Protokoll der Sitzung vom 18.12.2013

Regen Sie sich doch nicht so auf. Gott sei Dank ist die Bundestagswahl ja vorbei.

(Lachen und Beifall von den GRÜNEN)

Dann müssen wir endlich nicht mehr solche Auftritte wie den von Sylvia Löhrmann in der Sendung „Studio Friedman“ ertragen, bei dem sie allen Ernstes die Steigerung der Energiekosten damit begründet hat, dass in Deutschland im EEG massenweise Ausnahmen für Golfplätze bestehen würden. Das war nachweislich falsch. Damit haben Sie die Leute hinter die Fichte geführt, Frau Löhrmann. Als Mitglied einer Regierung müssten Sie es eigentlich besser wissen. Oder Sie haben vorsätzlich getäuscht. Das kann sich jeder in der Mediathek ansehen.

(Beifall von der FDP)

Karl-Josef Laumann hat zu Recht gesagt, dass Impulse zur Stärkung unserer Wirtschaftskraft hier in Nordrhein-Westfalen fehlen. Das Klimaschutzgesetz hat er angesprochen. Das Tariftreue- und Vergabegesetz gehört ebenfalls dazu. Es ist nicht nur eine Fessel für Mittelstand und Handwerk, sondern auch, wie wir jetzt erleben, eine Belastung für die öffentliche Hand selbst. Auch diese Landesregierung muss zusätzliches Personal einstellen, Gutachten und Stellungnahmen in Auftrag geben und Schulungen veranstalten. Dieses Gesetz ist also eine bürokratische Belastung.

Jetzt kommen auf Bundesebene weitere bürokratische Fesseln und weitere Belastungen für unsere Wirtschaft hinzu. Karl-Josef Laumann, was Sie für den Standort Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu den 15 anderen Ländern gesagt haben, das gilt

auch für Deutschland im internationalen Wettbewerb. Auch dort brauchen wir Flexibilität.

Jetzt kommen also neue bürokratische Fesseln dazu. Wir hoffen einmal, dass sie sich nicht so schädlich auswirken, wie das beispielsweise der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung befürchtet.

Eines ist in diesem Zusammenhang aber bemerkenswert: Jetzt gibt es neue Regelungen für die Arbeitnehmerüberlassung, weil man die Zeitarbeit einschränken will. – Guntram Schneider applaudiert.

Zeitgleich aber – jetzt vor wenigen Tagen – hat auch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine Bundesratsinitiative ergriffen, um die öffentliche Hand von diesen Beschränkungen der Arbeitnehmerüberlassung auszunehmen. Also da, wo es um den öffentlichen Bereich geht, scheuen Sie die Bürokratie, aber wenn es um Mittelstand, Industrie und Handwerk geht, dann haben Sie kein Problem mit zusätzlicher Bürokratie.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Das ist an Doppelmoral nicht zu überbieten!

(Minister Guntram Schneider schüttelt mit dem Kopf.)

Herr Minister Schneider, Sie schütteln mit dem Kopf. Gibt es diese Bundesratsinitiative oder nicht?

(Minister Guntram Schneider: Ich kann Ihnen das erläutern!)

Erläutern Sie uns auch mal, warum die Zahl der befristeten Beschäftigungsverhältnisse in den letzten Jahren vor allem im öffentlichen Bereich gestiegen ist und der öffentliche Bereich von der Sachgrundpflicht für eine Befristung ausgenommen worden ist.

(Zuruf von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft)

Das ist doch eine Doppelmoral!

(Beifall von der FDP und der CDU)

Wichtige Aufgaben der Landespolitik bleiben aber unerledigt. Wir haben eine Debatte und auch eine Landesregierung, die sich mit diesen Einzelfragen beschäftigt, aber wichtige Fragen bleiben unbeantwortet.

(Zuruf von Minister Ralf Jäger)

Nur ein Beispiel, weil sich Herr Jäger gerade aufmerksam ist und sich in die Debatte einschalten will: Nehmen wir seinen Bereich.

(Minister Ralf Jäger: Jetzt tun Sie doch nicht so, als ob das ein Zufall wäre!)

Ich wollte nur schauen, ob Sie noch dabei sind. Deshalb spreche ich Sie an; betrachten Sie es als Kompliment.

(Zurufe von der SPD und den GRÜNEN)

Da haben wir in den letzten Monaten gesehen, dass es eine Einbruchsserie, verübt von organisierten Banden, in Nordrhein-Westfalen gibt.

(Sigrid Beer [GRÜNE]: Das ist jetzt peinlich!)

Die Zahl der Einbrüche in Nordrhein-Westfalen steigt massiv an. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Herr Plickert, sagt dieser Tage – Zitat –:

„Einbruchsdiebstahl wird schon lange nicht mehr bekämpft, sondern nur noch verwaltet.“

Diese Einbruchsserie ist in Wahrheit die Bankrotterklärung des Rechtsstaats.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Wir haben einen Innenminister, der die Öffentlichkeit sucht, und zwar vor allen Dingen damit, dass er Blitzmarathons ohne jede Wirkung für die Verkehrssicherheit veranstaltet.

(Beifall von der FDP, der CDU und den PIRATEN)

Das ist exzellente Regierungs-PR, aber die zahllosen Mannstunden, Herr Innenminister, die Sie da verwenden, die könnten Sie auch mal für eine Schwerpunktinitiative einsetzen: nach Beute zu fahnden, die im Internet bei ebay versteigert wird.

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU)

Das würden nämlich diejenigen, bei denen zu Hause eingebrochen worden ist, von ihrer Landesregierung erwarten.

(Zuruf von Minister Ralf Jäger)

Uns wird ja gelegentlich vorgeworfen, wir Liberale seien für den Nachtwächterstaat. Das ist im Prinzip falsch, aber in dieser konkreten Hinsicht bekenne ich mich dazu. Wir sind für den „Nachtwächterstaat“ – seine vornehmste Aufgabe ist nämlich, dafür zu sorgen, dass die Menschen nachts ruhig schlafen können.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Und dieser Aufgabe werden Sie nicht gerecht.

Norbert Römer hat hier eben die Zusammenarbeit mit den Kommunen und ihre Stärkung und wie wichtig die kommunale Ebene für diese rot-grüne Landesregierung sei, in besonderer Weise hervorgehoben. – Deshalb klagen die Kommunen ja auch gegen zahlreiche Vorhaben dieser Landesregierung, beispielsweise gegen Ihre Zwangsabgabe, Herr Römer, die Sie beschlossen haben!

Die haben Sie jetzt abgemildert, ja; es bleibt im Kern aber eine falsche politische Entscheidung, diejenigen zu bestrafen, die sich über Jahre für Wirtschaftsförderung und nachhaltige öffentliche Finanzen eingesetzt haben. Es bleibt im Prinzip falsch,

und Sie werden auch die schwachen Kommunen nicht dadurch stärken, dass Sie die gesunden Kommunen jetzt schwächen. Deshalb sollten Sie, ohne dass es zu einer Klage kommt, auf diese Zwangsabgabe für die Kommunen verzichten.

(Beifall von der FDP)

Sie zerstören damit nämlich den Gedanken des Stärkungspakts.

Dies gilt auch in einem anderen Bereich; auch da lassen Sie die Kommunen allein, nämlich bei der Inklusion. Herr Schneider, ich kann es Ihnen nicht ersparen, dass ich noch einmal auf Sie zu sprechen komme.

(Minister Guntram Schneider: Och!)

Sie haben sich neulich ja verplappert.

(Minister Guntram Schneider: Ojojoh!)

Ja, das haben Sie, als Sie nämlich in Köln kürzlich erklärt haben, dass es Ziel der Landesregierung sei, im Zuge der Inklusion langfristig die Förderschulen aufzulösen.

(Ilka von Boeselager [CDU]: Hört, hört!)