Protokoll der Sitzung vom 11.10.2023

sehr komplexes Thema in zwei Sätzen runterzubrechen, und das klappt

eben nicht. Das ist einfach nur ein Mittel, um billigen Applaus zu ernten. Sie

bedenken zum Beispiel nicht, dass es möglicherweise auch EU-Recht gibt,

gegen das verstoßen werden könnte, wenn man sogenannte verdeckte

Subventionierungen vornimmt. Das steht im Raum, das muss geklärt

werden.

Man kann natürlich Mittel und Wege zur Bekämpfung des

Strompreisanstieges finden und sollte auch darüber reden. Wir als CDU

Fraktion haben uns selbstverständlich auch Gedanken dazu gemacht und

festgestellt, dass die Ampelkoalition im Kern einige Punkte überspringt. Wir

stehen selbstverständlich auch zum Stahlwerk und zum Industriestandort

Bremen, aber wir sagen auch, dass erst mal alle Möglichkeiten, die dem

Bund zustehen, direkt erschöpft werden müssen. Künstliche Konstrukte

nützen manchmal nichts. Erst, wenn diese Möglichkeiten alle ausgeschöpft

sind, kann man schauen, ob man einen Brückenstrompreis oder Ähnliches

auf den Weg bringt.

Wir sagen, und das ist auch unsere Botschaft: Der Strom muss für alle

billiger werden, nicht nur für Einzelne.

(Beifall CDU, FDP)

Damit würden sofort Industriekunden, kleinere Unternehmen, Private,

Vermieter und Mieter profitieren und entlastet werden. Wir dürfen nicht die

Großbäckerei gegen den kleinen Bäckermeister ausspielen oder außen vor

lassen. Wir wollen, dass alle partizipieren. Das Mittel dafür wäre, die

Netzentgelte, die Stromsteuer und die Mehrwertsteuer auf Strom

abzusenken. Das sind die Möglichkeiten, die Sie im Bund direkt haben.

(Beifall CDU)

Wir brauchen vor einer Entscheidung zu einem möglichen

Brückenstrompreis Strukturreformen, um auch das Fundament unseres

Wohlstands zu erhalten, aber es wird auch – und das ist hier gar nicht

passiert – zu wenig über das eigentliche Problem gesprochen. Denn das

Problem, das wir haben, ist die Energieknappheit. Dieses Problem muss an

der Wurzel gepackt werden, indem wir zum Beispiel erneuerbare Energien

ausbauen. Genau hier stellt sich auch die Frage, was der Senat

Bovenschulte tut oder die vergangenen Jahre getan hat.

Wenn wir mal zurückschauen: Seit 2018 wurde in Bremen nur ein Windrad

aufgestellt. Im Verhältnis für die Zuhörer: Ein Windrad kann Strom für etwa

4 000 Wohneinheiten produzieren. Das Gleiche gilt für PV-Anlagen. Im

Klimacontrollingausschuss wurde uns letzten Monat mitgeteilt, dass es

tatsächlich gelungen ist, dieses Jahr eine PV-Anlage auf einem öffentlichen

Dach aufzustellen und anzuschließen.

(Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Wow!)

Das heißt, die Beispielfunktion ist schon mal nicht gegeben. Jetzt

versuchen Sie, mit dieser Aktuellen Stunde abzulenken, anstatt das, was Sie

hier vor der Tür in den Sand gesetzt haben, auszubaden.

(Beifall CDU)

Aber zurück zur Debatte: Wir sind in der Opposition in Bremen und auch im

Bund, und auch wir schauen kopfschüttelnd in Richtung Bund und können

diesen Streit einfach nicht begreifen und warum es auf Kosten der

Industrie und der Bürger immer noch keine Lösung gibt. Dieser Streit hilft

keinem, und Herr Dr. Herold, Sie sagten, Sie möchten die Menschen

abholen. Sie erreichen ja gerade das Gegenteil. Dieser Streit steigert die