Protokoll der Sitzung vom 07.12.2022

Wir sehen auch bei der Hebammenversorgung einen erh|hten Bedarf. Wir wrden da um rund 1,2 Millionen ¼ aufstocken. Die von der Landesregierung veranschlagten Mittel werden unserer Meinung nach nicht ausreichen, um das Recht der Frauen auf eine Betreuung durch eine Hebamme und damit die Nachfrage nach Hausgeburten 1 : 1 abzudecken.

Gleiches gilt auch fr den Schutz des ungeborenen Lebens und fr die Schwangerschaftskonfliktberatung. Wir wrden bei diesem F|rderprodukt die Mittel ebenfalls um 1,2 Millionen ¼ h|her ansetzen, damit das Land Hessen eine umfassende soziale Hilfestellung gewährleisten kann. Dafr ben|tigt man eine Evaluation, nämlich die freiwilligen Angaben der Beratungsstellen zu den Grnden der Abtreibung.

(Beifall AfD)

Fr die von uns vorgesehenen Mehrausgaben muss es im Teilhaushalt Einzelplan 08 eine Gegenfinanzierung geben. Es muss insgesamt im sozialen Bereich sehr genau hingeschaut werden, wann die zielgerichtete Ausgabe der Steuergelder sinnvoll ist und wann eben nicht.

Mit der Gie‰kanne die Gelder auszuschtten, mag einen Teil der Wählerschaft, vor allem, wenn sie im sozialen Bereich tätig sind, sehr zufriedenstellen. Gesamtgesellschaftlich gesehen, ist das aber nicht zielfhrend, sondern kontraproduktiv. Wir wollen immer dann streichen, wenn die Hessische Landesregierung nach unserem Ermessen inadäquate oder sinnlose Ausgaben tätigen will. Beispiele dafr gibt es genug. Das ist nämlich genau dann der Fall, wenn die Leistungen durch das Asylbewerberleistungsgesetz oder das Sozialgesetzbuch bereits abgedeckt sind.

(Beifall AfD)

Das gilt genau auch dann, wenn es keine Leistungsberechtigung mehr gibt. Das ist z. B. der Fall, wenn kein dauerhaftes Bleiberecht besteht. Sie mssten dann nämlich den Rentnern, die Flaschen suchen, erklären, warum sie das tun mssen.

(Beifall AfD)

Da muss die Hessische Landesregierung unbedingt tätig werden, anstatt Gelder auszugeben und dem hessischen Steuerzahler den Schwarzen Peter aufzubrden. Die Dauer der Asylverfahren muss deutlich verkrzt werden. Das ist nicht nur wegen der finanziellen Mittel geboten. Vielmehr ist das auch aus Grnden der Fairness gegenber den Asylbewerbern so zu regeln. Wenn wir dann eine Überlastung der Beh|rden in diesem Bereich zu beklagen hätten, sollte sich die Hessische Landesregierung einmal darber Gedanken machen, ob die Alternative fr Deutschland nicht einfach nur unbequeme Wahrheiten ausspricht, die Sie nicht wahrhaben m|chten,

(Beifall AfD)

die aber leider so sind und die in allen kommunalen Selbstverwaltungen auch deutlich so zu erkennen sind. Wir, die Mitglieder der AfD, versuchen, den hessischen Landeshaushalt im Sinne der Brger des Landes dergestalt anzupassen, dass sich die Kostenbelastung fr den hessischen Brger verbessert, anstatt sich stetig zu verschlechtern. Wenn wir trotz der Mehrausgaben, die ich eben genannt habe und die wir fr notwendig erachten, immer noch im Teilhaushalt Einzelplan 08 rund 260 Millionen ¼ einsparen wrden, dann kommt die Hessische Landesregierung hoffentlich nicht umhin, in Zukunft kostenintensive Bl|cke mehr zu prfen und mehr zu optimieren.

Dass Sie unterdessen bei der ideologischen Politik, die Sie betreiben, in die dringend erforderliche Ursachenbekämpfung einsteigen, meine Damen und Herren, das glauben wir als AfD schon längst nicht mehr.

(Beifall AfD)

Hoffentlich wird der hessische Wähler genau hinschauen, wer seine Interessen vertritt und wer auf Kosten der Brger lediglich die eigenen politischen Ideologien umsetzt. An diesem Punkt mssen wir alle sehr genau auf die Politik der Ampelregierung achten, welche die Kosten im sozialen Sektor ± da sind wir wieder bei der SPD unseres Landes ±, gerade in der Migrations- und Integrationspolitik, erheblich ausweiten wird. Wenn Frau Faeser als Innenministerin die von ihr geplante Politik durchsetzt, ist der Doppelhaushalt, den wir hier vorliegen haben, nichts anderes als pure Makulatur.

(Beifall AfD)

Dann werden Ihnen die Kosten schlicht ber den Kopf wachsen, die Kommunen werden nicht mehr in der Lage sein, sie zu tragen, und Sie k|nnen einen Nachtragshaushalt nach dem anderen machen oder irgendwelche Sonderverm|gen aus der Tasche ziehen. Gebieten Sie dem Einhalt, meine Damen und Herren der Landesregierung, und das mit aller Kraft und mit Nachdruck, um Schaden von unserem Land zu wenden. ± Vielen Dank.

(Beifall AfD)

Vizepräsidentin Karin Mller:

Vielen Dank, Herr Abg. Richter. ± Fr die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat jetzt der Abg. Martin das Wort.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Wir diskutieren heute den letzten Landeshaushalt des Ministeriums fr Soziales und Integration vor der Landtagswahl. Ich will die Debatte deshalb zum Anlass nehmen, um einerseits vorauszuschauen auf die Jahre 2023 und 2024, aber eben auch auf die vergangenen Regierungsjahre von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zurckzuschauen.

Zusammenfassend kann ich festhalten: Seit 2014, seit wir in Hessen regieren, ist Hessen im gro‰en Stil sozialer, gerechter und auch gesnder geworden. Wirkungsvolle Sozialpolitik untersttzt Menschen in ihren eigenen Anstrengungen und erkennt ihre Vielfalt als Bereicherung fr unsere Gesellschaft an.

Ein Meilenstein auf diesem Weg ist das Hessische Sozialbudget. Darin verankern wir ganz viele Untersttzungen fr die soziale Infrastruktur, fr Verbände und Initiativen, die wir finanziell untersttzen und die dann wiederum Menschen, die in Not geraten, helfen k|nnen. Mit 51 Millionen ¼ sind wir 2014 gestartet, und ab 2024 f|rdern wir das Budget mit 133 Millionen ¼. Au‰erdem ist unser Sozialbudget von Krzungen ausgenommen und bietet damit die wichtige Planungssicherheit, die soziale Einrichtungen ganz dringend brauchen.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU ± Zuruf Elisabeth Kula (DIE LINKE))

Ein unverzichtbarer Teil der hessischen Sozialpolitik ist seit Jahren auch die Gemeinwesenarbeit. Damit bringen wir die gleichberechtigte Teilhabe aller und das gesellschaftliche Miteinander voran. Insbesondere in Stadtteilen und Quartieren, die vor besonderen Herausforderungen stehen, haben wir die Gemeinwesenarbeit in den letzten Jahren ausgebaut. Mit ber 9 Millionen ¼ werden in ganz Hessen derzeit 75 Standorte gef|rdert, so viele wie nie zuvor.

Frauen vor Gewalt zu schtzen, ist eine der elementaren Aufgaben unserer Gesellschaft. Wir haben deshalb die Mittel fr den Gewaltschutz von Frauen und Kindern auf ber 10 Millionen ¼ erh|ht. Wir haben das Modellprojekt ÄWohnen nach dem Frauenhaus³ initiiert, das Frauen, die nach einem Aufenthalt im Frauenhaus keine geeignete Wohnung finden, dabei helfen soll, das entsprechend zu l|sen.

Lieber Herr Richter, wenn Sie Gewalt gegen Frauen zum Kulturbild bestimmter Staatsangeh|rigkeiten erklären ± ±

(Robert Lambrou (AfD): Das hat er gar nicht so gesagt! ± Gegenrufe: Doch, hat er!)

± Doch, genau so hat er es leider gesagt.

(Robert Lambrou (AfD): Nein, er hat ÄKultur³ gesagt, nicht ÄStaatsangeh|rigkeit³! ± Zurufe)

± Das ist doch v|llig das Gleiche.

(Widerspruch Robert Lambrou (AfD))

Sie haben uns dazu aufgefordert, dass wir die Ursachen klar benennen, und die Ursache fr Gewalt an Frauen sind prgelnde Männer ± egal, welche Staatsangeh|rigkeit diese Männer haben.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, SPD, Freie Demokraten, DIE LINKE und Rolf Kahnt (fraktionslos))

Wenn Sie Gewalt an Frauen ± egal, ob hellbraun oder ganz dunkelbraun in Ihrer Formulierung ± nur deshalb thematisieren, weil Sie damit gegen Ausländer wettern k|nnen, dann ist das schlicht und ergreifend schäbig.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, ver- einzelt SPD, Freie Demokraten und DIE LINKE ± Robert Lambrou (AfD): Das ist eine ble Unterstellung, die ich hiermit entschieden zurckweise! ± Gegenruf DIE LINKE: Mimimi!)

In der Istanbul-Konvention haben zahlreiche Staaten Ma‰nahmen definiert, um Gewalt an Frauen zu verhindern und Ma‰nahmen zu ergreifen. In Hessen haben wir deshalb in diesem Jahr eine Koordinierungsstelle eingerichtet, die daran arbeitet, genau diese Ma‰nahmen umzusetzen. Wir

ergreifen reale Optionen, um hier tätig zu werden. Das ist eben deutlich mehr wert, als hier gro‰e Reden zu schwingen.

Familienzentren unterbreiten ebenfalls vielfältige Angebote, um Eltern und Kinder beispielsweise mit Kursen, Betreuungsangeboten oder mit Spielzeug und Kleiderkammern zu untersttzen. 2022 haben wir die Rekordzahl von 200 Familienzentren in Hessen geknackt, und mit dieser und vielen weiteren Ma‰nahmen machen wir Hessen Tag fr Tag sozialer.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und Rolf Kahnt (fraktionslos))

Wir alle verdienen in unserer Unterschiedlichkeit Respekt und Anerkennung. Intoleranz, Ausgrenzung und Diskriminierung haben in Hessen keinen Platz. 2014 ist Hessen deshalb der Koalition gegen Diskriminierung beigetreten und hat sich mit inzwischen zw|lf anderen Bundesländern verpflichtet, Betroffene konkret zu untersttzen. Wir haben die Antidiskriminierungsstelle des Landes eingerichtet, die unbrokratisch und schnell hilft. Gemeinsam mit der queeren Community haben wir den Aktionsplan fr Akzeptanz und Vielfalt erarbeitet, der 2017 vorgestellt wurde und aktuell umfangreich weiterentwickelt wird. Angefangen mit 200.000 ¼ im Jahr 2015 oder 2016 ± ich wei‰ es nicht mehr genau ±, stehen im kommenden Jahr ber 1,2 Millionen ¼ fr die Umsetzung des Aktionsplans zur Verfgung. Auch das ist Rekord.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU ± Elisabeth Kula (DIE LINKE): Umgesetzt ist allerdings noch nicht so viel!)

Gute und verlässliche frhkindliche Bildung ± da teile ich eindeutig das, was die Vorrednerinnen gesagt haben ± ist der beste Start in eine erfolgreiche Bildungsbiografie. Die Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung sind in den letzten Jahren enorm gewachsen. Mehr Plätze auch fr Kinder unter drei Jahren, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie der Fachkräftemangel sind gro‰e Herausforderungen, vor denen insbesondere die Kommunen in Hessen stehen.

Wir haben in unserer Regierungszeit erreicht, dass die Qualität durch mehr Personal verbessert wurde, Kita-Plätze ausgebaut wurden und mehr Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden als jemals zuvor. Hessen untersttzt mit 1,2 Milliarden ¼ die Kommunen bei ihrer Aufgabe, die Kinderbetreuung vor Ort sicherzustellen. Das ist die bislang mit Abstand gr|‰te Summe in der Geschichte des Landes Hessen. Liebe Frau Gnadl, da k|nnen Sie doch nicht ernsthaft von einem mangelnden Gestaltungswillen sprechen: 1,2 Milliarden ¼.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU ± Zuruf Lisa Gnadl (SPD))

Was machen wir damit? Wir finanzieren etwa längere Öffnungszeiten, mehr Inklusion oder die Freistellung von Kita-Leitungen. Seit 2018 sind au‰erdem sechs Betreuungsstunden täglich fr Kinder ber drei Jahren beitragsfrei. Das entlastet Eltern in Hessen sprbar.

Um den Ausbau der Kita-Plätze zu untersttzen, haben wir zusätzlich zu den Bundesmitteln fast 170 Millionen ¼ in die Hand genommen. Dadurch f|rdern wir den Ausbau von Gruppen und Kitas vor Ort.

Dann gab es den netten Hinweis von Frau Gnadl, dass es keine Veränderung in der Ausbildung gegeben habe und dass wir doch bitte die Ausbildungszahlen erh|hen sollten. Ich kann Ihnen deshalb heute sagen: Das machen wir mit dem vorliegenden Haushaltsentwurf. Während wir in den vergangenen Jahren jeweils 600 Plätze in der praxisintegrierten vergteten Ausbildung gef|rdert haben, sind es im kommenden Jahr 1.000, so viele wie nie zuvor. Das macht kein anderes Bundesland in Deutschland, so viele PivA-Plätze von Landesseite aus zu f|rdern.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU ± Zuruf Lisa Gnadl (SPD))

So bekommen mehr angehende Erzieherinnen und Erzieher eine Ausbildungsvergtung und mssen eben kein eigenes Geld mehr mitbringen, um ihre Ausbildung zu absolvieren. Seit dem Start des Landesprogramms sind die Ausbildungszahlen um ber 7 % gestiegen. Was sich im ersten Moment vielleicht nach einer kleinen Steigerung anh|rt, ist durchaus eine beachtliche Steigerung, wenn man feststellt, dass im gleichen Zeitraum die Zahl der Auszubildenden insgesamt deutlich gesunken ist. Insofern k|nnen wir konstatieren: Die hessische Fachkräfteoffensive wirkt.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Meine Damen und Herren, Hessen bernimmt humanitäre Verantwortung. Mit den Aktionsplänen zur Integration von Geflchteten und Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts haben wir bundesweit einmalig reagiert, um Schutzsuchenden zu helfen, um Integration zu erm|glichen und unsere weltoffene Gesellschaft zu bewahren. Wir stehen zu unserer Verantwortung fr Menschen, die vor Krieg, Gewalt, vor Hunger und Verfolgung fliehen mssen.