Protokoll der Sitzung vom 07.12.2022

Einzelplan 17 ± Allgemeine Finanzverwaltung ±

und

Einzelplan 18 ± Staatliche Hochbauma‰nahmen ±

Als erster Redner hat Herr Abg. Wei‰ das Wort fr die SPD-Fraktion.

Marius Wei‰ (SPD):

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Grundkritik, die wir vonseiten unserer Haushälter an diesem Haushaltsentwurf haben ± an diesem zum Glck letzten Haushalt, an der zum Glck letzten Finanzplanung von Minister Boddenberg ±, haben wir schon in der ersten Lesung angebracht. Deswegen kann ich mich jetzt, in der zweiten Lesung, auf ein paar besondere Punkte konzentrieren.

Ich beginne mit dem Thema Besoldung. Seit Jahren fordern wir als SPD-Fraktion eine Vorsorge im Haushalt fr Kosten der Reparatur des Verfassungsbruchs von SchwarzGrn bei der Besoldung der Beamtinnen und Beamten. Jetzt erstmals ist etwas dafr vorgesehen. Fraglich ist zum einen, ob die 3 % berhaupt ausreichen, die fr 2023 und 2024 vorgesehen sind. Zweitens. Was ist denn mit den Jahren 2015 bis 2022? Sie bergeben der Nachfolgeregierung eine unglaubliche Hypothek. Sie haben einen Milliardenschaden verursacht, den Ihre Nachfolger bezahlen sollen, Herr Boddenberg.

(Beifall SPD ± Minister Michael Boddenberg: Wie- so?)

Das zweite Thema, zu dem ich gern etwas sagen m|chte, sind die Kommunen; denn wir als hessische SPD sind die hessische Kommunalpartei,

(Zurufe: Oh!)

weshalb uns die Kommunen besonders am Herzen liegen. Die Kommunalen Spitzenverbände haben vor den Haus

haltsberatungen bzw. zum Haushalt ein Neunpunktepapier verabredet. Das kommt tatsächlich gar nicht so oft vor, dass sich die Spitzenverbände wirklich darauf einigen, eine gemeinsame Linie zu vertreten, weil sie in ihren Ausrichtungen schon unterschiedlich sind. Ich will nur ganz kurz auf diese Punkte eingehen, damit wir alle wissen, worum es da geht.

Es geht um erhebliche Kritik an der mangelnden Finanzierung durch das Land, zum Ersten, was den LWV angeht: Mehrbedarf von 100 Millionen ¼ im Jahr 2023. Das Ganze hei‰t ÄLandeswohlfahrtsverband³, liebe Kolleginnen und Kollegen, und deswegen erwarten die Kommunen zu Recht, dass das Land einen entsprechend h|heren Anteil leistet.

(Beifall SPD)

Zweiter Punkt, der ÖPNV: Mindestens 427,5 Millionen ¼ fehlen fr 2023 und 2024. Hessen zahlt weiterhin nur 3 % originäre Landesmittel ± das Schlusslicht unter den Ländern.

Dritter Punkt, Krankenhäuser: 150 Millionen ¼ fr 2023, 160 Millionen ¼ fr 2024 ± das sind die Bedarfe, die die Kommunen beim Land angemeldet haben. Was macht das Land? Nichts diesbezglich. Hessen ist unter den Bundesländern Vorletzter bei der Finanzierung, was Krankenhausinvestitionen angeht.

(Beifall SPD ± Gnter Rudolph (SPD): Herr Boddenberg!)

Das ist Hessen. Der vierte Punkt, den die Kommunen fordern, Unterbringung Geflchteter: 170 Millionen ¼ Mehrbedarf. Fnfter Punkt, Digitalisierung: 100 Millionen ¼ Mehrbedarf. Sechster Punkt, Investitionen und Betriebskosten Kitas: 150 Millionen ¼ fr 2023, 160 Millionen ¼ fr 2024. Siebter Punkt, Ganztagsbetreuung: 30 Millionen ¼. Achter Punkt, Kinder- und Jugendstärkungsgesetz: 180 Millionen ¼ fr 2023, 185 Millionen ¼ fr 2024 fr eine ausk|mmliche Finanzierung der Jugendämter. Neunter und letzter Punkt, Sozialhilfe: Da haben die Kommunen einen Bedarf von 49 Millionen ¼ fr 2023 und 2024 angemeldet.

Was macht das Land? Der Städtetag hat in seiner Stellungnahme ausgefhrt ± ich zitiere ±, dass die Landesregierung Änicht die mindeste Regung gezeigt³ hat, mit den Verbänden ber diese Punkte auch nur zu sprechen.

(Marion Schardt-Sauer (Freie Demokraten): H|rt, h|rt!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, so sieht der Umgang dieser Landesregierung mit den Kommunen aus: berheblich, arrogant, von oben herab.

(Beifall SPD)

Ich will Ihnen hier ein paar Zitate des grnen Kollegen Kaufmann aus der |ffentlichen Sitzung des Haushaltsausschusses nicht vorenthalten.

(Minister Michael Boddenberg: Ui!)

Der Kommunale Finanzausgleich ist keine Vollkaskoversicherung, hat er den Spitzenverbänden gegenber gesagt.

(Zurufe SPD: Ui!)

Zweites Zitat: Die Kritik der Spitzenverbände ist bedingt dadurch, dass bald Landtagswahl ist, hat der Kollege Kauf

mann gesagt. Er hat also den Kommunen vorgeworfen, sie wrden Landtagswahlkampf betreiben.

Der dritte Punkt ± ich zitiere wieder ±: Wir haben in Hessen ein erhebliches Anspruchsniveau in Betreuungsleistungen aller Art, die vor allem bei den Kommunen aufschlagen, und es gibt ein Problem bei den Kommunen, weil die nicht Nein sagen k|nnen ± so Kollege Kaufmann im Haushaltsausschuss.

(Gnter Rudolph (SPD): Unglaublich! Arrogant hoch drei!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, angesichts dessen, dass die angemeldeten Bedarfe der Kommunen fast ausschlie‰lich Leistungen fr Kranke, Schwache sowie Kinder und Jugendliche betreffen, ist diese Haltung von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN an Zynismus nicht zu berbieten.

(Beifall SPD, Freie Demokraten und Robert Lam- brou (AfD))

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, zusammenfassend kann man sagen: Herr Finanzminister Boddenberg, Sie haben eine verheerende Bilanz. Sie verantworten mit dem Sonderverm|gen einen beispiellosen Verfassungsbruch. Sie halten mit diesem Haushalt die Schuldenbremse nur durch entsprechende globale Minderausgaben ein. Sie verweigern den hessischen Kommunen einen Umgang auf Augenh|he und machen sie zu Bittstellern. Sie bergeben Ihrem Nachfolger leere Kassen,

(Minister Michael Boddenberg: Wieso Nachfolger?)

da mit diesem Ihrem letzten Haushalt die Rcklagen des Landes nahezu komplett aufgebraucht sind. Sie bergeben der nächsten Regierung massive finanzielle Belastungen in Milliardenh|he,

(Robert Lambrou (AfD): So ist es!)

wegen Ihrer verfassungswidrigen Besoldung fr die Jahre 2015 bis 2022. Sie verantworten eine Grundsteuer, die Htten belastet und Paläste entlastet. Sie stehen fr eine ungerechte Finanzpolitik ± auch ber den Bundesrat, wie wir zuletzt bei Ihrer Ablehnung des Jahressteuergesetzes gesehen haben,

(Minister Michael Boddenberg: Ja, richtig!)

weil Sie keine Übergewinnsteuer wollen, weil Sie nicht wollen, dass Menschen, die gut verdienen, auf die Dezemberhilfe fr Gas Steuern zahlen mssen.

Deswegen ist es gut, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass dies der letzte Haushalt von Schwarz-Grn ist. Deswegen ist es gut, dass es der letzte Haushalt von Finanzminister Boddenberg ist. ± Herzlichen Dank fr die Aufmerksamkeit.

(Beifall SPD und vereinzelt Freie Demokraten)

Vizepräsidentin Karin Mller:

Vielen Dank, Herr Abg. Wei‰. ± Fr die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat jetzt Frau Abg. Dahlke das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Finanzminister meint gerade, ich soll ihn

ein bisschen herauspauken; aber er spricht ja gleich noch. Lieber Kollege Marius Wei‰, jetzt hast du dich so auf den Kollegen Frank Kaufmann eingeschossen; nun stehe ich hier und versuche, etwas bessere Laune zu verbreiten.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU ± Robert Lambrou (AfD): Es geht nicht um Laune, es geht um den Landeshaushalt!)

Ich will gerne damit starten, dass dieser Doppelhaushalt ein Ausdruck zukunftsfester und nachhaltiger Finanzpolitik in schwierigen Zeiten ist. Schwarz-Grn gestaltet trotz aller Herausforderungen weiter den sozial-|kologischen Aufbruch und arbeitet daran, dass es Hessen gut geht.

(Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und verein- zelt CDU)

Bei der zweiten Lesung des letzten Haushalts waren wir in einer ganz anderen Situation als heute. Wir dachten, die Corona-Pandemie sei die gr|‰te anzunehmende Herausforderung fr den Haushalt. Heute wissen wir: Die Herausforderung durch den v|lkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und den Energiekrieg gegen uns sind ungleich gr|‰er, und die Rahmenbedingungen haben sich noch einmal dramatisch verschlechtert.

Unsere Antwort auf diese Krise ist klar, entschlossen und zeigt: Wir lassen die Menschen in Hessen nicht alleine.

Die Entlastungspakete und die Auswirkungen der aktuellen Steuerschätzung werden wir zur dritten Lesung noch in den Haushalt einarbeiten. An dieser Stelle m|chte ich aber sagen: Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, gemeinsam mit der Opposition, mit SPD und FDP, eine starke Antwort zu geben. Wir zeigen einfach: Wir lassen die Menschen in Hessen nicht allein, Hessen steht zusammen.