Protokoll der Sitzung vom 11.10.2023

wir erreichen, weil sehr viele Suchtmittel ja gar nicht im öffentlichen Raum

konsumiert werden, das darf man auch nicht vergessen.

Aber die konkreten Zahlen für jeden Tag, also wie viele Menschen

tatsächlich da reinkommen, kann ich Ihnen gern noch nachliefern. Das gibt

aber keine Aussage darüber – was Sie darunter verstehen –, wie Ihnen

geholfen wird. Da muss ich ganz klar sagen, ist es unterausgestattet und wir

erreichen nicht alle so, wie wir sie gern erreichen wollen.

Eine weitere Zusatzfrage? – Bitte sehr!

Wenn ich Sie gerade richtig

verstanden habe, dann sind 22,8 Prozent der Männer zwischen 18 und 64 in

Bremen alkoholabhängig oder zeigen Tendenzen für eine Abhängigkeit.

Inwiefern begegnen Sie diesem Problem beziehungsweise welche

Maßnahmen und Lösungen sehen Sie da? Können Sie uns sagen, wie das

bundesweit einzuordnen ist? Es ist ja fast jeder vierte Mann in Bremen, der

alkoholabhängig ist.

Ja, das kann man so in etwa sagen. Nun gut,

diese Zahlen des Suchtsurveys stammen von Selbsteinschätzungsfragen.

Das ist sozusagen nicht der reelle Blick darauf, wie weit ich mich schon als

abhängig einschätze. Das darf man nicht unterschätzen. Alkohol ist eine,

nennen wir es mal legale Droge, bei der sehr schwer zu verifizieren ist, wer

sich in einem gesundheitsgefährdenden Zustand befindet.

Ich finde es auch sehr schwierig, dass man die Alkoholabhängigkeit

gegenüber den illegalen Drogen immer etwas vernachlässigt. Da sind wir

gehalten, viel stärker in die Aufklärung zu gehen. Wir sind beschäftigt mit

unserem Drogenhilfeplan, den wir jetzt aufstellen, und wenn wir nicht relativ

früh, das spricht für den gesamten Bildungsbereich, Aufklärung betreiben,

halte ich das für ein Riesenproblem. Wir sind in der Debatte darum,

Werbung zu verbieten an bestimmten Stellen, aber das sind alles

flankierende Maßnahmen, die nicht dazu führen werden, dass diese

Alkoholabhängigkeit und –problematiken auf lange Sicht einfach

verschwinden werden. Sondern wir müssen da, glaube ich, die Trennung von

legal und illegal aufheben.

(Beifall SPD, Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE)

Frau Senatorin, eine weitere Zusatzfrage

durch die Abgeordnete Maja Tegeler.

Frau Senatorin, geben Sie mir

recht, dass die in der Anfrage unterstellte permissive Drogenpolitik und die,

Zitat: „Offene Zurschaustellung der Toleranz gegenüber Suchtkranken“

eigentlich eher den Weg zumacht für von Vertreter:innen der Suchthilfe

immer wieder eingeforderte akzeptierende Drogenarbeit, eben um den

Suchtkranken gerecht zu werden und um auch Beschaffungskriminalität zu

verringern?

Ich gebe zu, dass es so einen Eindruck

erwecken kann, wenn man das so formuliert. Ich halte das

selbstverständlich für falsch, weil zum einen sind Großstädte

entsprechende Ballungszentren, zweitens ist Bremen da wirklich nicht an

der Spitze, das darf man an der Stelle auch nicht vergessen, und der

Eindruck von wegen „ich werde jetzt mal drogenabhängig“, der ist völlig

absurd.

Wir haben inzwischen solche Problematiken, bei denen die Menschen da

hineinschlittern, und es sind sehr lange Prozesse, um das überhaupt