Um es deutlich zu sagen: Ein Student mit einem Bachelorabschluss in Eventmanagement oder Körperpflege - kein Witz, den Abschluss gibt es - wird künftig verbeamteter Lehrer in Brandenburg in der Besoldungsstufe A 11. Wenn er noch irgendein zweites Fach wie Germanistik studiert hat, kommt er sogar in die Besoldungsgruppe A 12 und ist damit von einem normalen Lehrer mit A 13 finanziell eigentlich kaum noch zu unterscheiden, vor allem, weil er ja auch schon viel früher in den Schuldienst kommt. Wofür ein richtiger Lehrer also fünf Jahre studieren und ein anderthalbjähriges Referendariat ablegen musste, das erreichen heute Anfang 20-Jährige hier in Brandenburg ohne Fach- und Praxiserfahrung.
Das Resultat lässt sich in drei Punkten zusammenfassen. Erstens: Lehrer sein bedeutet absolut gar nichts mehr. Zweitens: Lehrer sein kann jeder. Drittens: Schüler in Brandenburg zu sein, heißt, immer zu verlieren.
Aber das interessiert die Ministerin nicht. Sie interessiert sich für ihre Statistik; wir haben es ja eben gerade gehört. Es ist ihr egal, was die Verbände sagen, was die Kultusministerkonferenz sagt oder was die Lehrer sagen. Sonst interessiert sie sich ja immer dafür, aber diesmal anscheinend nicht.
Frau Ministerin, ich möchte Ihnen mal ein paar Zitate mitgeben, die Ihnen vielleicht zu denken geben. Sie kennen alle das Portal news4teachers; das ist das größte bildungspolitische Onlineportal, das es in unserer Bundesrepublik gibt. Da habe ich mal drei Zitate herausgesucht. Erstes Zitat:
„Wer heutzutage noch auf Lehramt studiert, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank… warum einen Master machen und dann ein Referendariat unter Mindestlohn, durch das man auch durchfallen kann, wenn man das gleiche Ergebnis mit weniger Aufwand […] erreichen kann?“
„Ich würde gerne von Frau Ernst wissen, weshalb noch irgendjemand den Aufwand und die Kosten für eine vollständige Lehramtsausbildung auf sich nehmen soll. Außerdem würde ich gerne wissen, weshalb jemand z. B. Mathematik oder Englisch […] studieren soll, wenn ein 08/15 Bachelor in irgendeinem Orchideenfach letztlich sogar zu einem höheren Lebenseinkommen führt.“
„Jeder hochqualifizierten und engagierten Lehrkraft mit hohem Berufsethos […] dreht sich der Magen um!
Von der Ehefrau unseres Bundeskanzlers braucht’s hier im Bildungsbereich nicht auch noch ‚Doppel-Wumms‘ […]!“
Kein Bundesland macht bei dieser Initiative mit. Die Kultusministerkonferenz unterstützt das Vorhaben ausdrücklich nicht. Der Gesetzentwurf diskriminiert wirkliche Lehrer, und er senkt die Bildungsstandards auf ein unerträgliches Maß.
Schlussendlich ist dieser Gesetzentwurf der Genickschuss für unser ehemals so bewundertes Bildungssystem, meine Damen und Herren.
Wenn Ihnen noch irgendetwas an unseren Kindern liegt, dann lehnen Sie diesen Gesetzentwurf ab und besetzen das Bildungsministerium endlich neu. - Vielen Dank.
Vielen Dank. - Als Nächste spricht zu uns Frau Abgeordnete Poschmann für die SPD-Fraktion. Bitte schön.
Herr Vizepräsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Heute wird ein Gesetzentwurf in den Landtag Brandenburg eingebracht, der bereits vorab für viel öffentliche Empörung gesorgt hat. Niemandem hier wird das entgangen sein.
Die Ministerin hat die Details bereits erläutert. Ich möchte dennoch kurz darauf eingehen, was mir bei dieser gesetzlichen Regelung wichtig ist und worauf ich im kommenden parlamentarischen Verfahren achten möchte und werde.
Wir haben vorhin über die Qualität an unseren Schulen debattiert und bei aller Unterschiedlichkeit gemeinsam festgestellt, dass es dringend Maßnahmen braucht, um besser zu werden. Ich habe meinen Standpunkt bereits vorhin klargemacht: Wir müssen uns auch auf die Lehrkräfte konzentrieren, die wir schon haben. Das sind erstens grundständig ausgebildete Lehrkräfte und zweitens, ja, auch die Seiteneinsteiger an unseren Schulen. Sie alle - ich sagte es bereits - sind unser derzeitiges Kapital, und wir müssen sie besser fördern. Wir müssen sie entlasten, wo es geht, um den Unterricht zu stärken und Freiräume für Qualifizierungen und Fortbildungen zu schaffen.
Ich habe auch gesagt, dass alle Maßnahmen ineinandergreifen müssen. Was ich damit meine, wird besonders bei diesem Gesetzentwurf deutlich; denn mit den Regionalzentren wollen wir auch die Qualifizierung von Seiteneinsteigern erleichtern, die wiederum - die Ministerin hat es gesagt - Voraussetzung für die Verbeamtung ist, die mit diesem Gesetzentwurf eingeführt werden soll.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte ganz klar festhalten: Seiteneinsteiger bereichern unsere Schulen. Sie sind meist älter, bringen Erfahrungen aus anderen Berufen mit, haben oft auch schon selbst Kinder, wissen also ziemlich genau, worauf sie sich einlassen, und entscheiden sich dennoch für diesen anspruchsvollen Beruf. Sie haben sich ganz bewusst für einen Berufswechsel und für das Lehrersein entschieden. Das verdient unseren Respekt.
Sie sind oft voller Motivation und arbeiten genauso im Kollegium mit wie alle anderen. Sie machen den gleichen Job und haben daher auch Anspruch auf eine gute Bezahlung. Das ist doch selbstverständlich. Zudem - das ist mir wichtig - ist ein Berufswechsel kein Armutszeugnis. Wenn dem so wäre, werte Kolleginnen und Kollegen, dann würden wir alle im gleichen Boot sitzen; schließlich sind wir alle hier im Parlament Seiteneinsteiger.
Was den Seiteneinsteigern an unseren Schulen aber natürlich oft fehlt, ist die Qualifikation; das stimmt. Dafür schafft dieses Gesetz die Anreize, und die Regionalzentren schaffen die besseren Zugangsmöglichkeiten. Das kann doch nur in unser aller Interesse sein.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Bedenken der Fachwelt hinsichtlich der Absenkung der Qualität des Lehramtsstudiums habe ich aufmerksam gelesen. Wir sollten sie sehr ernst nehmen. In einem offenen Brief hat die Humanistische Fakultät der Universität Potsdam angemerkt, dass ein schnellerer Weg in die Verbeamtung für jene Lehramtsstudierende attraktiv sein könnte, die frühzeitig auf ein stetiges finanzielles Einkommen angewiesen sind. Die Befürchtung der Unterzeichner, dass durch dieses Gesetz fortan weniger Studierende in den Master eintreten und ihnen dadurch wiederum die wertvolle Ausbildung aus dem Masterstudium fehlen könnte, ist natürlich nicht unberechtigt.
Wir müssen also aus meiner Sicht im kommenden parlamentarischen Verfahren klären, ob die Verbeamtungsmöglichkeit auch für Absolventen mit Lehramtsbachelor bestehen wird. Das wird eine zentrale Frage bei den kommenden Beratungen sein. Darüber hinaus müssen wir die Vorschläge des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands zu einem dualen Masterstudiengang, der auch während des universitären Studiums ein Einkommen mit sich bringen würde, genau prüfen. Wenn es uns gelingt, dafür zu sorgen, würde die eben erwähnte Sorge entkräftet.
Sehr geehrte Damen und Herren, deshalb wiederhole ich mich: Alle Maßnahmen müssen ineinandergreifen, auch die, die wir gleich in Bezug auf die Lehrerbildung miteinander besprechen werden.
Ich bitte, den Gesetzentwurf an den Fachausschuss zu überweisen, damit wir daran arbeiten können. - Vielen Dank.
(Abgeordneter Hohloch [AfD] meldet sich. - Hohloch [AfD]: Herr Präsident! - Vida [BVB/FW]: Zu spät! Schiedsrichter- entscheidung!)
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Frau Poschmann, ich finde es immer wieder interessant, wenn die SPD Realitäten einfach anders darstellt. Es spricht ja niemand den Quereinsteigern in Gänze ab, gute Arbeit zu machen.
- Nein, nein, nein. - Aber was Sie machen, ist meiner Meinung nach genau das Umgekehrte. Sie sagen: Quereinsteiger sind durchweg eine Bereicherung für unser Schulsystem. - Wissen Sie was? Sie sollten einfach mal den Hörer in die Hand nehmen und mit Lehrern reden. Ich habe nämlich letzte Woche meine Schuldirektorin angerufen - die ist nicht aus Brandenburg, sondern aus Berlin; das ist ja nicht weit auseinander - und habe mir die Probleme mal schildern lassen. Das sind genau dieselben Probleme mit Quereinsteigern, die ich aus meiner Berufserfahrung dort mitgenommen habe. Sie machen eben in vielerlei Hinsicht auch Probleme.
Ich sage es Ihnen noch mal, weil Sie vorhin von einem „LehrerCrashkurs“ geredet haben: Eine 18-monatige Weiterbildung als mit einer sechsjährigen Lehramtsausbildung vergleichbar anzusehen, ist doch weit hergeholt. Wir wissen mit diesem Gesetzentwurf ja noch nicht mal, wie diese 18 Monate aussehen sollen, Frau Poschmann. Sie stellen sich wieder hierhin und machen den gleichen Job wie Ihre Ministerin. Sie machen nämlich Ankündigungspolitik und sagen: Es wird doch alles gut! Die Quereinsteiger sind eine Bereicherung. Der Gesetzentwurf ist notwendig; denn es gibt halt keine Lehrer. Das ist die einzige Lösung, die wir haben.