Protokoll der Sitzung vom 07.12.2022

Ja, da bin ich dann auch dabei, dass die, die die Kriterien von guter Arbeit bercksichtigen, wenn sie Wirtschaftsinstrumente in die Hand nehmen mssen, mit einem Zuschlag belohnt werden. Wir k|nnen nicht nur sonntags darber reden, dass wir gerne mehr Tarifbindung hätten und ordentliche Bezahlung und vieles andere mehr, aber montags bis freitags tun wir nichts dafr. Auch das muss ein Leitgedanke der Wirtschaftsf|rderung in unserem Land sein.

(Beifall SPD)

Gerade die Frage des Personals, die Frage der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten, ist eine der zentralen Fra

gen fr die Zukunft. Wenn wir fr die Bundesrepublik Deutschland davon ausgehen, dass wir zwischen 2030 und 2035 einen Fachkräftemangel von ungefähr 7 Millionen K|pfen haben werden ± schauen Sie einmal nach Hessen: 6,2 Millionen Einwohner; dann sind das mehr K|pfe, als es Hessinnen und Hessen gibt, die uns nachher fr die Wirtschaft in unserem Land fehlen werden ±, dann ist die Fachkräftesicherung das zentrale Thema fr die Wirtschaftspolitik der Zukunft.

(Zuruf Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten))

Deswegen braucht es eine Stärkung der Verbundausbildung. Es braucht die au‰erschulische Berufsorientierung. Es braucht eine ernsthafte Untersttzung des Landes fr Instrumentarien wie die Berufseinstiegsbegleitung. Diese richtet sich an Schlerinnen und Schler und Auszubildende, aber auch direkt an Unternehmerinnen und Unternehmer, damit sie bereit sind, diesen Weg zu gehen, um denjenigen zu helfen, die ein bisschen mehr Aufwand ben|tigen, um ihre Ausbildung bestehen zu k|nnen. Auch hier: keine Ansätze oder nur unzureichende Ansätze in Ihrem Haushalt, meine Damen und Herren.

(Beifall SPD)

Dann bin ich beim Fachkräftethema. Natrlich will ich es an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, weil es logischerweise auch nicht im Haushaltsplan auftaucht. Wenn ich von einer Gleichwertigkeit der Bildungsabschlsse bei der universitären und der beruflichen Ausbildung rede, dann muss am Ende das Thema klar sein: Nicht nur der Master muss in Hessen gebhrenfrei sein, sondern auch der Meister. Das muss auch im Haushalt hinterlegt sein. Das ist eine der gro‰en Schwachstellen in diesem Haushalt.

(Beifall SPD und Dr. Stefan Naas (Freie Demokra- ten))

All diese Punkte zeigen, dass Sie in dem Bereich nicht auf der H|he der Zeit sind. Herr Minister, Sie sind auch nicht auf der H|he der Zeit im Bereich Wohnen. Wenn die Branche berall Alarmsignale aussendet ± wir reden von einer dramatischen Situation und vielem anderen mehr ±, dann gilt es, das ernst zu nehmen und nicht das Al-Wazir-Prinzip anzuwenden: Wir hoffen, und irgendwie wird sich das schon l|sen. ± Nein, meine Damen und Herren, aktives Tun und Handeln des Landes wäre gefragt. Dabei sind das Geld und das Volumen nur das eine. Die Frage auf der anderen Seite lautet: Wie kommen wir bei einer Veränderung weg von den starren schlechten F|rderbedingungen des Landes hin zu einer Veränderung, damit wir das Geld berhaupt loswerden fr diejenigen, die bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen? ± Unsere Vorschläge dazu haben Sie allesamt abgelehnt.

Wir haben vorgeschlagen: F|rderprogramm umgestalten ± abgelehnt ±; Dynamisierung von Darlehensbeträgen, gerade in diesem Bereich auch in Zeiten von gestiegenen Baukosten ± abgelehnt. Dann rede ich noch nicht ber das Thema Barrierefreiheit, dann rede ich noch nicht ber das Thema Wohnen im ländlichen Raum. All das sind Themen, die mssen bearbeitet werden, wenn man auf der H|he der Zeit sein will fr die gro‰e soziale Frage des Wohnens in unserem Land. Dieser Haushalt ist ein Ausweis dessen, dass Sie nicht auf der H|he der Zeit sind, meine Damen und Herren.

(Beifall SPD)

Das gilt auch bei den erneuerbaren Energien. Sie haben immer wieder lebhaft diskutiert in der Frage ÄHessen hinten³. Nirgendwo dauert es so lange von der Idee, ein Windrad zu errichten, bis hin zu tatsächlich erneuerbaren Energien in Hessen. Das liegt an Hessen, das liegt an Ihrer Infrastruktur, an Ihren Planungswegen.

Meine Damen und Herren, dazu haben wir immer wieder deutlich gemacht: Es geht nicht um eine fiktive Ausweisung von theoretischen Flächen, sondern am Ende ist Energiewende konkret. Es geht um bebaute Flächen in unserem Land. Auch hier ist Hessen hinten, und Sie sind nicht auf der H|he der Zeit.

(Beifall SPD)

Nicht auf der H|he der Zeit sind Sie auch bei dem gro‰en Thema der Mobilität von morgen. Wir haben es auch in dieser Woche noch einmal eindringlich geh|rt, und ich will es hier wiederholen. Herr Minister, Sie stellen sich hier immer wieder hin als Minister 300 % und sagen, man habe sich die Energiewende und die Mobilitätswende auf die Fahnen geschrieben, die Mobilität von morgen sei Ihre Erfindung. 300 % zu propagieren, und am Ende kommen magere 3 % originäre Landesmittel fr den dauerhaften Betrieb der Verkehrsverbnde heraus ± das hat an diesem Pult auch der Geschäftsfhrer des RMV am Montag deutlich gemacht.

(Beifall SPD ± Zuruf Minister Tarek Al-Wazir)

± Deswegen braucht es keinen Zwischenruf, Herr Minister, das stimme nicht. Es war sehr deutlich.

Aber am Ende sollten wir uns alle unabhängig von den Prozentzahlen einig sein: Das, was im Haushaltsentwurf vorgeschlagen ist fr die dauerhafte Finanzierung der Mobilität in der Fläche, reicht bei Weitem nicht aus, um berhaupt den Status quo von Qualität und Gte des Angebots aufrechtzuerhalten.

(Beifall SPD)

Wir reden hier nicht ber Ausbau, wir reden nur ber die Sicherung des Status quo. Die Al-Wazir-Antwort ist wie blich: Alle anderen sind dafr verantwortlich. Die eine Hälfte sollen die Kommunen tragen, die andere Hälfte sollen die Verbnde herausschwitzen. ± Die erklären unisono zu der Frage: Das ist weniger Service, das ist weniger Qualität, das ist weniger neue Mobilität.

Meine Damen und Herren, weniger von allem ± das scheint das Motiv von Tarek Al-Wazir in diesem Bereich zu sein.

(Beifall SPD und Freie Demokraten)

Es geht bei Mobilität auch um Gerechtigkeitslcken. Es geht um Gerechtigkeitslcken bei der Frage, wie die Mobilität im ländlichen Raum organisiert wird. Wenn es richtig und gut ist, was wir hier fast alle wollen, dass wir das Deutschlandticket hinbekommen, dann ist es eine Gerechtigkeitslcke, wenn am Ende im ländlichen Raum Busse und Bahnen nicht fahren. Denn was ntzt mir das gnstigste Ticket, wenn Busse und Bahnen nicht fahren?

Meine Damen und Herren, es ist auch eine Gerechtigkeitslcke, wenn ich bei der Finanzierung des Schlertickets an der 2- oder 3-km-Grenze festhalte und nicht sage, dass es ein Schlerticket fr alle gibt. Auch hier haben wir eine Gerechtigkeitslcke, die das Land mit eigenen Landesmit

teln schlie‰en msste. Auch hier ist Fehlanzeige in Ihrem Haushaltsentwurf.

Öffentliche Infrastruktur auf Kosten der Anlieger zu finanzieren ist aus meiner Sicht auch eine Gerechtigkeitslcke. Da bin ich nicht nur bei den Stra‰enausbaubeiträgen auf der einen Seite. Auch insgesamt ist es eine Frage von Gerechtigkeit, wie die |ffentliche Infrastruktur in Stadt und Land aussieht. ± Gute Infrastruktur ist nun einmal so eine Sache bei dieser Landesregierung.

49 % der Landesstra‰en in Hessen sind ausweislich der Antwort auf meine Kleine Anfrage in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand. Entgegen dem, was Sie hier PR-mä‰ig immer wieder verkaufen, was Sie angeblich alles hinbekommen, zeigt es sich, dass auch nach achteinhalb oder neun Jahren Tarek Al-Wazir der Zustand der Landesstra‰en nicht besser geworden ist. Sie arbeiten den Bestand hinaus, und deswegen braucht es einen Nachhaltigkeitsfaktor, wenn wir die Doppik schon ernst nehmen in diesem Bereich, sehr geehrter Herr Minister.

(Beifall SPD)

Ich brauche Verlässlichkeit und Planungssicherheit auch fr die, die das vor Ort umgestalten, ein Mobilitätsf|rdergesetz fr kommunale Infrastruktur. Wir haben schon mehrfach gesagt, es braucht eine andere Untergrenze, damit Planungssicherheit und auch der Aufwuchs fr diesen Bereich organisiert werden k|nnen.

Beim Landesradwegebau ist es ein Armutszeugnis, was Sie vorlegen. Jetzt feiern Sie, was angeblich der gro‰e Sprung nach vorne ist. All das zeigt, dass Sie auch bei den Planungshorizonten und Wegen, wie man Mobilität fr die Zukunft organisieren kann, die Kurve nicht hinbekommen. Sie beschreiben im Haushalt ± gerade wenn es ein Doppelhaushalt ist ± nicht den Weg, wo Sie hinwollen, sondern Sie beschreiben ein Klein-Klein, wollen hier ein bisschen etwas und dort ein bisschen etwas machen. Aber die Systemfrage hinsichtlich einer Veränderung der Infrastruktur beantworten Sie mit diesem Haushaltsentwurf auch nicht fr den Bereich der Mobilität.

(Beifall SPD)

Herr Kollege Eckert, ich weise Sie auf die Redezeit hin.

Alles in allem: Nicht nur von Verantwortung reden, Herr Minister, sondern dieser Verantwortung auch gerecht werden. Der Haushaltsentwurf zeigt aber leider das Gegenteil. ± Herzlichen Dank.

(Beifall SPD)

Danke, Herr Eckert. ± Fr die CDU-Fraktion erteile ich Herrn Kasseckert das Wort.

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir ber den Einzelplan 07 reden, dann haben wir eine

Reihe von Themen, die in unserem Einzelplan abgearbeitet werden: Wirtschaftsf|rderung, Wohnen, Energie, Verkehr, Landesentwicklung. Die Zeit reicht eigentlich nicht aus, darber ausfhrlich zu diskutieren.

Lieber Tobias Eckert, bei deinen Ausfhrungen zu Beginn, bei deinen ersten Sätzen dachte ich: Das ist eigentlich deckungsgleich mit unserer Einschätzung, was wir mit Wirtschaftspolitik wollen, wo wir dieses Land hinfhren wollen. Ich will es unter dem Strich sagen: Wenn man einmal die letzten beiden Jahre betrachtet, die beiden CoronaJahre, glaube ich, dass wir mit der hessischen Wirtschaft robust durch diese Krise gekommen sind. Das ist kein Verdienst der Landesregierung. Das ist kein Verdienst der Landespolitik. Das ist natrlich ein Verdienst der Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich darauf eingestellt haben,

(Beifall Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten))

die sich auf den Weg gemacht haben, aber am Ende untersttzt durch Politik auf Landes- und Bundesebene, untersttzt durch Rahmenbedingungen, die wir geschaffen haben und die es letzten Endes m|glich gemacht haben, dass wir sagen k|nnen: Wir sind bisher zufriedenstellend durch diese gro‰e Krise gekommen.

Dennoch stehen wir ± auch das wurde gestern in der Generaldebatte deutlich ± nach dem 24. Februar dieses Jahres vor einer weitaus gr|‰eren Veränderung, als wir es uns wahrscheinlich in den letzten beiden Jahren hätten vorstellen k|nnen. Gestern wurde der Begriff ÄZeitenwende³ mehrfach verwendet. Aber egal, wie Sie das nennen, ich glaube, wir stehen vor einer grundlegenden tektonischen Verschiebung unseres Wirtschaftssystems. Dabei geht es gar nicht so sehr darum, ob es im Einzelnen die Lieferketten sind, ob es die Energiekrise ist, ob es die Inflation oder die Konsumzurckhaltung ist. Das Thema Fachkräfte wurde auch angesprochen. All diese Punkte werden uns in den nächsten Jahren vor ganz gro‰e Herausforderungen stellen.

Anders, als es der Kollege Eckert in seiner Rede dargestellt hat, glaube ich, dass wir darauf vorbereitet sind, dass wir Grundlagen fr diese Anpassung schaffen, fr diese Flexibilität, die es in der Wirtschaftspolitik braucht fr den Wandel, vor dem die Unternehmen stehen.

Ich will es an zwei Punkten exemplarisch deutlich machen. Wir haben in dem Haushalt das Thema Start-up fest verankert mit 3,5 Millionen ¼ 2023 und weiteren 4,8 Millionen ¼ 2024. Da wollen wir den Fokus auf die Green-Start-upSzene legen, weil das natrlich die Themen der Zukunft sind.

Aber genauso wollen wir ber die Servicestelle ÄWirtschaftsWandel³ in den nächsten Jahren mit 6 Millionen ¼ die Beratung der Unternehmen untersttzen, die sich auf den Weg machen, was den Wandel betrifft, was die Transformation betrifft. Ich will das an drei oder vier Punkten in diesem Haushalt deutlich machen.

Ich komme zum ersten Punkt in diesem Zusammenhang, zum Thema Energie. Wir erleben in diesen Tagen eine Erosion all dessen, was wir uns in der Vergangenheit haben vorstellen k|nnen. Aber so langsam kommen wir aus dem ersten Schreck heraus. Wir haben in der Politik, auch auf Bundesebene, Vorstellungen entwickelt, ob das Stromoder Gaspreisdeckel sind, die hoffentlich in dem Sinne

greifen, wie wir es uns vorgestellt haben. Aber das ist nur ein kurzfristiger Blick.

Wir brauchen am Ende einen Wandel, ein Umdenken, eine Änderung nicht nur in den Betrieben, sondern auch bei Privathaushalten. Da ist natrlich das Land mit seinen landeseigenen Immobilien, wenn ich den Bereich der Immobilien benennen darf, Vorreiter. Wir haben in der letzten Plenarrunde das Hessische Energiegesetz beschlossen und dabei einen Fokus auf die landeseigenen Immobilien gelegt, was es bedeutet, diese umzubauen, sie zu sanieren, sie energetisch zu sanieren, bis zum Jahr 2030 CO2-neutral zu bekommen. Dafr werden wir 2024, also nach Anlauf der ersten Planungen, 8,5 Millionen ¼ zur Verfgung stellen ± aber nicht nur fr die Landesimmobilien.

Wir wollen ber die Energieberatung auch Dritten, Unternehmen und anderen, die M|glichkeit geben, sich der energetischen Sanierung zu stellen. Wir werden im Haushalt 2023/2024 weitere 2,5 Millionen ¼ zur Verfgung stellen.

Ich will es bei diesen beiden Beispielen belassen, weil Sie daran sehen, dass wir natrlich den Blick ber den Tellerrand hinaus werfen und sagen: Es geht nicht nur darum, kurzfristig zu helfen mit F|rderprogrammen, mit Untersttzungsprogrammen fr das, was jetzt an Preisentwicklung entsteht, sondern man muss umdenken, sich aufmachen auf den Weg der Klimaneutralität. Hierzu bietet der Haushalt an den Stellen, die Energie betreffen, eine breite Grundlage der F|rderung und Untersttzung Dritter.

Ich komme zum nächsten Punkt, dem ÖPNV. Auch hier, lieber Tobias Eckert, unterscheiden wir uns sehr grundlegend in der Betrachtung, was dieser Haushalt hergibt.