Karneval wurde schon 2014 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt - und als Ausdruck von Freude und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft in einem Land.
Entstanden vor Jahrhunderten aus einem sehr alten Brauch - vor Ostern kam das Fasten, davor das große Feiern aber auch. Be-
Na, im Rheinland natürlich, aber in Lenzen in der Prignitz ebenso. Ja, eher katholisch geprägte Lande sind für den Karneval bekannt, doch nicht aus jedem protestantischen Flecken wurde er früher verbannt.
Im 15. Jahrhundert in Bremen gaben die Protestanten auf den Karneval keinen Heller, drum heißt es dort noch heute, man geht in Bremen zum Lachen eben in den Keller. Bei uns in Brandenburg, quer über das ganze Land verteilt, hat den Karneval bis jetzt jedenfalls ein besseres Schicksal ereilt. Deshalb hoffe ich sehr, Sie heben heute für die Anerkennung als Kulturgut auch Ihre Hand, denn Karneval ist schon seit 600 Jahren ein fester Teil der Kultur in unserem Land.
Ganze 134 Vereine gibt es in Berlin und Brandenburg heute. Darauf kann und sollte man richtig stolz sein, liebe Leute!
Die beiden ältesten Vereine wurden 1948 aus der Taufe gehoben: in Annahütte - Lausitz - und in Lenzen - Prignitz -, das kann man nur loben. Selbst zu DDR-Zeiten ging es mit dem närrischen Treiben fröhlich weiter. Überall in Brandenburg wurden die Vereine gegründet - ganz munter und heiter. Sie wurden sogar offiziell mit Genehmigung des Ministeriums für Kultur als solche anerkannt - in den 50er-, 60er-, 70er- und 80er-Jahren im ganzen Land. Karnevalsvereine gibt es heute von Ost nach West und von Süd nach Nord in 122 von 413 Gemeinden Brandenburgs, also in fast jedem dritten Ort.
Ob in Neulewin, Belzig, Calau, Berge und Potsdam - ich kann sie hier nicht alle nennen, aber Sie werden die Vereine mit Sicherheit aus Ihren eigenen Wahlkreisen kennen. Deshalb hoffe ich, Sie haben die Bedeutung des Karnevals für Brandenburg nun auch erkannt und heben gleich für die Anerkennung als Kulturgut frohgestimmt Ihre Hand.
Auch in der Staatskanzlei hat Karneval eine lange Tradition, mit Prinzenpaaren schmückt man sich seit vielen Jahren schon. Wenn der Ministerpräsident sich gerne lässt von der Prinzessin küssen, dann wird man Karneval auch als Kulturgut anerkennen müssen,
sonst wäre der Empfang dort keine Ehre, sondern reine Heuchelei - das sag ich hier laut und deutlich, und ich bleibe auch dabei.
Es ist eine Sache, beim Zug der fröhlichen Leute winkend auf der Tribüne zu stehen, doch wie ehrlich Ihre Unterstützung für den
Karneval wirklich ist, werden wir heute sehen. Es geht dabei nicht nur um die 15 000 Brandenburger, die in den Vereinen Mitglied sind. Nein, es geht um alle, die sich daran erfreuen: Oma, Opa, Vater, Mutter, Kind.
Die Karnevalsvereine organisieren Umzüge, Veranstaltungen, Auftritte und Feste, und ob Alt oder Jung: Beim Singen, Tanzen und in der Bütt geben alle das Beste. Deshalb fordere ich Sie auf, heute für den Karneval auch das Beste zu geben und gleich für die Anerkennung als Kulturgut mutig Ihre Hand zu heben.
Vielleicht fragen Sie sich: Warum ist das denn plötzlich so wichtig? - Weil daran eine Menge dranhängt, verstehen Sie das bitte richtig. Während Corona wurden die Karnevalsvereine extrem schwer getroffen - weder zum Proben noch für Veranstaltungen war irgendwo irgendwas offen. Die Sportvereine wurden finanziell unterstützt wie auch das Theater und Kabarett, aber die ehrenamtlichen Karnevalsvereine überhaupt nicht - und das war gar nicht nett. Zuschüsse aus dem Kulturfonds des Bundes hat die ILB ihnen nicht gegeben. Auch die Anrufung des Petitionsausschusses konnte das Problem nicht beheben, weil Kultur in Brandenburg nach deren Ansicht nur ein hauptamtliches Schaffen ist - jetzt seien Sie mal ehrlich, diese Haltung ist doch der größte Mist.
Die Vereine brauchen Geld, um steigende Kosten zu decken und Kostüme zu kaufen - oder sollen sie beim nächsten Auftritt etwa nackig über die Bühne laufen?
Karneval ist schon sehr lange ein wichtiger Teil der Kultur in unserem Land. Geben Sie ihm heute die Anerkennung als Kulturgut und heben Sie dafür die Hand.
Die Meinung Einzelner aus SPD und CDU dazu habe ich schon gehört - die Äußerungen von Herrn Redmann und Herrn Keller haben mich sehr empört.
Die Unterstützung der Karnevalsvereine sollen demnach lieber die Kommunen stemmen. Dann sollen sich die Landespolitiker in Zukunft auch jegliche Karnevalsauftritte klemmen.
Kein Empfang der Prinzenpaare in der Staatskanzlei und kein Zug der fröhlichen Leute, kein „Heut’ steppt der Adler“ und keine Karnevalsveranstaltungen als politische Beute!
Besser wäre jedoch, wir erkennen endlich den Karneval als Kulturgut in Brandenburg an. Als Argument dafür bringe ich noch ein berühmtes Zitat von 2011 an den Mann. Herrn Platzeck, vor zwölf Jahren Ministerpräsident, sollten Sie doch Glauben schenken. Der sagte offiziell:
Drum machen Sie Ihre Leute vom Fraktionszwang frei und lassen Sie sie mit dem Herzen entscheiden. Meinetwegen gehen Sie auch einfach raus und fehlen. Neinsager müssen nicht bleiben, wenn wir heute, am Aschermittwoch, in namentlicher Abstimmung den Karneval ehren und ihm endlich die Anerkennung als Kulturgut in Brandenburg gewähren.
Ich schließe meine Rede, der Tradition der Büttenrede folgend, ganz präzise und genau mit einem dreifachen Gruß: Landtag, Brandenburg und Karneval - Helau!
Frau Vizepräsidentin! Geben Sie mir vielleicht zu Beginn die Möglichkeit, den Prinzen der 58. Saison des LKC Lübbenau auf der Besuchertribüne zu begrüßen: Jeremy I., herzlich willkommen!
Lucki-Lucki-Helau! Golßen nuff, nuff! Und natürlich auch einen herzlichen Gruß in meine Heimatstadt, an meinen Heimatverein, die Karnevalsgesellschaft Königs Wusterhausen: He-Jo!
Wer die Bilder des Karnevalsumzugs in Cottbus am Sonntag gesehen hat, kann keinen Zweifel mehr daran hegen: Brandenburg ist Karnevalland!
Ich habe in den letzten Tagen öfter gehört: Nein, wir in Preußen feiern keinen Karneval. - Wer so etwas von sich gibt, irrt. Das konnten wir ja in den letzten Wochen erleben: Der Zug der fröhlichen Leute ist der größte Karnevalsumzug in Ostdeutschland. Rund 3 000 Närrinnen und Narren aus Brandenburg, Berlin und Sachsen zogen durch die Cottbuser Innenstadt; ca. 10 000 Besucherinnen und Besucher schauten sich das bunte Treiben an.
Auch in vielen Orten in Brandenburg wurde die fünfte Jahreszeit ausgiebig zelebriert. Landauf, landab wurde gezampert, hat man Büttenreden gehalten, gelacht, gesungen und natürlich getanzt. Die Brandenburgerinnen und Brandenburger beweisen mit ihren Choreografien, Kostümen und Festwagen ihre Kreativität. Vor allem: Sie beweisen - sie lassen ihn nicht sehr häufig raus - gerade in dieser Jahreszeit auch ihren Humor.
Ob Karneval, Fasching oder Fastnacht - wir sind alle froh, dass nach drei Jahren Corona endlich wieder ausgelassen gefeiert werden konnte. Die vielen Brandenburger Karnevalsvereine - 103 an der Zahl - haben mit viel Engagement, Herzblut und Enthusiasmus die Saison vorbereitet und durchgeführt, obwohl am Anfang noch nicht klar war, ob die Saison so auch stattfinden
kann. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken: Sie halten die Tradition am Leben!
Meine sehr verehrten Damen und Herren, passend zur Jahreszeit beantragt nun die Fraktion BVB / FREIE WÄHLER, dass Fasching, Fastnacht und Karneval als Kulturgut anerkannt werden. „Die sind doch jeck“, könnte man meinen. Aber nein, sie meinen es mit ihrem Antrag ernst. - Liebe Kolleginnen und Kollegen, das gestehe ich Ihnen zu, ich möchte mich herzlich bei Ihnen für die Initiative bedanken, zeigt sie doch auf, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit und das bürgerliche Engagement sind, auch wenn es ums Feiern geht.
Zu Recht merken Sie an, dass der Karneval mehr ist als buntes Treiben, als Feiern; er fördert auch das Gemeinschaftsgefühl, bringt Generationen zusammen und fördert in vielerlei Hinsicht sogar den Leistungssport - gerade bei den Tanzgruppen mit vielen Trainingseinheiten, mit Teilnahmen an deutschen Meisterschaften. Da möchte ich das Männerballett aus Finsterwalde erwähnen, mehrfacher deutscher Meister - das ist ein Zeichen dafür, dass dabei hier in Brandenburg auch der leistungssportliche Aspekt im Vordergrund stehen kann.