Protokoll der Sitzung vom 14.05.2009

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der CDU und FDP – Unruhe bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE)

Danke, Frau Reese.

Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Herr Rühs von der Fraktion der CDU.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Landtag wird aufgefordert, die Forderung nach einer Frauenquote in Aufsichtsräten deutscher Aktiengesellschaften von 40 Prozent zu unterstützen. Diese Forderung ist Bestandteil des Entwurfs des SPD-Regierungsprogramms aus dem April 2009.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Nicht nur!)

Norwegen und Spanien haben sie, Österreich und die Schweiz wollen sie, die Frauenquote in Aufsichts räten. Herzlich willkommen im Aufsichtsrat, Sie haben es aufgrund der Quote geschafft!

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Fraktion der CDU – Dr. Margret Seemann, SPD: Das ist doch Quatsch. – Gabriele Měšťan, DIE LINKE: Das ist doch albern, das ist doch albern.)

Ob diese Vorstellung viele Frauen hierzulande reizen würde? Wohl kaum.

(allgemeine Unruhe – Peter Ritter, DIE LINKE: Das können nur CDU-Männer sagen. Also die Einschränkung muss schon sein.)

Männliche Aufsichtsräte würden sich genauso wenig darüber freuen, nur aus Gründen des Proporzes Einlass gefunden zu haben.

(Peter Ritter, DIE LINKE: 1 a konservatives Unverständnis. – Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Na, das wollen wir erst mal sehen.

(Irene Müller, DIE LINKE: Da können wir auch gleich einen Stock hinstellen.)

Doch um Missverständnisse gleich zu vermeiden, es gibt, denke ich, hier in diesem Hohen Hause niemanden, der per se etwas gegen mehr Frauen in Aufsichtsräten hätte.

(Unruhe bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE)

Ich gehöre jedenfalls nicht dazu.

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Nein, wir alle nicht, Günter.)

Aus meiner Sicht könnte der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten in Deutschland gerne 100 Prozent betragen.

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Ja, Günter, ja.)

Doch ich bin für mehr Frauen in Aufsichtsräten aufgrund entsprechender Qualifikationen.

(Irene Müller, DIE LINKE: Ah, die sind zu doof!)

Eine starre Quote kann aus meiner Sicht nicht die Lösung sein.

(Dr. Margret Seemann, SPD: Wollen Sie unterstellen, dass die Frauen unqualifiziert sind?)

Im Gegenteil, ich halte es für kontraproduktiv, es wäre nämlich ein Meilenstein zu mehr Bürokratie.

(Gabriele Měšťan, DIE LINKE: Sprechen Sie den Frauen die Qualifizierung ab, Herr Rühs? Das ist ja wohl nicht wahr.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung wird schlicht und einfach nicht gesehen. Wohin das führen kann, zeigt ein Blick über die Ostsee, nämlich nach Norwegen, wo knapp 50 norwegische Aktiengesellschaften schriftliche Verwarnungen erhalten haben, weil sie in ihrem Aufsichtsrat noch nicht die gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote von 40 Prozent erfüllt haben.

(Dr. Wolfgang Methling, DIE LINKE: Das ist gut so. – Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Falls sie dieser Pflicht nicht nachkommen, droht nicht etwa ein Bußgeld, sondern die Zwangsauflösung, und das ist nicht gut so. So, meine sehr verehrten Damen und Herren, stelle ich mir jedenfalls strategische politische Rechtsetzung nicht vor. Ich beantrage namens der Koalitionsfraktionen die Überweisung des Antrags in den Wirtschaftsausschuss

(Zuruf von Helmut Holter, DIE LINKE)

und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion der CDU – Heiterkeit bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE)

Danke, Herr Rühs.

Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Herr Müller von der Fraktion der NPD.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wer bestimmt denn in den Aufsichtsräten, wer dort sitzt?

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Wenn wir dort richtig informiert sind, finden doch auf den Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften entsprechende Wahlen statt.

(Irene Müller, DIE LINKE: Ja. – Zuruf von Dr. Margret Seemann, SPD)

Die jeweiligen Aktionäre haben also dort das Wahlrecht. Jedermann, also Frauen und Männer, kann Aktien erwerben, soweit diese gehandelt werden. Es gibt da keine Beschränkungen, ob ein Käufer männlich oder weiblich sein muss. Das passt den Postkommunisten vielleicht nicht,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Post kommt jeden Tag, Herr Müller. Das habe ich Ihnen schon mal gesagt.)

aber so ist das nun mal im real existierenden BRD-Kapitalismus organisiert, Herr Ritter. Die Vorstellung, man könnte Aufsichtsratsposten nach einer Frauenquote vergeben, ist abenteuerlich und zeugt von wenig Sachverstand.

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Fordern Sie ruhig per Gesetz mehr Frauen in den Aufsichtsräten.

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

Bedenken Sie aber, dass so etwas nicht ohne Änderung des Grundgesetzes möglich ist.

Hören Sie doch einfach mal zu!

(Unruhe bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

Wir fordern für die deutsche Frau eine Zukunft, in der sie selbst völlig frei entscheiden kann,

(Glocke des Vizepräsidenten)

welchen Weg sie geht.

(Dr. Margret Seemann, SPD: Ja, natürlich. – Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

Wir brauchen keine Frauenquoten in Aufsichtsräten oder ähnlichen Quatsch.