Künstliche Intelligenz bestimmt unseren Alltag als Basistech nologie in vielen Bereichen schon jetzt. Sie weckt aber immer wieder Sorgen und Befürchtungen. Für uns ist es daher uner
lässlich, dass wir ethische Fragestellungen zentral berücksich tigen. Dazu werden beispielsweise KI-Sprechstunden ange boten. Außerdem haben wir einen öffentlichen Beirat beim Cyber Valley eingerichtet, in dem u. a. auch Gemeinderätin nen und Gemeinderäte vertreten sind. Er vertritt ethische Be lange und strukturiert den gesellschaftlichen Dialog.
Wir alle haben in den vergangenen Monaten der Pandemie buchstäblich am eigenen Leib erfahren, wie essenziell z. B. digitale Kommunikationswege sind, aber auch erfahren, wo ihre Grenzen liegen und wie komplex ein sensibler Umgang mit unseren Daten ist.
Gerade in Arbeitsbereichen wie der Pflege, dem Gesundheits wesen, aber auch der Bildung, in denen es um Zwischen menschliches geht, wird der Einsatz digitaler Technologien noch skeptisch gesehen. Es besteht die Befürchtung, dass durch Technisierung Empathie und Emotionen zu kurz kom men. Dabei kann hier der Einsatz künstlicher Intelligenz von Bürokratie entlasten oder kann ein individuell zugeschnitte ner Arbeitsprozess ermöglicht werden. So wird Arbeitszeit und -kraft freigesetzt, die dann mehr Raum für den zwischen menschlichen Kontakt und persönliche Betreuung schafft.
Das Erfolgsrezept lautet somit: Wir denken Forschungspoli tik ganzheitlich. Wir haben mit dem Innovationscampus Cy ber Valley ein Modell geschaffen, mit dem wir Spitzenforsche rinnen und Spitzenforscher mit Nachwuchskräften, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen an einen Tisch bringen. Aus die sem Gravitationszentrum heraus entstehen Anschubimpulse für ein wachsendes, florierendes Ökosystem, das weit über die jeweilige Region hinaus Früchte trägt. Genau das macht das Innovationscampusmodell so erfolgreich.
Die Erfolgsgeschichte der ersten fünf Jahre legt den Grund stein für die kommenden Jahre. Das Cyber Valley ist gekom men, um zu bleiben. Deshalb steht als Nächstes die bauliche Weiterentwicklung des Campus an. Darüber hinaus laufen Ge spräche zur möglichen Gründung eines ELLIS-Instituts, mit dem die weltweite Vernetzung und Attraktivität für Spitzen forscherinnen und -forscher nochmals gesteigert werden könn te.
Und wir haben nach dem Vorbild des Cyber Valleys zwei wei tere Innovationscampusvorhaben auf den Weg gebracht: den Innovationscampus „Health & Life Science Alliance“ am Standort Rhein-Neckar und den „InnovationsCampus Mobi lität der Zukunft“ in Stuttgart und Karlsruhe.
Am Standort Rhein-Neckar schaffen wir dabei ein Ökosys tem, welches Wissenschaft, Lehre, Wirtschaft und Gesell schaft in den Bereichen Lebenswissenschaften und Gesund heit zusammenbringt; die Kollegen Knopf und Schütte sind in der letzten Woche schon hierauf eingegangen. Mit einer ex zellenten Hochschullandschaft und medizinischen Fakultäten, Forschungseinrichtungen der Spitzenklasse,
global agierenden Life-Science-Konzernen und innovativen Start-up-Unternehmen bergen diese Region und auch der In novationscampus ein enormes Potenzial.
Hier trifft Krebsforschung auf biomedizinische Grundlagen forschung, Patientenversorgung auf künstliche Intelligenz und preisgekrönte Wissenschaft auf innovative Anwendung.
Digitalisierung und KI in der Medizin werden weltweit erheb lich gefördert, wie beispielsweise in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten. Wir investieren mit dem Innovati onscampus am Standort Rhein-Neckar in eine der Leitindus trien der Zukunft und positionieren Baden-Württemberg als Leuchtturm mit internationaler Strahl- und Anziehungskraft.
Mit dem „InnovationsCampus Mobilität der Zukunft“ in Stutt gart und Karlsruhe bauen wir wörtlich ein Zentrum für die Zu kunft. In diesem Innovationscampus trägt Forschung zu Mo bilitäts- und Produktionstechnologien maßgeblich dazu bei, dass wir Menschen, aber auch Waren und Güter in Zukunft ökologischer und ökonomischer transportieren.
Dieses Vorhaben durfte ich erst kürzlich besuchen. Die dort entwickelten Impulse hin zu einer selbstverständlichen und gewinnbringenden Vernetzung von Forschung und Industrie haben mich so beeindruckt, dass ich unbedingt wiederkom men möchte.
Wer also die Gelegenheit bekommt, mit den Menschen dort zu sprechen, soll sie nutzen; sie sind wirklich großartig.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss noch mals ein Resümee ziehen. Wir haben mit dem Cyber Valley ein international sichtbares Forschungszentrum für künstliche Intelligenz geschaffen. Das ist ein Erfolg, gerade weil wir Zu kunftstechnologien nur dann aktiv mitgestalten, wenn wir da rin selbst spitze sind. Nur so werden wir den oft beschwore nen europäischen Weg der KI gehen können.
Forschung und Innovation brauchen Planbarkeit und Perspek tive. Wir haben zwei weitere Innovationscampusmodelle ge schaffen und prüfen die Einrichtung von nochmals zwei zu sätzlichen in dieser Legislaturperiode, mit denen wir ähnlich Großes vorhaben. Auch das wird uns gelingen, indem wir un sere Innovationscampusse verlässlich für die Zukunft aufstel len.
In diesem Sinn: Auf ein gutes, vielleicht etwas besseres Jahr 2022, auf fünf herausragende Jahre Cyber Valley und auf vie le weitere Jahre Forschungsexzellenz made in „THE LÄND“.
Sehr geehrte Frau Präsi dentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Manche denken bei künstlicher Intelligenz an Szenen aus Science-Fiction-Filmen, in denen Maschinen versuchen, die Herrschaft über die Mensch heit zu übernehmen. Dass es je so weit kommt, ist unwahr scheinlich oder steht zumindest sehr weit weg in den Sternen.
Weniger spektakulär, aber doch faszinierend sind die Dinge, die heute bereits mit künstlicher Intelligenz gemacht oder für die nächsten Jahre geplant werden. Da gibt es die Betrugser kennung bei Versicherern, weil einfach gewisse statistische Merkmale auftreten, wenn jemand eine falsche Meldung schickt. Da gibt es die fertig komponierte 10. Sinfonie von Beethoven, und da gibt es künstliche Intelligenz, die besser als jeder Mensch Computertomografie lesen und Krebsarten erkennen kann, bevor das selbst der beste Arzt kann.
Dabei ist künstliche Intelligenz nicht eindeutig definiert. Al lein in Wikipedia finden Sie vier Definitionen. Manche lernt einfach vom Menschen, das heißt, man sagt ihr, was sie tun muss. Für alle anderen ist es aber notwendig, dass riesige Da tenmengen analysiert werden und die künstliche Intelligenz im Grunde aus jedem neuen Datensatz lernt. Sie macht eine Vorhersage und stellt nachher fest, ob sie richtig oder falsch war, und dann wird mathematisch über Korrelationsanalysen festgestellt, was tatsächlich mit wem zusammenhängt. Ich möchte versuchen, das kurz zu beschreiben.
Wir denken als Menschen sehr kausal: Herzinfarkt kommt da durch, dass in den Herzarterien irgendwo eine Verstopfung ist. Die künstliche Intelligenz misst den Fettgehalt um Blutgefä ße und stellt daraus einen statistischen Zusammenhang fest. Sie merkt einfach nur: Wenn der Fettgehalt gewisse Konstel lationen hat, wird die Person relativ bald einen Herzinfarkt bekommen. Mit genau diesen Dingen können wir aufgrund von künstlicher Intelligenz das Gesundheitssystem natürlich ganz weit nach vorn bringen, weil die Leute schon im Kran kenhaus sein können, bevor etwas passiert.
Damit eröffnet die künstliche Intelligenz riesige Chancen für die Art, wie wir leben, für die Medizin, für autonomes Fahren und natürlich auch für die Wirtschaft.
Wenn wir uns die Hotspots weltweit anschauen, dann sehen wir: Da sind Kalifornien, amerikanische Spitzenuniversitäten und China ganz weit vorn. Natürlich nutzt China künstliche Intelligenz anders und tut Dinge, die wir nicht tun würden. Daraus kann die Konsequenz aber nur sein, dass wir unsere Anstrengungen verdoppeln, weil wir ethisch vertretbar so gut werden müssen, wie die Chinesen es werden, ohne sich um Ethik zu kümmern.
Es war daher absolut richtig, dass Sie, Herr Ministerpräsident Kretschmann, mit der damals neuen grün-schwarzen Landes regierung im Jahr 2016 entschieden haben, an der Stelle, an der KI in Baden-Württemberg schon sehr stark ist, einen In novationscampus einzurichten – frei nach dem Motto „High tech meets Hölderlin“. An einer der ältesten Universitäten des Landes in einer der ältesten Städte Baden-Württembergs fin det die modernste Forschung statt. So arbeiten heute die Uni versitäten Stuttgart und Tübingen, das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie Firmen wie BMW, Daimler, Porsche, Robert Bosch, ZF oder Amazon zusammen.
An dieser Stelle möchte ich all denjenigen herzlich danken, die zum Gelingen in den letzten fünf Jahren beigetragen ha
ben. Das sind die Forscherinnen und Forscher, das sind aber auch diejenigen, die in den Unternehmen die Entscheidung durchgesetzt haben, Stiftungsprofessuren zu finanzieren – das Unternehmen hatte unmittelbar nichts davon –, und das sind natürlich diejenigen, die bei den Haushaltsberatungen die Mit tel zur Verfügung gestellt haben. In den letzten Jahren gab es bereits 180 Millionen € Landesmittel, übrigens ganz wesent lich aus den Digitalisierungsrücklagen, die manche in diesem Haus immer kritisiert haben, weil man nicht genau weiß, was damit passiert. Es war absolut richtig, die Digitalisierungsof fensive mit dem Digitalisierungsminister zu starten, Mittel be reitzustellen und sie an ganz vielen Punkten für Schwerpunk te zu verwenden.
Wenn wir uns die Forschungsprojekte anschauen, dann stel len wir fest, dass die sehr spannend sind. Ich möchte einmal zwei Beispiele anführen. Sie können das Lernen oder Spielen eines Musikinstruments anschauen. Das macht natürlich ein Musiklehrer. Mithilfe der künstlichen Intelligenz sehen Sie, wie jemand steht, wie jemand die Finger bewegt, welche Hal tung er hat und was das nachher für das Spielen bedeutet. So mit wird plötzlich der Musikunterricht viel besser.
Zweites Beispiel: Wir alle kennen die Starkregenereignisse der letzten Wochen und Monate. Wirklich vorhersagen kann man die nicht. Mein Feuerwehrkommandant sagt: Es gibt häu fig die Warnstufe Violett wie im Ahrtal, bevor es da losgegan gen ist. Aber mit künstlicher Intelligenz können wir plötzlich Daten aufspüren, die wir gar nicht sehen. Dann wird diese Vorhersage so viel besser. Das wird in Tübingen gemacht. Da mit sehen wir, welchen Nutzen wir alle von dem haben, was dort entsteht.
Die Kollegin hat es schon gesagt: Es ist ein einmaliges Öko system mit Forschungsabteilungen, Co-Working-Spaces ent standen. Vor allem ist die Verbindung von klugen Köpfen so gut geworden, dass andere kluge Köpfe dorthin kommen. Es ist wie im Silicon Valley. Das Silicon Valley ist sicherlich nett. Aber warum gehen Leute dorthin, die irgendwie Digitalisie rung machen? Weil alle anderen Leute, die Digitalisierung ma chen, dort schon sind. Und so ist es jetzt im Cyber Valley auch. Dorthin kommen die Leute, die künstliche Intelligenz machen, weil dort schon die Leute sind, die künstliche Intelligenz ma chen.
Diese Erfolge werden fortgesetzt. Bosch investiert 35 Milli onen €, legt noch mal 70 Millionen € obendrauf. Die Hector Stiftung – der wir an dieser Stelle ganz herzlich danken, ins besondere natürlich dem Stifter, Herrn Hector – stellt nach Medienberichten, die man auf Webseiten findet, 100 Millio nen € für den Aufbau eines European Lab for Learning & In telligent Systems zur Verfügung. Genau das kann der nächs te Schritt sein, damit wir dann auch Weltspitze werden. Es ist für die CDU-Fraktion selbstredend – ich denke, für alle ande ren auch –, dass wir den finanziellen Anteil des Landes, den wir für so etwas brauchen, auch zur Verfügung stellen und dass wir eine solche Gelegenheit für unser Land sicherlich nicht verschenken.
Mit diesem Ansatz zeigt sich, wie Zukunft gemacht wird. Wie es die Kollegin schon gesagt hat, werden wir weitere Zu kunftscampusse einrichten. Wir werden sowohl für KI wie für
Es gibt einige Schwächen. Wir sind im internationalen Ver gleich beim Bauen ein wenig langsam. Ich möchte nicht, dass Berufungsverhandlungen scheitern, weil wir fünf Jahre brau chen, um ein paar Räume zu bauen. Da müssen wir besser werden, und da müssen wir uns überlegen, wie wir, das Land, entweder Flächen vorhalten, auf denen man sehr schnell et was tun kann, oder wie wir die Prozesse verkürzen.
Dazu kommen aber natürlich die Stärken, die man gesehen hat: die Zusammenarbeit von Industrie und Forschung. In der Region Rhein-Neckar gibt es inzwischen schon die Alliance, die eine Trägerstruktur für diese Zusammenarbeit bringt.
Und man sieht dabei etwas ganz Entscheidendes für die poli tische Diskussion. Häufig hört man ja: „Was Ihr da in Tübin gen macht,...“, „Was Ihr da in der Region Rhein-Neckar macht,...“, „Warum Mobilität nur in Karlsruhe und Stuttgart?“ Am Ende profitiert das ganze Land davon. Man sieht es am Innovationscampus „Künstliche Intelligenz“ in Heilbronn so wie den weiteren Innovationscampussen, die entstehen. Das heißt, es strahlt aus, was wir an einer Stelle tun, und nachher hat das ganze Land etwas davon.
Der zentrale Schluss, den wir aber ziehen müssen, ist: Wir müssen Mut haben, Schwerpunkte in Haushaltsverhandlun gen zu setzen. Wir müssen Mut haben, Schwerpunkte bei The men zu setzen. Wir können nicht aus irgendwelchen Über bleibseln vielleicht noch mal 10 Millionen € für ein wichtiges Forschungsprojekt zur Verfügung stellen, sondern wir müs sen von Anfang an sagen: „Das ist die Zukunft, und dafür stel len wir ausreichend, verlässlich Mittel zur Verfügung.“ Denn genau das sieht man in Tübingen. Es waren 180 Millionen €, es kommt noch viel Geld dazu. Hätten wir die Mittel nicht in der Digitalisierungsrücklage gehabt, dann hätten wir das nicht so finanzieren können.
Gerade am Beispiel Tübingen zeigt sich, wie wir Zukunft ge stalten können, wie wir auf Augenhöhe mit anderen in der Welt kommen und unser Wertesystem erst dann überhaupt ei ne Rolle spielt. Der Ethikrat ist sehr, sehr wichtig. Er wird aber nur entscheidend, wenn wir überhaupt die modernsten Experimente machen und der Ethikrat darüber befindet und wenn sie nicht irgendwo anders gemacht werden.
Deshalb wollen wir, die CDU-Fraktion, die Tradition, wie sie seit Lothar Späth – länger kann ich nicht denken; älter bin ich nicht – in Baden-Württemberg gilt, fortsetzen: Wir freuen uns, dass wir diese Geschichte, dass Innovation unser Land voran bringt, fortsetzen, damit wir zum einen Wohlstand haben und zum anderen bei wichtigen ethischen Entwicklungen weltweit mitreden.
Diese Geschichte setzen wir seit 2016 entsprechend fort. Wir freuen uns, dass die Tradition bleibt. Wir haben keine Angst vor der Zukunft, sondern, wie es Abraham Lincoln sagt: „Wir wollen die Zukunft vorhersagen, indem wir sie gestalten.“