Protokoll der Sitzung vom 30.11.2022

[Antrag der AfD-Fraktion: Pubertätsblocker endlich verbieten

(Präsidentin Carola Veit)

Drs 22/9992 –]

Hier gibt es den Überweisungswunsch federführend an den Gesundheits- und mitberatend an den Familienausschuss.

Wer möchte diesem Überweisungsbegehren folgen? – Die AfD-Fraktion selbst. Gibt es Gegenstimmen? – Ja, bei allen übrigen Fraktionen. Dann ist das Überweisungsbegehren abgelehnt worden.

Es gibt den Wunsch auf einen Dreiminutenbeitrag aus den Reihen der AfD-Fraktion. – Frau Petersen, Sie haben das Wort für maximal drei Minuten nach Paragraf 26 Absatz 6 unserer Geschäftsordnung.

Verehrtes Präsidium, meine Damen und Herren! Geschlechtsverändernde Therapien und Operationen an Minderjährigen sind in Deutschland auf dem Vormarsch. So waren bis vor Kurzem auf dem Regenbogenportal des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend folgende Sätze zu lesen:

"Bist du noch sehr jung? Und bist du noch nicht in der Pubertät? Dann kannst du Pubertätsblocker nehmen. So hast du mehr Zeit zum Nachdenken und kannst in Ruhe überlegen: Welcher Körper passt zu mir?"

Während in Schweden im Mai 2022 Pubertätsblocker verboten wurden, Frankreich und Finnland auf Psychotherapie statt Hormonbehandlung und chirurgischer Eingriffe setzen, Großbritannien wegen Gesundheitsrisiken die Tavistock-Klinik, die auf Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen spezialisiert ist, schließt, werden in Deutschland an Minderjährigen chirurgische Eingriffe wie Brustamputationen durchgeführt sowie Pubertätsblocker und Hormone verabreicht. Laut dem Verband für Evidenzbasierte Gendermedizin, GMS EbGM, führen Pubertätsblocker und geschlechtsübergreifende Hormone zu irreversiblen Langzeitfolgen. Dazu gehören unter anderem massive Auswirkungen auf das Wachstum, brüchige Knochen, Herz-KreislaufErkrankungen und Unfruchtbarkeit. Normale Vorgänge wie die körperliche und geschlechtliche Verunsicherung während der Pubertät werden vorschnell zu Transidentität erklärt, Namensänderungen, Hormontherapien und Operationen folgen. Eltern, welche dem Geschlechtswechsel kritisch gegenüberstehen, werden massivst unter Druck gesetzt.

Unser gesellschaftliches Klima, das Geschlechtsumwandlung als völlig normal und als teils befreienden Schritt zur Selbstbestimmung verklärt, verunsichert junge Menschen in ihrer Identitätsentwicklung. Dabei bewegt sich die Anzahl jener Menschen, die rein biologisch zu viele Hormone des anderen Geschlechts besitzen, im Promillebereich. Wir dürfen unsere Kinder nicht dem Genderkult opfern.

(Zurufe: Oh, oh!)

Das alles hat mit Selbstbestimmung nichts zu tun, sondern dient nur einer kranken Ideologie, die die biologischen Tatsachen negiert. Wie sollen minderjährige Mädchen und Jungen, welche sich noch inmitten der Entwicklung befinden, in der Lage sein, solche gravierenden Entscheidungen zu treffen, die ihr ganzes Leben verändern und irreversibel sind? Alarmierend ist bereits auch die wachsende Zahl von Betroffenen, die ihren Geschlechtswechsel bereuen. Deshalb fordern wir umgehend ein gesetzliches Verbot des Einsatzes von Pubertätsblockern, Hormonbehandlungen und chirurgischen Eingriffen im Hinblick auf einen Geschlechtswechsel bei Minderjährigen. Daher bitte ich Sie: Stimmen Sie unserem Antrag zu. – Vielen Dank.

(Beifall bei der AfD-Fraktion)

Herr Dr. Hector hat das Wort für die GRÜNE Fraktion.

Sehr geehrte Präsidentin, liebe alle! Pubertätsblocker werden hauptsächlich bei cisgeschlechtlichen Kindern eingesetzt, die ansonsten zu früh in die Pubertät kommen würden, um die Pubertät noch ein paar Jahre hinauszuzögern. Bei transgeschlechtlichen Kindern können Pubertätsblocker nach Indikationsstellung genau so zum Herauszögern der Pubertät eingesetzt werden. Zugang zu Pubertätsblockern ist ein Segen für transgeschlechtliche Kinder. Sie ermöglichen den Jugendlichen noch einmal ein, zwei Jahre Zeit, um in Ruhe darüber nachzudenken, was für sie selbst das Richtige ist und wie sie ihren Weg weitergehen wollen. Pubertätsblocker halten lediglich die Pubertät auf, und man hat mit ihnen im Anschluss die Wahl: Möchte ich eine cisgeschlechtliche Pubertät durchleben, oder beginne ich gleich mit meiner Transition und nehme gegengeschlechtliche Hormone?

In den Niederlanden werden Pubertätsblocker schon seit über 30 Jahren erfolgreich bei transgeschlechtlichen Kindern eingesetzt, und eine im Oktober erschienene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 98 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Anschluss an die Pubertätsblocker mit einer gegengeschlechtlichen Hormonersatztherapie beginnen – 98 Prozent –, dass es aber die richtige Entscheidung war für die Jugendlichen.

Pubertätsblocker sind reversibel, Brustwachstum, der Stimmbruch und Bartwachstum sind es nicht und auch nicht das seelische Leid und der Vertrauensverlust, den ein Mensch erleidet, der ganz genau weiß, dass er trans ist, der klar kommuniziert: Ich bin trans, Mama, Papa, helft mir, ich will diese cisgeschlechtliche Pubertät nicht durchleben, der weiß, dass es eine sichere Lösung für seine Situation gibt, und dann erlebt, wie Erwachsene aus ideologischen Gründen ihn zu dieser falschen Pu

(Präsidentin Carola Veit)

bertät zwingen und ihm nicht helfen. Ich möchte bezweifeln, dass das genauso reversibel ist wie der Einsatz von Pubertätsblockern. – Vielen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN und der SPD)

Weitere Wortmeldungen sehe ich nicht. Dann können wir über diesen Antrag abstimmen.

Wer stimmt ihm zu? – Das ist die AfD-Fraktion selbst. Gegenstimmen. – Sehe ich bei allen übrigen Fraktionen und keine Enthaltungen. Dann ist der Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt worden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind am Ende unserer Sitzung. Ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend.