Protokoll der Sitzung vom 18.02.2004

(Volker Schlotmann, SPD: Ich habe zweieinhalb Stunden mit dem DGB gesprochen, heute Morgen und heute Mittag. Und wenn Sie keine Ahnung haben, dann sollten Sie den Mund halten und sich dazu nicht äußern!)

Heute Morgen haben Sie sich vor den Protestierenden vorbeigedrückt.

(Zuruf von Heinz Müller, SPD – Glocke der Vizepräsidentin)

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich hatte heute Hoffnung für diese Landesregierung,

(Volker Schlotmann, SPD: Und ich weiß, wie Gewerkschaft buchstabiert wird, und Sie nicht.)

ich hatte heute Hoffnung. Der Minister strampelt. Herr Minister Holter strampelt,

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja.)

aber nicht, um bürokratische Hürden in der Wirtschaft für die Betriebe und neue Arbeitsplätze zu beseitigen, sondern auf dem Fitnessrad für einen Weltrekord im Dauerradfahren, vermutlich auf der Stelle.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU – Regine Lück, PDS: Sie sind doch sonst so sachlich. – Reinhardt Thomas, CDU: Das ist ja peinlich, das ist peinlich! – Zuruf von Angelika Gramkow, PDS)

Frau Gramkow, Sie haben heute hier ausgeführt,

(Reinhardt Thomas, CDU: Der soll doch mit dem Fahrrad nach Moskau fahren. – Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU und Gabriele Schulz, PDS)

dass Sie Fragen gestellt haben. Ihre Fragen machen deutlich, dass diese Landesregierung keinerlei Prioritäten setzt und sich Rat- und Mutlosigkeit in beiden Fraktionen breit machen.

Frau Keler, zur globalen Minderausgabe darf ich noch einmal aus dem Bericht des Finanzausschusses auf der Drucksache 4/1036 zitieren: „Seitens des Präsidenten des Landesrechnungshofes wurde insoweit angemerkt,“

(Egbert Liskow, CDU: Nein! – Heike Polzin, SPD: Oh, oh! War das auch eine geschlossene Sitzung?)

„dass nach der Verfassung von Bund und Ländern ein Spezifikationsgebot bestehe.“ Dieser Bericht ist öffentlich, deshalb kann ich das zitieren.

(Lorenz Caffier, CDU: Diese Sitzung ist auch öffentlich.)

„Dies bedeute, dass Einzeltitel auszubringen seien. Insofern stelle die globale Minderausgabe eine Abweichung von diesem Verfassungsprinzip und einen Verzicht des Parlaments auf Teile seines Etatrechts dar“, meine Damen und Herren. „In ‚guten Zeiten‘ seien globale Minderausgaben nicht bedenklich.“

(Heinz Müller, SPD: Aha!)

„In ‚schlechten Zeiten‘ sei aber selbst das Umschichten von relativ kleinen Beträgen mitunter schon ein Politikum.“ Und wo er Recht hat unser Präsident, da hat er Recht, meine Damen und Herren.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU)

Frau Keler, Sie zitierten, dass wir dort keine 128 Millionen einstellen können. Ich darf Ihnen die Fundstelle nennen, nach der wir dieses einzustellen haben. Das ist nämlich ein beschlossenes Gesetz, BGBl. I, Seite 2954.

Das, was wir hier machen, ist Rasenmäher im Stellenbereich, Rasenmäher, der an einer Stelle wehtut, der keine Schwerpunkte setzt und der an anderer Stelle Wildwuchs gedeihen lässt.

(Zuruf von Birgit Schwebs, PDS)

Frau Keler, Sie haben heute früh zum Nachtragshaushalt ausgeführt: Was hätten wir tun sollen? Ich kann es Ihnen nennen. Die CDU-Fraktion hat seit 1995 gefordert, TGL und TGS zusammenzulegen. Sie hat gefragt: Brauchen wir überhaupt diese Gesellschaften? Jährlich, seit 1995, sind dort Millionenbeträge verbrannt worden, und zwar ohne Effekte.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU – Eckhardt Rehberg, CDU: Richtig.)

Ich kann Ihnen verraten, was wir hätten tun können. 1995 hat der Arbeitskreis Finanzen der CDU-Landtagsfraktion in einer Koserower Erklärung gefordert,

(Heiterkeit bei Harry Glawe, CDU, und Eckhardt Rehberg, CDU)

zwei Ministerien und nachgeordnete Einrichtungen zusammenzulegen. Gescheitert ist das an der Ignoranz unseres damaligen Koalitionspartners.

(Unruhe bei Harry Glawe, CDU – Glocke der Vizepräsidentin)

Wir hätten weit über 80 Millionen Euro seit diesem Zeitpunkt einsparen können.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU – Zuruf von Dr. Margret Seemann, SPD)

Ich kann weiter anführen das Plattenbaukaufprogramm. Wissen Sie, wie viel Geld dort verbrannt worden ist, und zwar ohne eine einzige Investition, ohne einen einzigen Arbeitsplatz? Die Existenzgründerwerbekampagne, Beraterverträge, „Jugend baut“, Beraterverträge 1998 bis 2001 ausweislich einer Zahl, die mir zugegangen ist, 48 Millionen, 65 Millionen Berater- und Gutachterverträge allein in 2002.

Meine Damen und Herren, wer lustig Strohfeuerprogramme weiterbrennen lässt,

(Zuruf von Reinhardt Thomas, CDU)

der vernichtet Geld in diesem Land, Geld, das man für Arbeitsplätze, für die Infrastruktur und für Kommunen hätte verwenden können.

(Egbert Liskow, CDU, und Andreas Petters, CDU: Müssen!)

Meine Damen und Herren, ich hoffe, dass Ihnen nicht nur heute früh die Ohren geklungen haben, sondern dass die Demonstranten auch Ihr Herz und vor allem Ihre Hirne erreicht haben.

(Volker Schlotmann, SPD: Ja, im Gegensatz zu Ihrem, ja.)

Meine Damen und Herren, ich darf aus einer öffentlichen Sitzung des Kreistages Ostvorpommern zitieren: Der sozialdemokratische Abgeordnete, ein Urgestein von einem Sozialdemokraten, Herr Hilpert: „Der Ministerpräsident weiß schon lange nicht mehr, wie es bei den Kommunen aussieht. Er befindet sich auf dem Absprung in den Ruhestand.“

(Heike Polzin, SPD: Wir können ja einmal über den Kreistag von Ostvorpommern reden, über Personalpolitik und über die Verantwortung von Herrn Riemann.)

„Und unser Parteivorsitzender, statt sich um die Probleme des Landes zu kümmern, rennt er eine Woche mit der Kochmütze über die Grüne Woche.“

(Beifall und Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU)

Das ist Ihre Basis und so sieht sie Ihr Regierungshandeln.

(Volker Schlotmann, SPD: Sie halten eine Büttenrede. Schrecklich! – Zuruf von Heike Polzin, SPD)

Nein, das ist ein wortwörtliches Zitat eines aufrechten Sozialdemokraten, der noch die Probleme vor Ort kennt. Und ich frage bei manchen, ob wir sie noch wirklich kennen.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU – Regine Lück, PDS: Es ist wieder nicht sachlich. Es ist wieder nicht sachlich. – Heike Polzin, SPD: Ich habe schon etwas vermisst heute Morgen.)

Meine Damen und Herren, wollen wir wirklich den letzten Teich in diesem Land sanieren, den letzten Bach naturieren?

(Volker Schlotmann, SPD: Herr Riemann, Sie sind ein Büttenredner.)

Wollen wir mit schönen Worthülsen weiter gemeinwohlorientiert Geld verbrennen?

(Heike Polzin, SPD: Oh Gott! – Gabriele Schulz, PDS: Sie müssen es ja wissen!)

Oder wollen wir Schwerpunkte bei der Bildung setzen, Schulen und Hochschulen stärken, Infrastruktur ausbauen, Kommunen stärken, Arbeitsplätze in der Wirtschaft erhalten und schaffen?