Protokoll der Sitzung vom 12.12.2018

Bundesverwaltungsgericht. – Alles Quatsch, was die Richter erzählen, Fahrverbote sind unverhältnismäßig.

(Ministerpräsident Armin Laschet: Das ist doch gar nicht wahr!)

Sie haben danach gesagt: Das ist alles unverhältnismäßig.

(Zuruf von Ministerpräsident Armin Laschet)

Aber die deutschen Verwaltungsgerichte haben das nun mal anders gesehen als Sie, Herr Laschet, und haben wegen der Untätigkeit – auch Ihrer Politik – Fahrverbote verhängt.

(Beifall von den GRÜNEN)

Was passiert jetzt,

(Zuruf von Ministerpräsident Armin Laschet)

nachdem die Gerichte Ihnen sagen: „So läuft das nicht“? Was machen Sie da? – Sie fangen an, die Kläger zu beschimpfen

(Zuruf von Ministerpräsident Armin Laschet – Lebhafte Zurufe von den GRÜNEN)

und zu diffamieren.

Der Kläger, die Deutsche Umwelthilfe, die schlicht und einfach geltendes Recht einklagt, soll nun in der Folge mundtot gemacht werden. Auf Ihrem Parteitag haben Sie nun mit sehr viel Verve nach dem Motto „Denen zeigen wir es jetzt mal!“ beschlossen, der Deutschen Umwelthilfe die öffentlichen Gelder wegzunehmen und die Gemeinnützigkeit abzuerkennen. Basta!

Herr Laschet, solch eine Politik nach Gutsherrenart finden wir skandalös.

(Beifall von den GRÜNEN)

Herr Laschet, mit einer solchen Politik – indem Sie der DUH jetzt die Gelder wegnehmen – lösen Sie kein einziges der aktuellen Probleme.

Wenn Sie nur einen Bruchteil – ein klein wenig reicht schon – der Leidenschaft, die Sie bei Ihrer Rede darauf verwandt haben, die Deutsche Umwelthilfe zu beschimpfen und diejenigen zu bekämpfen, die Probleme im Land sichtbar machen, auch gegen die Verursacher, gegen die Betrügereien in der Automobilindustrie und für wirksame Lösungen für emissionsarmen Verkehr aufbringen könnten, wären wir bei der Bewältigung der Luftverschmutzung in unseren Städten schon sehr viel weiter.

(Beifall von den GRÜNEN)

Ich glaube, dass die Menschen dieses billige Manöver durchschauen. Es ist meine feste Überzeugung, dass es Ihnen nicht gelingen wird, den berechtigten Zorn der betroffenen Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer in unserem Land umzulenken – weg von den Verursachern der Probleme und von Ihrer untätigen Politik im Auftrag der Autolobby hin auf die Gerichte und die Ankläger. Gott sei Dank entscheiden in unserem Rechtsstaat immer noch die Finanzämter über die Gemeinnützigkeit und nicht der Parteitag der CDU.

(Beifall von den GRÜNEN – Vereinzelt Beifall von der SPD)

Diese Regierung zeigt immer wieder ihr gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat, nicht nur im Umgang mit denjenigen, die ihre Rechte vor Gerichten einklagen, sondern auch dann, wenn ein Minister wie Herr Stamp versucht, die Gerichte auszutricksen, um Gefährder abzuschieben. Der Fall Sami A. hat im Nachhinein eines deutlich gezeigt: Der Rechtsstaat ist nicht wehrlos. Der Rechtsstaat kann rechtssichere Abschiebungen durchsetzen. Er hätte einfach die Papiere organisieren müssen, dann hätte diese Abschiebung rechtskonform vollzogen werden können.

(Beifall von den GRÜNEN –Zuruf von der FDP)

Nein, der Minister hat sich für einen anderen Weg entschieden. Er hat die Gerichte ausgetrickst. Diese Abschiebung war rechtswidrig; man hätte das Ganze auch anders lösen können.

Rechtsstaatlich bedenklich in der Causa Sami A. ist nicht nur das Verhalten von Herrn Dr. Stamp, sondern auch das des Innenministers. Ich finde es nach wie vor unerhört, Herr Reul, wenn Sie als Verfassungsminister in solch einer Angelegenheit den Richtern in unserem Land Empfehlungen aussprechen. Das steht Ihnen erstens nicht zu, und zweitens empfehlen Sie ihnen auch noch, sie sollten ein bisschen mehr auf den Stammtisch hören,

(Lachen von Minister Herbert Reul)

statt es mit den Gesetzen so genau zu nehmen.

(Minister Herbert Reul: Das habe ich so nicht gesagt!)

Herr Reul, das war eine Entgleisung!

(Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von Minister Herbert Reul)

Das steht einem Verfassungsminister, der die Verfassung und die damit verbundene Gewaltenteilung schützen sollte, nicht zu.

Rechtsstaatlich bedenklich ist auch Ihr Vorhaben im Zusammenhang mit dem Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen, womit Sie Kläger in Sachen Tierrechten mundtot machen wollen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Den Verursacher wird es freuen – der Tierschutz bleibt auf der Strecke.

Der Kollege Markus Diekhoff von der FDP ist gerade nicht im Raum.

(Zuruf von der FDP: Guter Mann!)

Guter Mann – für Sie vielleicht.

Er ließ sich in der Plenardebatte am 15. November dieses Jahres – lesen Sie das mal nach – zum Verbandsklagerecht doch tatsächlich zu der Äußerung hinreißen, dass er Tierschutzverbände nicht kriminalisiere – das war ja mein Vorwurf gegen ihn –, denn sie seien ohnehin kriminell.

(Mehrere Zuruf von den GRÜNEN: Unglaub- lich!)

Welch ungeheure Entgleisung einer demokratischen Fraktion in diesem Haus.

(Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von der FDP: Guter Mann!)

Nein, liebe FDP-Kolleginnen und -Kollegen – diejenigen, die Tiere quälen,

(Zuruf von Christof Rasche [FDP])

sind kriminell, und nicht diejenigen, die so etwas vor einem deutschen Gericht anprangern.

(Beifall von den GRÜNEN – Widerspruch von der FDP)

Das unterscheidet uns offenbar fundamental von der FDP.

(Zuruf von Dietmar Brockes [FDP] – Unruhe – Glocke)

Es ist gut, dass dieser Unterschied hier in diesem Haus einmal deutlich geworden ist.

(Beifall von den GRÜNEN)

Heute wird in der Debatte noch einmal deutlich werden, dass Ihnen Tierleid und Tierschutz nicht gerade eine Herzensangelegenheit ist. Deswegen braucht es die Grünen, um dieses Thema hier im Landtag überhaupt auf die Tagesordnung zu bringen.

(Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von Dietmar Brockes [FDP])

Neben dem Klagerecht für Tierschutzverbände

(Zuruf von Dietmar Brockes [FDP])