Vahr. Das ist ein Armutszeugnis, das wir als Fraktion der CDU schnellstens abstellen wollen. Deswegen haben wir gestern unseren Antrag gestellt, der überwiesen worden ist. Wir werden uns sehr genau ansehen, ob es tatsächlich zu einer Lösung für die unversorgten fünfjährigen Kinder kommt oder ob Sie das nur elegant schnell vom Tisch gewischt haben, weil man es ja nicht ablehnen konnte, das hätte zu schlecht in der Presse ausgesehen.
Für die Fraktion der CDU steht es außer Frage, dass eine verbindliche und frühzeitige Sprachstandsfeststellung bei allen Kindern, egal ob mit oder ohne Kita-Platz, früher als bisher vorgenommen werden muss. Wir sind offen, die dafür notwendigen Passagen in den Schulgesetzen zu ändern oder andere Wege zu finden, um das verbindlich zu regeln. Für jedes Kind mit einem festgestellten Sprachförderbedarf ist aus unserer Sicht verbindlich und mit verpflichtender Teilnahme ein kindgerechtes Sprachförderangebot zu unterbreiten, egal ob das Kind aktuell einen Kita-Platz hat oder noch nicht bekommen konnte, weil zu wenig Plätze da waren.
Kinder ohne vernünftige Sprachkenntnisse werden sonst von vornherein in der Grundschule abgehängt. Meine Kollegin hat die Spirale, die sich das ganze weitere Leben fortsetzen kann, deutlich aufgeführt. Wir begrüßen es daher, dass neben dem PC-Einsatz auch der aktive Wortschatz geprüft werden soll. Eine langjährige Kritik der Elternvertreter wird jetzt endlich doch noch umgesetzt. Das finden wir gut.
Unklar ist in diesem Zusammenhang im Beschlusspunkt der Satz, in dem man von ressourcenorientierten Ansätzen spricht und muttersprachliche Kenntnisse berücksichtigt werden sollen. Wie erwarten als Fraktion der CDU, dass sich unter diesem ressourcenorientierten Ansatz nicht verbirgt, dass die Berücksichtigung und Testung muttersprachlicher Kenntnisse dazu genutzt wird, Kinder aus der Sprachförderung zu entfernen.
Gute Kenntnisse in der Muttersprache, aber keinerlei oder kaum Kenntnisse in der deutschen Sprache befähigen natürlich nicht zum Schulbesuch. Für uns als Fraktion der CDU ist klar, dass die alltagsintegrierte Sprachförderung das Ziel sein muss. Für uns steht aber auch fest, dass bei dem derzeitigen Personalschlüssel in den Kitas, der Personalnot, über die wir gestern schon ausführlich debattiert haben, und den dadurch immer wieder
Uns fehlen schon jetzt weit mehr als 240 Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas. Die Gruppen werden größer, das 21. Kind immer wieder und immer stärker Realität. Alltagsintegrierte Sprachförderung setzt genügend Personal voraus, das wir leider durch die Versäumnisse der Vergangenheit nicht haben und mit allen gestarteten Maßnahmen auch erst frühestens in fünf Jahren haben werden. Das sagen uns alle Kita-Experten. Das Wort alltagsintegrierte Sprachförderung in diesem Antrag darf daher bei den jetzt anstehenden Haushaltsberatungen nicht als Sparmaßnahme missbraucht oder verstanden werden.
Die additive Sprachförderung von im Zweifel auch gesondert eingekauftem und finanziertem Fachpersonal ist für uns daher sehr wichtig. Niedergelassene Logopädinnen und Logopäden können hier einen zusätzlichen Beitrag leisten. Wir wollen das Berufsfeld sowieso für sie öffnen und es bestände die Möglichkeit, dass Sie zusätzlich additive Sprachförderangebote machen, wenn wir dafür speziell Geld zur Verfügung stellen.
Die Fraktion der CDU, ich komme gleich zum Schluss, hat die flächendeckend verbindliche Zusammenarbeit zwischen den Kitas und den Grundschulen bereits in der letzten Legislaturperiode gefordert. Bremerhaven macht es uns seit Jahren vor.
Es wird Zeit, dass wir von diesen Modellprojekten wegkommen. In der letzten Periode haben wir uns darüber echauffiert, dass es wieder nur fünf Modellstandorte waren. Dieser Antrag macht deutlich, dass Sie das jetzt flächendeckend verbindlich regeln wollen.
Wir hoffen, dass es in dieser Legislaturperiode auch tatsächlich dazu kommt. Wir werden als Fraktion der CDU werden diesen Antrag unterstützen. – Danke schön!
an, wir alle kennen die Erfahrung, in einem Land zu sein, dessen Sprache wir nicht sprechen. Alltägliche Situationen können dann schnell zum Hürdenlauf werden, und der Kontaktaufbau zu anderen Menschen ist schwierig. Die Alltagskommunikation mit Händen und Füßen ist unterhaltsam, aber sobald es etwas komplexer wird, geraten wir an Grenzen.
Wir umgeben uns deswegen in einer solchen Situation gern mit Menschen, die unsere Sprache sprechen, weil die Sprache dabei ein sicherer Anker ist. Die gleiche Sprache grenzt uns aber auch ab und manchmal auch aus. So bleiben wichtige Türen verschlossen, nämlich die Türen zu den Kulturen der anderen. Den vorliegenden Antrag der Koalition unterstützen wir gern, denn mit Sprache können wir Informationen, Emotionen und Bedürfnisse mitteilen. Mit Sprache gestalten wir Beziehungen, Kooperationen und Alltag. Mit Sprache können wir die Welt erfassen und auch beschreiben, wie wir sie sehen.
Es ist wichtig, dass wir alle dasselbe Werkzeug benutzen können. Konflikte zu lösen gelingt erst dann, wenn wir darüber sprechen, wie wir miteinander sprechen, also auf der Metaebene. Da kommen wir mit Händen und Füßen nicht mehr so richtig weiter. Spätestens hier muss ich einschieben: Es geht nicht nur um ausländische, sondern auch um deutsche Kinder, die ebenfalls zum Teil massive Sprachdefizite mitbringen, wir haben das gehört.
Von 2004 bis 2009 wurde bereits im Modellprojekt Fördern von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund das Konzept der durchgängigen Sprachbildung entwickelt. Die genannten Ergebnisse der Sprachwissenschaft sind nicht neu. Auch, dass in Bremen viele Kinder leben, die zwischen einer Muttersprache und einer Bildungssprache unterscheiden, ist nicht neu. Warum, liebe Sozialdemokraten, kommt Ihr Konzept, das für soziales Miteinander so elementar ist, erst heute und nicht zehn Jahre früher?
Schade um die Kita-Generationen, die nicht in den Genuss gekommen sind. Als Freie Demokraten sagen wir trotzdem: Bravo, lieber spät als nie.
Sprachbildung soll sich zukünftig nicht allein auf isolierte Förderabgaben konzentrieren, sondern Teil der gesamten Bildung werden. Das gilt nicht nur für Kita, Grundschule und Sekundarstufe, son
dern bis in die Berufsschule und in die Berufsausbildung hinein. Wir halten darüber hinaus folgende Punkte für wichtig und sinnvoll: Das Erste ist die übergreifende Kooperation der Bildungseinrichtungen von Anfang an – also Kita, Schule und so weiter, dann der Einbezug der kinderärztlichen Untersuchungen und der Fokus der Sprachtests auf die aktiven Sprachfähigkeiten.
Der Cito-Sprachtest, der im Moment allein das passive Hörverständnis abbildet erfolgt zu spät. Ich habe in Elterngesprächen erfahren: Es gibt fünfeinhalbjährige Kinder, bei denen durch den CitoSprachtest Förderbedarf festgestellt wurde, die aber in keine entsprechenden Förderangebote eingesteuert werden können. Das heißt im Klartext: Ihr Kind braucht Förderung, bekommt aber keine. Es kann also leider nicht eingeschult werden.
Ich erspare Ihnen die Beschreibung, welche Gefühle eine solche Familie gegenüber der Behörde hat. Auf Förderbedarfsfeststellung muss Förderung folgen, sonst macht das Ganze keinen Sinn. Systematisch ist hier nichts geschehen. Sonst wären die Ergebnisse mit einem Sprachförderbedarf von 67 Prozent in Gröpelingen und 50 Prozent in Osterholz, Huchting, Walle, Blumenthal und Vegesack nicht so enorm schlecht, wie sie sind. Das ist ein beschämendes Ergebnis.
Ein Konzept für Ganztagsschulen mit strukturierter genereller Sprachförderung ist überfällig, weil Sprachförderbedarf nicht allein ein Thema von Stadtteilen mit hohem Sozialindex ist.
Viel Zeit ist verloren gegangen, aber derzeit wird anscheinend an einer stadtteilübergreifenden Koordination gearbeitet. Das begrüßen wir als Fraktion der FDP von ganzem Herzen und stimmen daher dem Antrag zu. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Sprache ist der Schlüssel zur Bildung. Darüber sind wir uns sicherlich alle einig. Kinder sind von Natur aus neugierig, freudige Entdecker ihrer Umwelt, aber auch ihres eigenen Körpers. Da beginnt Bewegung, da entdecken sie ihre eigene Stimme, ihre Stimmlage. Alle
Bestenfalls zu diesem Zeitpunkt sollten alle Eltern wissen, dass die Förderung ihres Kindes beginnt. Leider wird dies nicht von allen Eltern wahrgenommen. Hier müssen wir in unserer Gesellschaft noch sehr viel mehr Aufklärungsarbeit leisten, denn dieser Beginn der Förderung ist unabhängig von der Muttersprache, in der ein Kind aufwächst.
Kinderärzte, Hebammen und alle Menschen, die mit den Eltern und den Kindern frühzeitig in Kontakt treten, müssen vermitteln, dass Eltern in erster Linie zunächst damit beginnen müssen, auf Reflexe, die Kinder ausdrücken, auf Mimik und auf Gestik zu reagieren, damit die Kinder wahrnehmen: Da ist ein Gegenüber, auf das ich reagieren kann und das mit mir in Interaktion tritt. Denn auch so beginnt Sprache.
Wir stellen seit Jahren fest, dass die Sprachfähigkeit bei kleineren Kindern häufig nicht altersgerecht entwickelt ist, egal, welche Muttersprache sie sprechen. Selbstverständlich haben wir auch viele Kinder und Jugendliche in unseren Kitas und Schulen, die eine andere Herkunftssprache sprechen und hier noch nicht lange genug um Schutz und Hilfe nachgesucht haben.
Meine beruflichen Erfahrungen in der Kindertagesbetreuung zeigen mir, dass besonders Kinder, die mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufgewachsen sind und von ihren Eltern schon frühzeitig gefördert wurden, relativ schnell in der Lage sind, eine weitere Sprache zu sprechen und sich dem Sprachumfeld sehr gut anpassen können.
In der Kindertagesbetreuung ist der Fokus auf die Sprachförderung seit vielen Jahren fest integriert. Hier ist es selbstverständlich, dass die alltagsintegrierte Sprachförderung zum Alltag gehört. Darüber hinaus gibt es mehrere Programme zur Sprachförderung, Sprachbildung, die unterschiedlich finanziert sind durch den Bund oder durch die Kommune. Einige Programme sind, zumindest in der Stadt Bremen, in Verbünden mit Grundschulen wie zum Beispiel Sprach-Kitas – davon haben wir mittlerweile 60 an der Zahl. Auch in dem Bereich Sprache und Integration gibt es mehrere Verbünde.
Hierbei geht es vor allem um ganz konkrete Handlungsschritte, die in der praktischen Arbeit mit gemeinsamen Fortbildungen verbunden sind. Es gibt aber auch Programme, in denen sich die Kitas intern weiterentwickeln. Auch das wird immer wieder mit Begleitung und Fortbildung gekoppelt. So zum Beispiel die Bücher-Kitas. Wir haben mittlerweile 80 Kitas, die sich als Bücher-Kitas zertifiziert haben. Da geht es vor allem um Sprache.
Für die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte gibt es regelmäßig fortlaufende Angebote zur Kompetenzerweiterung, zum Beispiel einjährige Qualifizierungen zur Spracherziehung in der Kita oder einwöchige Fortbildungen zum Sprachförderer und zur Sprachförderin. Die Weiterentwicklung der Durchgängigkeit der Sprachbildungsangebote von der Kita in die Grundschule spielt eine große Rolle und muss ausgebaut werden.
Angebote wie Sprachförderbänder in der Grundschule aber auch in den Oberschulen dienen der systematischen Ergänzung des Regelunterrichts. In dem von uns geforderten Konzept sollen alle Maßnahmen im Bereich der Sprachbildung und Sprachförderung als Ganzes geprüft und weiterentwickelt werden. Dabei sollen sowohl die bisherigen positiven Erfahrungen als auch die nationalen und internationalen Erkenntnisse zur Sprachbildung berücksichtigt werden.
Wir wollen den in Bremen eingesetzten CitoSprachtest im Vergleich zu in anderen Bundesländern angewandten Tests überprüfen und optimieren. Wir wollen eine bessere und verbindliche Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen, aber auch Grundschulen mit weiterführenden Schulen erreichen, um die Sprachkompetenz eines jeden einzelnen Kindes weiterzuentwickeln, um damit auch soziale Ungleichheiten abzubauen und mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen.
Wir fordern den Senat auf, ich bin sofort fertig, in einem halben Jahr ein Konzept vorzulegen, in dem die Fragestellungen, die wir dort aufgeführt haben, konkretisiert werden. Wir wollen in dem Konzept die Antworten dazu finden und bitten um Unterstützung des Antrags. – Vielen Dank!
Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Kommunikation und damit auch Sprache – aber natürlich nicht nur, meine Kollegin Petra Krümpfer hat das gerade schon erwähnt, Kommunikation besteht nicht nur aus Sprache, aber eben auch – sind der Schlüssel zur Welt. Kommunikation ist die unabdingbare Voraussetzung für Lernprozesse und den Austausch mit unseren Mitmenschen und sie steht deswegen im Lernprozess von Kindern an zentraler Stelle.
Es ist daher nur folgerichtig, dass unsere neue Koalition als erstes bildungspolitisches Anliegen die Sprachförderung in den Blick nimmt.
Wir wissen, welche Defizite es bei den Kindern in Bremen im Bereich des Sprachstandes gibt. Bei dem Cito-Sprachtest wurde 2018 bei knapp 40 Prozent der Kinder ein Sprachförderbedarf festgestellt. Diese Zahl ist seit dem Jahr 2010 kontinuierlich gestiegen. Der Sprachförderbedarf ist dabei aber nicht gleich verteilt, das lässt sich in der Stadt Bremen an den Stadtteilen ablesen. Während in Borgfeld oder Oberneuland nur etwas mehr als 12 Prozent der Kinder einen Sprachförderbedarf aufweisen, sind es in Osterholz die Hälfte aller Kinder und in Gröpelingen sogar 66 Prozent. Es sind vor allem die Kinder in den benachteiligten Stadtteilen und aus den benachteiligten Familien, die von Anfang an schlechtere Startchancen haben.