Bioökonomie steckt auch in dieser Schale, die ich Ihnen nun zeige. Sie besteht zu 100 % aus Raps, Stroh, Hanf und Birke. Oder nehmen wir diese Bauplatte: 100 % Heu, Seggen und Schilf. Beide Produkte werden ohne synthetische Zusatzstoffe von BIO-LUTIONS in Schwedt hergestellt und sind zu 100 % kompostierbar.
Woher kommen die Rohstoffe für solche Produkte? Zum Beispiel aus dem nahegelegenen Nationalpark Unteres Odertal. Es handelt sich um Biomasse aus der Landschaftspflege. Mahdgut von nassen Wiesen, das man wegen seines geringen Nährwerts nicht an Tiere verfüttern kann, bekommt hier eine ganz neue Bedeutung und trägt zur Wertschöpfung von Moorflächen bei.
Damit haben wir auch den Kreis zu unserem Moorschutzprogramm geschlossen. Hierbei geht es ja nicht nur darum, die CO2Emissionen von Moorflächen durch hohe Stauhaltung zu minimieren, sondern auch darum, die angepasste Bewirtschaftung der Flächen und die Verwertung der Biomasse gesellschaftsfähig zu machen und vor allem Einkommen aus den Flächen zu generieren, die für eine herkömmliche landwirtschaftliche Nutzung unter Klimaschutzaspekten nicht geeignet sind.
Aber das steht nicht allein. In Greifswald entstehen zum Beispiel Tiny Houses aus Bauplatten auf Basis von Rohrkolben aus nassen Paludikulturen - Bioökonomie eben.
Es gibt also bereits einige Beispiele dafür, dass auch in unserem Land Rohstoffe aus der Landnutzung für nachhaltige Produkte eingesetzt werden. Ich denke da zum Beispiel an Dämmmaterial aus Hanffasern oder Häuser aus Strohballen. Herr Kollege Funke hat ausführlich dazu ausgeführt, und auch Kollege Senftleben hat dies schon erwähnt.
Nun kommt es darauf an, solche Ansatzpunkte auszubauen, den Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis zu intensivieren, die Vernetzung zu stärken und den Aufbau von biobasierten, nachhaltigen Wertschöpfungsketten zu unterstützen.
Der Ausschuss für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz hatte am 8. September ein Fachgespräch dazu durchgeführt und festgestellt, dass neben den guten Ansätzen in der Praxis auch eine Bioökonomiestrategie für unser Land gebraucht wird. Sie soll partizipativ erarbeitet werden, um Investition und Nachfrage zu mobilisieren.
Mit unserem Antrag wollen wir die Landesregierung heute beauftragen, diese Bioökonomiestrategie zu erarbeiten. Ich sehe bei diesem Thema viel Einigkeit im Saal und möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei der Fraktion DIE LINKE bedanken, die in dieser Legislaturperiode als erste einen Antrag dazu eingebracht hat. Ich bedaure, dass wir am Ende keinen gemeinsamen Antrag einreichen. Aber, liebe Linke, die Arbeit war nicht umsonst. Wir haben ganz viel übernommen und aufgegriffen. Vielen Dank dafür!
Ich danke auch dem Umweltminister Axel Vogel und der Wissenschaftsministerin Manja Schüle. Beide haben kürzlich mit einer Pressereise das Thema in die Öffentlichkeit gerückt, beide teilen sich heute die Redezeit. Das stimmt mich sehr optimistisch, dass unser heutiger Antrag mit viel Tatkraft umgesetzt wird. Denn genau das wollen wir erreichen: einen ressortübergreifenden Diskurs zur Nutzung der Brandenburger Potenziale für die Erzeugung biobasierter und nachhaltig erzeugter Produkte.
Wäre es nicht fantastisch, wenn es in Zukunft auch Apfellederjacken aus Brandenburg gäbe? Nun gut, dafür müssen wir auch etwas für unsere Obstbauern tun; darauf kommen wir noch an anderer Stelle zu sprechen. Aber sehen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, alles hängt mit allem zusammen, und die Bioökonomie liegt wie ein Netz darüber. Lassen Sie uns dieses Netz verdichten und verstärken! Denn damit leisten wir nicht nur einen Beitrag zur Wertschöpfung aus Biomasse in unserem Land, Bioökonomie ist eben auch ein wichtiger Baustein zur Bewältigung der Klimakrise und der Biodiversitätskrise.
Vielen Dank. - Wir setzen die Aussprache mit dem Beitrag der Kollegin Wernicke fort. Sie spricht für die BVB / FREIE WÄHLER Fraktion. Bitte schön.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Koalition träumt von einer Bioökonomiestrategie für Brandenburg in einer klimaneutralen Zukunft. Sie fordert neben einer verbesserten Forschung auf diesem Gebiet unter anderem auch einen Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Praxis. Was, bitte schön, ist daran neu?
Die moderne Landwirtschaft hat schon immer eng mit der Wissenschaft zusammengearbeitet, und jeder Landwirt weiß, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis ist, auch wenn Brandenburg über keine eigene landwirtschaftliche Universität oder Hochschule verfügt. Zu meinen Studienzeiten nannte man das Agrarwissenschaften und Agrarökonomie.
Wer einen Bezug zur Landwirtschaft hat, dem ist jedoch auch bekannt, dass zwischen den Ergebnissen der grünen Wissenschaft, der Umsetzbarkeit in der Praxis und gerade der Ökonomie oft eine große Lücke klafft. Die einbringenden Fraktionen sprechen von nachhaltigem und effizientem Umgang mit Biomasse unter Entwicklung neuartiger Verarbeitungsprozesse und Endprodukte. Dies tut die Landwirtschaft schon heute.
Aber Bioökonomie ist viel mehr. Zur biobasierten Wirtschaft tragen alle Branchen bei. Dazu zählen nicht nur die Branchen, die biologische Ressourcen produzieren, be- und verarbeiten oder
in irgendeiner Form nutzen, wie die Land- und Forstwirtschaft, sondern auch die Energiewirtschaft, die Fischerei, die Aquakultur, die Chemie und Pharmazie, die Nahrungsmittelindustrie, die industrielle Biotechnologie, die Kosmetik-, Papier- und Textil- industrie.
Und was zeichnet diesen Antrag aus? Im Wesentlichen ist er auf die Landwirtschaft ausgerichtet. Richtig müsste es also heißen: Antrag für eine Biostrategie für die Brandenburger Landwirtschaft.
Bei dem vorliegenden Antrag könnte man fast meinen, dass sich Wissenschaft und Landwirtschaft bislang völlig fremd seien. Das stimmt aber nicht. Schon seit Jahrhunderten arbeitet die Landwirtschaft mit der Wissenschaft zusammen, angefangen bei Darwins Vererbungslehre oder bei Liebigs Minimumgesetz. Heute besteht ein enges Verhältnis zwischen Landwirten und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, aber auch Züchtungsunternehmen, der chemischen Industrie und vielen anderen Wirtschaftszweigen.
Jetzt scheint es ganz ausgefallen zu sein. Die Technik bitte einmal. - Wir haben keine Mikrofonanlage.
Sehr gut, dann können wir mit der Sitzung fortfahren. Frau Wernicke bekommt die Sekunden natürlich obendrauf. Bitte schön.
Vielen Dank an die Technik. - Heute besteht ein enges Verhältnis zwischen Landwirten und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, aber auch zu Züchtungsunternehmen, der chemischen Industrie und vielen anderen Wirtschaftszweigen. Gemeinsam wird versucht, eine ressourcenschonende, umweltnahe und boden- und ökosystemfördernde Landwirtschaft aufzubauen. Die Ökonomie ist dabei aber entscheidend für die Landwirtschaftsbetriebe. Die besten Ideen nützen nichts, wenn die Betriebe keinen Gewinn erzielen. Damit dies nicht passiert, ist es unsere Aufgabe, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen - sorgen doch die Landwirte dafür, dass wir ausreichend mit Lebensmitteln versorgt sind! Wie stünden wir ohne Landwirte da?
Wer aufmerksam die Landwirtschaft und Forstwirtschaft in Brandenburg verfolgt, weiß, dass die Bauern und Bäuerinnen momentan noch ganz andere Sorgen haben und lebens- und überlebenswichtige Probleme lösen müssen. Die Düngerpreise steigen, die Afrikanische Schweinepest setzt nicht nur die Schweinehalter unter Druck, sondern auch die Ackerbaubetriebe; die Schlachtkapazitäten reichen bei Weitem nicht aus, wenn die Schweine aus der „weißen Zone“ kommen. Als würde die ASPKrise nicht reichen, werden zudem die Ersatzteile für die landwirtschaftlichen Maschinen immer teurer. Hinzu kommen lange Wartezeiten bis zur nächsten Verfügbarkeit. AdBlue wird langsam knapp, und den Kraftstoff kann sich auch bald wohl kaum noch ein Landwirt leisten. Und dann ist auch noch die Geflügelpest da. Machen Sie sich morgen selbst ein Bild - vor dem Landtag, auf der Bauern-Demo.
Dennoch ist die weitere Forschung zu einer ressourcenschonenden und zukunftsfähigen Landwirtschaft natürlich unterstützenswert. Besonders die Forderung im Antrag nach dem Aufbau von Demonstrationsbetrieben ist vernünftig und bringt vielleicht realistischere Forschungsergebnisse. Allerdings sollte sich die Koalition davon verabschieden, dass alles, was gut für die Zukunft sein soll, immer nur mit ökologischer Landwirtschaft erreicht wird.
An diesem Punkt vermisse ich einen sehr wichtigen Punkt besonders: An erster Stelle sollte doch die Sicherstellung der Versorgung der Brandenburgerinnen und Brandenburger mit Lebensmitteln vorwiegend aus Brandenburger landwirtschaftlicher Erzeugung stehen. Trotz der einseitigen Ausrichtung des Antrages werden wir ihm zustimmen. - Vielen Dank.
Vielen Dank. - Dann haben wir das mit einer kleinen Unterbrechung doch noch hinbekommen. Als Nächste sprechen, wenn es noch aktuell ist, Herr Minister Vogel und Frau Ministerin Dr. Schüle zu uns - nacheinander, oder?
Danke, Herr Präsident, wir hatten nicht vor, im Duett zu sprechen. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Bioökonomie ist nichts grundsätzlich Neues - das ist ja nun deutlich geworden -, aber es wäre zu einfach, Holz nur mit thermischer Verwertung und eventuell noch Elektrizitätsgewinnung zu verbinden; Bioökonomie geht weit darüber hinaus. Wir können aus Holz beispielsweise Papier produzieren, nachdem wir vorher Zellstoff daraus hergestellt haben. Wir können das Papier anschließend verbrennen, aber auch recyceln. Und wir können auch noch einen weiteren Schritt dazwischenschieben, wenn das verarbeitete Holz nämlich beispielsweise als Dämmmaterial verwendet wird, bevor es thermisch und zur Stromproduktion verwertet wird.
Viele Beispiele sind genannt worden, und vieles ist auch schon etabliert, aber Bioökonomie kann eben viel, viel mehr. Wenn Sie beispielsweise heute gelesen haben, dass die Eisenbahnbrücke in Küstrin-Kietz durch eine moderne Carbonbrücke ersetzt wird, wird es Sie vielleicht überraschen, dass man auch diese Carbonfasern aus biologischen Ausgangsstoffen - und zwar aus Holz, aus Zellulose - produzieren kann. Daher sind wir hier in Brandenburg gut beraten, das zu unterstützen. Wir sind sogar so weit, dass wir hier in Brandenburg die entsprechenden Forschungskapazitäten haben und das hier produzieren können. Dazu wird meine Kollegin, die Wissenschaftsministerin, gleich näher ausführen. Es geht darum, das Zusammenspiel von Forschung und Praxistransfer zu organisieren, und dazu gehört auch, dass die benötigten Rohstoffe in der erforderlichen Menge und Qualität zur Verfügung gestellt werden.
Selbstverständlich, Frau Wernicke, geht es jetzt nicht darum, alles, was auf den Feldern wächst, in nachwachsende Rohstoffe umzuwandeln. Wir brauchen eine Gesamtbetrachtung, und dazu gehört die Ernährungssicherung der Bevölkerung; das ist kein Widerspruch.
Wir stehen vor einer Riesenaufgabe: Wir wollen nämlich die bisher vorrangig fossilbasierte Wirtschaft in eine vorrangig auf biologischen Rohstoffen basierende Wirtschaft umbauen - und da haben wir viel vor uns.
Ich danke allen, die sich an der Erarbeitung dieses Antrags beteiligt haben. Wir nehmen diesen Auftrag gern an und werden,
denke ich, zum 1. Quartal 2024 den entsprechenden Bericht vorlegen. Mir ist aber wichtig, dass wir bei einem Punkt nicht gar zu lange warten: nämlich bei dem Konzept zur Etablierung von Umsetzungsstrukturen. Da verspreche ich Ihnen, dem Hause bereits im ersten Halbjahr 2022 einen Vorschlag zu unterbreiten, und hoffe dafür auf Ihre Unterstützung. - Recht herzlichen Dank.