Protokoll der Sitzung vom 05.03.2009

Natürlich war es ein Antrag der Koalitionsfraktionen.

(Toralf Schnur, FDP: Das stimmt, ja.)

Na ja, dann halten Sie doch Ihren Sabbel!

(Unruhe bei Abgeordneten der Fraktion der FDP)

Und jetzt geht es um einen Antrag der Fraktion DIE LINKE und da muss man natürlich nach Ausreden suchen, warum man diesen Antrag ablehnt. Eine Ausrede hat mir aber besonders gefallen, auch wenn sie mich zum Nachdenken anregt, weil wir offensichtlich nicht tiefgründig genug gearbeitet haben. Frau Schlupp hat unseren Antrag mit der Begründung abgelehnt, er geht der CDU noch nicht weit genug.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Das ist auch richtig. – Egbert Liskow, CDU: Genau.)

Da habe ich die Hoffnung, dass die CDU auf der nächsten Landtagssitzung einen weitergehenden Antrag vorlegt zur Problematik Gleichstellung im ländlichen Raum, da bin ich also sehr gespannt.

(Zuruf von Gabriele Měšťan, DIE LINKE)

Und wenn Sie ein bisschen Vorbereitungsarbeit brauchen, dann brauchen Sie nicht bloß bei der Hans-Böckler-Stiftung nachzugucken. Ich empfehle Ihnen die Broschüre meiner Bundestagsfraktion, Gleichstellung im ländlichen Raum,

(Zuruf von Harry Glawe, CDU)

da werden Sie sehr viele wichtige Informationen finden, und vielleicht hilft das ja auch der CDU und Ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden Herrn Glawe, im Bereich der Gleichstellung etwas tiefgründiger zu werden.

(Harry Glawe, CDU: Das ist doch nicht zu fassen hier!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen und liebe Frau Dr. Seemann, Sie wissen, dass ich Ihre Arbeit sehr schätze.

(Zuruf von Harry Glawe, CDU)

Und ich bin auch immer bereit, Ihre Arbeit auch gegen die Widerstände Ihres Koalitionspartners zu unterstützen, und die sind ja offensichtlich.

(Heiterkeit und Unruhe bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU und FDP)

Ich darf Ihnen aber auch die Frage stellen, wenn Sie unseren Antrag auch mit der Begründung ablehnen, dass zum Beispiel das Projekt „IMPULS MV“, das die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt unterstützen soll, eben erst gestartet ist und wir deshalb aus diesem Grunde unseren Antrag nicht umsetzen können, ob das nicht auch für den Berichtsantrag von heute früh gilt, denn „IMPULS MV“ ist gerade dazu da, das, was Sie in dem Berichtsantrag von heute früh gefordert haben, zu unterstützen. Das ist also eine sehr wacklige Begründung zur Ablehnung unseres Antrages.

(Toralf Schnur, FDP: Das finde ich nicht.)

Gut, aber es ist so.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Artikel 13 der Landesverfassung unseres Landes ist festgeschrieben, ich zitiere: „Die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern ist die Aufgabe des Landes, der Gemeinden und Kreise sowie der anderen Träger der öffentlichen Verwaltung.“ Zitatende. Wie wollen wir diese tatsächliche Gleichstellung vorantreiben, wenn uns die Tatsachen verborgen bleiben, weil einem Antrag einer Oppositionsfraktion aus bestimmten Gründen nicht zugestimmt wird?

(Harry Glawe, CDU: Nanu!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir fordern einen Bericht, um die Tatsachen miteinander zu diskutieren. Wir fordern einen Bericht, der die Istsituation wiedergibt, und es gäbe ja viel zu berichten. Frau Schlupp hat ja hier einiges dargestellt, was durchaus lohnenswert wäre, in einem solchen Bericht Widerspiegelung zu finden. Warum verweigern Sie sich dann? Die Situation im Land ist doch nicht so schlecht,

(Harry Glawe, CDU: Wir verweigern doch nicht. Das haben Sie nicht richtig verstanden.)

dass man es verschweigen müsste.

Wir wollen einen Bericht, der die Istsituation wiedergibt, Prognosen liefert und Handlungsempfehlungen entwirft, und das im Kontext der gegenwärtigen förderpolitischen Instrumente.

(Zuruf von Harry Glawe, CDU)

Sehr geehrte Frau Dr. Seemann, Sie haben den Genderindex angeführt. Ich wette, dass die Hälfte der Kolleginnen und Kollegen, die hier im Saal sitzen und mit allerlei Zwischenrufen unseren Antrag madig machen wollen, nicht einmal wissen, was sich hinter dem Genderindex verbirgt.

(Dr. Margret Seemann, SPD: Na, dann lassen Sie uns darüber doch mal diskutieren, Herr Ritter! – Zuruf von Harry Glawe, CDU)

Deshalb kann ich Ihnen versprechen, dass wir zum Beispiel dieses Thema im Innenausschuss demnächst auf die Tagesordnung heben werden,

(Zuruf von Dr. Margret Seemann, SPD)

damit alle auch einmal begreifen, was sich hinter dem Genderindex verbirgt.

(Zuruf von Harry Glawe, CDU)

Liebe Kolleginnen und Kollegen!

(Harry Glawe, CDU: Das ist eine Unterstellung.)

Na, von der CDU zum Beispiel habe ich bei der Vorstellung des Genderindexes hier in Schwerin niemanden gesehen, lieber Kollege Glawe,

(Harry Glawe, CDU: Ist das ein Kriterium? Ist das ein Kriterium?)

und alle waren sie eingeladen. Der Vorsitzende des Sozial ausschusses Herr Grabow war da, ich war da und wir haben uns darüber informiert.

(Harry Glawe, CDU: Dass Sie das nicht verstehen, das kann es doch wohl nicht sein. Das kann es doch wohl nicht sein.)

Ja, das kann es nicht sein.

(Harry Glawe, CDU: Jawoll, das ist so.)

Na klar kann es das nicht sein.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Genderindex für Deutschland, der seit November 2008 zur Verfügung steht, kann nur eingeschränkt für einen Bericht, wie wir ihn fordern, herangezogen werden. Als Landkarte zur Chancengleichheit, wie der Genderindex beschrieben wird, stellt der Genderindex anhand von Zahlen und Grafiken überblicksartig die Gleichstellung von Frauen und Männern in den Bereichen Ausbildung, Beruf und politische Teilhabe für alle Landkreise und kreisfreien Städte Deutschlands dar. Die Bereiche Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Mobilität und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung finden dabei keine Berücksichtigung. Deshalb haben wir diese Punkte auch in unserem Bericht gefordert. Der Genderindex bietet unbestritten einen guten Überblick, aber auch nicht mehr.

(Harry Glawe, CDU: Dazu hat doch Frau Schlupp Ausführungen gemacht. Da haben Sie wohl nicht zugehört.)

Weder werden kausale Zusammenhänge dargestellt, noch kann von einem aktuellen Abbild der Gegenwart gesprochen werden, Herr Glawe.

(Harry Glawe, CDU: Das sage ich doch gerade.)

Wenn Sie das wüssten, dann würden Sie hier nicht solche Zwischenreden machen.

(Harry Glawe, CDU: Sie haben nicht zugehört und Sie behaupten das Gegenteil von dem, was Sie gehört haben.)

Nein, die für den Genderindex verwendeten Zahlen, Herr Glawe, der amtlichen Statistik stammen aus dem Jahr 2006. Und mit einer Fortschreibung ist frühestens im November 2009 zu rechnen, dann, wenn der von uns gewünschte Bericht vorliegen sollte. Eine tiefergehende Analyse regionaler Begebenheiten ist mit dem Genderindex daher allein nicht möglich. Hierzu müssen weitere Daten herangezogen werden. Und da es aber nun offensichtlich wenig zielführend ist,

(Harry Glawe, CDU: Genau, genau.)

Sie von unserem Antrag überzeugen zu wollen,

(Harry Glawe, CDU: Genau.)