Protokoll der Sitzung vom 19.10.2011

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Oi!)

Notwendig ist, dass wir vom Staat nicht einerseits Sparsamkeit im Allgemeinen und Freigiebigkeit im Besonderen erwarten, sondern dass wir sehr genau aufpassen, den Staat insgesamt nicht zu überfordern und zu einer seriösen öffentlichen Haushalts- und Finanzpolitik zurückzukehren. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ich will schließen mit einem Zitat von Otto von Bismarck, der einmal erkannt und zu Recht gesagt hat: „Alle menschlichen Einrichtungen sind unvollkommen – am allermeisten staatliche.“

Daran, das zu verbessern, wollen wir arbeiten. – Ganz herzlichen Dank.

(Beifall von der FDP – Hans-Willi Körfges [SPD]: Zu Bismarcks Zeiten stimmte das auch!)

Vielen Dank, Herr Kollege Abruszat. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht jetzt Herr Kollege Mostofizadeh.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Direkt vorweg: Herr Kollege Abruszat, Sie haben Bundesfinanzminister Schäuble für die Grundsicherungsentlastung gelobt und darauf hingewiesen, dass das sozialdemokratische Finanzminister nicht hinbekommen hätten.

Ich weise darauf hin, dass die FDP mit Innenminister Wolf fünf Jahre lang die kommunalen Kassen geplündert hat. Ich habe ausgeführt, wie intensiv das gewesen ist.

(Beifall von den GRÜNEN und von der SPD)

Noch einmal sage ich, an die Nachwuchspolitiker von Biesenbach bis Löttgen gerichtet,

(Lachen von Peter Biesenbach [CDU])

die offensichtlich in der letzten Legislaturperiode hier nicht anwesend waren:

(Zuruf von Bodo Löttgen [CDU])

Sicherlich können wir uns zwanglos auf eine Summe von mindestens 3 Milliarden € einigen, die Sie den Kommunen aus ihren Kassen geraubt haben. Selbst bei einem Zinssatz von nur 3 % zahlen wir jährlich 100 Millionen € zusätzliche Zinsen, die jetzt gegenfinanziert werden müssen. – So viel Vergangenheitsbewältigung muss sein, Herr Kollege Biesenbach,

(Lachen von Peter Biesenbach [CDU])

weil das heute noch aufschlägt.

(Beifall von den GRÜNEN)

Herr Biesenbach: Ausgerechnet Biesenbach verteilt wieder Schulnoten – der integre Peter Biesenbach, der immer ganz leise und korrekt im Parlament auftritt und nie ein scharfes Wort in den Mund nimmt.

Ich kann nur sagen: Ich verwahre mich davor, von Ihnen Schulnoten zu bekommen.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Du verteilst doch selbst immer Noten!)

Sie können das gern mit anderen machen. Ich bin Gesprächspartner der CDU.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Wie war das mit den Nachwuchspolitikern?)

Wenn Sie das nicht möchten, hätten wir allerdings ein Problem, das weit über das Normalmaß hinausgeht.

Zur Zukunftsbewältigung: Ich nehme die beiden Konzepte der CDU, die in der letzten Woche hier intensiv diskutiert worden sind.

Punkt 1: Schuldenregel. Die CDU hat ein Konzept auf den Tisch gelegt, das vorsieht, Artikel 79 der Landesverfassung nicht zu ändern. In diesem Artikel steht etwas über den kommunalen Finanzausgleich: Nur nach Maßgabe der finanziellen Möglichkeiten des Landes soll dieser ausgestattet werden.

Das heißt auf Deutsch – dazu hat sich Herr Weisbrich geäußert –, dass man den Landeshaushalt sehr wohl zulasten der Kommunen konsolidieren kann. Das ist das Konzept der CDU.

(Beifall von Hans-Willi Körfges [SPD] – Hans-Willi Körfges [SPD]: Hört, hört!)

Zweiter Punkt: Sie wollen ein Entschuldungskonzept auf den Tisch legen – ich habe eben ein paar Takte dazu gesagt –, bei dem mal eben 5 Milliarden € nicht finanziert sind.

Jetzt zur Abundanzumlage: 1,4 Milliarden € stehen nicht im Haushalt; 2 Milliarden € durch Verzicht auf die Abundanzumlage. Ich lese Ihnen vor, was Fi

nanzminister Linssen in seiner eben schon zitierten Rede gesagt hat:

„Welchen Beitrag wäre denn die kommunale Familie zu leisten bereit? Wie belastbar ist hier die interkommunale Solidarität?“

(Beifall von Marc Herter [SPD])

Das war einmal Leitlinie der CDU-Fraktion.

Weil Herr Linssen nicht mehr im Parlament ist, nehme ich jetzt jemanden, der im Parlament ist, nämlich den Kollegen Löttgen.

(Bodo Löttgen [CDU]: Ja!)

Er hat am 10. September 2011 gesagt – Zitat –:

„Kein verantwortungsbewusster Mensch, der Schulden hat, würde noch mehr Schulden machen, nur um ein Geburtstagsgeschenk für seinen ebenfalls hoch verschuldeten Freund zu bezahlen.“

(Zustimmung von Bodo Löttgen [CDU])

Da ging es um den Kommunalpakt Kommunalfinanzen. Dazu möchte ich, Herr Löttgen, zwei Takte sagen.

(Bodo Löttgen [CDU]: Was hat das mit der Abundanzumlage zu tun?)

Erstens machen wir keine Geburtstagsgeschenke an die Kommunen, sondern wir helfen ihnen aus einer prekären Situation heraus. – Damit möchte ich zunächst einmal die Wortwahl klarstellen.

Zweitens. Dieses Land hat Schulden und muss aus den Schulden heraus diese Kommunalfinanzierung bereitstellen.

(Bodo Löttgen [CDU]: Weil Sie Wahlge- schenke bezahlen müssen!)

Ihre Landtagsfraktion ist nicht in der Lage und nicht willens, 5 Milliarden € im Landeshaushalt zu konsolidieren.

(Christian Weisbrich [CDU]: Sie erfinden neue Pflichtaufgaben!)

Ja, ist gut.

Herr Biesenbach, Sie sagten, das sei ein Verbrechen an den Kommunen. – Das will ich vom Kopf auf die Füße stellen. Wenn jetzt fast 1 Milliarde € strukturell mehr vom Land an die Kommunen fließt, ist das kein Verbrechen, sondern adäquates Handeln dieser Landesregierung und der sie tragenden Fraktionen.

(Beifall von den GRÜNEN und von der SPD)

Natürlich – liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU-Fraktion, Sie sind doch eine große Kommunalpartei in diesem Land – würde ich lieber mehr Geld hineinpacken.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Pack es lieber in die WestLB!)

Der Gutachter hat aufgeschrieben, was eigentlich nötig wäre.