Nun habe ich einen Fehler gemacht. Darauf haben Sie sich ja jetzt eingeschossen und so getan, als hätte ich da nur Blödsinn erzählt. Ich habe einen Fehler gemacht: 80 Millionen € kostet natürlich nicht nur die Sprachstandsdiagnose, sondern das kosten Sprachstandsdiagnose und -förderung.
(Abg. Wolfgang Drexler SPD: Flächendeckende För- derung! – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Das ist auch zu hoch, viel zu hoch! – Abg. Stefan Mappus CDU: Das stimmt auch nicht! Das stimmt gar nicht!)
und jetzt müssen Sie sich nicht wegen dieses Fehlers aufregen. Denn diese 80 Millionen € stellen Sie auf jeden Fall nicht ein. Das wäre aber das Entscheidende für eine gute Sprachstandsdiagnose und -förderung.
(Beifall bei den Grünen – Abg. Stefan Mappus CDU: Weil wir gar keine 80 Millionen € brauchen! – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Die 80 Millionen € ma- chen es nicht richtiger! Die Zahl ist einfach falsch! – Abg. Dr. Stefan Scheffold CDU: Pause! Nachden- ken!)
Wir haben Ihnen schon längst klar gesagt, dass wir von diesen externen Sprachstandsdiagnosen ohnehin nichts halten, dass das im Kindergarten selbst geschehen soll
und die Erzieherinnen dazu durch Aus- und Fortbildung befähigt werden müssen, damit sie das selbst im Kindergarten machen können. Das ist der einzig richtige Weg, und der muss beschritten werden.
Herr Kollege Kretschmann, ist Ihnen bekannt, dass die Qualifizierung der Erzieherinnen in der Sprachförderung natürlich integrierter Teil des Orientierungsplans ist
und man nicht immer so tun sollte, als gäbe es nur diese spezielle Gruppenförderung? Das ist integrierter Bestandteil des Orientierungsplans.
und nicht in das Projekt „Schulreifes Kind“. Das fordern wir hier schon seit einigen Jahren. Ich möchte mich jetzt aber hier nicht in Details verlieren.
Nun stellt sich noch einmal die Frage: Warum verwenden wir eigentlich den Begriff „Gesamtschule“ nicht? Herr Kollege Mappus, wir tun das deshalb nicht, weil unsere Basisschule oder Gemeinschaftsschule mit diesen alten Schulmodellen von vor 30 Jahren überhaupt nichts zu tun hat
und weil sich seit dieser Zeit in der gesamten wissenschaftlichen Forschung und dem, was daraus pädagogisch folgt, sehr viel getan hat, was Sie leider überhaupt nicht mitbekommen haben. Das ist Ihr Problem. Wir haben heute das Glück, dass z. B. die Hirnforschung uns sehr wertvolle Erkenntnisse für die Lernforschung bietet; das gab es vorher nicht.
Aus all dem, was da von der Wissenschaft kommt – nicht von uns –, entsteht unser Konzept des individuellen Förderns.
(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Und beides wird möglich!)
Damit das nicht mit diesen Uraltkonzepten der Gesamtschule, die nicht funktioniert haben, verwechselt wird, verwenden wir diesen Begriff nicht. So einfach ist das.
All die Differenzen bei der Frage, wie Schulpolitik, wie die Schule der Zukunft eigentlich aussehen soll, kann man an dem ausmachen, was Sie, Herr Ministerpräsident, über die Schulleiter gesagt haben. Wir wollen in der Zukunft eine Schule, die die Schulgemeinschaft zusammen mit der Kommune vor Ort organisiert. Das ist unserer Ansicht nach die Schule der Zukunft. Das ist auch die Praxis im Land.
Ich finde, Kollege Schmiedel hat in einer sehr originellen Weise noch einmal klargemacht, dass alle Schulmodelle, die freie Träger anbieten wollen, genehmigt werden müssen. Das sind alles engagierte Menschen, die eine neue Schule machen wollen. Das kann man nur begrüßen.
Eine solche Schule ist in eine Schulgemeinschaft und in die örtlichen Verhältnisse eingebettet. Da herrscht eine enge Erziehungspartnerschaft zwischen Lehrerschaft und Elternschaft. Das macht die Attraktivität dieser Schulen aus. Darum können sich alle diese Schulen, z. B. die Waldorfschulen, des Andrangs überhaupt nicht erwehren. Dabei muss man immer noch berücksichtigen, Herr Ministerpräsident, dass die Elternschaft für diese Schulen zusätzlich Schulgeld bezahlen muss.
Kollege Schmiedel hat nun sehr richtig dargelegt, dass natürlich auch andere Schulträger dies wollen, nicht nur die freien Träger. Es wollen z. B. auch Kommunen – zusammen mit den Gemeinderäten, mit engagierten Bürgermeistern, mit engagierten Schulleitern und mit einer engagierten Schulgemeinschaft – ganz genau dasselbe, und sei es auch aus dem Motiv heraus, die Schule am Ort zu halten.
Dieses Motiv ist absolut ehrenwert. Dahinter steht nämlich der Gedanke, dass nur solche Schulen, die in den Sozialräumen eines Quartiers oder eines Dorfes verankert sind, das erfüllen, was wir von ihnen erwarten, nämlich dass alle Kinder so gefördert werden, wie es ihrer Begabung und ihrem Leistungswillen entspricht. Darum geht es.
Ihr Modell, nach wie vor die Schulleiter von oben zu bestimmen, zeigt die ganze Differenz zwischen Ihnen und uns in der Frage, wie Schule auszusehen hat.
Sie wollen, dass der Staat weiterhin im Wesentlichen alles bestimmt. Die anderen sollen das ausführen. Die Schulträger, die Elternschaft, die Lehrerschaft und die Schulleiter sind mehr oder weniger die Befehlsempfänger Ihrer Konzepte.
Wir glauben, dass wir davon in der Zukunft Abstand gewinnen müssen. Solche Schulen werden in Zukunft kleine Gemeinwesen sein, die sich weitgehend selbst gestalten.
Bei den Hochschulen haben wir dies übrigens erfolgreich gemacht, wenn ich das einmal als Nebensatz sagen darf.
Genau so wird sich auch unsere Schullandschaft entwickeln. Da liegen in der Tat offensichtlich die Kerndifferenzen vor. Dass Sie die Schulen nicht aus dem Klammergriff eines staatlichen Obrigkeitsdenkens entlassen wollen
und dass Sie kein Vertrauen haben, dass die Leute das vor Ort verantwortlich selbst gestalten können, ist das Entscheidende.