Protokoll der Sitzung vom 27.02.2025

(Lars Hünich [AfD]: Habe ich ja gefunden!)

Wenn wir als Demokraten dem Antrag etwas entnehmen können, dann ist es der Gedanke, dass die Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik Deutschland einer Reform bedarf. Wir müssen darüber nachdenken, welche Befugnisse den Sicherheitsbehörden – im konkreten Fall den Verfassungsschutzbehörden – zur Verfügung stehen sollen und müssen, um die Demokratie in unserem Land effektiv vor ihren Feinden zu schützen.

(Beifall SPD)

Sehr geehrte Abgeordnete, verehrte Damen und Herren, in Deutschland haben wir bereits erlebt, dass in der Weimarer Republik die erste Demokratie von den rechten politischen Rändern verachtet und bekämpft wurde und letztlich an ihrer Wehrlosigkeit zugrunde gegangen ist.

(Dr. Dominik Kaufner [AfD]: Das ist wieder KI, ne? – Wei- tere Zurufe)

Zurück blieb ein Land in Trümmern. Daher hat man bewusst entschieden, mit dem Grundgesetz – unserer Verfassung – eine wertegebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie zu schaffen und auch ein umfassendes Verfassungsschutzsystem zu etablieren.

(Lars Hünich [AfD]: Aber Sie halten sich ja nicht ans Grund- gesetz! Sie brechen es ja!)

Sehr geehrte Abgeordnete, die umfassende Kontrolle des Verfassungsschutzes durch die Parlamentarische Kontrollkommission ist in Brandenburg sichergestellt. Die Kontrollkommission hat direkten Zugang zu allen relevanten Informationen des Verfassungsschutzes.

(Lars Hünich [AfD]: Aha!)

Liebe Bürgerinnen und Bürger in Brandenburg, die Demokratie ist immer selbstlos. Sie ist so selbstlos, dass sie demokratisch gewählte Demokratie-, Verfassungs- und Heimatfeinde, die sie in ihrem Sein so sehr verachten, die sie delegitimieren und stets

infrage stellen, auf ihr herumtrampeln, sie verächtlich machen und am Ende sogar abschaffen wollen, beschützt. Diese Selbstlosigkeit ist zugleich eine der größten Schwächen unserer Demokratie.

Liebe Brandenburgerinnen und Brandenburger, 1989 hat sich ein ganzes Volk erhoben, ist friedlich und ohne Waffen auf die Straße gegangen, um für Frieden, Freiheit und Demokratie zu kämpfen, zu streiten und zu argumentieren. Wenn wir heute bereit sind, unsere gesellschaftlichen Werte, unsere Freiheit und unsere großartige Demokratie

(Lars Hünich [AfD]: „Stasi in die Produktion“!)

dem populistischen, autoritären und gegenüber Tech-Oligarchen, Autokraten und Diktatoren devoten Politikverständnis der Alternative für Deutschland zu unterwerfen, was war dann das Aufbegehren der Generation unserer Eltern und Großeltern wert? Nichts, überhaupt nichts!

(Beifall SPD und vereinzelt BSW)

Bitte kommen Sie mit einem passenden Schlusssatz zum Ende Ihrer Rede. Sie haben die Redezeit bereits überschritten.

Das mache ich gerne, Herr Vizepräsident. – Dieses friedliche Aufbegehren wird auch für unsere Zukunft nichts wert gewesen sein, denn unser aller Zukunft können wir dann heute schon den Büchern der Geschichte entnehmen.

Den vorliegenden Antrag lehnen wir ab.

(Beifall SPD und vereinzelt BSW – Lars Hünich [AfD]: Das habe ich jetzt nicht erwartet!)

Bevor der Abgeordnete Genilke für die CDU-Fraktion das Wort erhält, möchte ich Sie, Herr Abgeordneter Adler, kurz noch darauf hinweisen, dass Sie bitte ein gewähltes, im Plenarsaal anwesendes Mitglied des Landtages nicht mit „Sie sollen keinen Tanzonkel machen“ adressieren. Ich werde mir das im Nachgang noch einmal anhören und behalte mir vor, dagegen einen entsprechenden Ordnungsruf zu erteilen.

(Oh! bei der SPD - Steeven Bretz [CDU]: Das ist lächerlich!)

Jetzt hat für die CDU-Fraktion der Abgeordnete Genilke das Wort.

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir stehen heute in einer Debatte, die nicht nur die Sicherheit unseres Landes, sondern auch das Fundament unserer Demokratie betrifft. Die AfD will hier ganz offensichtlich einige Grundpfeiler unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung zumindest arg überarbeiten, um es vorsichtig zu sagen.

Ich glaube, an dieser Stelle schon einmal sagen zu müssen, dass wir in unserem Land eine Sicherheitsstruktur und eine Sicherheitsarchitektur haben, die sich bewährt hat, auch gerade beim Verfassungsschutz.

Ich muss sagen: Ihre Reden zum Verfassungsschutz ähneln den Reden der hier ausgeschiedenen Linken. Am liebsten würden sie ihn offensichtlich abschaffen.

(Beifall CDU - Lars Hünich [AfD]: Ja!)

Da sind Sie sich einig, die Ränder. Ich halte das für falsch.

(Lars Hünich [AfD]: Politisch motivierter Geheimdienst ge- hört abgeschafft!)

Herr Hünich, wofür ist der Verfassungsschutz eigentlich zuständig?

(Lars Hünich [AfD]: Ihr habt mitgemacht! Ihr wart damals schon die Blockpartei!)

Herr Vizepräsident, darf ich weiterreden oder nicht?

Ja, Herr Abgeordneter, natürlich dürfen Sie weiterreden. Aber sich immer, wenn es Zwischenrufe gibt, zum Präsidenten oder zur Präsidentin umzudrehen, ist eben auch nicht ganz die einfache Variante.

Aber, meine Damen und Herren, hören Sie bitte dem Abgeordneten Genilke zu, der auch die Möglichkeit bekommen soll, seinen Redebeitrag in Ruhe und in Würde vorzutragen.

(Vereinzelt Beifall AfD)

Die Aufgaben eines Verfassungsschutzes sind relativ vielfältig. Er ist ein Informationsdienst, um Bedrohung durch Extremismus, durch Terrorismus, durch Spionage frühzeitig zu erkennen und auch einzuschätzen. Dazu gehören die Erfassung und Analyse extremistischer Bestrebungen. Er sammelt Informationen über Gruppen, Organisationen, Einzelpersonen, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung arbeiten, und wertet sie aus. Hierzu gehören unter anderem gewaltbereite Rechtsextremisten, Linksextremisten, Islamisten, Reichsbürger und Selbstverwalter.

Ich weiß, bei Ihrer Partei ist es nicht ganz einfach, zwischen Kommunisten und Faschisten zu unterscheiden. Auch das gehört natürlich ein Stück weit da mit hinein.

(Lars Hünich [AfD]: Herr Genilke, bei allem Respekt!)

Na ja, das finde ich aber auch. Adolf Hitler als einen Kommunisten zu bezeichnen: Da habe ich zumindest meine Fragezeichen.

(Lars Hünich [AfD]: Sie waren doch bei den Kommunisten!)

Nein, war ich Gott sei Dank nicht.

(Lars Hünich [AfD]: Sie waren doch die Blockpartei bei der SED!)

Was war ich? Herr Hünich, wenn Sie von Dingen sprechen, von denen Sie keine Ahnung haben, dann wäre es besser, Sie gehen draußen eine Bockwurst essen.

(Beifall CDU und SPD - Lars Hünich [AfD]: Es gibt ja keine mehr!)

Es gibt keine mehr? Dann werden wir in Zukunft dafür sorgen.

Führen Sie Ihre Rede bitte fort, Herr Abgeordneter.

Ich finde schon, dass es der Verfassungsschutz in diesem Land nicht verdient hat, instrumentalisiert zu werden. Ich glaube bzw. das glaube ich nicht nur, das ist so: Auch der Verfassungsschutz steht unter Beobachtung,

(Lars Hünich [AfD]: Von Ihnen!)

nämlich der parlamentarischen Kontrollgremien,

(Lars Hünich [AfD]: Ja, klar!)

und hat sich selbstverständlich an Recht und Gesetz zu halten. Wenn Sie so über den Verfassungsschutz herziehen, warum nutzen Sie nicht das Mittel, das per Recht auch Ihnen zusteht, dagegen zu klagen,

(Lars Hünich [AfD]: Machen wir ja!)