Entschuldigung, Herr Abgeordneter! - Es wäre freundlich, wenn die Zwischenrufe ein bisschen heruntergefahren würden, damit wir alle Herrn Abgeordneten Philipp zuhören können.
Die Einarbeitungszeiten für Saisonkräfte betragen bis zu sechs Wochen. Damit wird, glaube ich, deutlich, dass wir hier von Profis reden, die Leistung und Qualität schaffen. Deswegen arbeiten in unseren Betrieben Jahr für Jahr weitestgehend immer dieselben Menschen - die darüber hinaus fair bezahlt werden wollen.
Die geschlossenen Grenzen im ersten Lockdown haben uns übrigens viele Menschen auf die Höfe gespült, die genau mit dem Ansatz kamen, uns zu helfen. Eine für alle Beteiligten wirklich bereichernde menschliche Erfahrung - aber eben keine echte Hilfe. Maximal 30 bis 50 % betrug deren Arbeitsleistung im Verhältnis zu langjährigen Saisonkräften.
Um zum Ende zu kommen: Schüler sollen gern auf unsere Höfe kommen - als Praktikanten, Ferienjobber oder was auch immer. Aber nicht, um Löcher im Personalbestand zu stopfen! Schüler gehören - das sagt schon die Bezeichnung - zuvorderst in die Schule,
Bevor ich es vergesse: In einem Freiwilligen Ökologischen Jahr, Herr Hünich, steht Umweltbildung auf dem Programm und nicht der alternative Einsatz als billige Arbeitskraft.
Ich habe überlegt, ob ich das mache, denn dadurch gebe ich Ihnen zwei Minuten zusätzliche Redezeit; ehrlich gesagt ärgert mich das.
Sie haben Ahnung. Sie wissen ganz genau, dass das, was Sie hier gemacht haben, Parteipolitik ist. Sie haben für die SPD geredet. Sie haben nicht als Landwirt geredet.
Sie wissen ganz genau, dass die Leute da draußen sagen: Wir brauchen diese Bildung. Wir brauchen das für die Jugendlichen, damit sie wieder erleben, wie es ist. - Wir brauchen natürlich eine Erntehilfe; das ist doch klar. Ich habe es doch auch in den Antrag geschrieben.
Es geht ehrlicherweise darum, dass wir in irgendeiner Art und Weise den Kindern wieder beibringen, was es heißt, Lebensmittel zu produzieren. Das wissen Sie auch.
Noch etwas zu dem Freiwilligen Ökologischen Jahr: Wenn dabei Umweltthemen nähergebracht werden, ist das doch super! Landwirte sind die ersten Naturschützer. Das sind doch diejenigen, die mit unserer Umwelt umgehen -
Ich gebe Ihnen gern die zwei Minuten, Herr Philipp. Sie wissen, dass ich vor Ihrer Arbeit Respekt habe; aber das war eine Nullnummer.
(Dr. Berndt [AfD]: Sehr riskant! - Bretz [CDU]: Ja, sehr! Ich würde sagen, asymmetrisches Risiko für Herrn Hünich!)
Kollege Hünich, es ist, glaube ich, so, dass Sie hier gerade etwas vermengt haben. Sie haben in Ihrem Antrag geschrieben, dass Sie Schüler zum Erntehelfereinsatz bringen wollen.
Erntehelfer - das habe ich Ihnen gerade deutlich gemacht - sind Profis, die Leistung bringen müssen. Sie können keinen Schüler in einen solchen Einsatz bringen.
Wir haben die Schüler gern auf den Höfen. Natürlich wollen wir ihnen das Landleben und die Arbeit dort beibringen. Und natürlich entsteht dadurch - hoffentlich - eine Wertschätzung für unsere Produkte usw., gar keine Frage!
Sie haben es nicht verstanden; das ist das eigentliche Problem. Ich lade Sie gern ein, zu uns zum Tomatenwickeln zu kommen.
An dem Tag, an dem Sie die gleiche Leistung schaffen wie derjenige, der als Erntehelfer - ich sage es noch einmal: als Erntehelfer - bei uns auf dem Hof ist, machen wir ein Bier auf. Aber ich kann Ihnen sagen: Diesen Tag werden Sie nicht erleben, weil Sie es nämlich nicht schaffen, bis dahin durchzuhalten.
(Beifall SPD, CDU, B90/GRÜNE und DIE LINKE - Hünich [AfD]: Sie können mir ja eine Mail schreiben, wann ich kommen soll; ich komme dann! - Frau Bessin [AfD]: Ich komme mit! - Zuruf von der AfD: Ich komme auch, ich will Trecker fahren! - Lachen bei der AfD)