Wir müssen die Arbeitsplätze sichern. Wir müssen uns verän dern.“ Zum Bau eines Werks hier in Stuttgart sagt der Por sche-Chef:
Die Produktionsstandorte in Deutschland seien bereits seit zwei Jahren komplett auf Ökostrom umgestellt – auch das sagt der Porsche-Chef.
Ich kann an diesem Beispiel zeigen: Es gibt eben auf der ei nen Seite noch die Old Boys und die alten Entwickler, auf der anderen Seite aber auch die neue Zeit und die neuen Leute, die das erkennen und sagen: Wir müssen in die Zukunft ge hen. Wir müssen die Trends nutzen.
Denn wenn wir abwarten, ist das das Gefährlichste. Abwar ten und Nichtstun sind das Gefährlichste für die Arbeitsplät ze. Daher, glaube ich, wäre die Deindustrialisierung die Fol ge einer AfD-Politik. Übrigens sollten Sie sich einmal über legen, ob Sie sich nicht umtaufen in „Auto für Deutschland“.
Sie haben noch nicht kapiert, wie sich die Dinge verändern, wie sich die Produktion und auch die Produkte verändern.
(Abg. Anton Baron AfD: Aha! Und Sie kommen aus der Automobilwirtschaft! – Zuruf des Abg. Udo Stein AfD)
Denn auch in jedem Automobilunternehmen wird heute über die Fragen nachgedacht: Wie ändern sich die Mobilitätsbe dürfnisse der Menschen? Was wollen sie? Wollen sie ein Au to, oder wollen sie Mobilität? Wie können wir Mobilitäts dienstleistungen entwickeln?
(Abg. Anton Baron AfD: Haben Sie überhaupt schon einmal eine Wirtschaft von innen gesehen? Parteisol dat!)
also „Connected, Autonomous, Shared, Electric“. Das sind die Leitbegriffe dieser Branche. Andere Unternehmen haben die se Begriffe anders angeordnet, aber es sind die Leitbegriffe einer Branche, um die es geht.
Die Gefahr, die ich sehe, ist, dass es eine disruptive Entwick lung gibt. Das wird man oft in den USA, in Kalifornien hö ren. Das geschieht immer dann, wenn Manager nicht recht zeitig die Veränderung erkannt haben oder die Politik nicht rechtzeitig erkannt hat, was zu tun ist; dann gibt es sprunghaf te Veränderungen.
Es ist schon mehrfach die Studie von e-mobil BW zitiert wor den. Dazu will ich noch etwas sagen, auch weil das eine oder andere nicht ganz richtig zitiert worden ist. Interessant an der Studie ist, dass es in Baden-Württemberg in der gesamten Branche einschließlich der Zulieferer etwa 470 000 Arbeits plätze gibt und dass in den OEMs, also in den klassischen Au tomobilunternehmen, die wir als Autofirmen bezeichnen,
nur noch 120 000 Leute beschäftigt sind. Die anderen sind Zu lieferer oder Produktionsmittelhersteller für Automobilfirmen – nicht nur für unsere, sondern weltweit, z. B. Bosch als welt weiter Technologiekonzern, der weltweit auch Zulieferer von Zulieferern ist usw.
Es ist ein großes Cluster. Die Lage in diesem großen Cluster ist natürlich insgesamt angespannt. Das merkt man, wenn man sieht, wo die neuen Geschäftsfelder sind. Klar ist eines: Wenn Bosch ganze Standorte dem Diesel gewidmet hat, sind die Standorte in Gefahr, wenn der Diesel und die Dieselnachfra ge weltweit zurückgehen.
Da ist es doch eine randständige Bemerkung, was am Neckar tor passiert. Vielmehr muss man schauen, wie viele Diesel fahrzeuge im Pkw-Sektor z. B. in den USA gefahren werden. Das geht gegen null.
In Südostasien ist es ähnlich. Es gibt nicht nur bei uns, son dern in ganz Europa in verschiedenen Städten Dieselfahrver bote. Es gibt sogar inzwischen Großstädte, die sich überlegen, den Verbrennungsmotor spätestens in fünf Jahren zu verbie ten oder ihn aus der City herauszudrängen.
Das sind die Trends, auf die die Branche reagieren muss. Sie muss Konzepte entwickeln, was jetzt zu tun ist.
Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass sich die Politik dar um nicht kümmert, sondern sagt: Das soll der Markt richten. Ich muss aber sagen – Herr Born hat das Richtige angespro chen –, die Branche ist in hohem Maß für viele Arbeitsplätze und übrigens auch für den Wohlstand in Baden-Württemberg verantwortlich. Da kann Politik doch nicht sehenden Auges in Kauf nehmen, dass es nicht richtig läuft.
(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der CDU sowie des Abg. Andreas Kenner SPD – Abg. Anton Baron AfD: Sie waren noch nie in der Wirtschaft!)
Die liberale oder rechtskonservative Form des Nichtstuns führt jedenfalls in die Irre. Ich kann nur sagen: Die Branche erwartet auch, dass die Politik etwas tut.
Man kann nämlich sehen: Wenn wir die Branche z. B. zum Strategiedialog der Landesregierung einladen, dann sind alle da – alle Großen, die Zulieferer, die Wissenschaft, die Zivil gesellschaft. Denn alle, die sich mit dem Problem beschäfti gen, spüren, dass dieser Transformationsprozess schiefgehen kann, wenn wir ihn nicht gestalten, dass wir Verlierer werden
Übrigens wird in der Studie auch klar, dass unsere Chance die Innovation ist. Nur wenn wir in allen Bereichen bei den Inno vationen vorn sind, können wir die Arbeitsplätze sichern. Nicht die Elektrifizierung ist das Problem, nicht die Digitali sierung ist das Problem. Vielmehr haben wir dann ein Prob lem, wenn wir dazu nichts zu bieten haben.
Deswegen ist es wichtig, dass die Landesregierung die Digi talisierungsstrategie entwickelt hat mit einem großen Teil im Automotive-Cluster. Deswegen ist es wichtig, dass wir mit der Branche den Strategiedialog haben, und zwar auf sieben Jahre angelegt.
Wir glauben, dass wir in allen Bereichen etwas tun müssen, so z. B. bei der Aus- und Weiterbildung. Es ist doch völlig klar, dass der Automobilmechaniker von einst keine Zukunft mehr hat. Heute geht es um die Fragen: Wie kommst du mit Hybridtechnologie klar? Wie kommst du mit dem Elektroau to klar, und wie kommst du mit Wasserstoff- und Brennstoff zellenantrieb klar? Das ist die Herausforderung in der Ausbil dung und auch in der Weiterbildung. Es gibt auch viele Leu te, die jetzt gerade mal 30, 35 Jahre alt sind und vielleicht noch 20 oder 30 Jahre einen Arbeitsplatz haben, die die neue Tech nik aber gar nicht gelernt haben. Also ist auch die Herausfor derung die Weiterbildung – eine staatliche Aufgabe, natürlich zusammen mit der Wirtschaft. Das müssen wir tun, und das machen wir auch.
Es geht auch darum, z. B. mit dem Handwerk zusammenzu arbeiten. Es ist ein Riesen-Act, in den nächsten Jahren die La destationen in privaten Garagen, Tiefgaragen, Parkhäusern und sonst wo aufzubauen. Das muss man lernen. Das ist mehr als nur einfach eine Steckdose zu legen. Da hat man dann mit verschiedenen Wallboxes, mit unterschiedlichen Strömen, mit Wechselstrom, Gleichstrom usw. zu tun. Auch dadurch kom men neue Arbeitsplätze.
Mich hat gefreut, dass bei der Studie herausgekommen ist: Es gibt verschiedene Optionen, darunter die Option, dass da in den nächsten Jahren sogar mehr Arbeit entstehen wird – ge rade deshalb, weil wir die Hybridtechnologie und die neuen Antriebssysteme haben. Es könnte aber auch sein, wenn die Entwicklung sehr schnell ist, dass Arbeitsplätze wegfallen. Wenn aber in zehn Jahren 30 000 Arbeitsplätze wegfallen, dann sind das z. B. weit weniger, als der demografische Wan del ohnehin bewirkt.