wie umstritten ist, auch in der Schule thematisiert werden muss, dann stellt sich natürlich automatisch die Frage: Brauchen wir dann überhaupt noch eine Rechtschreibung, die wir den Schülern beibringen?
Ich will Ihnen ein Beispiel geben. Viele Ihrer Gesinnungsgenossen in den Siebziger-, Achtzigerjahren waren zum Beispiel der Auffassung, man müsse die Großschreibung von deutschen Nomen abschaffen in der Schule, weil eine Hierarchisierung zwischen den einzelnen Wortkategorien eine unerwünschte hierarchische Struktur affirmiert. Soll so etwas in Zukunft jeweils nach Belieben den Lehrern und Schülern freigestellt sein, oder brauchen wir nicht doch eher eine verbindliche Sprache an unseren Schulen?
Sie können sich einmal mit dem Bildungsplan Deutsch beschäftigen, zum Beispiel für die Oberstufe. Da können Sie einen Blick hineinwerfen. Dann werden Sie feststellen, dass es zum einen natürlich sehr klare Rechtschreib- und Grammatikregeln gibt, Sie werden aber auch feststellen, dass die Diskussion rund um Sprachentwicklung immer ein laufender Teil des Deutschunterrichts ist. Wenn ich diesen Punkt ernst nehme, muss ich mich mit meinen Schüler:innen über die Entwicklung unserer Sprache austauschen. Wenn ich dort auch aktuelle Debatten aufnehmen möchte, dann kann ich dies nur, wenn ich das Thema Gendern als kontroverse Debatte hineintrage und sage: Guckt euch doch einmal an, warum tun das Menschen, warum gendern Menschen, und warum tun es andere vielleicht nicht. Ich traue jungen Menschen zu, diese Entscheidung auch selbst zu treffen. Dafür brauchen wir keine AfD.
Abschließend aber noch kurz zu Ihrem Punkt, was die Kooperation mit außerschulischen Partner:innen angeht: Wollen Sie wirklich, dass der Hamburger Sportbund und alle seine Mitgliedervereine, wollen Sie wirklich, dass pro familia als angesehenes Beratungsinstitut nicht mehr an Schulen kommt, um im Ganztag zu unterstützen oder im Falle von pro familia Schüler:innen zu beraten, weil sie gendern? Ist das wirklich Ihr Ernst? Ich fürchte, die Antwort zu kennen.
Dennoch glaube ich, hinter diesem Antrag steckt viel Angst vor der meinungsstarken Jugend. Ein überholtes Bildungsverständnis,
Ich würde Ihnen gern noch das Wort erteilen, bevor Sie zum Pult schreiten, Frau Müller. Das können wir beim nächsten Mal vielleicht so machen. Jetzt haben Sie das Wort für maximal zwei Minuten. Bitte.
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Kolleg:innen! Ich will es gleich zu Anfang deutlich machen: Dieser Antrag ist ein Paradebeispiel für eine bewusste Leugnung und damit einhergehende massive Diskriminierung aller Menschen, die nicht dem binären Geschlechtersystem zugehören.
Ich will zudem einmal kurz in Erinnerung rufen, vor welchem Hintergrund diese diskriminierende Position hier vorgetragen wird. Seit dem 22. Dezember 2018 kann in Deutschland der Geschlechtseintrag "divers" ausgewählt werden. Das beruht auf dem Bundesverfassungsgerichtsurteil zum dritten Geschlecht von 2017. Dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, ist also keine Ideologie,
wie es vom rechten Rand immer wieder behauptet wird. Es ist eine anerkannte rechtliche, biologische und gesellschaftliche Tatsache.
(Beifall bei den GRÜNEN – Krzysztof Wal- czak AfD: Eine biologische Tatsache? Die Partei der Wissenschaft!)
"Ein Vater und sein Sohn haben einen Autounfall. Beide werden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Der Vater erliegt den Verletzungen. Der Sohn wird in den OP gebracht. Als der operierende Arzt in den OP kommt, ruft der Arzt entsetzt: Oh nein, ich kann nicht operieren, das ist mein Sohn."
Die Reaktion der meisten Menschen darauf ist Verwunderung, weil sie nicht verstehen, wer der Arzt ist, denn der Vater wäre ja schon gestorben. Es dauert einen Moment, bis sie merken, dass die Mutter der Arzt sein könnte, denn Sprache formt unser Denken.
Doch gesellschaftliche Vielfalt ist eine Tatsache. Ihr Motzen, das Sie die ganze Zeit von der Seite hineinrufen, zeigt noch einmal, dass Sie anscheinend diese Tatsache nicht anerkennen.
Verbieten zu wollen, sie sichtbar zu machen, ist eine Leugnung der Vielfalt. Zum Schluss ist es eine Verbotspolitik, die die Freiheit der aktuellen Möglichkeit, die mein Kollege ausführlich dargestellt hat,
Vielen Dank, Herr Präsident. – Meine Damen und Herren! Dieses ist definitiv keine Schuldebatte. Das sollten wir wirklich nicht als Schuldebatte führen. Sprache ist der Schlüssel zur Welt
und erfüllt verschiedene Funktionen. Sie hat einen starken Einfluss auf unser Denken und gibt Auskunft darüber, wie wir unsere Welt gestalten, was uns wichtig ist und wie wir die Dinge bewerten. Wir sollten daher alle ein Bewusstsein dafür haben, wie wir Sprache und wie andere Sprache verwenden. Es ist richtig, auf seine Sprachwahl zu achten und sensibel dafür zu sein, niemanden dadurch zu verletzen oder zu diskriminieren. Dass Sprache sich verändert, ist sicherlich richtig, aber wir sollten uns doch an die Regeln der wissenschaftlichen Räte halten.
Sprache sollte also in allen Lebensbereichen gut verständlich und leicht zugänglich sein. Die übersteigerte Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache lehnen wir daher ab. Sternchen und Unterstriche haben in der deutschen Sprache nichts zu suchen. Sie wirken wirklich konstruiert und erschweren das Verständnis. Sie sind zudem nicht barrierefrei.
"Die Grundlage der Demokratie ist die Volkssouveränität und nicht die Herrschaftsgewalt eines obrigkeitlichen Staates."
Menschen sollten das amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung korrekt anwenden dürfen. Das ist besonders für Schüler wichtig, ohne dass dies Sanktionen zur Folge hat.
Das hört sich an wie eine Selbstverständlichkeit und sollte auch wirklich eine sein, aber – und jetzt komme ich noch einmal zum Punkt des AfD-Antrags – das Problem ist nicht allein an Schulen so …
Liebe Kolleg:innen, Diverse, Trans-, Inter- und nicht binäre Personen, liebe Queers, liebe Zuhörende!