Protokoll der Sitzung vom 23.02.2023

Wir haben in unserem Antrag eine Dauer von 14 Tagen genannt. Wir haben ja heute schon das Thema, dass achte und neunte Klassen in der Hauptschule und in der Realschule eine Woche oder 14 Tage ein Praktikum machen. Wenn das nur zwei oder drei Tage sind, wie früher, ist das ja gar kein Problem. Das hätte man ja ändern können.

Ich fand es übrigens ganz witzig: Wenn uns von den Linken vorgeworfen oder, besser gesagt, polemisch unterstellt wird - ich weiß nicht mehr genau, ob es Herr Domres oder Frau Dannenberg war; Herr Domres war es, glaube ich, nicht; ich glaube, es war Frau Dannenberg -, wir würden hier Zwangsarbeit fördern wollen, dann ist das schon echt …

(Domres [DIE LINKE]: Nein, so etwas würde ich nie sagen! - Frau Dannenberg [DIE LINKE]: Wie bitte?)

- In der letzten Plenarsitzung, als ich hier gesprochen habe, haben Sie mir das schon erzählt.

(Frau Dannenberg [DIE LINKE]: Da haben wir gar nicht dar- über geredet!)

- Das haben Sie getan. Da muss man sich schon fragen: Was geht bei den Linken da im Kopf vor?

(Frau Dannenberg [DIE LINKE]: Was? Sie spinnen doch! Das ist ja wohl eine Frechheit! So ein Scheiß!)

- Ich glaube nicht, dass ich spinne, Frau Dannenberg. Leider Gottes haben Sie das so gesagt.

Es geht um Landwirtschaft, es geht um unsere Heimat, es geht um Freiwilligkeit, und es geht auch um Bezahlung und nicht um Zwang, Zwangsarbeit.

Übrigens, Herr Domres - deswegen habe ich Sie ausgeschlossen -, Fakt ist: Sie sind einer der wenigen da draußen, der, wenn die Leute mit Ihnen reden, auch bei den Landwirten, sagt: Eigentlich müsste man so etwas machen. - Das wird positiv aufgenommen.

(Beifall AfD - Domres [DIE LINKE]: Was soll ich gesagt ha- ben? Was haben Sie denn genommen?)

Uns ist dabei völlig klar, dass die Landwirte nicht unbedingt auf die Schülerhorden warten … - Ich habe nicht gesagt, dass Sie von Zwangsarbeit gesprochen haben. Ich habe gemeint, dass Sie jemand sind, der da draußen sagt … So.

(Domres [DIE LINKE]: Ich bin auch nicht für Ihren Vor- schlag!)

Wir wissen wohl, dass auch die Landwirte nicht darauf warten, dass Schülerhorden da einreiten und jetzt die große Ernte abgreifen. Wir wissen, dass das unter Umständen für die Landwirte ein Problem sein kann, weil sie in der Erntehilfe eigentlich kontinuierliche Mitarbeiter suchen. Das ist gar keine Frage. Aber auch die Landwirte haben erkannt, dass wir die Jugendlichen da heranführen müssen. Wenn wir wieder Wertschöpfung haben wollen, brauchen wir Wertschätzung.

(Beifall AfD)

Das geht eben nur über die Bildung der Jugendlichen vor Ort.

Aber ich bin gespannt. Herr Philipp redet ja gleich für die komplette Koalition; 15 Minuten haben Sie Zeit. Ich bin froh, dass Sie da reden, weil Sie Landwirt sind und auch beim BUND sind. Wir haben ja das Freiwillige Ökologische Jahr mit reingebracht. Ich bin gespannt, was da kommt. Es ist eigentlich gar nicht schlimm, dass von der Koalition nur einer redet. Es sagt ehrlich gesagt über Sie mehr aus als über uns, wenn die CDU, die 60 % ihrer Wählerstimmen auf dem Land sammelt, zum Thema Land überhaupt nicht mehr redet. Aber okay - das ist Ihr Problem, nicht meines.

Aus unserer Sicht muss sich die Regierung um die Sache kümmern. Das ist genau das, was wir in den Antrag gebracht haben. Wir sollten aus meiner Sicht vor allem die Parteipolitik außen vor lassen.

(Beifall AfD - Bischoff [SPD]: Ja, ja, ja!)

- Wenn Sie „Ja, ja, ja!“ sagen, müssten Sie auch mal darüber nachdenken, ob es nicht unter Umständen etwas wäre, dass man Parteipolitik außen vor lässt.

Wir reden darüber, dass Jugendliche wieder an das herangeführt werden, was es nämlich ist: an Heimat, an Kultur, an Arbeit und vor allem an das Verständnis dafür, wie unsere einheimischen Lebensmittel hergestellt werden.

(Beifall AfD)

Nur dann haben wir eventuell auch in zehn Jahren das Verständnis bei den Leuten, die in den Netto, Aldi, Lidl oder wohin auch immer gehen und dort ihre Lebensmittel kaufen. Wir reden immer von regionalen Wertschöpfungsketten. Wir reden immer davon, dass der Verbraucher derjenige ist, der in irgendeiner Art und Weise darauf Einfluss nehmen kann. Aber er nimmt keinen Einfluss, weil er die Wertschätzung nicht mehr hat. Unsere Jugendlichen haben leider Gottes teilweise eben nicht mehr die Wertschätzung, weil sie nicht wissen, wie es gemacht wird.

Das ist der Antrag. Dass wir unter Umständen mit dieser Geschichte noch das Thema haben, dass nicht nur Ökobetriebe davon profitieren, sondern dass auch konventionelle Betriebe die Möglichkeit haben, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr anzubieten, also die Jugendlichen an Landwirtschaft, an die Betriebe heranzuführen und unter Umständen auch Erntehelfer zu haben, ist ein ganz anderes Thema. Das wäre aus unserer Sicht eine Win-win-Situation.

Ich bin auf die Debatte gespannt. Mal gucken, was da kommt. - Danke schön.

(Beifall AfD)

Wir kommen zum Redebeitrag der Koalitionsfraktionen. Für sie spricht Herr Abgeordneter Philipp.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Hünich, Ihr Redebeitrag eben hatte mit dem Antrag nicht viel zu tun. Das ist hier heute offenbar ein bisschen Mode; das hatten wir ja eben schon einmal. Aber ich habe mir etwas aufgeschrieben, damit ich mich hier nicht verfranse, sondern diesen Antrag mal abarbeite. Damit kann ich gerne starten.

Ich frage mich allerdings grundsätzlich, wer sich bei Ihnen solch einen Unsinn ausdenkt. Realitätsferne ist bei Ihnen durchaus öfter an der Tagesordnung, aber dieser Antrag schießt tatsächlich über das Ziel hinaus oder geradezu daran vorbei.

(Beifall SPD, CDU und B90/GRÜNE)

Wir hatten es heute ja schon einmal, dass wir hier unsere Zeit verplempert haben. Ich habe wirklich den Eindruck, dass wir hier heute einfach nicht Ihren Tag erleben.

(Frau Bessin [AfD]: Ganz schön frech!)

Um es vorwegzunehmen: Das Heranführen von jungen Menschen an das spätere Arbeitsleben ist wichtig und muss sich auch im schulischen Alltag wiederfinden. Dazu gibt es aktuell schon viele Möglichkeiten, über Praktika in der Klasse 9 und in der Klasse 10,

(Zuruf von der AfD: Laber, laber, laber!)

Betriebspartnerschaften für Schulen und vieles mehr.

Sicher: Schule und Praxis stärker zu verzahnen ist wichtig, um den Jugendlichen einen möglichst guten Einblick in die Arbeitswelt zu geben. Praktikantenstellen sind übrigens auf den diversen Internetportalen der Fach- und Berufsverbände veröffentlicht. Das nur mal so nebenbei.

Sehr geehrte Damen und Herren, leider zielt der Antrag eben nicht darauf ab, junge Leute im Rahmen der Bildung neugierig auf die Landwirtschaft zu machen, sondern gaukelt uns vielmehr vor, dass das Problem fehlender Arbeitskräfte mit Arbeitseinsätzen Jugendlicher zu lösen sei. Da der Antrag in völliger Unkenntnis von Saisonarbeit und der Arbeit mit Jugendlichen entstanden ist, gebe ich Ihnen hier sehr gerne Nachhilfe. Mit der Erfahrung von über 20 Jahren Saisonarbeit und weit mehr als 100 Schülerpraktikanten in meinem Betrieb halte ich mich für leidlich kompetent zu diesem Thema.

(Zuruf des Abgeordneten Hünich [AfD])

Zu Ihrem Antrag: Sie zitieren hier die Arbeitseinsätze in der DDR und die Kartoffelferien in Westdeutschland und vernebeln damit, dass wir heute vollkommen andere Verhältnisse haben als damals. Ich werde mir keine Kompetenz zu den Verhältnissen in Ostdeutschland anmaßen, wohl aber zu denen in Westdeutschland. „Kartoffelferien“ im Wortlaut sind seit der Einführung von Kartoffelvollerntern - das sind Maschinen, die die Kartoffeln vollständig vom Acker holen - Ende der 60er-Jahre Geschichte. Auf Deutsch: Zur Kartoffelernte brauchen wir heute niemanden mehr, der die Knollen vom Feld aufliest. Das mühselige Vereinzeln von Rüben und ähnlichen Pflanzen ist mit der Einführung der Einzelkornablage, also dem Säen von Pflanzen in dem Endabstand, den man braucht, ebenfalls Geschichte.

(Beifall SPD, CDU, B90/GRÜNE und DIE LINKE)

Damit sind diese Tätigkeiten entfallen, übrigens auch im Ökolandbau.

Deswegen die Frage an die Antragstellerin: Wo wollen Sie denn dann Schüler als Erntehelfer einsetzen? Das war ja das Thema. „Erntehelfer“ steht in Ihrem Antrag. In der Landwirtschaft ist alles hochmechanisiert, sind Hilfsarbeiten für Ungelernte kaum bis gar nicht vorhanden, und einen unerfahrenen Jugendlichen, ob mit oder ohne Führerschein, setzen wir garantiert nicht auf irgendeine 100 000-Euro-Maschine.

(Beifall SPD, CDU, B90/GRÜNE und DIE LINKE)

Es bliebe also nur noch der Obst- und Gemüsebau. Da ist übrigens im Sommerhalbjahr immer Saison, von der Spargelernte im Frühjahr bis zur Apfelernte im Herbst. Da frage ich mich schon: Wann sollen denn die Schüler aus der Schule raus? Jeder, wann er will - egal, was der Lehrplan sagt?

(Zuruf von der SPD: Wenn die Äpfel reif sind!)

Anscheinend hat die Antragstellerin auch keine Vorstellung davon, was ein Erntehelfer alles können muss.

(Bretz [CDU]: Nee!)

Es ist nämlich mitnichten so, dass jeder mal eben Spargel stechen oder Tomaten wickeln kann. Die Einarbeitungszeiten...

(Zurufe der Abgeordneten Bretz [CDU] und Hünich [AfD])

- Hören Sie gut zu, Herr Hünich! - Herr Hünich? Hören Sie mal gut zu! Ich gebe Ihnen gerade ein bisschen Lehrstoff.

(Heiterkeit und Beifall B90/GRÜNE)