Protokoll der Sitzung vom 10.10.2019

Im AfD-Antrag heißt es dann stoisch ignorierend:

„Die Verdrängung der Handschrift wird durch Digitalisierungsentwicklungen in Schule und Unterricht möglicherweise weiter voranschreiten.“

(Helmut Seifen [AfD]: Konjunktiv!)

So könnte man das Ganze fortsetzen.

Das heißt: Sie haben dieses Ding auf der Grundlage von Antworten recycelt, die Sie schon bekommen haben. Das Ganze wird noch einmal aufgewärmt.

Das war keine besonders zu honorierende Leistung, Herr Seifen.

(Beifall von den GRÜNEN)

Von den Kolleginnen und Kollegen ist schon ganz viel gesagt worden. Sicherlich ist eines grundsätzlich richtig: Die Frage der Bewegung ist eine ganz wesentliche. Das ist nicht nur die Frage des Bewegens mit der Handschrift und der Aktivierung der Gehirnregionen, sondern eine Frage der Bewegung insgesamt. Frau Spanier-Oppermann hat schon darauf hingewiesen. Das Stehen auf einem Bein, das Rückwärtslaufen, die Koordinierung: All das sind wesentliche Dinge.

Ich sage Ihnen aber ganz klar: Mein Sohn hatte mit der flüssigen Schreibschrift seine Probleme. Es war ein Segen, dass die Schule individuell reagieren und anders ansetzen konnte. Er promoviert gerade in Chemie. Es hat ihm offensichtlich nicht geschadet. Sein Doktorvater scheint das, was er da abliefert, auch lesen zu können. – Das ist das Erste.

Ein Zweites will ich auch noch einmal sagen. Es gibt in Ihrem Antrag eine Stelle, an der Sie darauf hinwei

sen, dass das Schönschreiben jetzt auch noch zu einem Zensurenfach werden soll. Verraten Sie uns bitte noch, ob das dann auch für die Schulformempfehlung verbindlich wird und darüber entscheidet, ob man zum Gymnasium gehen darf oder nicht. Das würde, glaube ich, genau Ihrem Bildungsansatz entsprechen.

Ich sage es noch einmal mit Goethe: „Getretener Quark wird breit, nicht stark.“ Das gilt leider auch für diesen Antrag.

(Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Vielen Dank, Frau Kollegin Beer. – Für die Landesregierung spricht Frau Ministerin Gebauer.

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zunächst einmal darf ich mich für mein Zuspätkommen zu diesem Tagesordnungspunkt entschuldigen.

Meine Damen und Herren der AfD-Fraktion, schon der erste Satz Ihres Antrags zeigt, dass er ins Leere läuft. Dort heißt es – mit Erlaubnis der Präsidentin zitiere ich –:

„Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob das handschriftliche Schreiben im Zeitalter von Handys und Computern nicht längst verzichtbar geworden sei.“

Ich gehöre nun auch schon einige Zeit diesem Hause an. Diese Diskussion – das ist bereits von meinen Vorrednerinnen gesagt worden – ist mir und uns nicht bekannt.

(Beifall von Franziska Müller-Rech [FDP])

Unabhängig von solchen vermeintlichen Diskussionen möchte ich feststellen: Für mich und für die gesamte Landesregierung steht außer Frage, dass die Entwicklung einer verbundenen Handschrift bereits jetzt, aber auch weiterhin zum Bildungsauftrag der Grundschulen gehört.

Ja, es ist richtig; die Kommunikationswege haben sich in den letzten drei Jahrzehnten verändert und auch wesentlich beschleunigt. Es trifft zu, dass durch gesellschaftliche Entwicklungen digitales Schreiben und Lesen einen immer größer werdenden Platz in unserem Alltag einnehmen.

Die digitale Bildung ist ein zentraler Grundstein für eine erfolgreiche und selbstbestimmte Lebens- und Erwerbsbiografie. Schreib- und Medienkompetenz sind maßgeblich für die Chance eines jeden einzelnen Menschen auf seine freie Entfaltung und Selbstverwirklichung.

Gleichzeitig sichern digitale Kompetenzen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die Innovations- und Zukunftsfähigkeit und damit auch den Wohlstand unserer Gesellschaft und deren Möglichkeit für einen sozialen Ausgleich.

Auf diese Lebenswirklichkeit müssen wir unsere Schulen sowie die Schülerinnen und Schüler bestmöglich vorbereiten.

Von einer Verdrängung der Handschrift in der Grundschule kann deswegen aber noch lange nicht die Rede sein.

(Beifall von der CDU, der SPD und der FDP)

Der Lehrplan für die Grundschulen formuliert – das ist bereits ausgeführt worden; ich denke aber, an dieser Stelle tut es gut, das noch einmal zu sagen –:

„Im Zuge der Verflüssigung des Schreibverlaufs und der individuellen Ausprägung der Schrift entwickeln die Schülerinnen und Schüler aus der Druckschrift eine gut lesbare verbundene Handschrift. In allen Phasen der Grundschulzeit sind Schreibaufgaben von Bedeutung, in denen formklares und gestaltendes Schreiben wichtig wird.“

Eine durch Digitalisierung geprägte Zukunft, die wir in ihrer Ausprägung heute noch nicht vorhersehen können, erfordert eine Schule der Zukunft und nicht der Vergangenheit. In Zeiten einer digitalisierten Welt kann und darf es nicht um ein Entweder-oder gehen, sondern muss es um ein Sowohl-als-auch gehen. Schulen sind dann erfolgreich, wenn es gelingt, die Möglichkeiten zum Beispiel der Digitalisierung mit den pädagogischen Herausforderungen und Zielsetzungen der Grundschule zu verbinden.

Deshalb wird die Landesregierung weiterhin auf beides Wert legen, auf das Erlernen einer verbundenen Handschrift genauso wie auf den ziel- und sachorientierten und sachgerechten Umgang mit den digitalen Medien. – Herzlichen Dank.

(Beifall von der CDU, der SPD und der FDP)

Vielen Dank, Frau Ministerin. – Wenn niemand mehr das Wort wünscht – das ist so –, kann ich die Aussprache zu Tagesordnungspunkt 4 schließen.

Wir kommen zur Abstimmung. Der Ältestenrat empfiehlt die Überweisung des Antrags Drucksache 17/7535, über den wir gerade debattiert haben, an den Ausschuss für Schule und Bildung. Die abschließende Beratung und Abstimmung wird dann dort in öffentlicher Sitzung erfolgen. Möchte jemand gegen diese Überweisung stimmen? – Möchte jemand sich enthalten? – Beides war nicht der Fall. Dann haben wir so überwiesen.

Ich rufe auf:

5 Nachwuchsleistungssport in Nordrhein-West

falen: Bessere Chancen für Talente durch mehr Qualität an den Sportschulen

Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP Drucksache 17/7545

Ich eröffne die Aussprache. Als erster Redner hat für die antragstellende Fraktion der CDU Herr Kollege Scholz das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Sportschulen in unserem Land sind eine Erfolgsgeschichte. Für die künftige Stellung Nordrhein-Westfalens als Sportland Nummer eins bedarf es im Leistungssport hervorragender Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sowie Nachwuchstalente.

Mit der Einrichtung von bisher 18 Sportschulen haben wir einen bildungs- und sportpolitischen Weg eingeschlagen, um eine stärkere Leistungssportkultur zu entwickeln und sich deutlich zu Leistungssport zu bekennen. Die Sportschulen bieten sportlichen Nachwuchstalenten die notwendigen Rahmenbedingungen. Dies ist notwendig, um Talenten die Möglichkeit zu geben, Schule und sportliches Leistungsvermögen miteinander zu verbinden. So können begabte junge Menschen zu leistungsstarken Sportlerinnen und Sportlern heranwachsen.

Die NRW-Sportschulen verfolgen dabei das Ziel, sportliche Nachwuchstalente so zu unterstützen, dass die leistungssportliche Karriere und der individuelle Bildungsgang bestmöglich verlaufen und miteinander verknüpft werden. Die Weiterentwicklung der sportlichen Leistungen und eine Schullaufbahn, die zu dem höchstmöglichen Abschluss führt, machen die Sportschulen für die Talente unseres Landes zu einem ausgezeichneten Schulangebot.

Um diese Talente frühzeitig zu entdecken und zu fördern, ist auch eine verstärkte Kooperation der NRWSportschulen mit umliegenden Grundschulen wichtig. In ihnen ist der Sportunterricht für die ganz jungen Schülerinnen und Schüler vorrangig spielerisch angelegt. Aber auch hier lassen sich schnell jene entdecken, deren Talent weit über den spielerischen Akzent hinausreicht. Diese jungen Menschen erhalten dann beim Übergang zur Sportschule eine gute Perspektive zur Weiterentwicklung ihrer sportlichen Fähigkeiten.

Gleiches gilt für die Zusammenarbeit der Sportschulen mit den Vereinen und Sportbünden ihres Umfeldes. Hier helfen Kontakte, ein starkes regionales Netzwerk zu schaffen. Gemeinsam können dann alle Beteiligten die sportliche Weiterentwicklung der jungen Talente in den Blick nehmen.

Um die Ziele der Sportschulen zu erreichen, ist auch eine entsprechende personelle Ausstattung notwendig. Deswegen hat die NRW-Koalition allein in den vergangenen beiden Jahren 36 zusätzliche LehrerTrainer-Stellen für die 18 NRW-Sportschulen bereitgestellt. Diese Lehrer-Trainer sorgen auch für eine qualitative Weiterentwicklung der Sportschulen.

Wenn sich unter ihnen ein ehemaliger Goldmedaillengewinner Olympischer Spiele befindet, der als Lehrer-Trainer an einer Sportschule aktiv wird, ist dieses Vorbild die Grundlage für einen zusätzlichen Motivationsschub für die Schülerinnen und Schüler. Es gibt nichts, was mehr Ansporn zu Leistungen bringt.

In zwei Phasen wurden durch die Sporthochschule Köln die Sportschulen evaluiert. Die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet und mit den Sportschulen besprochen. Aber schon die erste Evaluierung gibt wichtige Handlungsempfehlungen zur Steigerung der Qualität.

Unter anderem wird festgestellt, dass die Schulprogramme an vielen Standorten veraltet sind. Es wird empfohlen, die Schulprogramme und Leitbilder auf die Erfordernisse für Sportschulen anzupassen.

Empfohlen wird auch eine verbesserte Auswahl der Talente.

Mit ihrem Antrag sorgt die NRW-Koalition hier für einen klaren rechtlichen Rahmen, um Rechtssicherheit zu schaffen. Das ist auch ein Meilenstein bei der qualitativen Weiterentwicklung. Dies war ein großer Wunsch der NRW-Sportschulen, den wir nun umsetzen.

Die rechtlichen Grundlagen sollen so verändert werden, dass das individuelle sportliche Potenzial von Schülerinnen und Schülern schon bei ihrer Aufnahme in die NRW-Sportschulen stärker berücksichtigt wird. Das bedingt eine verbesserte Auswahl der Talente. Die rechtlichen Grundlagen müssen den Aspekt des individuellen Talents als Aufnahmekriterium für alle Schulstarterinnen und Schulstarter des Jahrgangs 5, die den Sportzweig besuchen wollen, berücksichtigen. Damit soll sichergestellt werden, dass unabhängig vom Wohnort auch wirklich die Talente den Weg zu den Sportschulen finden.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich freue mich schon heute darauf, einige junge Menschen, die ich an der Sportschule beobachten konnte, bei den Olympischen Spielen 2032 wiederzusehen, die dann hoffentlich in der Region Rhein-Ruhr stattfinden werden. – Vielen Dank.