Protokoll der Sitzung vom 11.10.2023

beispielsweise Chemie, Stahl, Glas, Papier und viele andere können in

Deutschland kaum noch wettbewerbsfähig produzieren, weil der Strom so

teuer ist.

Manche europäische Länder haben, um darauf zu antworten, einen

Industriestrompreis. Ein Industriestrompreis führt natürlich als Mittel, als

Werkzeug dazu, dass Strom quasi künstlich runtersubventioniert wird für

einzelne Wenige. Das ist auch in Europa nicht einheitlich geregelt; bei

manchen geht es nach der Unternehmensgröße, bei anderen nach der

Branche. Aber eine künstliche Runtersubventionierung für bestimmte

Unternehmen, für bestimmte Branchen sorgt natürlich auch immer für

innereuropäischen Wettbewerb, wie wir ihn im Moment auch im Bereich der

Steuern haben, und ich bin mir nicht sicher, ob das für unser gemeinsames

europäisches Projekt sinnvoll ist.

(Beifall FDP)

Häufig wird ja Frankreich angeführt als Beispiel für einen

Industriestrompreis, gerade, wenn man die Medien der letzten Wochen

googelt. Frankreich hat aber gar keinen Industriestrompreis. Frankreich hat

letztendlich nur einen Preisdeckel, aktuell für private Haushalte, unter den

auch kleine Unternehmen bis zehn Mitarbeiter fallen. Für große

Unternehmen, große Industrieunternehmen gilt das eben nicht, die haben

andere Beihilfen, aber in Frankreich gibt es aktuell keinen

Industriestrompreis, wie wir ihn uns vorstellen.

Was Frankreich aber gut macht, und deswegen führe ich das Argument an:

Frankreich hat einen allgemein sehr günstigen Strompreis. Wenn wir uns

die Strompreise anschauen, dann sehen wir, dass Frankreich ohne Steuern

und Abgaben aktuell einen Strompreis von ungefähr 13 Cent pro

Kilowattstunde hat. In Deutschland liegt dieser bei 17 Cent. Das ist etwas

höher aber noch relativ nah beieinander. Wenn wir jetzt Steuern und

Abgaben draufrechnen, dann landen wir in Frankreich von 13 Cent pro

Kilowattstunde bei 15 Cent pro Kilowattstunde. Wenn wir in Deutschland

Steuern und Abgaben draufrechnen, dann landen wir von aktuell um die 17,

18 Cent bei mittlerweile 27, 28 Cent pro Kilowattstunde.

Das bedeutet, dass Frankreich auf den normalen Strompreis Abgaben und

Steuern erhebt von ungefähr 15 Prozent und Deutschland von fast

50 Prozent. Das zeigt doch, dass das Problem der hohen Strompreise in

Deutschland insbesondere daran festzumachen ist, dass wir in Deutschland

einfach zu hohe Steuern und Abgaben auf den Strompreis haben.

(Beifall FDP – Abgeordneter Jan Timke [Bündnis Deutschland]: Quatsch!)

Es verwundert dann doch sehr, dass die Grünen hier ein solch flammendes

Plädoyer für einen günstigen Strompreis halten. Ich erinnere noch mal

daran: Es war der Grüne Jürgen Trittin, der ja bedauerlicherweise aus

Bremen stammt, der 2004 gesagt hat, ich zitiere ihn: „Es bleibt dabei, dass

die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur

einen Euro im Monat kostet, so viel wie eine Kugel Eis.“ Bei einem EEG

Anteil von knapp 7 Cent pro Kilowattstunde, zumindest im Durchschnitt der

letzten zehn Jahre, waren das in einem Vierpersonenhaushalt allerdings

250 bis 300 Euro im Jahr. Das, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ist

nicht eine Kugel Eis im Monat, das ist eine Kugel Eis am Tag, und das ist

einfach zu viel für die Haushalte in Deutschland.

(Beifall FDP – Zuruf Abgeordneter Martin Michalik [CDU])

Diese direkte Belastung der Bürgerinnen und Bürger wurde ja nun durch die