Protokoll der Sitzung vom 07.12.2022

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU ± Zuruf Tobias Eckert (SPD))

Das hessische Schlerticket, das Seniorenticket und das Landesticket sind die Blaupausen fr das Deutschlandticket, dessen Einfhrung wir jetzt hoffentlich zum 1. April feiern k|nnen. Aber dafr muss auch die Finanzierung von Bundesseite aus gewährleistet sein. Wir werden die Kofinanzierung des Deutschlandtickets in den Haushalt aufnehmen. Wir erwarten aber vom Bund, dass dieser sich nicht aus der Verantwortung stiehlt, sondern sich auch an den eventuell entstehenden Mehrkosten beteiligt.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Natrlich muss nicht nur das Ticketsystem stimmen, sondern die Menschen mssen auch gerne mit Bus und Bahn fahren. Dafr braucht es attraktive Verbindungen, attraktive Angebote, und dafr mssen die Verkehrsverbnde gut ausgestattet werden, weil sie diese Aufgabe bernehmen.

Das tun wir: Die Verkehrsverbnde erhalten erstmals in der Geschichte ber 1 Milliarde ¼. Das ist eine Rekordsumme fr den ÖPNV, fr die Verkehrswende in Hessen. Herr Eckert und liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD, ich verstehe nicht, wie Sie sagen k|nnen, das sei nichts. Das ist die gr|‰te Summe fr den ÖPNV, die in Hessen je bereitgestellt wurde.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU ± Tobias Eckert (SPD): Fragt sich, wofr!)

Wenn Hessen bis 2045 klimaneutral werden soll ± und wir haben vor, das im Klimagesetz festzuschreiben ±, dann muss der Friseur um die Ecke, dann muss die Bäckerei, und dann muss auch das Industrieunternehmen bis 2045 klimaneutral sein. Das wissen die Unternehmen auch. Die Unternehmen beschäftigen sich mit den Fragen der Transformation, und es kommen im Zuge dessen auch Bedarfe auf: Informationsbedarfe. Genau dafr ist jetzt die Servicestelle ÄWirtschaftsWandel Hessen³ eingefhrt worden, die Unternehmen im Hinblick auf F|rderprogramme, Untersttzungsangebote, Vernetzungen vor dem Hintergrund der Transformation berät und informiert. Das wird gut angenommen, und das ist ein wichtiges Angebot in diesen Zeiten, wo Transformation allgegenwärtig ist.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Hessen ist Industrieland, und Hessen soll auch in Zukunft Industrieland bleiben. Wir haben nichts gewonnen, wenn Industrieproduktion aus Hessen oder aus Europa abwandert und dann mit weniger hohen Umweltstandards produziert. Von daher ist es nicht nur fr den Erhalt der Arbeitsplätze, sondern auch aus klima- und umweltpolitischen Gesichtspunkten elementar, dass wir Industrieland bleiben und dass wir es schaffen, vor Ort in Hessen die Industrie klimaneutral umzubauen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Noch dazu gewinnen wir in Hessen, wenn wir es schaffen, hier die Innovation umzusetzen. Wenn hier die Ideen zum klimaneutralen Wirtschaften entstehen, dann gewinnen wir, dann gewinnen die Arbeitsplätze, und dann gewinnt natrlich auch die hessische Wirtschaft.

Dafr braucht es z. B. Wasserstoff. Deshalb haben wir eine hessische Wasserstoffstrategie aufgesetzt und ganz klar dafr priorisiert, dass berhaupt genug Wasserstoff fr die Industrie zur Verfgung stehen kann. Wasserstoff ist auch ein Baustein der Verkehrswende, nicht fr das Auto oder fr den Individualverkehr, wie das oftmals auch gefordert wird, sondern fr den ÖPNV, und zwar genau fr die Strecken, die nicht elektrifizierbar sind.

(Zuruf Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten))

Da konnten wir in dieser Woche einen gro‰en Erfolg feiern: Der erste von insgesamt 27 Wasserstoffzgen fährt jetzt im Taunusnetz. Weitere werden folgen. Das ist gut fr das CO2, weil sie die alten Dieselloks ersetzen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU ± Minister Kai Klose: Die fahren ja nicht mit hei‰er Luft!)

Sehr geehrte Damen und Herren, wir brauchen eine Wirtschaft, die krisenfest und innovativ ist. Innovationskraft ist ein wichtiger Erfolgsfaktor fr eine moderne Volkswirtschaft, und wir wissen, dass gerade in Start-ups besonders

viele Innovationen stattfinden. Deshalb ist die Start-upF|rderung ein zentrales Handlungsfeld in diesem Haushalt. Wir werden 3,8 Millionen ¼ bzw. 4,5 Millionen ¼ fr die F|rderung und die Untersttzung von jungen dynamischen und innovativen Unternehmen bereitstellen. Da sind z. B. das Grndungsstipendium Äpush!³, das junge Start-ups mit bis zu 40.000 ¼ untersttzt, oder der GreenTech Accelerator Äryon³ zu nennen. Das ist vielleicht ein etwas schwieriger Name, aber im Kern geht es darum, dass auf einem Industriegelände Platz und ein Netzwerk geschaffen werden, um neu gegrndeten Start-ups erst einmal diesen Platz anzubieten und damit auch ganz gezielt produzierende Startups nach Hessen und dann nach Gernsheim zu holen. Denn sie wissen: Wir sind Industrieland, und da wird ganz konkret in die Zukunft des Industrielandes Hessen investiert.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Oder wir haben das F|rderprogramm Distr@l, das die digitale Transformation untersttzt. Wir wissen, die Start-ups von heute sind der Mittelstand von morgen. Hessen ist Grnderland, und Hessen ist Industrieland. Das werden wir mit den Mitteln, die wir im Haushalt bereitstellen, weiter voranbringen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Ganz akut hat die Energiekrise starke Auswirkungen auf die Unternehmen. Die Gaspreisbremse ist da ein wirkungsvolles Instrument, das das Problem bei der Wurzel packt. Trotzdem kann es vorkommen, dass Unternehmen in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Deshalb wird das Programm Hessen-Mikroliquidität aufgesetzt. Das ist sehr niedrigschwellig, sehr unbrokratisch. Das ist auch etwas, was in Corona-Zeiten gut funktioniert hat. Damit stehen wir den Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten zur Seite.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Stärkung der Wirtschaft in der aktuellen Krise ist das eine, die Transformation der Wirtschaft, langfristig gesehen, das andere. Beiden Herausforderungen begegnen wir ganz konkret mit diesem Haushalt.

Wir wissen auch, dass die Zukunft auf erneuerbaren Energien basieren muss. Wir mssen diese ausbauen, das ist v|llig klar. Ich bin froh, dass wir uns hier zumindest in der Zielsetzung weitestgehend einig sind. Nicht nur, weil wir nicht mehr von kriegerischen Autokraten abhängig sein drfen, sondern schlichtweg, weil uns die Erneuerbaren als einzig verlässliche Energieform dauerhaft zur Verfgung stehen. Das sieht man z. B. in Frankreich: Frankreich steht gerade vor einem enorm schwierigen Winter, weil es so sehr auf Atomkraft gesetzt hat. Aller Voraussicht nach werden dort Stromabschaltungen nicht zu verhindern sein.

Frau Kinkel, ich weise auf die Redezeit hin.

Das ist vielleicht auch etwas fr die Atomkraftfans der FDP: Atomkraft ist nicht die L|sung, sondern den erneuerbaren Energien geh|rt die Zukunft.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Die Energiewende muss schneller gehen. Deshalb hat diese Landesregierung viele Ma‰nahmen ergriffen, viele kleine und gro‰e Schrauben gedreht, damit vor allem der Windkraftausbau wieder Fahrt aufnimmt.

(Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Auch mal wieder!)

Das sind einerseits die klaren und transparenten Genehmigungsprozesse durch die Verwaltungsvorschrift. Wir haben auch in diesem Doppelhaushalt wieder elf neue Stellen fr die Regierungspräsidien vorgesehen.

(Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Huch!)

Wir schaffen mehr Stellen bei den Gerichten, insbesondere fr die Windkraftverfahren. Und wir haben in Hessen eine klare Flächenkulisse fr den Ausbau der Windenergie. Das zeigt auch der Anteil der Genehmigungen: Die sind in diesem Jahr wieder gestiegen. Wir liegen bei 45 neuen Anlagen, die in diesem Jahr genehmigt wurden. Sie alle werden aller Voraussicht nach in den nächsten Jahren gebaut. Es ist gut, dass der Windkraftausbau wieder Fahrt aufnimmt, aber wir werden uns natrlich auch nicht zurcklehnen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU ± Stephan Grger (SPD): H|rt, h|rt!)

Wir haben mit dem neuen Hessischen Energiegesetz au‰erdem einen starken Fokus auf den Ausbau der Solarenergie gelegt. Die PV-Pflicht fr landeseigene Gebäude wurde genannt.

(Stephan Grger (SPD): Das hätte die Landesregierung schon längst machen k|nnen!)

Die PV-Pflicht gilt auch fr Parkplätze ab 50 Stellplätzen. Wir brauchen alle bereits versiegelten Flächen fr die Erzeugung von Solarstrom, und zusätzlich brauchen wir noch die Freiflächen. Auch da sind wir dran, dass diese schneller und besser bebaut werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, Abstandhalten und Hygienema‰nahmen haben uns durch die Corona-Pandemie gebracht. Energiesparen und Energieeffizienz sind die Ma‰nahmen, die uns durch die Energiekrise helfen. Denn Energieerzeugung ist das eine, Energie sparen ist das andere. Je mehr Einsparungen wir in diesem Winter erreichen, desto weniger drastisch werden die Auswirkungen der Energiekrise sein.

Deshalb ist es genau richtig, dass in dem Programm ÄHessen steht zusammen³ die Energiesparkampagnen ausgeweitet werden, auch die Energieberatungen gestärkt werden und insbesondere die Landesenergieagentur, die LEA Hessen, finanziell noch einmal besser ausgestattet wird. Denn gerade in der aktuellen Situation sehen wir, dass eine zentrale Landesbeh|rde, die alle Themen rund um den Bereich Energiewende bearbeitet, Gold wert ist. Und die LEA macht gerade im Moment eine hervorragende Arbeit.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Ein weiteres Highlight ist das Programm Solarkredit. Wir sehen, dass gerade in der aktuellen Situation der gestiegenen Baukosten viele private Bauvorhaben zusammengekrzt oder auch ganz gestrichen werden. Meistens wird bei den Krzungen zuerst das vermeintlich nicht Notwendige gestrichen, z. B. eben die PV-Anlagen. Diese sind aber elementar wichtig, vor allem wenn der Neubau mit Wärmepumpen geheizt wird. Wir wollen aber nicht, dass

bei der Energieerzeugung gespart wird, deswegen werden wir ein sehr attraktives Programm zur Untersttzung von privaten Solaranlagen auflegen.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich komme zum Schluss. Der Haushalt setzt in den Bereichen Wirtschaft, Verkehr und Energie klare Schwerpunkte. Wir helfen den Hessinnen und Hessen sowie den Unternehmen in den akuten Herausforderungen. Dieser Doppelhaushalt trägt dazu bei, Hessen in eine sozial-|kologische Zukunft zu fhren. ± Vielen Dank.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)

Danke sehr, Frau Kinkel. ± Als zweite Rednerin fr BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nun Frau F|rster Heldmann. Ihre Vorrednerin hat Ihnen eigentlich nur eine Minute gelassen. Ich bleibe bei fnf, oder ± ±

(Hildegard F|rster-Heldmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Nein, nein, ich halte mich kurz!)

± Gut.

Hildegard F|rster-Heldmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN):

Herr Präsident, vielen Dank fr den Hinweis. Vielen Dank an Kaya Kinkel fr die sch|ne Rede und die Aufklärung. Ich habe mich nur gemeldet, weil ich gedacht habe, dass ich das doch ein bisschen kommentieren m|chte.

Eines will ich sagen: Es kann nicht sein, dass wir sozusagen mit staatlichen Geldern immer nur Personen f|rdern und die Gewinne, die mit Immobilien generiert werden, in der freien Wirtschaft abgesch|pft werden.

Damit komme ich zum nächsten Thema. Was machen wir? Wir stellen so viel Geld fr Bauen und den sozialen Wohnungsbau zur Verfgung wie nie zuvor. Ich sage dazu: zwei mal 200 Millionen ¼ fr die Nassauische Heimstätte.

Damit komme ich zum nächsten Thema. Ich finde es ausgesprochen traurig, dass wir genau denen, die Mietpreise in den Ballungszentren durch ihre Tätigkeit regulieren oder dämpfen ± ob das die NH in Frankfurt oder Darmstadt, in Offenbach und in anderen Städten ist ±, mit immer mehr Regulierungen an den Kragen wollen. Das ist schwierig. Wir untersttzen genau diese mit viel Geld.

(Dr. Stefan Naas (Freie Demokraten): Jetzt verstehe ich nichts mehr!)