Da die Stadttauben auch ihre Eier in die Taubenschläge legen, gibt es die Möglichkeit, genau diese Eier aus den Nestern zu entfernen und ganz sachte Plastikeier in die Nester zu legen.
Je mehr Brutpaare Nistplätze in den Taubenschlägen finden, desto mehr Eier können entnommen werden, und desto besser können wir den Bestand der Tauben kontrollieren. Weil dieser Effekt erst nach und nach auf den Straßen sichtbar sein wird, geben wir für einen Zeitraum von drei Jahren 350 000 Euro pro Jahr; das ist eine solide Finanzierung für dieses Projekt.
Die starke Vermehrung der Stadttauben ist übrigens menschengemacht. Denn was viele nicht wissen: Stadttauben sind gezüchtete Tiere und keine heimischen Wildtiere. Sie sind aus der Felsentaube gezüchtet worden. Man hat über Jahrtausende verschiedene Haustaubenarten daraus gemacht, Zuchttauben oder Brieftauben; wir lieben sie auch als Hochzeitstauben. Ein Zuchtmerkmal, das ihnen angezüchtet wurde, ist diese schnelle Vermehrung, weil man genau das auch in der Vergangenheit haben wollte. Wenn jetzt aber diese felsenbrütenden Tauben in der Stadt sind, dann gehen sie nicht in den Park, dann gehen sie nicht in den Wald – sie suchen ihre Höhle. Wo finden sie die? Natürlich in unseren Gebäuden, genau da, wo wir sie nicht haben wollen. Die Stadttauben können nichts daran ändern, dass sie keinen Brutplatz finden, wo sie nicht stören – aber wir können das, und das werden wir jetzt auch.
Und warum wissen wir, dass Taubenschläge funktionieren? Wir wissen, dass Taubenschläge funktionieren, weil die Ehrenamtlichen – wie die, die dort oben sitzen – genau das schon bewiesen haben: mit eigenen Taubenschlägen, mit ihrem privaten Geld, weil sie in ihrer Freizeit Präsentationen gehalten haben und bei jedem runden Tisch dabei waren mit ihren Statistiken, mit ihrer Arbeit und damit, wie sie es vorgemacht haben. Deswegen ist dieser Antrag auch ein Erfolg für alle Taubenvereine in ganz Deutschland. – Bitte macht weiter so.
Als ich Abgeordnete wurde, wusste ich auch nicht, dass Tauben verwilderte Haustiere sind; ich war auch erst einmal überrascht von diesem Thema. Aber das Wichtige in der Politik ist doch, dass wir zuhören, dass wir, wenn wir mit einem Thema konfrontiert werden, das uns neu ist – mit Fakten, die
uns im ersten Moment vielleicht irritieren –, dann ganz besonders zuhören, dass wir uns informieren und am Ende die Lösung finden. Und genau das haben wir hier gemacht. – Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.
(Thilo Kleibauer CDU: Taubenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion! – Heiterkeit bei der CDU und der AfD)
Ich weiß, es gibt Gelegenheit, sich darüber lustig zu machen, aber es ist gar nicht so lustig. Ich stehe hier, weil ich ein St. Georger bin, dort direkt neben dem Hauptbahnhof wohne und – wie viele andere Menschen, auch wie Frau Otte – weiß, was die Menschen mit den Tauben verbinden. Und was die Menschen von den Tauben halten, ist nicht immer nur Gutes. Sie werden, glaube ich, Ratten der Lüfte genannt, was gar nicht stimmt, sondern man kann sie, wenn man sie ordentlich behandelt – so, wie Frau Otte es eben mit großer Emphase vorgetragen hat –, viel sauberer kriegen, viel besser halten. Insofern ist das, was wir machen wollen, gleichzeitig Tierschutz und Reduzierung der Taubenbestände. Ich zeige Ihnen noch einmal, womit wir das schaffen:
Das schaffe ich nicht. Sie hat es irgendwie geschafft, sich fürs Foto eine Taube auf ihre Schulter zu setzen – das habe ich noch nicht geschafft, aber dies hier konnte ich mitnehmen und einmal vorzeigen. Der Trick dabei ist: Man tauscht die Eier aus und senkt langsam, und zwar über die schon erwähnten drei Jahre, den Bestand an Tauben.
Dafür gab es im Wesentlichen drei Maßnahmen: Wir mussten Standorte finden; das hat Stefanie von Berg, die Bezirksamtsleiterin von Altona, für Altona gemacht – und ich für St. Georg, indem ich mit Grundeigentümern geredet habe. Wir haben am Steindamm, in der Böckmannstraße und direkt am Hauptbahnhof Standorte gefunden, also drei und drei. Das Zweite war das Geld. Es war schwer, das Geld zu finden – es hört sich, glaube ich, alles einfacher an, aber es war gar nicht so einfach, die Verkehrsbehörde dazu zu kriegen, zu sagen:
Neben den Bahnhöfen, wegen der Sauberkeit um die Bahnhöfe herum, geben wir 150 000 Euro. Es war nicht einfach, die Verbraucherschutzbehörde dazu zu kriegen, zu sagen: Ja, so eine Evaluation können wir bezahlen. Und es war nicht einfach, die Bezirke dazu zu kriegen, zu sagen: Ja, wir machen da auch mit. Beide Bezirke – Altona und auch Ralf Neubauer in Hamburg-Mitte – haben beispielhaft mitgemacht. Und dann noch die Umweltbehörde – es ist der einzige Senator, der heute da ist; den kann ich auch einmal loben – dazu zu kriegen …
Dann haben wir aber noch die Stadtreinigung dazu gekriegt – und das war, glaube ich, wirklich ein Schlüssel für das, was wir hier machen –, die Taubenschläge zu betreuen, zu säubern und am Ende auch die Eier auszutauschen. Das ist eine zuverlässige Wartung und Pflege dieser Taubenschläge, die wir vorher nicht gehabt haben. Das kann man nicht auf 520-Euro-Basis machen, sondern das muss man professionell machen, und das hat die Stadtreinigung übernommen. Da hätte noch die Umweltbehörde als Aufsichtsbehörde der Stadtreinigung sagen können: Machen wir nicht – aber das hat sie nicht, sondern sie hat sehr bereitwillig und solidarisch mitgemacht. Insofern haben insgesamt fünf Behörden – zwei Bezirksämter, drei Behörden – an dem Gesamtkonstrukt mitgearbeitet. Da sollte man sich, ehrlich gesagt, nicht selber loben, aber das muss man erst mal hinkriegen.
Ich glaube, das haben wir nicht so schlecht gemacht. Insofern gehe ich davon aus, dass wir in drei Jahren hier stehen – ich weiß es nicht; wir müssen zwischendurch noch eine Wahl haben – und sagen werden: Das, was wir hier machen, hat sich bewährt und ist tatsächlich beispielhaft für Gesamtdeutschland; der Taubenbestand ist runtergegangen, die Tauben sind gesünder, als sie es jetzt sind, weil sie jetzt nämlich Pommes und anderen Kram fressen, und das ist gar nicht gesund für sie. Wir haben das Tierwohl im Auge, wir haben die Reduzierung der Tauben im Auge, wir haben die Menschen um die Bahnhöfe rundherum im Auge, die sich unter Umständen von dem Taubendreck gestört fühlen.
Insofern schaffen wir hier, glaube ich, tatsächlich eine Win-win-Situation, und ich würde mich freuen, wenn möglichst viele dem Antrag zustimmen. Noch mehr freue ich mich, wenn die Taubenschläge dann dort stehen. Heute machen wir einen Schritt dahin, indem wir das Geld dafür bereitstellen. Aber richtig gut ist es erst, wenn wir alle sechs Taubenschläge haben und die Tauben da rein- und rausfliegen und wir es schaffen, sie ordentlich zu
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich will jetzt nicht den dritten Vortrag in dieser Richtung halten, aber ich möchte mich bedanken bei den beiden Fraktionen, dass sie unseren Antrag vom Februar dieses Jahres aufgegriffen haben und es in zehn Monaten geschafft haben, hier einen eigenen Antrag vorzulegen, wobei ich so ein bisschen den Verdacht habe, dass Sie es deswegen so ausführlich und so direkt gemacht haben, weil Sie Ihrer eigenen Regierung nicht über den Weg trauen. Bei mir macht sich das Gefühl breit, dass Sie ihr nicht zutrauen, dass sie und ihre Verwaltung das von alleine kann.
Das war völlig in Ordnung, und es ist im Endeffekt ein gutes Ergebnis. Nach langen Jahren frustrierender Runden in den Bezirken, frustrierter Tierschützerinnen und Tierschützer und frustrierender Querschüsse aus der Politik ist das Ergebnis wirklich vorzeigbar. Auch wir haben bereits – der Kollege von der CDU hat es gesagt – dreimal Taubenschläge für Hamburg beantragt; theoretisch hätte man also schon 2019 zuschlagen können. Aber gut, an dieser Stelle, muss man sagen, kenne ich natürlich den einen Teil der Koalition, und ich weiß, dass bei ihm nicht unbedingt ein Verständnis dafür da ist, zumindest bisher. Es ist ein guter Erfolg, dass die Betreuung der Taubenschläge sozialversicherungspflichtig abgesichert ist. Das ist ordentlich, und damit ist Hamburg ganz weit vorn, was die Betreuung von Taubenschlägen angeht.
Aber – ich komme noch ein bisschen in die Kritik – der Spagat des Antrags schmerzt dann wirklich, denn Stadttauben seien unter anderem Nachfahren verwilderter Haustauben. Gut, ohne die Haustauben würde es die Stadttauben nicht geben, aber diese Kombination muss man mir schon erklären: Sie bleiben in dieser Lesart weiterhin Wild
tiere und damit eigentlich senatsseitig nicht unterstützenswert. Hier hätte man durchaus etwas forscher herangehen können, denn die Schublade Wildtiere haben wir immer noch: Noch in einer Kleinen Anfrage von September 2023 hat mir der Senat bestätigt, dass es keine unmittelbare staatliche Zuständigkeit gibt. Insofern ist dieser Antrag und das Tun daraus tatsächlich ein Spagat. Aber vielleicht ist es auch auf andere Wildtiere ausbaubar; das würde mich sehr freuen.
70 000 Euro für die Verbesserung des Taubenschutzes haben wir 2022 hier beschlossen. Ich habe bisher noch keine Bilanz gesehen, wofür dieses Geld wirklich ausgegeben worden ist – es kann nicht für die im Antrag stehenden erwähnten Gespräche mit Bundesbahn, Bezirksämtern, Hochbahn und HVV ausgegeben worden sein. Ansonsten wird hier nicht weiter darauf eingegangen. Ich finde es interessant: Bevor das eine überhaupt festgestellterweise ausgegeben ist, wird das Nächste schon finanziert – interessant.
Aber gut, konstatieren wir: Seit Jahren werden die Bezirke und die Tierschützerinnen und Tierschützer hängen gelassen – das war ein unterirdisches Verhalten. Und seit Jahren wurde die Zuständigkeit des Senats beziehungsweise der Stadt bestritten. Letztendlich sagt auch die Beauftragung der Stadtreinigung mit der Betreuung der Taubenschläge, dass ein gewisses Misstrauen gegenüber den Tierschützerinnen und Tierschützern besteht. Ich glaube, die Stadtreinigung tut jetzt natürlich gut daran, sich das Know-how, das sie mit Sicherheit noch nicht vorweisen kann, entsprechend anzueignen.