Protokoll der Sitzung vom 18.05.2022

- Sie können gern eine Kurzintervention bringen.

Kommen wir doch einmal dazu, was für diejenigen, die Grundsicherung bzw. Hartz IV beziehen, die Realität ist: 150 Euro im Monat sind für Lebensmittel einschließlich Trinken vorgesehen, also 5 Euro pro Tag! Herr Kollege Lüttmann, Herr Bretz, Herr Vida, wenn wir hinuntergehen und einen Kaffee trinken, ist das Geld weg. Und damit sollen diese Menschen einen ganzen Tag auskommen, sollen davon leben? Das funktioniert nicht, meine Damen und Herren. Deshalb brauchen wir hier sehr dringend eine deutliche Erhöhung.

(Beifall DIE LINKE)

Wenn wir hier über die Tafeln reden - Herr Lüttmann, Sie wissen ja, worüber wir dabei reden -, reden wir nicht über einen Teil des sozialstaatlichen Systems; da haben Sie recht, Frau Nonnemacher. Wir reden über das unterste Netz, das die Menschen in diesem Land überhaupt noch haben. Deswegen ist es wichtig, dass wir hier eine deutlich bessere Unterstützung hinbekommen.

(Beifall DIE LINKE)

Herr Kollege Lüttmann, eines müssen Sie mir bitte erklären - ganz ehrlich -: Sie sagen, der Antrag der Fraktion DIE LINKE sei nicht konkret genug für Regierungshandeln. Ich suche gern die Anträge der Regierungsfraktionen heraus und schaue mir sehr genau an, inwiefern sie für das Regierungshandeln geeignet sind.

(Beifall DIE LINKE)

Die Linksfraktion fordert Sie hier auf, eine garantierte Grundförderung einzuführen. Sie können sagen, dass Sie eine andere Meinung dazu haben. Sie können auch sagen, dass Sie weiterhin im Wesentlichen alles aus Lottomitteln finanzieren wollen. Wir sagen: Wir möchten heraus aus der Projektfinanzierung und hin zu einer Regelfinanzierung. Ich finde, das ist ein sehr konkreter Punkt, Herr Lüttmann.

(Beifall DIE LINKE)

Sie erwarten vermutlich nicht, dass ich auch noch die Verordnung vorlege, sondern das ist eine konkrete Forderung.

Wir haben immer wieder das Problem mit der Eigenanteilsfinanzierung durch die Trägerinnen und Träger. Diese ist oftmals deshalb ein Problem, weil gerade kleine Trägerinnen und Träger diesen Anteil nicht aufbringen können. Daher fordern wir - wieder sehr konkret -, bei einer Projektförderung eine Härtefallklausel einzuführen, die den Eigenanteil finanziell schlechter aufgestellter Vereine und Träger bis auf 0 % reduziert. Das ist eine sehr konkrete Forderung, Herr Kollege Lüttmann, die man in Regierungshandeln umsetzen kann.

(Beifall DIE LINKE)

Insofern finde ich, dass der Antrag, den wir als Linksfraktion Ihnen vorgelegt haben, sehr konkret ist.

Ich möchte gern auch noch auf Kollegin Schier eingehen. Kollegin Schier, wenn Sie etwas Richtiges sagen, bekommen Sie selbstverständlich - herzlich gern - Beifall auch von der Linksfraktion. Sie haben die richtigen Fragen gestellt, aber unglücklicherweise keine Antworten gegeben; daran hat es gefehlt.

(Beifall DIE LINKE)

Kollegin Schier, nicht die Steuern sind das Problem. Das Problem heißt Kapitalismus.

(Vereinzelt Beifall DIE LINKE - Zuruf von der CDU)

Das haben Sie aber nicht verstanden. Ich erkläre es Ihnen sehr gern, Frau Kollegin Schier.

(Zurufe von der CDU - Zuruf von der AfD: Immer die FDPler sind das Problem des Kapitalismus! - Walter [DIE LINKE]: Er hat doch recht! Hört doch mal zu! Da könnt ihr einiges lernen! Wir zeigen den richtigen Weg - auch für die SPD! )

Nach der ersten Aufregung machen wir jetzt eine ganz kleine Zäsur, bis sich alle beruhigt haben.

(Zurufe)

- Ich glaube, es wird, Herr Abgeordneter Büttner.

(Unruhe)

- Können wir fortfahren, meine Damen und Herren?

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Auf diese Erregung habe ich ja gewartet.

(Zuruf des Abgeordneten Hohloch [AfD])

- Und auf dümmliche Zwischenrufe von Ihnen erst recht, Herr Hohloch.

(Hohloch [AfD]: Das ist schon fast einen Ordnungsruf wert!)

- Wissen Sie, der Kopf ist rund, damit das Denken sich dreht.

(Hohloch [AfD]: Der Kopf ist selten rund! Seltenst!)

Dass es bei Ihnen festgefahren ist, daran kann ich auch nichts ändern.

(Beifall DIE LINKE - Zuruf des Abgeordneten Hohloch [AfD])

Vielleicht darf ich jetzt einfach fortführen? Das wäre ganz nett.

(Zurufe von der AfD: Lieber nicht! - Weiterer Zuruf: Fahren Sie doch fort mit Ihrer demagogischen Rede! - Hohloch [AfD]: Daran ist nur der Kapitalismus schuld!)

- Also, diese Pöbelfraktion ist wirklich kaum zu ertragen, aber gut. Insofern war das mit den Scheiben ganz gut; da hat man Sie nicht so sehr mitbekommen.

Aber ich erkläre es Ihnen gern, Frau Kollegin Schier; ich bin eigentlich noch bei Ihnen. Schauen wir uns nur einmal die Gewinne - bzw. deren Zuwächse - von Mineralölkonzernen des vergangenen Jahres an: ExxonMobile plus 104 % Gewinn, Shell plus 184 % Gewinn, TotalEnergies plus 200 % Gewinn, BP plus 138 % Gewinn.

(Zuruf von der AfD: Die Globalisierung ist das Problem!)

Und wenn morgens der Dieselpreis bei 2,18 Euro liegt, aber abends bei 1,97 Euro, ist das immer noch derselbe Diesel, der zu demselben Preis eingekauft wurde. Wir reden hier über Gewinnmitnahmen!

Bei den Lebensmittelkonzernen ist es übrigens ähnlich. Dafür gibt es eine Lösung, wie sie die - konservativen! - Regierungen in Griechenland und in Italien eingeführt haben, nämlich die sogenannte Übergewinnsteuer. Es wäre sinnvoll, auch hier eine Übergewinnsteuer einzuführen.

(Vereinzelt Beifall DIE LINKE)

Allein, die Bundesregierung weiß noch nicht, was sie will. Robert Habeck sagt Ja, Christian Lindner sagt Nein. Olaf Scholz? Weiß es wieder einmal nicht. Wir warten aber darauf; denn das wäre eine sinnvolle Maßnahme, meine Damen und Herren.

(Beifall DIE LINKE)

Frau Kollegin Budke, an einer Stelle war ich wirklich schwerst irritiert. Aber ich habe eine Empfehlung für Sie. Sie sagen ja völlig zu Recht: Dann sollen die Menschen auf den öffentlichen Personennahverkehr umsteigen. - Richtig! Ich empfehle Ihnen aber dringend, mit Ihrem Infrastrukturminister zu reden, damit wir endlich zu einem schnelleren Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur kommen.

(Beifall DIE LINKE und BVB/FW)

Denn das, was ich momentan sehe, führt nicht dazu, dass wir in diesem Land einen Deut schneller zum Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs - übrigens auch des Busverkehrs in den Kreisen - kommen. Ganz im Gegenteil, wir werden eine Verschlechterung bekommen. Das ist das Problem. Ersparen Sie uns und den Menschen im ländlichen Raum bitte Ihre Aufforderung, auf Bus und Bahn umzusteigen. Wie soll das funktionieren, wenn es dort nichts gibt? Sorgen Sie dafür, dass es dort etwas gibt, Frau Kollegin Budke!

(Beifall DIE LINKE und BVB/FW)

Frau Kollegin Nonnemacher, Frau Ministerin, es ist gut, dass Sie den Bund weiterhin kritisch begleiten wollen.

(Lachen des Abgeordneten Stefke [BVB/FW])

Ich freue mich über die hochgradig innovative Maßnahme, den Bund weiterhin kritisch begleiten zu wollen, Frau Ministerin. Ich empfehle Ihnen aber noch etwas, gerade weil Sie hier das Thema Energieberatung durch die Verbraucherzentralen angesprochen haben; damit haben Sie mir quasi den Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt. Diese Energieberatung ist - im Gegensatz zu anderen Bundesländern - hier nicht kostenfrei, sondern die Menschen müssen dafür bezahlen. Ich glaube, es sind 20 Euro, die sie bezahlen müssen.

Wissen Sie, das ist wie ein Schmücken mit fremden Federn; denn die Energieberatung durch die Verbraucherzentralen im Land Brandenburg wird zu 100 % vom Bund finanziert. Es gibt keinen einzigen Cent Kofinanzierungsmittel des Landes dafür. Da, Frau Nonnemacher, ist es schon ein ziemlich starkes Stück, wenn Sie sich hier hinstellen und behaupten: Wir fördern doch

die Verbraucherzentralen für deren tolle Energieberatung. - Das ist einfach falsch!