Protokoll der Sitzung vom 15.12.2004

(Beifall bei der CDU – Günter Frank SPD: So et- was ist Senator dieser Stadt!)

und für Bodenbewegungen 23 000 Euro auszugeben.

(Beifall bei der CDU)

Die lustige Ausgestaltung von Billwerder sollte nach rotgrünen Plänen 345 000 Euro kosten und es war ein Glück für Hamburg, dass ein CDU-Mitglied in die Justizbehörde kam und mit diesem Unsinn sofort Schluss gemacht hat.

(Anhaltender Beifall bei der CDU – Günter Frank SPD: Schämen Sie sich!)

Die Vorstellung, was man mit einer solchen Bauruine macht, führte dazu, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Strafvollzugsamtes Alternativplanungen ausdachten. Sie stellten in allerkürzester Zeit – nämlich innerhalb von Wochen – fest, dass es, wenn sie sich am Riemen reißen und sie sich mit großem Engagement dafür einsetzen, gerade noch rechtzeitig ist, aus dem überflüssigen offenen Knast Billwerder

(Dr. Andreas Dressel SPD: Wasserknast!)

eine vernünftige geschlossene Anstalt zu machen. Wir wussten nicht, ob wir es schaffen und politisch durchhal

ten würden, denn wenn sie ein Zweifamilienhaus im Rohbau fertig haben und sich dann entscheiden, eine Tankstelle daraus zu machen, ist es mit Risiken behaftet. Die Frage, ob wir die Risiken tragen, habe ich bereits Mitte Januar mit den Rechtspolitikern der CDU-Bürgerschaftsfraktion und dem damaligen rechtspolitischen Sprecher Carsten Lüdemann besprochen. Das waren schwierige Gespräche,

(Petra Brinkmann SPD: Sehr!)

denn die politische Verantwortung dafür, wenn ein solcher Umbau schief geht, war uns auch bewusst. Das heißt, einfacher wäre es gewesen, alles einfach schleifen zu lassen und so weiter zu machen. Man hätte uns ja nicht vorwerfen können, dass die rotgrünen Investitionsplanungen Unsinn waren,

(Petra Brinkmann SPD: Es ist doch schief gegan- gen!)

es wäre ja nicht unsere politische Verantwortung gewesen. Aber es war unsere politische Verantwortung, aus diesem Unsinn etwas Vernünftiges zu machen.

(Dr. Andreas Dressel SPD: Das war Ihre Verant- wortung und Sie sind weggelaufen!)

Ich kann Ihnen heute sagen, wir haben dank der Mitarbeiter der Justiz, dank der politischen Unterstützung der CDU Erfolg. Billwerder wird eine der Vorbildanstalten Deutschlands werden.

(Beifall bei der CDU)

Wo man so viel tut, geht – leider – auch manches schief.

(Beifall bei der SPD und der GAL – Dr. Andreas Dressel SPD: Ja!)

Sie haben die beispiellose Ausbruchsserie in Billwerder genannt. Ich kann Ihnen in einem Recht geben: Jeder Ausbruch aus einer geschlossenen Vollzugsanstalt ist ein Ausbruch zu viel. Es hat die Justizbehörde unglaubliche Kraft gekostet zu analysieren, was wir tun müssen, wie wir handeln müssen, um diesen technisch unbefriedigenden Zustand einer geschlossenen Vollzugsanstalt, die noch keine Mauer hatte, so zu überbrücken, dass wir bis zum Erstellen der Mauer über die Runden kommen. Da sind uns Fehlprognosen unterlaufen und wenn ich "uns" sage, auch mir.

(Beifall bei Dr. Andreas Dressel SPD)

Nicht mehr Beifall? Ich dachte, ich gebe Ihnen einmal die Möglichkeit, denn ich wollte Ihnen gerade noch einige Zahlen zur beispiellosen Ausbruchsserie nennen.

In Billwerder sitzen wegen des Umstands, dass die technische Sicherheit noch nicht auf höchstem Niveau ist, nur Straftäter mit kurzen Freiheitsstrafen, die deshalb, wenn es denn zum Ausbruch kommt, wenigstens keine größere Gefahr für die Gesellschaft in Hamburg sind.

In Vierlande – der Anstalt, in der die Leute vorher saßen – gab es im Jahr vor Billwerder nicht fünf, sondern 50 Ausbrüche. Das hat die Öffentlichkeit nur nicht gemerkt, weil es eine offene Anstalt war. Wissen Sie, wie viele Ausbrüche die Öffentlichkeit im Jahr 1994 nicht bemerkt hat? In diesem Jahr sind aus einer Anstalt, in der deutlich kriminellere Menschen einsaßen als jetzt in Billwerder, 207 Gefangene ausgebrochen. Da reden Sie bei Billwerder von einer beispiellosen Ausbruchsserie.

(Beifall bei der CDU)

In ihrem Billwerder-Antrag sorgt sich die SPD um Qualitätsverluste. Ich will Ihnen ein paar Zahlen zur Qualität nennen:

Vergleichen Sie den Zeitraum Januar bis Oktober 2001 und dann den Zeitraum Januar bis Oktober 2004. Diese Zahlen bieten einen Vergleich, wie es um die Qualität des hamburgischen Strafvollzugs bestellt ist. Es ist für den Strafvollzug etwas sehr Unerfreuliches und eine schwere Belastung, wenn Gefangene in einen Hungerstreik treten. Das hat verschiedene Ursachen.

Im Zeitraum, den Rotgrün zu verantworten hatte, waren es 67 Hungerstreikaktionen.

(Doris Mandel SPD: In 44 Jahren!)

In unserem Zeitraum ist diese Zahl auf 16 Hungerstreikaktionen zurückgegangen.

(Beifall bei der CDU)

Besonders problematisch ist es für den Strafvollzug, wenn Gefangene Straftaten begehen. Das ist eine Belastung für die Mitgefangenen und für die Bediensteten. Bei uns wird das in der Statistik als "Verdacht einer Straftat" geführt, weil wir in unserer Statistik nicht die Alltagssprache "Straftat" gebrauchen können, denn eine Straftat muss ein Richter erst rechtskräftig feststellen. Das entspricht aber dem, was in der Kriminalstatistik der Polizei auftaucht. Im rotgrünen Zeitraum Januar bis Oktober 2001 gab es 189 Straftatverdachte in hamburgischen Vollzugsanstalten. In dem von uns zu verantwortenden Parallel- und Vergleichszeitraum ist diese Zahl von 189 auf 29 gesunken.

(Beifall bei der CDU)

Unter Rotgrün gab es in diesem Zeitraum 80 Nichtrückkehrer vom Urlaub. Diese Zahl ist unter unserer Verantwortung auf 31 gesunken. Zum Schluss – ich hätte auf meiner Tabelle noch andere Zahlen, aber möchte dann doch noch zu einem anderen Thema kommen – noch eine weitere Zahl.

(Antje Möller GAL: Haushalt!)

Nichtrückkehrer vom Ausgang: Bei Ihnen waren es 110, bei uns sind es 22.

(Viviane Spethmann CDU: Hört, hört!)

Sie haben in Ihrem Billwerder-Antrag vorgeschlagen – man muss sich vorstellen, was heute beschlossen worden wäre, wenn die SPD noch die Mehrheit in der Bürgerschaft hätte –, der Senat solle aufgefordert werden, keine weitere Verlagerung von Personal aus den übrigen Hamburger Haftanstalten in die JVA Billwerder vorzunehmen. Das ist die Politik, die Sie noch aus eigener Verantwortung kennen: Die Politik gibt dem Strafvollzug ideologisch motivierte Vorgaben, wie eine ihnen passende Anstalt aussieht, und die Beamten, die weisungsabhängig sind, sollen dann die politischen Vorgaben durchsetzen.

(Dr. Andreas Dressel SPD: Das tun Sie doch selbst am meisten, Herr Kusch!)

Ich kann Ihnen sagen, wenn es Sie interessiert, dass die Verantwortlichen im Strafvollzugsamt der Justizbehörde seit dem 1. November 2001 noch nie irgendeine politische Vorgabe von mir, vom Staatsrat oder von sonst

wem bekommen haben, wie viele Bedienstete in welcher Anstalt zu sein haben. Dafür braucht man Fachwissen,

(Michael Neumann SPD: Was Sie nicht haben!)

das man nur im Amt selbst hat. Wir werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit den Ergebnissen ihrer Analyse konfrontiert. Ich kann mich nicht erinnern,

(Dr. Andreas Dressel SPD: Das haben wir schon häufiger von Ihnen gehört!)

dass die Ergebnisse aus dem Strafvollzugsamt von der Leitung der Justizbehörde schon einmal bezweifelt oder konterkariert wurden. Wir haben es immer nachvollziehen können, weil hervorragende Leute für uns arbeiten.

(Anhaltender Beifall bei der CDU)

Ein wesentlicher Teil der Äußerungen von Herrn Klooß war der Hinweis auf eine Presseerklärung von Amicale Internationale. Er meinte sogar, die Presseerklärung, die mir seit zwei Stunden vorliegt, auf Französisch vorlesen zu müssen,

(Michael Neumann SPD: Können Sie kein Franzö- sisch?)

denn im unteren Teil der Presseerklärung ist der deutsche Text in Übersetzung abgedruckt. Er hätte es uns also auch leichter machen können.

(Zurufe von der SPD)

Ich überlasse es Ihrer Analyse und Ihrem Geschmack aus Respekt vor den Überlebenden des KZ Neuengamme, vor dem Andenken an die KZ-Geschehnisse und angesichts der Gräuel, die in Neuengamme passiert sind, Verknüpfungen zu Alltagsauseinandersetzungen über die Justizpolitik zwischen Opposition und Regierung herzustellen.

Nachdem Ihre justizpolitischen Argumente zum Schließen von Vierlande nicht auf fruchtbaren Boden gefallen sind, weil die von Ihnen zitierten Experten in der Minderheit sind