Protokoll der Sitzung vom 27.06.2019

(Michael Hübner [SPD]: Ah!)

Es ist übrigens auch kein schlechter Einstieg. Vielmehr finde ich, dass das ein ausgesprochen guter und wichtiger Einstieg ist.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zuruf von der SPD: Wenigstens finden Sie den gut!)

Eines ist nämlich klar:

(Zuruf von Josefine Paul [GRÜNE])

Diese Koalition und auch unsere Schulministerin Yvonne Gebauer stehen zu ihrer Verantwortung.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Das sehen wir ge- rade!)

Wissen Sie was? Nur körperliche Präsenz, wie bei manchen von Ihnen reicht auch nicht, um Wichtigkeit zu demonstrieren.

(Rainer Schmeltzer [SPD]: Und dass bei ei- nem schulpolitischen Thema die Bildungsmi- nisterin …)

Dieses wichtige Thema haben wir mehr als nur im Blick.

(Zuruf von der SPD)

Meine Damen und Herren, wir wissen um die Leistungen der Lehrerinnen und Lehrer in unserem Land, schätzen diese und haben Verständnis für ihre Belange.

(Yvonne Gebauer, Ministerin für Schule und Bildung setzt sich an ihren Platz. – Zuruf von der SPD: Geht doch!)

Die Angelegenheit ist aber aus rechtlicher Sicht nicht so einfach, wie der Antragsteller suggerieren möchte – im Gegenteil: Sie ist hoch komplex.

(Michael Hübner [SPD]: Es ist ein Gesetzent- wurf!)

In dieser Legislaturperiode haben wir bereits zwei Anhörungen zu dieser Frage durchgeführt. In deren Rahmen wurde deutlich, dass es von Hochschulprofessoren über Experten bis hin zum Bund der Steuerzahler ein ganzes Spektrum unterschiedlicher Haltungen gibt.

Gerade diese Anhörungen zeigten die verschiedenen Positionen deutlich – von der qualifikationsorientierten bis hin zur rein anforderungsorientierten Entlohnung.

Ist man beispielsweise der Auffassung, dass die neue Lehrerausbildung deutlich besser ist, muss man zwangsläufig feststellen, dass die Bestandslehrkräfte dann ja eine schlechtere Ausbildung genossen haben,

(Eva-Maria Voigt-Küppers [SPD]: Es hat nie jemand von „besser“ geredet!)

aber teilweise jahrzehntelange Berufserfahrungen für dieselbe Tätigkeit haben und trotzdem schlechter bezahlt bleiben müssen. Dies ist ausdrücklich nicht unsere Haltung, aber diese Argumentation steht, wenn man Ihren Antrag zu Ende liest, im Raum.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen der SPD, Sie wollen keine Lehrerinnen und Lehrer unter A13 besoldet wissen. Was ist denn dann zum Beispiel mit den nicht verbeamteten Lehrkräften? Die hätten gerne A12 statt nur EG13. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass wir verschiedenste Situationen im Auge behalten müssen.

(Beifall von der FDP – Vereinzelt Beifall von der CDU)

Verantwortungsvolles Regieren

(Josef Hovenjürgen [CDU]: Davon hat Herr Ott noch nie etwas gehört!)

bedeutet, für alle Landesbeamtinnen und die Landesbeamten in den verschiedensten Ressorts die Verantwortung zu übernehmen. Deshalb muss die Angemessenheit der Besoldung natürlich bei jeder Maßnahme und im Vergleich aller Ressorts – zum Beispiel auch den Polizeidienst und die Justiz umfassend – im Auge behalten werden. Nur das ist ehrliche und verantwortungsvolle Politik. Nur das ist ehrliches und verantwortungsvolles Agieren. Daran kann ich nichts Peinliches oder Ähnliches erkennen.

(Beifall von der FDP und Björn Franken [CDU])

Machen wir uns nichts vor: In Ihrem Antrag geht es formal um die Schulen. Die Thematik muss aber größer gedacht werden, denn es geht am Ende um den gesamten öffentlichen Dienst.

Nur am Rande möchte ich hier erwähnen, dass wir im Vollausbau über zusätzliche 700 Millionen Euro pro Jahr sprechen – inklusive der Pensionslasten. Das kann und darf beamtenrechtlich kein Entscheidungskriterium sein, muss aber doch für das Gesamtbild einmal genannt werden.

(Vereinzelt Beifall von der FDP und der CDU – Zuruf von Eva-Maria Voigt-Küppers [SPD])

Sie denken immer nur, räumliche Präsenz habe etwas mit Interesse zu tun. Das ist ein völliger Irrglaube. Sie sehen es doch bei sich: Gucken Sie sich doch mal um. Wie viel Interesse hat denn Ihre Fraktion an diesem Thema? Ihre Sitze sind nahezu leer.

(Zuruf von der SPD: Das hat sie doch gar nicht gesagt!)

Drehen Sie sich also bitte einfach mal um und schauen Sie mal. Es ist doch scheinheilig, was Sie hier machen.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zuruf von Michael Hübner [SPD])

Mir erscheint Ihre Initiative vor allem wie eine Flucht aus der eigenen Verantwortung.

(Eva-Maria Voigt-Küppers [SPD]: Sie haben Verantwortung!)

Am Ende ist es doch alles eine Frage der Glaubwürdigkeit – Ihrer Glaubwürdigkeit. Wenn es nämlich alles so leicht und eindeutig ist und alles mal eben machbar wäre, wie Sie es suggerieren,

(Jochen Ott [SPD]: Sie müssen nur zustim- men!)

stellt sich mir die Frage, warum Sie das in den letzten zwei Legislaturperioden nicht gemacht haben. Herr Ott, das war Ihnen doch damals alles bekannt. All das war diesen Parteien doch bekannt.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Was Sie auch nicht getan haben, ist eine regelmäßige Lehrerbedarfsplanung durchzuführen, die Attraktivität des Lehramtsstudiums zu stützen und den Lehrerinnen und Lehrern durch Handeln zu zeigen, wie wichtig sie sind.

(Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Machen Sie das doch einfach! – Jochen Ott [SPD]: Ma- chen und tun!)

Sie reduzieren einfach nur auf das Bedürfnis von Lehrerinnen und Lehrern nach mehr Geld; so einfach machen Sie es sich. Damit werden Sie unseren Lehrerinnen und Lehrern aber nicht gerecht.

(Beifall von der FDP und der CDU – Zurufe von Jochen Ott [SPD] und Mehrdad Mostofiz- adeh [GRÜNE])

Ganz im Gegenteil: Der Lehrkräftemangel an unseren Grundschulen besteht nicht wegen der geringen Bezahlung, sondern wegen der zu wenigen Studienplätze in der Vergangenheit.

(Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE])

Meine Damen und Herren, Sie stehlen sich hier aus der Verantwortung.

(Zuruf von Eva-Maria Voigt-Küppers [SPD])

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen der SPD, es hat Sie zwei Legislaturperioden lang nicht interessiert gegenzusteuern. Jetzt wollen Sie sich mit diesem Antrag einen schlanken Fuß machen.

(Jochen Ott [SPD]: Das stimmt nicht!)

Das stimmt sehr wohl.

(Michael Hübner [SPD]: Es ist kein Antrag, es ist ein Gesetzentwurf!)