In der Tat werden 4 400 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt – ein Kraftakt, der in Anbetracht der parteipolitisch bedingten schwarzen Löcher, die Sie uns im Kultusetat hinterlassen ha ben, bemerkenswert ist.
Hiervon profitieren letztlich auch die Referendare an den Gymnasien mehrfach. Obwohl durch den wegfallenden Dop peljahrgang der Einstellungsbedarf deutlich geringer ist, wer den 730 Lehrerinnen und Lehrer übernommen. Das ermög licht uns übrigens auch, Defizite in den sogenannten MINTFächern abzubauen.
Zugute kommt den Absolventen – da unterscheiden wir uns –, dass sie neben der Beschäftigungsmöglichkeit an den Gym nasien auch die Optionen der 100 Stellen an den beruflichen Schulen, der 150 Stellen an den Realschulen und eben auch der Stellen an den Gemeinschaftsschulen zur Verfügung ha ben. Denn was die Gemeinschaftsschule angeht, übersehen die Opposition und mancher Verbandshardliner gern, dass es von der reinen Stellenzahl und von der beruflichen Möglich keit her eigentlich ein glücklicher Zufall ist, dass sich paral lel zum Wegfall des Doppeljahrgangs eine weitere berufliche Perspektive mit steigender Tendenz ergibt.
Herr Röhm, ich finde es fast schon unterirdisch, wenn Sie hier das Szenario „Arbeitslosigkeit oder Gemeinschaftsschule“ aufmachen.
Ich sage Ihnen gleich etwas dazu. Aber diesen Satz gebe ich Ihnen noch mit: Sie müssen sich nach dieser Wortmeldung fragen, wer hier im Raum eigentlich das Relikt aus einer ver gangenen Zeit ist.
(Abg. Thomas Blenke CDU: So, wie Sie drauf sind, wundert es mich nicht, dass Sie Kreislaufprobleme haben! – Heiterkeit des Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU)
Machen wir uns nichts vor: Hätten CDU und FDP/DVP wei terregiert, dann stünden nach den Sommerferien deutlich mehr Absolventen auf der Straße.
Wir haben 711 Stellen im Jahr 2011 und 3 300 Stellen in die sem Jahr an demografischer Rendite erhalten. Hiervon profi tiert auch der Gymnasialbereich. Mehr noch: Die Ausweitung der Poolstunden und auch die Wiederzulassung des G 9 in be schränktem Maß führen ebenfalls zu mehr Stellen in diesem Bereich. Damit ist übrigens auch Ihr Beschlussantrag obsolet.
Zu Ihrem Schlechtreden der Gemeinschaftsschule: Ich habe Ihnen schon einmal gesagt – übrigens auch mit Blick auf die integrierte Gesamtschule; so ist es auch bei der Gemeinschafts schule –: Immer wieder sagen mir Lehrerinnen und Lehrer im Gespräch, dass sie sogar gezielt an diese Schule gehen. Das habe ich auch bei einer Referendarin an der Schule meines Sohnes erlebt. Eine super Referendarin im Bereich Mathema tik – das hat uns insoweit wirklich leidgetan – ist bewusst an eine dieser Schulen gegangen. Sie sagt: Das Spannende ist ge rade, eine neue Methodik, eine andere Art und Weise der Pä dagogik kennenzulernen und gerade auch mit Blick auf die Gemeinschaftsschule eine neue Schulform ein Stück weit mit erfinden zu können. Das ist wirklich eine tolle Möglichkeit. Viele Nachwuchskräfte sehen – –
Entschuldigung, Herr Kollege. Jetzt gilt bereits die neue Regelung. Am Ende der Redezeit darf er die Frage nicht mehr stellen, also entweder jetzt oder gar nicht.
Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Fulst-Blei, Sie sprechen gerade von der Integrierten Gesamt schule Mannheim-Herzogenried. Ist Ihnen bekannt, dass es dort einen Beschluss der Gesamtlehrerkonferenz gibt, der lau tet, dass man sich aus guten Gründen nicht zu einer Gemein schaftsschule weiterentwickeln möchte?
Sie haben schon damals die Gesamtschulen schlechtgeredet. Schon damals hatten wir die Situation, dass sich Absolventen der Lehramtsausbildung für den Gymnasialbereich bewusst an der Gesamtschule beworben haben. Heute stelle ich das Gleiche mit Blick auf die Gemeinschaftsschule fest. Verlas sen Sie einmal Ihre Politik der ideologischen Scheuklappen.
(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Abg. Georg Wacker CDU: Beantworten Sie doch die Frage!)
Nein. Mein Thema ist: Es gibt eine Aufgeschlossenheit ge rade auch bei Absolventen der Ausbildung für das gymnasia le Lehramt, bewusst an Schulen zu gehen, die einen neuen Weg, einen anderen Weg gehen.
(Abg. Georg Wacker CDU: Nein! – Gegenruf des Abg. Claus Schmiedel SPD: Kommen Sie doch ans Rednerpult!)
Ich mache Ihnen ein Angebot: Ich werde im Oktober einen Tag an einer Gemeinschaftsschule in Mannheim hospitieren. Gehen Sie mit. Kommen Sie mit aus der verstaubten Schule. Wir machen es zusammen. Wir werden es ändern.
(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Wir kennen doch die Schule aus Filmen! – Abg. Claus Schmiedel SPD: Gehen Sie mit, Herr Wacker!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Fraktion der FDP/DVP erteile ich Herrn Abg. Dr. Kern das Wort.
Frau Präsidentin, liebe Kol leginnen und Kollegen! Die Referendariatszeit ist eine sehr herausfordernde und überaus anstrengende Zeit.
Denn die Arbeitsbelastungen sind enorm, die unterschiedli chen Ansprüche sind kaum unter einen Hut zu bringen, jeden falls dann nicht, wenn man einen entsprechenden Qualitäts anspruch hat.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wissen Sie, was Referenda re dennoch durchhalten lässt? Wissen Sie, was uns Referen daren früher Hoffnung gab? Dies war die realistische, wohl begründete Zuversicht, bei guten oder sehr guten Leistungen einen interessanten, abwechslungsreichen Job zu bekommen, und zwar in dem Bereich, für den man ausgebildet wurde.
Wie aber ist die Situation heute für die Referendare, ein Jahr nach der Regierungsübernahme durch Grün-Rot? Um es mit einem Wort zu sagen: desolat.
Um das Fazit meiner Rede vorwegzunehmen: Wie Sie, sehr geehrte Frau Kultusministerin, mit den topausgebildeten, fer tigen Referendaren umgehen, ist verheerend und stellt alles in den Schatten, was von Grün-Rot früher immer als Dirigismus des Kultusministeriums kritisiert wurde.
Ganz allgemein zeigt sich, dass die Höhe der für die Unter richtsversorgung bereitgestellten Mittel, die die Zahl der Leh rereinstellungen bestimmt, weit vom Bestmöglichen entfernt ist. 3 300 rechnerisch frei werdende Lehrerstellen soll es ge ben. Doch wo finden sich diese? Die Regierungsfraktionen von Grün-Rot haben hier die Weichen nicht richtig gestellt. Sie haben eben den Klassenteiler nicht weiter gesenkt, so, wie Sie dies den Wählern versprochen hatten.