Meine Damen und Herren, das Zentralabitur dient der Sicherung von Standards und der Qualität des Abiturs in Nordrhein-Westfalen.
Andreas Schleicher von der OECD hat sich am Montag gegenüber dpa und dem Schulministerium folgendermaßen geäußert – es ist ein langes Zitat; wir sollten es aber genau so nehmen, wie er es gemeint hat –:
„Nordrhein-Westfalen hat mit der Einführung des Zentralabiturs einen wichtigen Schritt eingeleitet, um Bildungsleistungen transparenter zu bewerten und damit den Zugang zu weiterführender Bildung, insbesondere zur Hochschule, gerechter zu gestalten.
Zunächst hat das Zentralabitur Probleme einfach nur sichtbar gemacht, die ohne vergleichbare Standards unerkannt geblieben wären. Ohne vergleichbare Standards besteht nämlich die Gefahr, dass Schulen mit geringeren durchschnittlichen Leistungen die Schwierigkeiten der Abschlussprüfung herunternivellieren.
Da der Leistungsstand der Schüler und Schulen vor Einführung des Zentralabiturs unbekannt war, war es außerdem nicht ohne Weiteres möglich, die Schwierigkeiten der Aufgaben vorab optimal an das Leistungsspektrum der Schüler und Schulen anzupassen. Diese Erfahrung, die die meisten OECD-Staaten gemacht haben, unterstreicht die Notwendigkeit des Zentralabiturs jedoch nur noch mehr.
Bedauerlich ist sicherlich, dass mit derartigen Anpassungsschwierigkeiten im Einführungsprozess nicht hinreichend gerechnet wurde. Dies wird jetzt durch die Möglichkeit zur Nachprüfung ausgeglichen.
Die Einführung des Zentralabiturs in NordrheinWestfalen bleibt jedoch ein wichtiger Fortschritt. Es ist deswegen entscheidend, dass die weitere Entwicklung des Zentralabiturs durch derartige Kinderkrankheiten nicht ins Stocken gerät.
Ministerin Sommer hat sich bei der Gestaltung wichtiger Reformen an den Erfahrungen der leistungsfähigen Bildungssysteme orientiert. Wir werden diesen Prozess auch weiterhin unterstützen.“
Leistungsnivellierung, wie sie früher möglich war, ist der falsche Weg. Damit haben Sie unseren Schülerinnen und Schülern damals einen Bärendienst erwiesen. Wenn unsere jungen Menschen in Nordrhein-Westfalen sich dem nationalen und internationalen Vergleich stellen sollen, dann brauchen sie klare Orientierung über anerkannte Standards und keine Verschleierung ihres tatsächlich erreichten Leistungsstandards. Deshalb sagen wir Nein zu einer pauschalen Heraufsetzung um zwei Punkte, wie Frau Schäfer sie gefordert hat.
Wir werden zunächst Verfahren und Ergebnisse wie im Vorjahr sorgfältig evaluieren. Die konkreten Probleme, die sich an manchen Standorten gezeigt haben, können sehr unterschiedlich sein. Dem muss und wird in der Evaluation des Abiturs 2008 nachgegangen werden. Wir werden an Bewährtem festhalten, sind aber gleichzeitig offen für Weiterentwicklung.
An dieser Stelle ist ein Dank an alle Kommissionen zu richten, die sich dieser Aufgabe gestellt haben und sich beteiligt haben. Ich darf ihnen dafür danken, wie vorbildlich sie sich eingesetzt haben.
die das gesamte Abiturverfahren einschließlich des Nachholtermins verantwortlich mitgetragen haben. Herzlichen Dank an diese Kolleginnen und Kollegen!
Meine Damen und Herren, die Aufgabenentwicklung wird weiterhin eine schwierige Gratwanderung zwischen standardorientierten Anforderungen und dem durchschnittlichen Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler bleiben. Dabei werden wir aber nicht stehen bleiben. Wir müssen und werden Schulen beraten und unterstützen, um ihre Unterrichtsentwicklung voranzubringen. Das gilt in besonderer Weise auch für den Bereich Mathematik.
Anknüpfend an das, was insbesondere meine Vorrednerinnen von der Opposition gesagt haben, könnte man noch vieles anmerken.
Mir ist klar geworden, dass wir einen richtigen Weg gegangen sind. Wir können auch ruhig schlafen, weil wir eine sachgerechte Lösung gefunden haben, mit der wir den Schülerinnen und Schülern unseres Landes eine weitere Chance gegeben haben. Den Einzelnen in den Blick zu nehmen, das ist unsere Prämisse. Ich glaube, da haben wir richtig gehandelt.
Danke. – Lassen Sie mich zum Schluss eine persönliche Bemerkung anfügen. Versteckt oder offen fordern Sie ja meinen Kopf. Da halte ich es mit Helmut Kohl,
der auf der Höhe seiner Macht der Opposition zugerufen hat: Dass Sie meinen Kopf fordern, ist normal. Oder soll ich das auch noch für Sie machen? – Danke.
Vielen Dank, Frau Ministerin Sommer. – Für die SPD-Fraktion hat der Abgeordnete Große Brömer das Wort.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Ministerin Sommer, wir fordern nicht Ihren Kopf. Wir fordern nur ein, dass Sie auch selbst das Werteraster beachten, das Sie zum Beispiel bei den Kopfnoten für jeden Schüler und jede Schülerin in diesem Land zugrunde legen. Wir erwarten, dass Sie an irgendeiner Stelle endlich einmal einen Fehler zugeben – und zwar rechtzeitig zugeben – und diese Größe einfach einmal zeigen.
Lassen Sie mich auf ein zweites Missverständnis in dieser Debatte hinweisen, das in einigen Wortbeiträgen nun auch Zeit gekostet hat. – Es geht ja nicht um die Frage, ob das Zentralabitur an sich sinnvoll ist, sondern darum, wie dieses Zentralabitur durchgeführt worden ist.
Lieber Kollege Solf, gestatten Sie mir, weil Sie sich jetzt schon lauthals zu Wort melden, vorweg eine grundlegende Bemerkung zu dem Debattenstil, den die beiden Koalitionsfraktionen heute hier gezeigt haben. Herr Kollege Solf, für Ihren Wortbeitrag gibt es eigentlich nur eine einzige Entschuldigung, nämlich die vierte rhetorische Regel aus dem Rhetorik-Proseminar der Konrad
Adenauer-Stiftung: Wenn du eine Debatte nicht gewinnen kannst, dann beleidige den politischen Gegner. – Das war Ihr Prinzip.
Beim Kollegen Witzel ist heute wieder deutlich geworden, wie schlicht sein Weltbild ist, insbesondere sein bildungspolitisches Weltbild. Dieses schlichte Weltbild besteht aus zwei Sätzen:
Erster Satz: Schuld ist Rot bzw. Rot-Grün in den letzten 39 Jahren oder zumindest in den letzten fünf; mehr haben Sie ja nicht miterlebt.
Und der zweite lautet: Wenn das nicht hilft, sind es die Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler, die unser Bildungssystem kaputt machen.
Das ist Ihr schlichtes Weltbild. Sie sollten langsam darüber nachdenken, ob Sie sich nicht mit Fakten, mit Inhalten auseinandersetzen wollen, anstatt nur Stellungnahmen des Philologenverbandes von vor 20 Jahren auswendig daherzupredigen.
Ich glaube, es ist ganz wichtig, noch einmal deutlich zu machen, dass es völlig fehl am Platze ist, den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern bzw. den Schulen die Schuld zuzuschieben. Das ist eine Vernebelungstaktik sondergleichen. Eben ist behauptet worden, das sei nie passiert.