Frau Präsidentin, liebe Kol leginnen, liebe Kollegen, meine Damen und Herren! Herr Dr. Kern und noch einige andere hier haben in ihren bisherigen Wortmeldungen wirklich überzeugend dargelegt, dass sie das Konzept Gemeinschaftsschule nicht verstanden haben.
Sie können sich schon darauf verlassen, dass das Thema Ge meinschaftsschule bei den Akteuren vor Ort
Liebe Kolleginnen und Kollegen, zunächst möchte ich auf den Antrag eingehen. Natürlich findet an der Gemeinschaftsschu le Lehrerausbildung statt. Natürlich werden Referendare auch an der Gemeinschaftsschule ausgebildet. Das ist doch die Schule der Zukunft, und sie braucht auch entsprechend aus gebildete Lehrkräfte.
Im Übrigen, meine Damen und Herren, sind die Antworten in der Stellungnahme des Kultusministeriums zum FDP/DVPAntrag eindeutig und überzeugend.
Worum es Ihnen geht, ist doch die Frage nach der Notenge bung, nach der Leistungsbewertung. Ich danke Ihnen dafür, dass dieser Antrag heute noch einmal behandelt wird. Denn als wir im Mai über das Thema Noten gesprochen hatten, hat te ich noch ein paar Punkte, die ich gar nicht loswerden konn te. Also habe ich heute noch einmal die Gelegenheit, darauf zurückzugreifen.
Ich werde natürlich auch einiges wiederholen. Sie wissen ja: Manche Dinge mehrfach zu hören erhöht natürlich auch die Behaltensleistung.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, die Forschungsergebnis se von Professor Brügelmann, der sich mit der Chancenge rechtigkeit und mit der Notengebung befasst hat, waren ein deutig. Die Ergebnisse sind doch, denke ich, bekannt.
Zwei Punkte, die wir auf jeden Fall noch einmal berücksich tigen müssen, sind folgende: Dass Migrantenkinder häufig bei gleicher Leistung schlechtere Noten als deutschstämmige Kin der bekommen, ist kein Geheimnis. Dass ruhige Schülerinnen und Schüler in der Regel besser bewertet werden als notori sche Störenfriede, ist auch kein Geheimnis. Herr Kollege Leh mann hat es auch gesagt: Die Annahme einer Homogenität der Schülerschaft in einem Gymnasium oder einer Realschu le oder einer Werkrealschule ist eine Mär. Das wissen wir doch mittlerweile auch. Ich weiß auch, dass einige der Meinung sind, dass Lehrer, Eltern und Schüler Noten brauchten und gern Noten hätten. Auch da sage ich Ihnen: Die hätten schon ganz gern Noten, aber sie hätten vor allem gern gute Noten.
Na ja! Hör auf! – Wenn Sie dann zur Kenntnis nehmen – ich komme gleich noch einmal darauf zu sprechen, lieber Herr Kollege Schebesta –, dass ein Drittel der Kinder bei dieser Untersuchung auch angegeben haben, Angst davor zu haben, in der Schule zu versagen, dann sollten wenigstens diejeni gen, die ihre pädagogischen Kenntnisse nicht nur durch den eigenen Schulbesuch dokumentieren, einmal ins Grübeln kommen. Ich sage für mich: Es ist nicht verwerflich, wenn wir Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass auch dieses Drittel der Kinder gern in die Schule geht.
auch weil sich – auch das ist mittlerweile bekannt – die Ex perten darüber einig sind, dass Noten eine Objektivität vor täuschen, die man ihnen gar nicht zuschreiben kann. Dagegen haben wir mit den Berichtszeugnissen und der Lernentwick lungsgeschichte deutlich mehr Informationen, als mit den No ten überhaupt ausgedrückt werden kann.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, wir sind den Paradigmen wechsel angegangen. Es steht nicht mehr die Frage im Vor dergrund, was die Kinder nicht können, sondern wir fragen definitiv, was die Kinder können.
Deshalb denke ich auch, dass wir mit der Gemeinschaftsschu le ein Bildungsangebot haben, das gerade diesem Ansatz be sonders gerecht wird.
Ja. – Das ist doch schon oft genug untersucht worden. Es ist ein untaugliches Mittel, mit dem man heute keinen Staat mehr machen kann. Erinnern Sie sich doch einmal an die Anekdo te, die ich Ihnen im Mai über den Lehrer vorgetragen hatte, der Otto von Bismarck als Schüler unterrichtet hatte. Otto von Bismarck wollte Latein einfach nicht kapieren. Statt einer Fünf im Zeugnis hatte der Lehrer damals formuliert: „Fort schritte sind zu erhoffen.“ Ich sage Ihnen, der Opposition, mit Blick auf die Diskussion über die Gemeinschaftsschule: Ich schließe mich diesem Lehrer an. Fortschritte sind zu erhoffen. Ich hoffe, dass diese auch bei Ihnen eintreten.
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Gemeinschaftsschule hat in BadenWürttemberg einen festen Platz gefunden. Ob Ihnen das nun passt, meine Damen und Herren von der Opposition, oder nicht: So ist es.
Das bedeutet, dass nur die Standorte eine entsprechende Ge nehmigung bekommen, die erstens freiwillig eine solche Schule einrichten wollen und dies zweitens können. Denn wir haben jetzt die Gemeinschaftsschule nicht zwangsweise flä chendeckend eingeführt, sondern nur an den 42 Standorten, die dies beantragt haben.
In der zweiten Tranche werden wir nach genau den gleichen Kriterien vorgehen und Gemeinschaftsschulen genehmigen. 120 Anträge liegen vor. Wir werden uns genau anschauen, ob das funktioniert.
Meine Damen und Herren, weil ich gerade sehr viele Kli schees darüber gehört habe, wie es angeblich an Gemein schaftsschulen zugeht, möchte ich sagen: Herr Dr. Kern, wir werden uns mit dem gesamten Bildungsausschuss eine oder zwei Gemeinschaftsschulen anschauen.
(Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Claus Schmiedel SPD: Sehr gut! – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Sie sollten sich erst einmal die anderen Schulen anschauen! – Zuruf des Abg. Wolfgang Drexler SPD)
auch dazu sage ich Ihnen gleich etwas – vor Augen führen. Denn der Clou der Gemeinschaftsschule ist doch gerade, dass die Kinder konsequent in die Lage versetzt werden, eigene Lernprozesse selbstständig zu organisieren. Dazu bedarf es der Kompetenz. Das kann man aber erlernen. Das wird die sen Kindern konsequent beigebracht, indem man ihnen zu nächst einmal ganz systematisch deutlich macht, was sie gut können. Das schafft Selbstbewusstsein, eine wunderbare Ba sis, die Voraussetzung für sehr gute Lernprozesse ist. Das funktioniert.
Ich will Ihnen selbstverständlich zugestehen, dass auch an an deren weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg indi viduelle Förderung geleistet wird. Das ist gerade ein Beleg dafür, dass die Systematik für die Lehrerinnen und Lehrer nicht fremd ist. Selbstverständlich unterstützen wir auch die individuelle Förderung an den anderen weiterführenden Schu len. Ich mache noch einmal darauf aufmerksam: Es war die se grün-rote Landesregierung, die zum ersten Mal überhaupt Poolstunden für die Realschulen in diesem Land eingeführt hat. Das muss man doch einfach einmal zur Kenntnis nehmen.
Das, was Herr Abg. Lehmann formuliert hat, ist absolut rich tig: Natürlich werden wir auch bei der weiteren Gestaltung unseres Bedarfsdeckungskonzepts darauf achten, was wir den Schularten zur Verfügung stellen können, die eine besondere individuelle Förderung brauchen, um genau diesem Prozess Rechnung zu tragen. Den Gymnasien haben wir eine Pool stunde mehr gegeben, um das G 8 zu unterstützen. Die Bereit stellung zusätzlicher Stunden für die individuelle Förderung, die in den Empfehlungen der Enquetekommission vorgese hen waren, haben wir umgesetzt. Wir werden dies auch wei terhin umsetzen, so wie es vorgesehen war.
Jetzt kommen wir zum Alltag an den Gemeinschaftsschulen. Sie haben in Ihrem Antrag sehr viele Fragen konkret zur Leh rerausbildung gestellt. Darauf will ich gern eingehen.
Die Gemeinschaftsschulen beteiligen sich wie alle anderen Schulen bzw. Schularten auch an der Ausbildung der Lehre rinnen und Lehrer. Denn die Gemeinschaftsschule braucht gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, die qualifiziert werden, mit der Heterogenität im Klassenzimmer und vor allem mit Kindern umzugehen, die behindert sind. Deshalb ist es wich tig, dass dort etwas passiert.