Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Brandenburg ist das einzige Bundesland, in dem keine Berufsschullehrer ausgebildet werden. Aber es ist natürlich nicht so, dass wir das einzige Bundesland wären, das keine Berufsschullehrer braucht. Natürlich brauchen wir Berufsschullehrer - und deshalb haben wir im Koalitionsvertrag festgelegt, dass wir das ändern und in die universitäre Ausbildung von Berufsschullehrern einsteigen wollen. Deshalb freue ich mich auch sehr, dass wir heute über das vorliegende Konzept diskutieren, meine Damen und Herren.
Dieses Konzept ist nicht vom Himmel gefallen, sondern wir haben im Sommer 2020 die Landesregierung beauftragt, ein Konzept zum Einstieg in die Berufsschullehrerausbildung zu erarbeiten. Wir haben gesagt, dass dabei zentrale Punkte wie verschiedene Modelle der Ausbildung, entstehende Kosten, aber auch mögliche Standorte ergebnisoffen geprüft werden sollen. Dieses Konzept liegt nun vor, und wie wir gehört haben, spricht es sich im Ergebnis dafür aus, dass wir mit der Einführung eines 60 Plätze umfassenden Masterstudienganges, der an der Universität Potsdam verortet ist und grundsätzlich einen nicht lehramtsbezogenen Bachelorstudienabschluss voraussetzt, in diese universitäre Ausbildung einsteigen - und das ist ein gutes Zeichen.
Nun kann man sich natürlich fragen - und diese Frage haben wir ja in dieser Debatte auch schon gehört -, ob denn diese Empfehlung der Arbeitsgruppe, die das MWFK eingesetzt hat, tatsächlich der perfekte Weg für Brandenburg ist. Das kann man sich durchaus fragen. Ich glaube, die Antwort auf diese Frage wird am
Ende ein Stück weit auch die Zeit geben - und das auch nur dann, wenn wir tatsächlich in die Ausbildung einsteigen. Für den Moment können wir nur die einzelnen Aspekte gegeneinander abwägen - und genau das macht das Konzept.
Meine Damen und Herren, in einer idealen Situation - wenn man sich jetzt etwas wünschen könnte - hätten wir mit dem Wissensstand von heute schon seit vielen Jahren einen grundständigen Studiengang mit Bachelor und Master. Aber es ist natürlich so, dass wir uns nicht einfach etwas wünschen können, sondern auch ein Stück weit auf die Realität Bezug nehmen müssen - und da scheint der Vorschlag der Expertenkommission ein machbarer Vorschlag zu sein.
Kollegin Dannenberg, wenn Sie sagen „Die Landesregierung hatte 18 Monate Zeit“, liegt mir auf der Zunge, zu sagen: Ja, die letzte Landesregierung - Rot-Rot - hatte 120 Monate Zeit. - Jetzt könnte man den Bogen sogar noch weiter spannen und sagen: Die Landesregierung davor hatte zehn Jahre Zeit, und auch die Landesregierung davor hatte zehn Jahre Zeit.
Es nützt aber nichts, darüber zu diskutieren und zu schwadronieren, wer in der Vergangenheit nichts gemacht hat, sondern wir müssen dafür sorgen, dass wir jetzt die Weichen richtig stellen.
Deshalb glaube ich, dass dieser Vorschlag - dieses Konzept - und das Signal, dass wir tatsächlich etwas machen, ein gutes Signal ist.
Meine Damen und Herren, jetzt gibt es natürlich auch die Diskussion: Warum die Uni Potsdam? Warum wieder Potsdam? - Die Ministerin hat es erklärt. Es gab die Expertenkommission, und in dieser Expertenkommission waren Vertreter der Universitäten - eben auch Vertreter der BTU Cottbus. Die haben in Abwägung der verschiedenen Faktoren einstimmig gesagt: Das ist jetzt nicht so ganz profan. Das pädagogische Handwerkszeug wird immer wichtiger, und da hat die Uni Potsdam einfach mehr Erfahrung, da hat die Universität Potsdam mehr Expertise. Und so schnell können wir das woanders auch gar nicht installieren, wie wir es brauchen.
Und ganz ehrlich, Herr Hohloch, jetzt kann man natürlich sagen, das ist alles dummes Zeug. Aber wenn die Expertenkommission mit den Vertretern der Universitäten das einstimmig so empfiehlt, finde ich, sollte man das auch ernst nehmen und sich nicht einfach darüber hinwegsetzen, meine Damen und Herren.
Deshalb sehe ich die schlussendliche Empfehlung des Konzepts und der Arbeitsgruppe, auch hinsichtlich des Standortes, gar nicht als eine Entscheidung gegen die Uni Cottbus, die ja mit der aufzubauenden Universitätsmedizin ein echtes Schwergewicht bekommen soll, sondern glaube ich, es ist eine Entscheidung für die Uni Potsdam. Das ist durchaus etwas, was man wertschätzen kann; darauf kann man auch stolz sein.
So gesehen ist das Konzept eine gute Grundlage. Aber man muss ehrlich sein: Natürlich haben wir da noch eine Menge zu tun. Das haben wir auch in der Anhörung, im Fachgespräch im
Ausschuss, gehört. Da gibt es noch eine ganze Menge Hausaufgaben: der rechtliche Rahmen, die Frage der Finanzierung, die Frage, wo wir das Personal herbekommen, die nötigen räumlichen Voraussetzungen, aber natürlich auch die Frage, wie wir entsprechende Bewerber dazu motivieren, dieses Studium tatsächlich aufzunehmen.
Das sind alles Anstrengungen, die noch vor uns liegen. Aber wir sind bereit, uns diesen Herausforderungen zu stellen. Deshalb bedanke ich mich erst einmal bei der Landesregierung für das vorliegende Konzept und freue mich über diesen wichtigen ersten Schritt, der eine gute Grundlage für weitere Diskussionen ist, die wir hier mit Sicherheit führen werden. Auch auf diese Diskussionen freue ich mich. - Danke für die Aufmerksamkeit.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Hoffmann, so einfach kann man es sich eben nicht machen: zu sagen, man hätte ja genug Zeit gehabt. - Wir sind im Hier und Jetzt, und wir brauchen jetzt dringend neue Lehrer.
Verzeihung, 31 Jahre hätten genug Zeit sein müssen, um dieses Problem zu erkennen, und es wurde nicht erkannt. Ich möchte auch daran erinnern, was die CDU noch vor der Wahl sagte. Da hat sich die CDU meiner Kenntnis nach auch für die Lehramtsausbildung in Cottbus eingesetzt. - Ist man in der Regierung, ist Cottbus anscheinend kein Thema mehr.
Es macht es nicht besser, wenn Sie eine Expertenkommission zitieren, die übrigens nicht mal vollständig oder überhaupt beim Fachgespräch bei uns im Landtag anwesend war - es war nicht mal jemand von der BTU da, mit dem wir uns hätten unterhalten können. Es macht es auch nicht besser, wenn Sie noch nicht einmal durchkalkuliert haben, wie teuer ein grundständiger Studiengang eigentlich wird, uns aber von vornherein sagen, das sei alles nicht möglich.
Es ist genau wie in der Coronapolitik: Sie haben keine Daten, Sie haben keine Fakten, und Sie entscheiden sozusagen aus dem hohlen Bauch heraus. - Sie machen die Politik hier im Landtag. Wenn eine Expertenkommission etwas empfiehlt, ist das nicht per se immer richtig, sondern es sind auch politische Entscheidungen zu treffen. Und die politische Entscheidung ist ganz klar - neben der Berufsschullehrerausbildung, die ja eine fachliche ist -: Wir haben eine Region, die durch Ihre Politik geschwächt wird, und diese Region muss maßgeblich gefördert werden.
Wir haben einen Speckgürtel und eine Landeshauptstadt Potsdam, die schon zur Genüge eine Lehramtsausbildung hat. Es gibt genug Beispiele dafür, wie man, wenn man den Willen hat - und den sollte man als Landesregierung haben -, auch ein grundständiges Studium an einem anderen Standort, wo bestimmte Fachkenntnisse noch nicht vorhanden sind, aus dem Boden stampfen kann.
In welchem Land leben wir, wenn wir im Jahr 2022 nicht mal mehr in der Lage sind, ein grundständiges Lehramtsstudium aufzubauen, meine Damen und Herren? Das kann doch nicht das sein, was Sie alle wollen. Deswegen: Überlegen Sie es sich noch mal, auch Sie, Herr Hoffmann. Stimmen Sie dem Entschließungsantrag zu und halten Sie das Versprechen, das Sie Ihren Wählern 2019 gegeben haben! - Vielen Dank.
Herr Abgeordneter, eine Kurzintervention dient eher dazu, sich auf das Gesprochene zu beziehen, und nicht dazu, noch mal Werbung für den eigenen Entschließungsantrag zu machen.
Wenn jemand aus unserem Regierungsprogramm zitiert, sollte er es nach Möglichkeit richtig machen; deshalb mache ich das hier gern, Herr Hohloch - Sie können es auch noch mal nachlesen. Wir haben geschrieben:
„Ferner wollen wir in Brandenburg Berufsschullehrer ausbilden. Dafür kommt neben der Universität Potsdam auch die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder oder die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg in Frage.“
Wir haben also schon in unserem Regierungsprogramm angekündigt, dass wir eine ergebnisoffene Diskussion darüber haben wollen, an welchem Standort das unter fachlichen Aspekten am meisten Sinn ergibt. Genau diese Debatte ist jetzt erfolgt.
Wenn Sie noch Gesprächsbedarf mit den Mitgliedern der Kommission haben, steht es Ihnen natürlich frei, sie zu kontaktieren. Ich bin mir relativ sicher, dass sie auch Ihnen gegenüber im persönlichen Gespräch an ihrer einhelligen Abstimmung zugunsten dieses Konzeptes nichts ändern werden. Vielleicht werden sie Ihnen im Eins-zu-eins-Gespräch auch noch mal erklären, warum es aus ihrer Sicht günstiger ist, das an der Universität Potsdam zu machen, und vielleicht verstehen Sie es dann auch. - Danke schön.
Wir kommen jetzt zum Redebeitrag der BVB / FREIE WÄHLER Fraktion. Für sie spricht Frau Abgeordnete Nicklisch.
Sehr geehrte Vizepräsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Die berufliche Bildung ist ein zentraler Faktor für die Zukunft unseres Landes. Wenn wir wollen, dass der nahezu überall spürbare Fachkräftemangel mittelfristig abgefedert wird, müssen wir die berufliche Bildung mehr in den Fokus nehmen - denn es sind die Berufsschülerinnen und -schüler, die nach dem Absolvieren der Berufsschule hohe Qualifikationen nachweisen und so in vielen Bereichen der Gesellschaft helfen können.
Allein der Fakt, dass es Studierenden derzeit nicht möglich ist, im Land Brandenburg einen grundständigen Studiengang für das Lehramt an beruflichen Schulen zu belegen, zeigt, dass die Landesregierung hier einiges versäumt hat. Stattdessen sind wir in unserem Land darauf angewiesen, Absolventinnen und Absolventen aus anderen Bundesländern abzuwerben. Dabei hat sich in den letzten Jahren bereits gezeigt, wie schwer es ist, Absolventinnen und Absolventen aus anderen Bundesländern nach Brandenburg zu holen.
Die Deckung dieses Personalmangels durch Seiten- oder Quereinsteiger kann für uns auf Dauer nicht die Lösung darstellen. Nachdem der Landtag Brandenburg die Landesregierung per Beschluss aufgefordert hatte, bis zum dritten Quartal 2021 ein Konzept zur Errichtung einer universitär-qualitätsgesicherten Ausbildung zur Lehrkraft für berufliche Schulen vorzulegen, können wir nun über dieses Konzept diskutieren.
Das Konzept der Landesregierung stellt zunächst dar, dass die universitäre Ausbildung natürlich den Standards entsprechen muss, die auf der Kultusministerkonferenz beschlossen worden sind. Nur so kann der Abschluss der Studierenden deutschlandweit anerkannt werden. Doch welchen Abschluss sollen die Studierenden anstreben? Grundsätzlich ist hier ein gestuftes Bachelor-Master-Studium oder das Staatsexamen denkbar.
Im Konzept werden mögliche Modelle für berufsschullehramtsbezogene Masterstudiengänge an der Uni Potsdam und der BTU Cottbus-Senftenberg diskutiert.
Die BTU verfügt derzeit kaum über pädagogische Anteile in den Bachelorstudiengängen, die für das Fächerspektrum des beruflichen Lehramts relevant sind, wie jetzt schon des Öfteren dargestellt wurde. Da die Masterstudiengänge jedoch auf einem Bachelorstudiengang aufbauen müssen, scheint die Universität Potsdam zunächst besser geeignet zu sein, eine zeitnahe Studienmöglichkeit zu schaffen. So könnten laut dem Konzept an der Universität Potsdam jährlich 60 Studienanfängerplätze im Master geschaffen werden, wie auch schon gesagt wurde. Hier kann auf vorhandene Kompetenzen zurückgegriffen werden.
Aus unserer Sicht erscheint es daher sinnvoll, die universitäre Ausbildung zur Lehrkraft für berufliche Schulen an der Universität Potsdam zu forcieren. Damit einhergehend muss jedoch der Appell erfolgen, künftig stärker darauf zu achten, zusätzliche Studienangebote nicht allein in Potsdam zu konzentrieren. Ich möchte die Debatte über die versprochene Ansiedlung von Ministerien und Landesämtern in der Lausitz an der Stelle nicht erneut aufmachen. Wir sollten uns jedoch unsere Verantwortung für die Region mit dem begonnenen Strukturwandelprozess bei künftigen Entscheidungen dieser Art stärker bewusst machen.
Was die Universität Potsdam betrifft, so bedarf es hier vor allem der Zusicherung einer finanziellen Unterstützung seitens des Landtages, um räumlichen und personellen Engpässen zu begegnen.
Dass der universitären Ausbildung zur Lehrkraft an beruflichen Schulen Priorität zukommen muss, zeigt die aktuelle Lehrermodellrechnung 2020 des MBJS. Darin wird, wie schon gesagt, ein jährlicher Lehrkräftebedarf an beruflichen Schulen, von 120 bis 130 Personen ab dem Schuljahr 2023/24 ausgemacht. Auch in zehn Jahren wird er noch, wie Frau Dannenberg sagte, bei über 100 Personen pro Jahr liegen. Deshalb müssen wir bei diesem
Ich würde sagen: Fangen wir - nicht nur die Koalition, sondern auch die Opposition - an, diese Sache wirklich gut zu organisieren. Wenn wir das gut hinbekommen, werden sich auch die Bürger bzw. die, die den Beruf erlernen wollen, freuen, dass endlich mal ein Parlament gesagt hat: Okay, wir schaffen das zusammen.
Ja, in Ordnung. - Ich will nur noch sagen: Ihr Entschließungsantrag auf Drucksache 7/4922 ist überlegenswert, Herr Hohloch. Man sollte nicht alles schlechtreden. Deswegen werden wir uns enthalten. - Danke.
Wir kommen jetzt zum Redebeitrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Für sie spricht Frau Abgeordnete Petra Budke.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! Liebe Bildungsinteressierte! Wenn über Lehrkräftemangel und Seiteneinstieg gesprochen wird, liegt der Fokus meist auf den Grund- und weiterführenden Schulen. Weniger öffentliche Beachtung finden dagegen die Oberstufenzentren. Dabei wird gerade auch für die berufliche Bildung Lehrkräftenachwuchs dringend gebraucht. Er ist aber bundesweit schwer zu finden. Deshalb ist es dringend notwendig, dass wir dieses Problem angehen.
Vor diesem Hintergrund haben wir im Koalitionsvertrag den Einstieg in die universitäre Ausbildung von Berufsschullehrkräften vereinbart. Mit unserem Beschluss vom Juni 2020 haben wir die Landesregierung gebeten, ein Konzept vorzulegen. Das Ergebnis liegt nun vor - herzlichen Dank dafür. Es wurde in den Vorreden auch schon zusammengefasst.
Wegen der Expertise in der Lehrkräfteausbildung und sicher auch wegen des Kostenvergleichs wird der Standort Uni Potsdam präferiert. Dort sollen in einem Masterstudiengang jährlich 60 Berufsschullehrkräfte ausgebildet werden. Dabei würden wir erstmals auf eine entsprechende Änderung des Lehrerbildungsgesetzes von 2018 zurückgreifen. Dies ermöglicht einen lehramtsbezogenen Master, der auf einem nicht lehramtsbezogenen Bachelor aufbaut. Das Ganze würde uns im Endausbau jährlich ca. 2,9 Millionen Euro kosten, plus einmaligen Investitionskosten von 400 000 Euro. Die Alternative in Cottbus wäre mit 4,8 Millionen für 50 Studienplätze teurer. Sie hätte zudem den Nachteil, dass es dort keine grundständige schulpädagogische Hochschulausbildung gibt. Natürlich wissen wir auch den Vorteil der Anbindung an das Zentrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung in Potsdam zu schätzen.