Ihr Antrag greift viele Punkte auf, über die wir auf jeden Fall noch diskutieren müssen und diskutieren werden. Allerdings sind auch einige Punkte enthalten, die ich für verzichtbar halte. Nicht zielführend erscheint mir beispielsweise das Gipfeltreffen auf KMK-Ebene. Ich glaube, die diskutierten Herausforderungen sind der KMK sehr wohl bewusst, sie werden auch bedacht. Ich finde ehrlich gesagt auch den Fokus, den die KMK auf das Thema Lehrkräftegewinnung legt, deutlich wichtiger. Der Auftrag an die Ständige Wissenschaftliche Kommission, hierzu Lösungsvorschläge zu erarbeiten, ist ja bereits erteilt worden.
Ein zweiter Vorschlag von Ihnen ist, eine Arbeitsgruppe auf Landesebene einzurichten. Ich muss ehrlich sagen, davon bin ich auch nicht so richtig überzeugt, denn ich finde, wir haben genug regelmäßige Gesprächsformate. Dafür gibt es ja Gremien: den Landesschulbeirat, den Landeslehrerrat, den Personalrat. Und auch die Lehrergewerkschaften und -verbände finden im MBJS durchaus ein offenes Ohr. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die Vorschläge und Wünsche oder Forderungen dort nicht ankommen. Im Einzelnen kann man sicher darüber reden, ob man die Kommunikation noch verbessern kann.
Alles in allem ist das ein wichtiges Thema, über das wir noch diskutieren müssen - auch im Rahmen der Haushaltsverhandlungen. Auf diese Debatte freue ich mich. Den heutigen Antrag lehnen wir ab. - Danke schön.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Sehr geehrter Herr Hoffmann, fangen wir doch mal damit an, dass Sie bitte irgendwann einmal aufhören, sich ständig zu bedanken. Ich glaube, die Leute haben von dem ganzen Dank nichts. Sie würden sich freuen, wenn Sie endlich ihre Probleme lösten. Vielleicht sollten Sie damit einmal anfangen. Das als Erstes.
Dann schließe ich gleich nahtlos an: Wenn Sie sagen, dass die Probleme und Forderungen nicht neu seien, sind sie anscheinend was? Genau, alt!
Und wenn sie alt sind, ist die Frage: Warum hat man sie noch nicht gelöst? Und warum gibt es keine Vorschläge der Koalition? Die Frage stelle ich mir dann wirklich. Wenn man mir sagt, man würde hier einen bunten Blumenstrauß vorlegen, dann würde ich mich freuen, wenn Sie wenigstens mal eine Blume in der Hand hätten.
Und zum Lehrermangel, den wir hier haben: Wenn wir über Lehrermangel reden, zitiere ich jetzt sinngemäß - also nicht wortwörtlich - Ihre Ministerin: Der Lehrermangel ist kein deutschlandweites Problem. - Das hat sie einmal im Bildungsausschuss gesagt. In Bayern gibt es anscheinend keinen Lehrermangel, wie sie damals sagte. Der ist anscheinend gerade in den ostdeutschen Ländern so stark, und der ist vor allem hier in Brandenburg ein hausgemachtes Problem.
Das ist die SPD, die dieses Bildungsministerium seit Jahrzehnten geführt hat, die dafür gesorgt hat, dass nicht genug Lehrer ausgebildet wurden, dass danach, als der Bedarf erkannt wurde, immer noch nicht genug Lehrer ausgebildet wurden, weshalb wir jetzt in dieser Situation sind und Sie, Herr Hoffmann, in der Koalition keine Lösungsvorschläge vorlegen, wie wir diesen Lehrermangel beheben.
Die Vorschläge, die wir hier unterbreiten, sind genau die richtigen, um diesen Lehrermangel zu beheben. Es geht nicht darum - Herr Hoffmann, da sollten Sie vielleicht zuhören -, die Deputatsstunden zu senken - das ist genau das Falsche. Dieses Vorgehen bringt den Lehrern nichts und bringt dem Bildungsministerium nichts, weil es dazu führt, dass wir mehr Lehrer einstellen müssen, aber es die Lehrer nicht entlastet. Es entlastet die Lehrer, wenn wir sie von Bürokratie entlasten. Es entlastet sie gezielt, wenn wir die gesamten Organisationsprozesse auf andere Fachkräfte auslagern.
Im Fachgespräch kam das eindeutig rüber: Man möchte Schulverwaltungsfachkräfte. Man möchte, dass bestimmte Prozesse entschlackt werden. Man möchte Schulpsychologen haben. So wäre es möglich, auf breiter Fläche eine Entlastung zu schaffen. - Vielen Dank.
Herr Abgeordneter Hoffmann, möchten Sie erwidern? - Nein, Herr Abgeordneter Hoffmann möchte nicht erwidern. Dann fahren wir in der Rednerreihenfolge fort, und für die Fraktion BVB / FREIE WÄHLER spricht Frau Abgeordnete Nicklisch.
Sehr geehrte Vizepräsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Die Überschrift der Drucksache, nämlich „Lehrer und Schulleitungen gezielt entlasten - Lehrergesundheit und Bildungsqualität langfristig sichern“, formuliert generell ein lohnenswertes Ziel. Ich denke, da sind wir uns alle einig.
Einige konkrete Punkte des Antrags kann unsere Fraktion durchaus nachvollziehen. Zum Beispiel ist die Anpassung des Tätigkeitsprofils der Schulverwaltungskräfte ein überlegenswerter Ansatz, denn Lehrkräfte und Schulleitungen sollen dringend von bürokratisch-administrativen Aufgaben entbunden oder zumindest entlastet werden. Nur so können die Lehrkräfte ihren Fokus verstärkt auf die Arbeit mit den Kindern, den Unterricht und die Elternarbeit richten. Zusätzlich möchten wir als BVB / FREIE WÄHLER noch einmal an unsere Forderungen nach dem Erhalt und der Erhöhung der Zahl der Schulgesundheitsfachkräfte erinnern.
Diese tragen auch zur Entlastung der Schulverwaltungskräfte und Lehrer sowie zur Bereicherung der Schullandschaft bei. Ganz am Rande: Es wäre bestimmt einmal interessant, mithilfe einer Studie die Anzahl der Kühlakkus zu eruieren, die eine Schulverwaltungskraft in ihrem Berufsleben so austeilt, und gegenüberzustellen, was sie in dieser Zeit anderes hätte schaffen können.
Kommen wir zum Antrag zurück: Dort wird des Weiteren die Erhöhung der Anzahl an Schulpsychologen gefordert. Diese Forderung sollten wir im Blick behalten und in Kombination mit der Erweiterung der Stellen von Schulsozialarbeitern und Schulbegleitern an ihre Umsetzung gehen.
Andere Forderungen des Antragstellers können wir wiederum nicht mittragen, da wir die Zuständigkeit nicht beim Land sehen, oder aber, weil sie unserer Auffassung nach überflüssig sind.
Zu Punkt 1: Auf Landesebene haben wir den ABJS, der Raum für Diskussionen über bildungspolitische Themen gibt und Fachgespräche mit Experten aus den Schulen und dem Bildungsbereich ermöglicht.
„Ich bin Fachkonferenzleiterin für Englisch aus Leidenschaft, weil ich mich dort kreativ einbringen und die Ideen zum Wohle der Schüler umsetzen kann. Ich brauche dafür keinen finanziellen Anreiz.“
Auch Punkt 10 des Antrags hat wenig mit dem realen Schulalltag zu tun. Natürlich sollten auch Teilzeitkräfte an den Lehrerkonferenzen und anderen außerunterrichtlichen Diensttätigkeiten teilnehmen. Unabhängig von der Anzahl ihrer Unterrichtsstunden müssen sie genauso über organisatorische Belange informiert sein, und sie profitieren selbstverständlich genauso von Fortbildungen.
Die Punkte 12 und 15, die sich mit der Vorbeugung einer Entgrenzung von Arbeits- und Freizeit sowie einer Arbeitszeiterfassungsstudie befassen, halten wir für bedenklich. Jeder Lehrkraft ist im Vorfeld durchaus bewusst, dass Vor- und Nachbereitungszeit zur Unterrichtszeit hinzukommen. Und von meinem Austausch mit Lehrern weiß ich, dass der Aufwand der Vor- und Nachbereitung mit zunehmender Berufserfahrung durchaus sinkt und die Lehrkräfte auch lernen, klare Grenzen zwischen Privat- und Arbeitszeit zu ziehen. Das Lehrerdasein ist nun einmal kein Bürojob, bei dem man von 8 bis 16 Uhr seiner Arbeit nachgeht und danach klar Feierabend hat.
Apropos, ich möchte noch sagen: Sich zu bedanken reicht hier wirklich nicht aus. Ich höre immer wieder: Wir bedanken uns, wir bedanken uns. - Das hilft unseren Lehrern wirklich nicht weiter.
Es muss endlich geliefert werden. Deshalb: Fangen Sie an zu handeln! - Ich denke, jeder hat überlegt, was er jetzt besser machen kann, und der nächste Antrag, Herr Hohloch, wird bestimmt bestätigt. Da bin ich guter Hoffnung. - Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Wir fahren mit dem Redebeitrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fort. Für sie spricht Frau Abgeordnete Budke.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! Liebe Zuschauende! Der Beruf der Lehrerin macht Spaß, ist aber auch anstrengend. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, denn ich habe ihn 30 Jahre lang ausgeübt. Und die Herausforderungen für Lehrkräfte wachsen stetig:
Die Zusammensetzung der Schulklassen und Lerngruppen wird diverser. Gemeinsames Lernen wird erfreulicherweise zunehmend zum Standard. Wissen, Lehr- und Lernmethoden unterliegen einem steten Wandel. Insbesondere die Digitalisierung erfordert die Bereitschaft zu Fort- und Weiterbildung.
In den letzten beiden Jahren kamen die besonderen Herausforderungen durch die Pandemie hinzu. Spätestens beim Homeschooling haben sicher alle Eltern verstanden, was es bedeutet, Kindern Unterricht zu erteilen. Und während die Schulen die Folgen der Pandemie bewältigen müssen, erreichen vom schrecklichen Angriffskrieg in der Ukraine traumatisierte Kinder und Jugendliche das deutsche Bildungssystem.
Ich muss sagen: Wertschätzung ist wichtig. Und deshalb sage ich es an dieser Stelle auch noch einmal: Herzlichen Dank
an alle Beschäftigten in unseren Schulen, die diesen Herausforderungen Tag für Tag mit Engagement und Leidenschaft gerecht werden.
Gleichzeitig leidet dieses System aufgrund der Versäumnisse vergangener Jahre bei der Lehrerbildung am Lehrkräftemangel. Und mit Entsetzen mussten wir kürzlich zur Kenntnis nehmen, dass viele Lehramtsstudierende trotz aufgestockter Studienplätze in Potsdam ihr Studium gerade in den dringend benötigten MINT-Fächern nicht beenden.
Der Wettbewerb der Bundesländer um Lehrkräftenachwuchs wird also anhalten, erst recht, wo Berlin jetzt verbeamtet. Auch die Zahl der Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger wird erst mal weiterwachsen - und damit auch die Ungleichheit innerhalb der Kollegien, was die Bezahlung für gleiche Tätigkeiten angeht.
In dieser Gemengelage erreichte uns ein Positionspapier mehrerer Brandenburger Schul- und Lehrkräfteverbände mit zwei Vorschlägen, um der Arbeitsbelastung zu begegnen: mit der Schaffung zusätzlicher Funktionsstellen einerseits und der Ausreichung von Beförderungsämtern andererseits.
Dabei sollen sechzigjährige Lehrkräfte durch eine Regelbeförderung von Besoldungsgruppe A 13 nach A 14 bis zum Pensionsalter im Beruf gehalten werden, wobei dies natürlich eine entsprechende Erhöhung der Altersversorgung zur Folge hätte.
Insbesondere dieser Regelbeförderung stehe ich skeptisch gegenüber, denn sie würde die Ungleichheit innerhalb der Schulkollegien noch einmal deutlich erhöhen, wo jetzt schon Seiteneinsteigerinnen und -einsteiger mit E 10 oder E 11 vergleichbare Tätigkeiten ausüben wie verbeamtete Lehrkräfte - von den Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern oder Horterzieherinnen und -erziehern im Team Schule, die gerade für mehr Entlastungen streiken, gar nicht erst zu sprechen.
Wir haben dieses Positionspapier zum Anlass genommen, in einem Fachgespräch im Bildungsausschuss grundsätzlicher über das Thema „Arbeitsbelastung und Gesundheitssituation von Lehrkräften und Schulleitungen“ zu sprechen. Und ich muss sagen, ich habe festgestellt, dass neben den genannten Forderungen auch andere Vorstellungen von Schule thematisiert wurden.
Wenn es darum geht, Lehrkräfte nachhaltig zu entlasten, müssen wir auch über eine andere Rhythmisierung des Unterrichts und mehr individuelles Lernen reden.
Wir müssen über die Einbindung multiprofessioneller Kräfte in das Team Schule reden. Hier sind wir uns über alle Fraktionen hinweg und mit der Bildungsverwaltung einig. Wir brauchen mehr Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter, dauerhaft und nicht nur im Rahmen des Aufholprogramms. Wir müssen weg von dem Schlüssel 1 zu 10 000 bei den Schulpsychologinnen und -psychologen.