(Michael Andrejewski, NPD: Ja, ganz harmlos. – Stefan Köster, NPD: Das ist das Spielzeug der Linken.)
Wir kommen zur Abstimmung über den Antrag der Fraktion der NPD auf Drucksache 5/1788. Wer dem zuzustimmen wünscht, den bitte ich um ein Handzeichen. – Danke. Die Gegenprobe. – Danke. Enthaltungen? – Damit ist der Antrag der Fraktion der NPD auf Drucksache 5/1788 bei Zustimmung der NPD-Fraktion, aber Ablehnung der Fraktion der LINKEN, der SPD, der CDU und der FDP abgelehnt.
Meine Damen und Herren, ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 27: Beratung des Antrages der Fraktionen der CDU und SPD – Spielend die Sprache des Nachbarn erlernen – Polnisch in Kindertagesstätten, Drucksache 5/1794. Hierzu liegt Ihnen ein Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE auf Drucksache 5/1833 vor.
Antrag der Fraktionen der CDU und SPD: Spielend die Sprache des Nachbarn erlernen – Polnisch in Kindertagesstätten – Drucksache 5/1794 –
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Menschen im grenznahen Raum auf beiden Seiten der Grenze arbeiten gemeinsam an einer erfolgreichen Zukunftsgestaltung.
Die Chancen für kulturelle und wirtschaftliche Initialzündungen in unseren östlichen Landesteilen sind riesig. Diese wollen und müssen wir nutzen. Von der dynamisch wachsenden Großstadt Stettin können die Regionen Uecker-Randow und Ostvorpommern profitieren.
Der Großraum Stettin wiederum kann durch die Landkreise als neuer Wohn-, Erholungs- und Lebensbereich gewinnen.
Deutsche und polnische Bürgerinnen und Bürger, deutsche und polnische Nachbarn engagieren sich bereits für ihre gemeinsame Zukunft im gemeinsamen Haus Europa.
(Michael Andrejewski, NPD: Ist das schön alles! – Raimund Borrmann, NPD: Gilt das auch für die Vertriebenen?)
Kinder und Jugendliche erfahren und erleben dieses nachbarschaftliche Zusammenwachsen als normalen Lebensumstand.
Am 3. September 2008 war im „Nordkurier“ Folgendes zu lesen, ich zitiere: „Deutsche und Polen gemeinsam kreativ … Durch Begegnungen Vorurteile abbauen – das ist ein Anliegen der von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern organisierten Polnischen Wochen.“ Zitatende.
Diesmal wurde eine Kunstbegegnung organisiert. Künstler halfen Kindern dabei, sich künstlerisch auszuprobieren.
Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, wie man gemeinsam „auf ein Ziel hin zusammenarbeitet“. Die polnische Deutschlehrerin sagte hinterher, „dass die ,Kunstbegegnung‘ für die Jugendlichen eine gute Gelegenheit sei, Sprachbarrieren abzubauen, Vorurteilen entgegenzuwirken und … Freundschaften zu knüpfen“. Diese Gelegenheiten fordern und fördern wir ausdrücklich. Diese Gelegenheiten unterstützen wir und diese Gelegenheiten brauchen unseren Zuspruch, denn noch zu oft werden sie von Menschen bekrittelt und behindert, deren geistiger Horizont braun eingefärbt ist. Wir wollen unseren jungen Leuten beiderseits der Grenze Perspektiven und Zukunft geben.
Daher sehen wir die Notwendigkeiten, ihnen auch das Erlernen der Sprache des Nachbarn zu ermöglichen. Die Überwindung der Sprachbarriere steht dabei an allererster Stelle, um gutes Miteinander langfristig zu gestalten.
Sprache ist die entscheidende Voraussetzung für Verstehen. Sie prägt das Denken und legt den Grundstein für Demokratie und Toleranz.
Die Deutsch-Polnische Gesellschaft leistet mit ihrem Projekt „Polnisch in der Kindertagesstätte“ einen nachhaltigen Beitrag bei der sprachlichen Frühförderung von Kindern und stärkt somit den lebenslangen Sozialisationsprozess im europäischen Kontext. Diese Bemühungen wollen wir hier ausdrücklich unterstützen.
Darüber hinaus fordern wir die Verantwortlichen in den Kommunen, die Träger der Kitas sowie die Eltern auf, diese Möglichkeit der sprachlichen Frühförderung zu nutzen und zu unterstützen. Dies tun wir umso vehementer, als es Männlein in diesem Land gibt, die solche Art des gedeihlichen Miteinanders als multikulturellen Extremismus bezeichnen.
(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE – Dr. Wolfgang Methling, DIE LINKE: So ist es. – Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir bitten um Ihre Zustimmung zu unserem Antrag. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Meine Damen und Herren, im Ältestenrat wurde eine Aussprache mit einer Dauer von 45 Minuten vereinbart. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache.
Um das Wort hat zunächst gebeten der Bildungsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern Herr Tesch. Herr Tesch, Sie haben das Wort.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Der berühmte Sprachphilosoph Ludwig Wittgenstein hat einmal gesagt: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Im Zeitalter der Globalisierung, Europapolitik und interkultureller Gesellschaft steht die Verständigung mit anderen Menschen im Vordergrund. Ein wichtiges – wie ich finde – Werkzeug hierzu ist die sprachliche Kommunikation. Neben einer großen und einer mittelgroßen Weltsprache sollte man möglichst eine Sprache aus der angrenzenden Region beherrschen.
(Raimund Borrmann, NPD: Fragen Sie doch mal, warum da nicht Deutsch gesprochen wird, Herr Minister!)
Dafür sprechen ganz pragmatische Gründe, zum Beispiel im Rahmen der grenzüberschreitenden wirtschaftlichen Kooperationen, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit von Personen, Organisationen, Institutionen, Kommunen, Verwaltungseinrichtungen, zum Beispiel auch Ministerien, des täglichen grenzüberschreitenden Personenverkehrs und des täglichen Einkaufstourismus sowie der Nutzung von Dienstleistungen im Nachbarland. Will man Defiziten in der sprachlichen Entwicklung rechtzeitig entgegenwirken, ist die frühkindliche Sprachförderung, das heißt vor der Einschulung, von besonderer Bedeutung. In der Koalitionsvereinbarung haben wir ausdrücklich festgelegt, dass der Frühbeginn des Fremdsprachenunterrichts weiter ausgebaut werden muss. Die erste Fremdsprache beginnt seit dem letzten Schuljahr verpflichtend ab der 3. Klasse.
Doch es geht noch besser. Mit ihrem Antrag unterstützen die Fraktionen der CDU und SPD die Bemühungen der Landesregierung sowie der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Polnisch in Kindertagesstätten im grenznahen Raum anzubieten und qualitativ weiterzuentwickeln. Als erstes Modellprojekt startete im Dezember 2005 die zweisprachige Kinder- und Jugenderziehung in der Grenzregion Wollin/Usedom, das damals in der Verantwortung des Sozialministeriums lag. Es wurde 2006 erfolgreich abgeschlossen. Seit 2007 läuft das neue Modellprojekt „Mehrsprachige Erziehung – Polnisch in Kindergärten und weiterführenden Einrichtungen“, das vom Bildungsministerium jährlich mit 20.000 Euro unterstützt wird. Zudem wird das Vorhaben aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, der Kommunen, des Projektträgers und durch Sponsoren finanziert. Das Projekt ist
Mit dem Modellprojekt „Mehrsprachige Erziehung – Polnisch in Kindergärten und weiterführenden Einrichtungen“ wollen wir das grundlegende Interesse der Kinder am Erlernen der polnischen Sprache wecken. Mithilfe von Muttersprachlerinnen soll den Kindern in den Kindertagesstätten der Grenzregion die polnische Sprache vermittelt werden.
Ziel des systematischen Sprachenlernens ist es, eine kommunikative und eine interkulturelle Kompetenz aufzubauen.