Protokoll der Sitzung vom 11.10.2023

unabhängig zu machen. Bis wir das geschafft haben, brauchen wir einen

Übergang, aber nicht einen pauschalen Übergang, und wir brauchen auch

nicht Politikerreden, die uns hier endlose Statistiken aufzeigen, Herr

Schäck,

(Abgeordneter Thore Schäck [FDP]: Unangenehme Fragen!)

mit irgendwelchen Steuervergleichen, sondern wir müssen mal gucken: Was

passiert denn in den Betrieben? Was ist denn die Situation ganz konkret

heute?

(Abgeordneter Frank Imhoff [CDU]: Welcher Betriebe genau?)

Ich bin ja froh, dass Herr Michalik noch mal ein Bekenntnis zum Stahlwerk

gemacht hat. Weil wir hatten ja diese Demonstration, wir haben alle

Fraktionen eingeladen, FDP und CDU waren nicht da, ich nehme erfreut zur

Kenntnis, dass Sie trotzdem zum Stahlwerk stehen.

(Beifall SPD)

Wenn es nicht um eine pauschale Entlastung geht, worum geht es dann? Es

geht um zwei Dinge. Erstens: Wir reden über energieintensive Betriebe.

Nach einer Statistik des DGB haben 75 Prozent aller bundesdeutschen

Betriebe einen Energiekostenanteil von unter 10 Prozent. 75 Prozent!

Warum sollten wir die 75 Prozent über irgendwelche

Durchleitungsgeschichten, über Steuern oder über andere Dinge entlasten?

Warum sollten wir das tun? Ein Energiekostenanteil an einem Produkt von

10 Prozent ist nicht entscheidend und gefährdet nicht das Unternehmen.

Sondern wir reden über energieintensive Betriebe. Erster Punkt.

Zweiter Punkt: Wir reden auch über Betriebe, die in internationaler

Konkurrenz stehen, weil es natürlich unterschiedliche Strompreise gibt.

Dann nützt es uns nichts, auch mal zu analysieren, wie die Steuer in

Frankreich ist, wie die Steuer in der Bundesrepublik ist, wie die

Entwicklungen sind, wo wir herkommen. Sondern es werden Entscheidungen

gefällt von Unternehmen, von internationalen Unternehmen.

Ich will Ihnen zwei nennen. Erstens: Dow Chemical in Stade hat die

Investitionen gestoppt, weil sie mit der Energieversorgung in der

Bundesrepublik nicht zufrieden sind, weil sie nicht wissen, welche Preise

das perspektivisch gibt. Zweitens: Arcelor Mittal ist ein internationaler

Konzern. Natürlich entscheidet der, wo kriege ich Fördermittel. Der hat hoch

anerkannt, dass wir in Bremen zu der Förderung stehen, dass wir das

machen. Da sind wir wirklich in der ersten Reihe der internationalen

Vergleiche innerhalb dieses Konzerns. Aber natürlich guckt der sich an: Was

heißt denn das nach Investition? Was heißt denn das für die Laufzeit von

DRI-Anlagen und anderen, mit den Stromkosten? Was bedeutet das denn?

Das sind Fakten, an denen wir nicht vorbeikommen.

Wenn wir da nicht handeln, mit einem Brückenstrompreis, der uns die

Grundstoffindustrie – und der Kollege Herold hat das gesagt, es ist im

Wesentlichen die Grundstoffindustrie – erhält, wenn wir die nicht erhalten in

den nächsten fünf bis zehn Jahren, und die wandern ab, dann sind sie weg.

Das hat Folgen, nicht nur für Wasserstoff und unsere Transformation in

Bremen, sondern das hat Folgen für die Deindustrialisierung. Wenn die weg

sind, dann gehen auch andere. Es wird keinen Bereich mehr geben, der

hierbleibt, wenn wir keine Grundstoffindustrie mehr haben.

Mercedes kauft heute schon Bleche in Schweden. Warum? Weil die CO2-frei

sind, weil es ein Elektrostahlwerk ist mit einem Wasserkraftwerk dahinter,

und weil die kein CO2 haben, und weil Mercedes ein sauberes Produkt