Es ist eher eine Zwischenbemerkung: Ich möchte betonen, dass das kein Misstrauen gegenüber den Vereinen ist, sondern dass es darum geht, harte Arbeiten nicht auf ehrenamtliche Schultern zu lasten, weil ein Ehrenamt etwas sein soll, das auch Freude bringt, womit man sich nicht kaputt macht und bei dem man jederzeit sagen kann: Ich möchte das nicht mehr, es ist mir gerade zu viel. Wenn eine Stadt so viele Taubenschläge baut, dann muss die Stadt das auch verantwortungsvoll schultern. Das ist kein Misstrauen gegenüber den Taubenvereinen, die ganz tolle Arbeit leisten.
Diese Stellungnahme, diese Klarstellung finde ich sehr gut, weil aus dem Antrag etwas anderes hervorgeht: Dort steht im Vorwort, dass man qualifizierte Betreuung will, und dann verweist man auf die Stadtreinigung. Aber jetzt ist es klargestellt, und dementsprechend ist alles gut.
Ich habe natürlich auch gut zugehört und sage: Drei Taubenschläge in einem jeweils näheren Umkreis sind natürlich genau das, was die Tauben und die Stadt brauchen. Aber worüber nichts ausgesagt wird, sind die Kosten für den Bau der Taubenschläge; es wird hier nur von der Betreuung geredet. Das heißt, nur der Betrieb wird finanziert. Es wird nichts dazu gesagt, was in der Folge eigentlich mit den bisher verprellten Bezirken – ich glaube, das waren Nord, Harburg und Bergedorf, in denen Taubenrunden bestanden und eine Lösung gesucht wurde –, passieren soll. Ich denke, da ist nach einer zügigen Evaluation ganz schnell was nötig, um auch dort weiter voranzugehen.
Letztendlich habe ich die Hoffnung, dass dieser Antrag ein Einstieg ist, damit die Freie und Hansestadt Hamburg ihre Verantwortung im Tierschutz auch für Wildtiere anerkennt. – Danke.
Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrte Damen und Herren! Frau Otte, ich finde den Antrag, den Sie hier vorgetragen haben, toll, ebenso wie all das Positive; das unterstützen wir. Ich werde aber jetzt mal ein bisschen herbeiführen, wie wir die Argumentation gemacht haben, um zum Ergebnis zu kommen. Denn mittlerweile sind die Tauben auch in kleineren Städten ein erhebliches hygienisches und gesundheitliches Problem. Zur Verkleinerung – Sie hatten einiges schon angedeutet – von Taubenpopulationen kamen schon ganz unterschiedliche Mittel wie Netze, Spikes, Drähte, Elektrosysteme, empfängnisverhütende Futterdragees et cetera zum Einsatz, die für einen kleinen Zeitraum einen kleinen Erfolg hatten. Der Londoner Bürgermeister versucht es sogar mit Falken; die pure Anwesenheit der Raubvögel veranlasst die Tauben schnell zur Flucht. Doch bleiben wir in unserem Lande, Beispiel Berlin: Hier verfolgt man seit Jahren ein ähnliches Konzept, wie es jetzt von der rot-grünen Fraktion beantragt wird. Das Ergebnis ist langfristig eher kontraproduktiv: Die Taubenpopulation wuchs 2010 um sechs Prozent auf 19 000 Tauben. Dass die Tauben sich so wahnsinnig schnell vermehren, haben wir Menschen ihnen angezüchtet, als sie als Haustiere gehalten wurden; das sind jetzt die Stadttauben, die uns in den Städten solche Probleme bereiten.
Ein Fakt, der bisher noch nicht genannt worden ist, ist, dass die Tiere Krankheiten übertragen: Hirnhautentzündung, Lungenentzündung, Salmonellen, Typhus können die Folge sein. Im Gefieder einer Taube sind mehr als 100 verschiedene Parasiten und Krankheitserreger; auch ihre Exkremente sind gesundheitsschädlich. Immer weniger Menschen halten Tauben deshalb für einen schützenswerten Bestandteil des Lebens in der Stadt, das heißt, sie haben die negative Einstellung, dass Taubenkot und Gefieder ein ästhetischer Minuspunkt in jeder Stadt sind. Außerdem können Gebäude signifikant geschädigt werden; sie sind eine Gefahr, vor allem für denkmalgeschützte Gebäude. Lassen Sie mich ganz deutlich machen: Es geht nicht nur um den Schutz der Tauben, sondern auch um den Schutz vor den Tauben als wichtige Aufgabe. Alle vermeintlichen Tierschützer, die sich gegen Maßnahmen wehren, sollten bedenken, dass Taubenschutz letztendlich auch den Tieren dient. Denn es ist erwiesen, dass Tauben in hohen Populationen öfter krank werden.
Aber was ist die Lösung? Nun, sie liegt zum Beispiel in den Empfehlungen des Tierschutzbeirats Niedersachsen: betreute Futterstellen und Taubenschläge einrichten, um ihren Bestand zu kontrollieren; das ist auch Ihr Vorschlag. Es ist zwar keine perfekte Lösung, aber es ist ein Anfang. Meine Fraktion hält die angesetzten 350 000 Euro – das sind fast stolze 30 000 jeden Monat für die nächsten zwei Jahre – nur für die Taubenfürsorge für eindeutig zu hoch.
Schließlich ist Berlin mit fast der Hälfte, also 200 000 Euro jährlich, ausgekommen. Trotzdem stimmen wir zu, um einen Schritt in die richtige Richtung für eine saubere Stadt zu machen, verbunden mit Tierschutz. – Vielen Dank.
Danke schön, Herr Reich. – Weitere Wortmeldungen liegen mir nun nicht mehr vor, sodass wir zur Abstimmung kommen können.
Das scheint mir fast einstimmig. Zur Sicherheit die Gegenprobe. – Und Enthaltungen? Dann ist dieser Antrag einstimmig angenommen worden.
Wir flattern weiter zum nächsten Tagesordnungspunkt 63, der Drucksache 22/14617, einem Antrag der GRÜNEN und SPD-Fraktion: Kreislaufwirtschaft im Bausektor stärken – Möglichkeiten von
[Antrag der Fraktionen der GRÜNEN und der SPD: Kreislaufwirtschaft im Bausektor stärken – Möglichkeiten von Pre-Demolition-Audits nutzen und Abbruchabfälle vermeiden – Drs 22/14617 –]
Dieser Tagesordnungspunkt ist von der GRÜNEN Fraktion als Kurzdebatte angemeldet worden. Das Wort erhält somit für zwei Minuten zunächst Frau Sparr, und weitere Wortmeldungen nehme ich gleich entgegen.
Herr Präsident, werte Anwesende! Hamburg baut und Hamburg reißt ab. Der Ruf der Freien und Abrissstadt Hamburg ist bei Weitem nicht unverdient. Ich sage das nicht nur aus ästhetischen Gründen – wir reißen viel zu viel ab. Aber das Rathaus lassen wir stehen. Und damit sind wir schon bei einer Dimension unseres Antrags: Die Stadt sollte im Umgang mit ihren eigenen öffentlichen Gebäuden als Vorbild wirken.
Werte Kolleg:innen, Hamburg baut, Hamburg reißt ab, und Hamburg will – Stand heute – bis 2045 klimaneutral sein. Nachhaltiger auch im Sinne des Klimaschutzes wäre es also, ältere Gebäude zu sanieren und umzunutzen, denn bei der Herstellung von Baustoffen, bei Abbruch und Neubau entstehen CO2-Emissionen, die vermeidbar wären. Hinzu kommt, dass bestimmte Ressourcen schon jetzt knapp sind, zum Beispiel Sand. Der wird gelegentlich schon von den Stränden geklaut und über kriminelle Netzwerke gehandelt. Falls aber ein Abriss doch unvermeidlich ist, sollten wenigstens die vorhandenen Materialien einer adäquaten Nachnutzung zugeführt werden. Bisher wird Bauschutt überwiegend im Straßenbau eingesetzt oder allenfalls als Zuschlagsstoff bei der Betonherstellung, aber jedes Gebäude enthält wertvolle Ressourcen, die im Sinne einer Kreislaufwirtschaft möglichst erhalten bleiben oder wenigstens hochwertig wiederverwertet werden sollten. Da die Abrissmaterialien im Allgemeinen in den Besitz des Unternehmens übergehen, das den Abriss durchführt, fehlt auch ein Überblick darüber, welche Stoffe in welchen Mengen wo vorhanden sind.
Um also Baustoffe als solche im Hochbau wiederzuverwenden, müssen wir erst einmal wissen, was überhaupt alles in dem Abrissobjekt drinsteckt. Das kann über ein sogenanntes Pre-DemolitionAudit geleistet werden. Dabei wird das Gebäude gezielt auf die verbauten Materialien untersucht, soweit vorhanden auch unter Heranziehung von Unterlagen aus der Bauzeit. Dabei wäre es natürlich vorteilhaft, wenn die statischen Berechnungen aus der Bauzeit noch vorhanden wären. Das ist häufig nicht der Fall. Die Bauämter vernichten die
se Unterlagen nach einer gewissen Zeit schon aus Platzgründen und weil die Zuständigkeit dafür auf der Eigentümerseite gesehen wird. Aber auch dort geht viel verloren, zum Beispiel durch Eigentümerwechsel. Wir möchten deshalb erreichen, dass die Bauämter diese Unterlagen in Zukunft von Amts wegen aufheben.
Im Zeitalter der Digitalisierung sollte das zunehmend platzsparend möglich sein. Ich bitte deshalb um Zustimmung zu diesem Antrag.
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren! Mit diesem Antrag schaffen wir in Hamburg heute einen wichtigen Schritt zum Einstieg in die Kreislaufwirtschaft im Bausektor. Noch klingt es wie eine Utopie: Wir wirtschaften so, dass keine Abfälle entstehen und wir immer wieder dieselben Ressourcen verbauen können. Aber dieser Schritt ist sehr wichtig. Der Bausektor verursacht weltweit 60 Prozent des Mülls und ist für 40 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich. Aber nur 1 Prozent der Baumaterialien wird heute wiederverwendet. Der übliche Weg ist die Entsorgung von Unmengen Holz, Kunststofffenstern, Kacheln, die alle im Müll landen. Dies ist umso befremdlicher, weil die Situation so ist, dass diese Baustoffe an anderen Stellen auch benötigt werden.
Daher sind zwei Punkte beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft zentral. An erster Stelle ist die Frage: Was lässt sich sanieren, und was lässt sich umnutzen? Hier gibt es Beispiele in Hamburg aus der Vergangenheit. Ich denke an die ehemalige Hamburg-Süd-Zentrale, wo gleichzeitig mit der Sanierung aufgestockt und das Gebäude im Kern erhalten wurde, oder vor allen Dingen auch an den Gröninger Hof, bei dem wir dabei sind, ein Parkhaus aus den Sechzigerjahren, wo früher 500 Pkw standen, in 80 Wohnungen umzubauen. Diesen Weg gilt es konsequent weiterzudenken. Und der andere Punkt ist es, sich heute zu überlegen, welche Baumaterialien wir weiterverwenden können, welche wir recyceln können. Die KfW hat zum Beispiel eine Firma prämiert, die Baumaterialien systematisch mit einer App kategorisiert und sie zum Weiterverkauf auf eine Internetplattform stellt. So schafft man es, Fenster, die noch nicht lange Zeit eingebaut waren, wiederzuverwenden, und dadurch, dass sie vor dem Ausbau auf der Plattform eingestellt werden, entfallen auch jegliche Lagerkosten.
Der andere Punkt ist das Recycling. Ich möchte hier ein Beispiel nennen, wie man heute zum Beispiel Gipskartonplatten systematisch recycelt. Ein Baustoff, den es früher sehr viel gab, weil früher bei Kohlekraftwerken Gips angefallen ist. Heute ist Gips teuer geworden, auch aufgrund der steigenden Energiepreise. Die kann man heute wirtschaftlich sinnvoll recyceln.
Und wenn Wirtschaftlichkeit zum ökologisch Sinnvollen dazukommt, ist es ein gutes Zusammenspiel. So viel erst einmal. – Danke.
Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren! Sie sind immer sehr sensibel, wenn es um interessengeleitetes Handeln geht. Sie wissen schon, woher diese DIN SPEC 91484 kommt? Die kommt unter anderem von der Marktführerin für zirkuläres Bauen und einigen anderen Unternehmen, die ebenfalls in diesem Sektor tätig sind. Dagegen ist nicht unbedingt etwas zu sagen. Ich bin da nicht so empfindlich. Mich wundert es trotzdem, dass Sie das zum jetzigen Zeitpunkt aufgreifen. Die Bauindustrie und der Wohnungsbau, das wissen Sie alle, leiden momentan sehr. Es gibt haufenweise Podiumsdiskussionen, bei denen Frau Pein sich auch immer mutig den Fragen stellt und immer wieder darauf hinweist …
Und alle, die im Saal sitzen, sind sich dann auch rührend einig: Wir haben zu viele Normen, wir haben zu viel Regulierung. Es geht im Bereich Bauen darum, zig DIN-Normen vielleicht einmal zu überprüfen und zu reduzieren. Das finde ich alles sehr richtig, das muss unbedingt gemacht werden, ist aber noch nicht erfolgt. Und während Frau Pein und Frau Geywitz sich woanders abmühen, haben wir hier dann die BUKEA-Seite, die sich den lieben langen Tag neue Regulierungen ausdenkt. Wie wollen Sie denn jemals wieder dazu kommen, dass wir hier einigermaßen kostensparend bauen können und damit dann auch wieder Wohnungen schaffen können? Ich verstehe ehrlich gesagt Ihren Antrag zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht, und wir werden ihn auch ablehnen.
Noch ein Wort dazu, weil vielleicht der eine oder andere sagen wird: Ja, aber es geht doch nur um öffentliche Gebäude. Wenn Sie das mit Ihren öffentlichen Gebäuden machen wollen, so macht
doch, go ahead. Dann macht man es vor allen Dingen vielleicht erst einmal da, wo es sinnvoll ist, und nicht flächendeckend.