Protokoll der Sitzung vom 07.12.2022

Es gibt einen zweiten Änderungsantrag der Fraktionen der CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Drucks. 20/9673. Wer diesem Änderungsantrag zustimmen m|chte, den bitte ich um das Handzeichen. ± CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der fraktionslose Abgeordnete. Wer ist dagegen? ± Die SPD, die FDP und DIE LINKE. Wer enthält sich? ± Die AfD. Damit ist dieser Änderungsantrag angenommen.

Dann lasse ich jetzt ber den so geänderten Gesetzentwurf, Drucks. 20/9138, von CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN abstimmen. Wer da zustimmt, den bitte ich um das Handzeichen. ± Das sind CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und der fraktionslose Abgeordnete. Wer ist dagegen? ± Das ist niemand. Wer enthält sich? ± DIE LINKE.

(Zurufe DIE LINKE)

± Okay, ich wiederhole die Abstimmung und bitte um deutliche Zeichen. ± Wer dem Gesetzentwurf in der geänderten Fassung zustimmen m|chte, den bitte ich um das Handzeichen. ± Das sind CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und der fraktionslose Abgeordnete. Wer ist dagegen? ± Das ist DIE LINKE. Wer enthält sich? ± SPD und AfD. Damit hat der Entwurf eine Mehrheit gefunden und wird zum Gesetz erhoben.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich rufe die Tagesordnungspunkte 73 und 74 auf:

Beschlussempfehlung und Bericht Ausschuss fr Wissenschaft und Kunst Antrag Dr. Daniela Sommer (SPD), Ulrike Alex (SPD), Christoph Degen (SPD), Gernot Grumbach (SPD), Fraktion der SPD Streit um die Zukunft des Universitätsklinikums Gie‰en-Marburg ± Vereinbarung abschlie‰en, Kndigungen und Ausgliederungen verhindern ± Drucks. 20/9674 zu Drucks. 20/9636 ±

sowie

Beschlussempfehlung und Bericht Ausschuss fr Wissenschaft und Kunst Antrag Fraktion DIE LINKE Gezerre um die Zukunft des Universitätsklinikums Gie‰en und Marburg (UKGM) belegt: Die Privatisierung war, ist und bleibt ein Fehler, der rckgängig gemacht geh|rt ± Drucks. 20/9675 zu Drucks. 20/9637 ±

Bevor ich der Berichterstatterin, Frau Daniela Sommer, das Wort erteile, weise ich noch einmal darauf hin, dass in beiden Beschlussempfehlungen bezglich der Bezeichnung des Vorsitzes ein Fehler unterlaufen ist. Vorsitzender des Ausschusses ist Herr Abg. Daniel May, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, und nicht, wie in der Ihnen vorliegenden Drucksache zu sehen, Herr Abg. Dr. Stefan Naas von den Freien Demokraten. Die Korrektur wurde im Drucksachenpool vorgenommen. Wir haben darauf verzichtet, Ihnen die Drucksache erneut in Papierform vorzulegen.

Aber nun erteile ich der Berichterstatterin zu den beiden Beschlussempfehlungen, Frau Abg. Dr. Daniela Sommer, das Wort.

Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Beschlussempfehlung Drucks. 20/9674 lautet: Der Ausschuss fr Wissenschaft und Kunst empfiehlt dem Plenum, die Punkte 1 bis 3 und 5 des Antrags abzulehnen ± die Mehrheit besteht aus CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen SPD, AfD, Freie Demokraten und DIE LINKE ± und die Punkte 4 und 6 des Antrags abzulehnen ± CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Freie Demokraten gegen SPD, AfD und DIE LINKE.

Zu der Beschlussempfehlung Drucks. 20/9675. Auch hier haben wir getrennt abgestimmt. Der Ausschuss fr Wissenschaft und Kunst empfiehlt dem Plenum, die Punkte 1 bis 3 des Antrags abzulehnen ± CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und AfD gegen Freie Demokraten und DIE LINKE bei Stimmenthaltung der SPD ± und die Punkte 4 bis 7 des Antrags abzulehnen ± CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, AfD und Freie Demokraten gegen DIE LINKE bei Stimmenthaltung der SPD.

Danke fr die Berichterstattung und danke fr die Wortmeldung. ± Als Erster hat sich aber fr die AfD-Fraktion Herr Dr. Grobe zu Wort gemeldet.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Wenn man den Pressemitteilungen Glauben schenkt, k|nnte man fast den Eindruck erhalten, dass beim UKGM wieder einmal alles gut gelaufen ist. Ignoriert wird dabei aber, dass das Universitätsklinikum weiterhin Eigentum der Rh|n-Klinikum AG bleibt, die Landesregierung in den nächsten zehn Jahren eine halbe Milliarde Euro Steuergeld zahlt, aber ein Ende nicht absehbar ist. Zudem will die Landesregierung nun auch einen Inflationsausgleich zahlen. Das hei‰t, es wird noch teurer.

In die Liste der Unverantwortlichkeiten von Ministerin Dorn reiht sich weiter ein, dass sie monatelang die Sorgen der Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze einfach ignoriert hat, dass sie genauso lange die komplette Region Gie‰en/Marburg ber die knftige medizinische Versorgung im Unklaren gelassen hat und dass die Zukunft der medizinischen Ausbildung an einer von zwei Universitäten in Hessen als Spielball fr ihr Unverm|gen herhalten musste.

(Beifall AfD)

Erst kurz vor knapp konnte eine Einigung erzielt werden, die das Schlimmste verhindert hat. Wir hoffen, dass sich die Landesregierung wenigstens bei dem angekndigten Vertrag nicht ber den Tisch ziehen lässt. Ob und wie stark die Mitsprache-, Eingriffs- oder Vetorechte der Regierung sein werden, bleibt abzuwarten. Von einer Meisterleistung war das bisher Gezeigte allerdings weit entfernt. ± Vielen Dank.

(Beifall AfD)

Vielen Dank, Herr Dr. Grobe. ± Fr die FDP-Fraktion hat sich Frau Dei‰ler gemeldet.

Lisa Dei‰ler (Freie Demokraten):

Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Was lange währt, wird endlich gut, meint man landläufig. Elf Monate, nachdem Ministerin Dorn mit dem damaligen Ministerpräsidenten Volker Bouffier den Letter of Intent, den ÄDorn-Deal³, das erste Mal der Öffentlichkeit präsentierte und als gro‰en Erfolg verkaufte, sprach Ministerpräsident Rhein von diesem Pult gestern von einem Ähistorischen Tag³.

Jetzt m|chte ich einmal kurz an die Fakten erinnern. Die Fakten sind nämlich wie folgt: Der Dorn-Deal 2.0, ber den wir jetzt reden ± es sind mittlerweile 800 Millionen ¼ statt 500 Millionen ¼ ±, ist eine Einigung mit dem Betreiber des UKGM ber eine Anschlussvereinbarung. Gut, der Dorn-Deal vom Januar war auch schon eine Einigung mit dem Betreiber des UKGM ber eine Anschlussvereinbarung. Also, passiert ist in der Zwischenzeit nichts. Eine unterschriftsreife Anschlussvereinbarung an die zwischenzeitlich aufgekndigte Zukunftsvereinbarung ist daraus leider nie geworden. Wir Freie Demokraten hoffen, dass es diesmal anders ist. Die Beschäftigten sowie die Patientinnen und Patienten hätten es verdient. Dass die Zeit drängt, ist bekannt. Ich wei‰ gar nicht, wie oft man das noch betonen muss; jetzt haben wir schon Mitte Dezember. Jetzt hat man die Bank noch einmal bis Ende Februar knstlich verlängert. Nach wie vor ist noch nichts unterschrieben; das drfen wir den Leuten nicht falsch verkaufen.

Aber, Frau Dorn, ich muss Sie doch noch einmal beglckwnschen. Das habe ich schon gestern im Ausschuss getan; und dies meine ich in aller Aufrichtigkeit. Ich finde, es ist ein gro‰er Erfolg, dass man in dem Dorn-Deal 2.0, wie ich ihn gern nenne, jetzt doch vereinbaren konnte, dass es eine Investitionszusage der Rh|n-Klinikum AG gibt. Denn es ist ein Unterschied, ob der Betreiber null Euro gibt oder jährlich 23,5 Millionen ¼ fr Investitionen und zusätzlich 5,35 Millionen ¼ fr Forschungsprojekte. Dass man diese Einigung erzielt hat, ist, glaube ich, wirklich ein wichtiges Signal, das von der Rh|n AG ausgeht, welches aber auch

von einer guten Ausgangslage zeugt, die diese Verhandlungen trägt. Ganz umsonst war es nicht. Dass die Rh|n AG nun doch investiert, kostet das Land ber einen Zeitraum von zehn Jahren in Summe noch einmal 17,5 Millionen ¼. Aber ich will bei diesen Summen, mit denen wir hier so leichtfertig verbal jonglieren, nicht kleinlich sein.

(Lachen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Was mich allerdings doch noch ein bisschen irritiert, ist: Warum ist man eigentlich nicht schon vorher auf die Idee gekommen, anzufragen, ob der Betreiber nicht vielleicht auch etwas investieren m|chte, wenn das Land immerhin schon 500 Millionen ¼ gibt?

(Heiterkeit Freie Demokraten)

Auf einmal ist etwas m|glich, was vorher gar nicht im Gespräch war. Aber auch da bin ich v|llig entspannt; denn wir wissen: Was lange währt, wird endlich besser. Bei all der Freude muss man dennoch hervorheben: Noch ist nichts unterzeichnet. Ein weiterer Klageverzicht, der bestehen bleibt, das Ausgliederungsverbot, die Übernahmegarantie fr die Auszubildenden oder auch eine Einigung, die offensichtlich der Knackpunkt war, in Bezug auf die Investitionsmittel, wie man dort den Restwert bestimmt, bringen ohne eine Anschlussvereinbarung einfach nichts.

(Beifall Freie Demokraten)

Ich will noch einmal bei dem Bild vom letzten Mal bleiben; Kollege May hatte daran so viel Freude. Frau Staatsministerin Dorn, ich habe Sie bei den Verhandlungen wie beim Monopoly-Spiel immer eher als den leicht ramponierten Schuh gesehen, der trostlos auf dem Feld rumsteht. Aber, ich glaube, mit dem Dorn-Deal 2.0, mit der neuen Vereinbarung mit dem Betreiber, haben Sie es geschafft, sich in den Rennwagen zu setzen. Sie sind an dem Hund gerade so vorbeigezogen und haben sich den Zylinder wirklich verdient.

Wir wnschen Ihnen viel Erfolg fr die weiteren Verhandlungen. Wir wnschen uns, dass es zu einem Abschluss kommt, dass nicht noch einmal an den Grundpfeilern gerttelt wird; und was wir uns vor allem wnschen, ist, dass wir, wenn wir jetzt eine Vereinbarung haben werden, rechtzeitig alle miteinander noch einmal darber reden werden, ob wir den nächsten Deal in fnf oder zehn Jahren wieder haben wollen, ob wir hier wieder ein Ziehen und Stechen haben wollen oder ob man sich nicht einmal grundsätzlich ber eine Finanzierung dieses Krankenhauses austauscht, die eine lange Tragweite, vielleicht sogar eine gesetzliche Grundlage hat. ± Vielen Dank.

(Beifall Freie Demokraten)

Danke, Frau Dei‰ler. ± Fr die CDU-Fraktion ist Herr Dr. Bartelt auf dem Weg zum Rednerpult.

Verehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Wir sind auf dem Weg, die Universitätskliniken Gie‰en und Marburg in eine gute Zukunft zu fhren.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es war ein guter Tag, als die Gespräche der Landesregierung mit Ministerin Angela Dorn und Minister Michael Boddenberg mit der Rh|n-Klinik AG und dem UKGM stattfanden. Es wurde hier ein Durchbruch erzielt. Wir sind auf dem guten Weg, dass das Zukunftspapier, der Letter of Intent, weiter seine Gltigkeit hat. Die Kndigung wurde ausgesetzt, damit die Einigung vertraglich vereinbart werden kann. Damit werden betriebsbedingte Kndigungen ausgeschlossen, die Übernahme von Auszubildenden wird gesichert, das Outsourcing von Geschäftsbereichen ausgeschlossen, und die Erträge werden thesauriert und nicht ausgeschttet. Dies sah vor wenigen Wochen noch ganz anders aus.

Zu unserer gro‰en Verärgerung hatte die Rh|n AG das Zukunftspapier zum Ende des Jahres gekndigt. Die Regierung und die Regierungsfraktionen haben stets die Wiederaufnahme von Verhandlungen gefordert und angestrebt. Ministerin Dorn hat betont, dass der Letter of Intent nicht verhandelbar ist. Wir sind den Oppositionsparteien dankbar, dass sie diese Position hier geteilt haben. Die Aktionen der Gewerkschaft ver.di haben auch einen Beitrag dazu geleistet, dass die Gespräche letztlich wieder aufgenommen wurden.

(Beifall CDU)

Ein Spitzengespräch zwischen unserem Ministerpräsidenten Boris Rhein und dem entscheidenden Anteilseigner der Rh|n AG er|ffnete die Gespräche, die dann zum Durchbruch gefhrt haben. Wir danken dem Ministerpräsidenten, der Wissenschaftsministerin und dem Finanzminister.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir haben auch in der Zeit der Missstimmung die Hände zum Gespräch ausgestreckt, und das hat sich ausgezahlt. Der Finanzminister hat die Investitionszuschsse von knapp 500 Millionen ¼ ber einen Zeitraum von zehn Jahren garantiert und die Anteile im Haushalt 2023/24 eingestellt. Wir sind nun sehr zufrieden, dass jetzt auch der Eigentmer eigene Mittel zur Verfgung stellt. Das ist neu. Es sind etwa die Hälfte der Landeszuschsse. So k|nnen die Kliniken in den kommenden zehn Jahren etwa 800 Millionen ¼ investieren. Im Einzelnen werden die thesaurierten Gewinne durch Mittel des Eigentmers aufgestockt, damit, angefangen mit 2023, ca. 23 Millionen ¼ erreicht werden, die dann Jahr fr Jahr ansteigen werden. Das ist ein sehr gutes Ergebnis. Man hat sich auf eine Projektliste geeinigt; und alle Projekte werden realisiert.

(Stephan Grger (SPD): Das ist fr das Land ein Fass ohne Boden!)

Noch eine Ergänzung: Man hat sich auf den Ablauf von Berufungsverfahren und insbesondere auf die Ausstattung von Neuberufungen geeinigt. Das ist fr die Weiterentwicklung eines Klinikums nicht ganz unwichtig. Es ist zu betonen, dass wir diese Ausgaben des Landes gut vertreten k|nnen, auch deshalb, weil wir die Investitionszuschsse fr alle Kliniken in Hessen deutlich erh|ht haben. Wir werden im Doppelhaushalt, wie in den Haushaltsberatungen betont, die Zuschsse von 300 Millionen ¼ auf 380 Millionen ¼ pro Jahr erh|hen. Dies wird durch ein Kreditprogramm von 70 Millionen ¼ pro Jahr ergänzt. Die Kliniken haben also 450 Millionen ¼ fr Investitionen. Dies ist der Betrag, der von der Hessischen Krankenhausgesellschaft gefordert wird, also unabhängig von der Art der Finanzierung. Wir behandeln alle Kliniken gut, sodass sie ausk|mmlich investieren k|nnen.

(Stephan Grger (SPD): Das sehen die Kliniken aber anders!)

Das UKGM ist mit beiden Standorten die drittgr|‰te Uniklinik in Deutschland. Im Qualitätsranking nimmt es in vielen Bereichen Spitzenpositionen ein. In der ÄFocus³Klinikliste steht das UKGM auf Platz 11 der 100 besten Kliniken in Deutschland von insgesamt 2.000 Kliniken in Deutschland.

(Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir sind sicher, dass durch den Vertragsabschluss die Sicherheit der Beschäftigten und die Finanzierung nachhaltig garantiert werden. Ich m|chte abschlie‰en mit der Äu‰erung des ärztlichen Geschäftsfhrers, Prof. Seeger:

Nach jahrelangen Bemhungen, die sichere Verfgbarkeit von Investitionsmitteln « zu erreichen, ist dies ein historischer Tag!

Daher kommt brigens auch das Zitat.

Ich bin unendlich erleichtert, dass jetzt das Tor fr verbesserte Arbeitsbedingungen am UKGM aufgesto‰en ist.