Die heute stattfindenden Aktionstage Boys’Day und Girls’Day bieten eine gute Möglichkeit, eingefahrene Gewohnheiten zu durchbrechen und Jungen wie Mädchen eine vielfältige, interessante Berufswelt aufzuzeigen. Gleichzeitig sollen sie aber auch in ihren Talenten, Fähigkeiten und Interessen sowie Neigungen gefördert werden. Für Jungen bietet der Boys’Day eine prima Chance, soziale Berufe kennenzulernen und diese in ihr Berufswahlverhalten mit einzubeziehen.
Nachdem 2011 erstmals der Boys’Day veranstaltet wurde, beteiligt sich inzwischen bundesweit eine steigende Anzahl von Jungen ab der fünften Klasse. Ob sie im Tagespraktikum einen sozialen Beruf aus der Nähe und zum Anfassen erleben oder sich in einem Workshop mit ihrer persönlichen Berufs- und Lebensplanung und ihren sozialen Kompetenzen auseinandersetzen – sie erhalten hier konkrete Informationen, die sie in ihrer Berufswahlorientierung sicherer werden lassen.
Eine wiederholte Teilnahme der Jungen am Boys’Day vertieft diese Informationen. Es wäre positiv, wenn in diesem Sinne die entstandenen Kontakte zwischen Schulen und sozialen Einrichtungen genutzt werden könnten. Wenn es darüber gelingt, Jungen in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung zu fördern und zu stärken, sind wir im Interesse der Jungen einen Schritt weiter. Denn es gilt auch hier der Leitsatz der Landesregierung: Kein Kind zurücklassen.
Jungen in ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu fördern und zu stärken, ist aber auch ein Schritt, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu stärken.
An dieser Stelle ist es gut und richtig, dass das „Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit“ nicht nur bundesweite Koordinierungsstelle für Boys’Day wie Girls’Day ist, sondern auch das neue Übergangsmanagement „Kein Abschluss ohne Anschluss“ für die Landesregierung
Eine kurze Anmerkung noch: Der Boys’Day ist inklusiv, und er bietet über die Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ den Jungen, die am Boys’Day in eine Kita gehen, Experimentierideen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich an, die sie dann mit den Kitakindern am Aktionstag umsetzen können.
Also: Wir haben durchaus Sympathie für den FDPAntrag. Natürlich stimmen wir der Überweisung in den Ausschuss Frauen, Gleichstellung und Emanzipation zu. Es ist ein Gleichstellungsthema. Auf eine vertiefende Diskussion, beispielsweise über die Evaluationsergebnisse des Boys’Day seit 2011, aber auch über die Aufwertung pflegerischer, erzieherischer Berufe freuen wir uns, ebenso über die Wege zu einer geschlechtersensiblen Berufswahl und Lebensplanung. – Vielen Dank.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Der Antrag der FDP-Landtagsfraktion „Jungen fit für die Zukunft machen“ ist sinnvoll und zeitgemäß.
Deshalb freuen wir uns auch auf die fachliche Diskussion im federführenden Ausschuss Frauen, Gleichstellung – da wird viel zu wenig über Gleichstellung gesprochen – und Emanzipation sowie in den begleitenden Fachausschüssen.
Gerade am Montag dieser Woche haben wir hier im Landtag wieder mit gutem Erfolg den Girls’Day durchgeführt, der viele Mädchen und junge Frauen dabei unterstützt, wenn es um geschlechtssensible Berufswahl und Lebensplanung geht.
und ich darf mich an dieser Stelle sicherlich im Namen aller bei der Landtagsverwaltung für die herausragende Organisation dieser Traditionsveranstaltung bedanken. Danke auch an alle Beteiligten im Land.
Es ist gut, dass wir uns um die Chancen von Mädchen kümmern. Aber was ist mit den Jungen? – Der Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. Das gilt also auch für die Nachteile, die Jungen wi
Politisch und aktuell gibt es daher eine wichtige Aufgabenstellung, nämlich die Förderung von Jungen stärker in den Fokus zu nehmen. Es gehört zur Wahrheit: Bildungsverlierer sind viel zu oft die Jungen. Das kann kulturelle und soziale Gründe haben, das kann an fehlenden Vorbildern und fehlenden männlichen Erziehungsbegleitern in Familien, Kindergärten, Familienzentren oder den Schulen liegen. Hier begegnen Jungen ja zumeist weiblichen Bezugspersonen; die Kollegin ist schon darauf eingegangen.
Dass Jungen einer besonderen Förderung bedürfen, kann man auch daran ablesen, dass zwei Drittel der Schülerschaft der Förderschulen und zwei Drittel der Schulabbrecher männlich sind. Jungen dürfen also nicht weiter Bildungsverlierer sein. Jungen brauchen eine andere Förderung als Mädchen. Kein Kind zurücklassen, das heißt auch: Keine Jungen zurückzulassen.
Wir alle wissen, dass die Berufswahl bei jungen Menschen oft auch mit traditionellen Neigungen der Geschlechter zusammenhängt. Hier Blicke und Perspektiven für Jungen und junge Männer zu öffnen und dabei zum Beispiel darauf zu verweisen, dass starke Männer auch in erzieherischen, sozialen oder insbesondere in pflegerischen Berufen wichtige Funktionen und Anerkennung finden können, kann und muss unsere gemeinsame Aufgabe sein.
Ich bin sicher, dass diese Idee vom Landtag – die Landtagspräsidentin ist in dem Antrag auch aufgefordert – ebenso wie von unserem Parlament unterstützt wird. In einem alten Hit von Ina Deter hieß es einmal: „Ich sprüh’s auf jede Wand, neue Männer braucht das Land“.
Dann lassen Sie uns mal in Nordrhein-Westfalen damit anfangen! Wir müssen den Jungen deutlich machen, dass ihre berufliche Perspektive auch in der Rolle eines Erziehers, eines Pädagogen oder in einer pflegerischen Tätigkeit liegen kann. Ja, gerade dort brauchen wir sie. Jungen müssen genau wie Mädchen umfassend über ihre beruflichen Chancen aufgeklärt werden.
Das seit 2005 bestehende bundesweite Netzwerk zur Berufswahl und Lebensplanung für Jungen schlägt vor, Jungen in ihren sozialen Kompetenzen zu stärken, in Workshops Themen und Rollenbilder sowie die Berufs- und Lebensplanung junger Männer zu fördern. Dort, wo männliche Ansprechpartner in dem jeweiligen Berufsbild nicht so stark vorhanden sind bzw. fehlen, kann insbesondere über örtliche Initiativen wie Freiwilligenagenturen, Ehrenamtler oder die Silver Worker viel erreicht werden.
Veranstaltungen und ein Jungen-Zukunftstag sind weitere Beispiele für Lösungen. Veränderungschancen liegen zum Beispiel in Bildungsprojekten für die Jungen und in der Berücksichtigung ihrer Entscheidungsprozesse, aber auch mehr männliches Erziehungspersonal ist der Schlüssel zur Verbesserung.
Machen wir uns also auf den Weg. Begleiten wir auch bereits vorhandene Initiativen. Die Idee des Antrages ist deswegen zu unterstützen. Der Landtag kann eine treibende Funktion übernehmen, dass Jungen aus jahrzehntelanger Rollenerwartung ausbrechen und eine flexible Rollenvielfalt entwickeln. Dazu brauchen sie unsere Initiative und Unterstützung.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, am kommenden Montag, am 31. März, veranstaltet die LAGJungenarbeit NRW in Dortmund eine erfreuliche Fortbildungsveranstaltung zur geschlechtsbezogenen Arbeit mit Jungen. Thema wird sein: „Kleine wilde Kerle wachsen über sich hinaus – Jungenarbeit in der Grundschule und im offenen Ganztag!“. Es ist sehr erfreulich, dass dieser Schritt auch die Schule erreicht. Es bedarf vieler Einzelschritte, um erfolgreich einen Weg zu gehen.
Der Antrag bringt uns hier weiter. Die richtige Berufswahl ist eine wichtige – die wichtigste – Lebensentscheidung. Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss. – Danke schön.
Vielen Dank, Herr Kollege. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erteile ich Frau Kollegin Paul das Wort.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mädchen sind anders, Jungen auch. Unter dieses Motto könnte man vielleicht die beiden Tagesordnungspunkte zum Boys’Day und zum Girls’Day stellen, denn sie greifen ein wichtiges Thema auf.
Wie und warum entscheiden sich Jungen und Mädchen für einen Beruf oder eben auch nicht? – Klar ist, dass sich das Berufswahlverhalten junger Menschen bis heute nicht allein an persönlichen Interessen und individuellen Fähigkeiten orientiert, sondern oftmals noch stark von tradierten Rollenbildern beeinflusst und vor allem auch geleitet wird.
In der Mädchenarbeit ist das lange schon klar. Unterschätzt bleibt in der Diskussion und in der pädagogischen Arbeit aber oftmals, dass sich natürlich auch Jungen an Rollenbildern und Klischees orientieren und von ihnen beeinflusst werden. Umso wichtiger ist es, auch die Berufswahlorientierung von Jungen gendersensibel zu gestalten. Das Bild des männlichen Alleinernährers mag zwar eigentlich nicht mehr zeitgemäß sein. Trotzdem haben sich
die Rollenbilder der Hausfrau und Mutter einerseits und des Ernährers der Familie andererseits als normatives Bild erhalten und entfalten auch und gerade bei Jungen ihre Wirkung.
Die Realität sieht aber oft ganz anders aus. Jungen und junge Männer sehen sich mit modernen Partnerschafts- und Familienmodellen konfrontiert und mit einer Arbeitswelt, die immer weiter von einer industriellen, männlich geprägten Arbeitswelt hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft – eher weiblich konnotiert – wandelt.
Daraus ergeben sich aber auch Chancen für Jungen und Männer. Schließlich wollen viele Männer überhaupt nicht in das enge gesellschaftliche Korsett passen, das ihnen eine Ernährerrolle zuweist. Auch im Erwerbsleben ergeben sich neue Möglichkeiten, die bislang vielleicht für Jungen noch nicht so in den Blick geraten sind.
Bislang entscheiden sich viel zu wenige Jungen für soziale, erzieherische oder pflegerische Berufe, selbst wenn es eventuell ihren Interessen entsprechen würde. Denn auch die Berufswahlorientierung ist geprägt von Rollenbildern. Ob bewusst oder unbewusst, werden Mädchen und Jungen oftmals weiterhin in sogenannte klassische Berufszweige gelenkt.
Ich stimme daher dem Antrag der FDP-Fraktion zu, dass der Boys’Day ein Beitrag zur geschlechtersensiblen Berufswahlorientierung und Lebensplanung leisten kann.
Aber genauso wenig wie der Girls’Day darf der Boys’Day eine „Eintags-Ausflugs-Fliege“ in eine vielleicht andere Welt sein. Er muss eingebettet sein in ein Übergangssystem, das Geschlechtersensibilität als einen wichtigen Baustein zur Berufswahlorientierung sieht.
Deshalb ist es wichtig, dass das neue Übergangssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ die geschlechtersensible Berufswahlorientierung stärkt
und so Jungen und Mädchen gleichermaßen hilft, Potenziale zu heben, die sonst vielleicht unentdeckt bleiben würden.
Meine Damen und Herren, Sorgeberufe gelten hierzulande weiterhin als sogenannte Frauenberufe. Sie sind schlecht bezahlt, bieten schlechte Aufstiegschancen und sind oft genug nur in unfreiwilligen Teilzeitarbeitsverhältnissen zu machen. Mit dem Bild des männlichen Alleinernährers scheint das wenig kompatibel.
Das schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Gerade einmal knapp 16 % des Personals in den Gesundheitsberufen ist männlich. Auch in den Sozial- und Erziehungsberufen ist die Quote mit knapp 25 % durchaus ausbaufähig. Dabei ist immerhin erfreulich, dass der Anteil männlicher Beschäftigter in absoluten Zahlen in den letzten Jahren angestiegen
ist. Scheinbar erkennen auch Jungs und Berufsberaterinnen und Berufsberater langsam, dass CareTätigkeiten ein Zukunftsfeld sind. Diese Entwicklung gilt es, konsequent zu unterstützen.
Wo ich Ihnen allerdings eindeutig widersprechen möchte, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP – und ganz konfliktfrei kann so eine Diskussion auch nicht laufen –, ist Ihre Formulierung, nach der soziale, erzieherische und pflegerische Berufe aufgewertet und eine höhere Wertschätzung erfahren müssen, damit sich mehr Jungen dafür entscheiden.- Es ist eine Frage gesellschaftlicher Wertschätzung und Anerkennung erbrachter Leistungen, um die es gehen muss. Diese haben sich Frauen, die überwiegend in diesen Bereichen arbeiten, schon lange mehr als verdient.