des Landes die spannende und wichtige Arbeit auch in den Kitas unterstützen. Es bleibt eine Herausforderung, das ist ganz deutlich. Aber wir haben in Brandenburg großen Zuwachs in diesem Bereich erreicht.
Das Zweite ist die praxisintegrierte Ausbildung. Wir haben über Ihren Antrag in der Tat ein wenig gegrübelt, Herr Zeschmann, weil es diese Ausbildung gibt - das haben meine Vorrednerinnen und Vorredner schon gesagt. Als jemand, der aus Hamburg kommt und in Berlin gearbeitet hat, habe ich manchmal den Eindruck, dass die brandenburgische Bescheidenheit der Grund dafür ist, dass man sich mit diesem bundesweiten Vorreitermodell einfach nicht berühmt macht. Wir sind absolute Vorreiter, wenn es darum geht. Ein Drittel aller Erzieherinnen und Erzieher, die in einer Ausbildung sind, absolvieren sie berufsbegleitend, teilzeitqualifiziert und bekommen ein Gehalt. Gleichzeitig führt man im Bundesgebiet absurde Debatten über Dualisierung. Nehmen Sie das also heute mit. Wir haben etwas, worauf wir richtig stolz sein können und was ein ganz wirksamer Schlüssel dafür ist, genügend Fachkräfte zu gewinnen.
Wir haben auch noch das Programm „Profis für die Praxis“. Wir haben, als wir das Gute-KiTa-Gesetz in Brandenburg umgesetzt
haben, etwas Wichtiges getan, nämlich die Zahl der Ausbildungsstunden für die Träger auf drei erhöht. Den Engpass gibt es schließlich nicht nur bei den Schulen, sondern auch bei den kommunalen und freien Trägern, die selbst die Möglichkeit haben - dadurch, dass sie berufsbegleitend ausbilden -, dafür zu sorgen, dass der Fachkräftemangel, den wir beklagen, reduziert wird. Einen weiteren Engpass gibt es bei der Zeit. Es ist wichtig, ausreichend Zeit für die Ausbildung zu haben. Da haben wir als Bundesland gesagt: Wir nutzen das Gute-KiTa-Gesetz, um an dieser Stellschraube zu drehen.
Bei den OSZ schauen wir auf ein flächendeckendes Angebot. Gerade im letzten Schuljahr haben wir an vier weiteren Oberstufenzentren Fachklassen für die berufsbegleitende Ausbildung eingerichtet, die auch von vielen angenommen werden; manche von ihnen ergreifen ihren Traumberuf erst in einem Alter von 40 Jahren. Insofern gehen wir diesbezüglich den richtigen Weg.
Beim Schulgeld bin ich der Meinung, dass das ein dickes Brett ist. Es ist natürlich nicht richtig, dass diejenigen, die diesen wichtigen Beruf ergreifen, auf dem Arbeitsmarkt derartig diskriminiert werden. Der Grund liegt natürlich darin, dass es keine duale Ausbildung ist, sondern sich als schulische Ausbildung entwickelt hat. Ich bin aber völlig bei Ihnen, dass es nicht richtig ist, dass man zur Ausbildung noch Geld mitbringen muss, weshalb wir dafür eine Lösung finden müssen. Ich weiß nicht, ob wir das als Bundesland allein schaffen oder nicht doch den Bund dafür brauchen.
Man muss aber auch ganz deutlich sagen: Von den Schülerinnen und Schülern, die an den OSZ bzw. an den Staatlichen Fachschulen sind, beziehen 2 200 das Schüler-BAföG und inzwischen fast 400 das BAföG nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz - früher: Meister-BAföG. Das bedeutet, dass wir dort hingesehen haben, damit sie abends nicht so viel kellnern müssen, um es einmal deutlich zu sagen.
Dann noch zum letzten Punkt: Herr Zeschmann, angesichts der Beratung im ABJS, wo ich dazu etwas gesagt habe, fand ich Sie schon ein bisschen verschwörungstheoretisch. Nein, wir tricksen hier überhaupt nicht. Wir sind zuversichtlich, dass wir die 700 Fachkräfte, also voll ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher, bekommen, um die Personalschlüsselverbesserung durchzusetzen. Ich sage Ihnen ganz deutlich: Brandenburg steht bei allen bundesweiten Debatten vorn, wenn es darum geht, die Qualität der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung auf diesem hohen Niveau zu sichern. Wir sind nämlich gegen eine Absenkung.
Die Frage, die wir aber diskutieren müssen - diesbezüglich freue ich mich dann auf die Debatte; das sollten wir tatsächlich nicht im Schnellschuss machen -, ist: Müssen alle, die in einer Kita bestimmte Tätigkeiten verrichten, in der Tat eine fünfjährige Ausbildung durchlaufen haben? - Hierzu zitiere ich unser Kita-Gesetz: Brandenburg hat nicht nur einen Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsauftrag, sondern als Besonderheit auch einen Versorgungsauftrag. Da geht es um gutes Essen, Ernährung und Gesundheit. Insofern möchte ich gern mit der engagierten KitaSzene in Brandenburg diskutieren, ob - um diesen gesetzlichen Auftrag zu erfüllen - wirklich alle eine fünfjährige Ausbildung als Erzieherin bzw. Erzieher benötigen. Ich bin gespannt, wie die Debatte ausgeht.
Ich finde jedenfalls, dass Diätassistenten sehr qualifizierte Fachkräfte sind, um diesen gesetzlichen Auftrag der Kita zu erfüllen.
Aber wir werden Gelegenheit haben, darüber zu diskutieren. Wir tricksen also nicht, sondern machen das schon offensiv. Das sehen Sie zum Beispiel auch daran, dass wir bezüglich der Personalverbesserung, die wir uns für die Krippe vorgenommen haben und die uns sehr am Herzen liegt, bewusst einen Fachkräftevorbehalt in den Koalitionsvertrag geschrieben haben; denn: Wenn wir das in Angriff nehmen, soll es auch klappen. - Herzlichen Dank.
Jetzt richtet der Kollege Dr. Zeschmann noch einmal das Wort an uns, wenn er denn möchte. - Er eilt.
Frau Budke, Sie haben gesagt, es gehe in erster Linie um die Verbesserung des Betreuungsschlüssels. Darüber sind wir uns alle, glaube ich, völlig einig. Das Problem ist nur, dass die Fachkräfte nicht wirklich verfügbar sind. Ehrlich gesagt, eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels zum August 2020, ohne dass die entsprechenden Fachkräfte verfügbar sind, ist für uns ein zahnloser Tiger und vielleicht sogar heiße Luft.
Genau das war die Ursache unseres Antrags, dass wir gesagt haben: Wir wollen hier Verbesserungen, wir wollen hier Wege aufzeigen und gern auch im Ausschuss mit Ihnen darüber diskutieren, wie man das am besten tun kann.
Deswegen ist es auch ein Missverständnis - als ein solches nehme ich es wahr -, dass offensichtlich der eine oder andere unseren 2. Neudruck nicht gelesen hat. Anlass war - das gebe ich zu - ursprünglich diese Änderung der Kita-Personalverordnung, die bei uns so verstanden wurde, wie ich sie in meinem Redebeitrag konkret zitiert habe. Damals sind bei uns natürlich die Alarmleuchten angegangen, weil wir nach wie vor der Überzeugung sind - ich glaube, da sind wir uns hier im Hause im Wesentlichen auch einig -, dass die Qualität der Kita-Betreuung und auch der Bildung - und Frau Budke hat es gesagt, es ist auch ein Bildungsauftrag dabei - nicht leiden soll. Dieser Eindruck ist damals entstanden. Wir haben es so verstanden und es auch entsprechend zitiert, dass die Ministerin das im Ausschuss nicht mehr so gesehen hat und es hoffentlich nicht so in die Kita-Personalverordnung hineinkommt.
Aber genau deswegen entlässt es uns eben nicht aus der Verantwortung, zu überlegen: Wie können wir das Problem lösen, dass wir keine Erzieherinnen und Erzieher am Markt haben? Wie können wir eine Qualifizierung anbieten? - Ja, es gibt schon eine Qualifizierung, das ist richtig, aber es gibt sie in der Regel nicht kostenfrei.
Hier wurde auch vorgetragen, dass es die eine oder andere berufsbegleitende Erzieherausbildung für Quereinsteiger gebe, bei der dann die Kitas die Auszubildenden finanzieren müssten. Ich bin skeptisch, ob die Kitas bzw. Träger, die das übernehmen - das sind oftmals Private und nicht nur die Gemeinden -, das dann auch so durchführen.
Ich hoffe, dass wir gemeinsam daran arbeiten können, die kostenfreie Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern in diesem Land möglichst bald zu ermöglichen, und zwar sowohl in der Vollzeitausbildung als auch berufsbegleitend.
Unser Antrag war in diesem Sinne einfach nur dahin gehend gemeint, dass wir gesagt haben: Wir wollen hier einen Vorschlag unterbreiten, wie wir das machen können. Der Anlass war - das habe ich erläutert - der andere Punkt. Deswegen würde ich mir wünschen, dass wir hier gemeinsam vorankommen und diesen Antrag als Auftakt beschließen, damit wir dann gerne im Rahmen der Vorbereitung zur geplanten Verbesserung des Betreuungsschlüssels zum August 2020 nach weiteren Lösungen suchen und diese gemeinsam umsetzen.