Protokoll der Sitzung vom 16.09.2020

Inhaltlich will ich bezüglich der Weiterentwicklung der Sportschulen auf zwei Punkte eingehen, die unserer Meinung nach das besondere Potenzial verdeutlichen, das in Sportschulen steckt.

Zum einen sind das die Chancen und Potenziale der Digitalisierung. Moderner Leistungssport ist längst im digitalen Zeitalter angekommen. Dort werden schon seit Jahren Analyseverfahren, Coaching oder einfach nur die Terminplanung mithilfe digitaler Lösungen optimiert. Für die Sportlerinnen und Sportler bedeutet das mehr Effizienz, mehr Transparenz und vor allem mehr Sicherheit.

Gerade für unsere Schulen würde ich mir das auch wünschen, denn das nordrhein-westfälische Schulwesen hat

in dieser Hinsicht ohne Zweifel – nennen wir es mal – Anlaufschwierigkeiten.

Wenn Sportschulen hier vorangehen und auf ganz praktische Weise zeigen, wie effektiv und gleichzeitig einfach digitale Lösungen sein können, entsteht nicht nur ein Mehrwert für Sportschulen, sondern vielleicht auch für andere Schulformen.

Zum anderen möchte ich einen weiteren Punkt besonders hervorheben: Natürlich sind Sportschulen nicht nur Orte, an denen klassische Schulbildung vermittelt wird, sondern auch Orte, an denen gelernt werden soll, wie man mit besonderem Leistungsdruck umgehen kann, denn Leistungssportlerinnen und Leistungssportler sind teilweise schon in sehr jungen Jahren extremem Wettbewerbsdruck ausgesetzt.

Viele erleben ihre Jugend anders als andere Jugendliche. Sie tun das natürlich freiwillig, aber das ändert nichts an der speziellen Situation, in der sie sich befinden.

Große Disziplin und eine gewisse Bereitschaft, in vielen Bereichen außerhalb des Sports Opfer zu bringen, sind oft Grundvoraussetzung für eine Karriere im Leistungssport.

Wie Jugendliche mit diesem Druck umgehen, hängt natürlich von ihrer Persönlichkeit und ihrem familiären Rückhalt ab. Häufig spielt aber auch das soziale und schulische Umfeld eine Rolle.

Sportschulen sind Orte, an denen dieser Druck innerhalb eines pädagogischen Rahmens reflektiert und aufgefangen werden kann. Hier sehen wir Potenziale, die für das gesamte Verbundsystem Schule und Leistungssport in NRW relevant sein können.

In Ihrem Antrag gehen Sie auf diese beiden Felder leider nur ganz am Rande ein; da hätten wir uns deutlich stärkere Impulse gewünscht. Aus diesem Grund werden wir uns zu diesem Antrag enthalten.

Nichtsdestotrotz unterstützen wir natürlich die Weiterentwicklung der Sportschulen und freuen uns darauf, auch in Zukunft an der Weiterentwicklung des Sportlandes NRW mitzuwirken. – Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall von der SPD)

Vielen Dank, Herr Kollege Weiß. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht Herr Kollege Rüße.

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist immerhin schön, dass der Kollege Weiß Herrn Terhaag dahin gehend beruhigen konnte, dass die SPD die Sportschulen – genau, wie wir auch – unterstützt und gut findet.

Es ist doch schön, wenn man nach 14 Jahren ein solches Fazit ziehen kann, wir alle miteinander sagen, dass es eine gute Entscheidung war, wir diese Einrichtungen grundsätzlich mittragen und uns darüber freuen, dass das insgesamt gut funktioniert.

Sie haben Ihren Antrag auf der Evaluation aufgebaut; das ist soweit in Ordnung. Wir finden auch, dass viele richtige Dinge in Ihrem Antrag stecken. Insbesondere fordern Sie, dass man genau definiert, was ein sportliches Talent ist; das wollen Sie ausgearbeitet sehen. Wir unterstützen das und finden es völlig richtig.

Was uns fehlt, versuche ich, mit einem sportlichen Bild zu sagen: Sie kommen mir mit dem Antrag ein wenig wie der Weitspringer vor, der 30 cm vor dem Absprungbalken abspringt und deshalb nicht so ganz erreicht, was er hätte erreichen können.

Wenn man einen solchen Antrag stellt, kann man sich an der Evaluation entlanghangeln, aber man kann auch ein bisschen mehr einbauen. Ich fand es genau richtig, danach zu fragen, warum man Digitalisierung nicht in den Antrag aufnimmt.

Für uns geht es auch darum, dass wir nur eine Sportschule haben, die den Bereich „Paralympics“ abdeckt. Warum geht man da nicht einen Schritt weiter und baut vielleicht drei oder vier weitere Schulen aus, um in der Fläche ein breiteres Angebot zu erhalten? Wir hätten es gut gefunden, wenn Sie das getan hätten.

Es geht auch darum, dass – wie eben gut beschrieben worden ist – sportlicher Druck entsteht. Das macht etwas mit der Psyche. Was passiert zum Beispiel, wenn eine Sportverletzung eine Karriere beendet? Wie geht eine Sportschule damit um? Wie geht man mit den Schülerinnen und Schülern um? Das fehlt uns in dem Antrag.

Wir werden Ihren Antrag nicht ablehnen, weil wir ihn insgesamt richtig finden, Herr Nettekoven. Wir werden uns in aller Freundlichkeit enthalten. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN und Rüdiger Weiß [SPD])

Vielen Dank, Herr Rüße. – Für die AfD-Fraktion spricht Herr Kollege Keith.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt in der Politik Aufgaben, die komplex, kostspielig und mit Arbeit verbunden sind. Und es gibt Aufgaben, die sich im Handumdrehen, fast wie von selbst erledigen. Solche Aufgaben haben sich die Regierungsfraktionen mit dem vorliegenden Antrag herausgefischt.

Es geht um unsere Sportschulen. Die gute Nachricht zuerst: Die Situation ist gar nicht so schlecht. Die Evaluation der NRW-Sportschulen durch die Deutsche Sporthochschule Köln hat uns hervorragende und wichtige Erkenntnisse geliefert. Auch der Vorgängerbericht von 2017 tat dies bereits. Sie haben beide gelesen; das kann ich Ihnen attestieren.

Was aber machen Sie daraus? – Um in der Sprache des Fußballs zu sprechen: Sie hatten die Chance auf einen Elfmeter – und das ohne Torwart – und schießen am Tor vorbei.

Sie haben sich bequemerweise die Handlungsempfehlungen herausgesucht, die am wenigsten Probleme bereiten. Dort, wo es Kosten und Mühen verlangt, schauen Sie weg.

So fordern Sie, dass nun wirklich alle NRWSportschulen schriftlich fixierte sportliche Leitbilder aufweisen. Klar, warum nicht? Die Experten sind sich schließlich einig: Solche Leitbilder sind durchaus wichtig.

Gewiss kann auch Ihr nächstes Ziel, den Begriff „sportliche Talente“ für die NRW-Sportschulen schriftlich näher zu beschreiben, nicht schaden.

Also legen Sie los. Ein solches Leitbild lässt sich doch in einer Halbzeitpause finden. Auch die Begriffsbeschreibung ist kein Hexenwerk. Das sind bestenfalls zaghafte, rein formale Versuche, Änderungen zu bewirken.

Sie haben aber einen Pluspunkt: Diese Maßnahmen sind ohne größeren finanziellen und organisatorischen Aufwand umsetzbar.

Das Qualitäts- und Leistungsangebot der Sportschulen unterstützen diese Maßnahmen jedoch ebenso wenig wie die Nachwuchsförderung – oder glauben Sie wirklich, dass allein durch die verpflichtende Beschreibung eines Leitbildes einer Sportschule oder des Begriffes „sportliches Talent“ eine Qualitätsverbesserung eintritt?

Die im Evaluationsbericht ausführlich beleuchtete sachstrukturelle Ebene meiden Sie einfach. Wo es um Bedarfe geht, schauen Sie einfach weg.

Warum stellen Sie denn nicht mal die konkrete Forderung nach mehr Mitteln für den Ausbau der Sportstätten oder der Sportstätteninfrastruktur? Haben Sie diese Aspekte übersehen, halten Sie sie für unwesentlich, oder sind sie Ihnen einfach, wie so oft, zu teuer?

Die eigentlichen Probleme der Sportschulen, die im Bericht wunderbar herausgearbeitet werden, gehen Sie mit Ihrem halbherzigen Antrag wieder nicht an:

Kein Wort über den Bereich der Beratung und Unterstützung von Schülern bei ihren Zukunftsplanungen oder bei der pädagogischen Betreuung im Internat.

Dafür müsste man ja vielleicht zusätzliches Personal einstellen.

Kein Satz über die im Bericht geforderte verstärkte Vernetzung von Sportschulen, Vereinen und Grundschulen. Dafür müsste man ja die Organisation, ja vielleicht sogar die Gesetze ändern.

Da gehen Sie nicht ran; aber genau das sind doch die Herausforderungen der Zukunft, wenn wir unseren Kindern neben der sportlichen Karriere eine solide Ausbildung ermöglichen wollen – insbesondere im Hinblick auf den starken Wandel unserer gesellschaftlichen Entwicklung mit G8, Ganztagsschulen und der Verschiebung von Lern-, Freizeit- und Erholungsphasen der Kinder und Jugendlichen.

Abschließend kann man sagen, dass Sie den neuen Bericht zu den NRW-Sportschulen wieder zum Anlass genommen haben, erneut nur an der Oberfläche zu kratzen und der Landesregierung einige leichte Bälle zuzuspielen. Sie gehen wieder nicht in die Tiefe, um grundlegende qualitative und strukturelle Veränderungen in den Sportschulen herbeizuführen.

Wie viele Berichte muss es denn noch geben, bevor Sie anfangen, sich auch mal über die anderen, immer wiederkehrenden Empfehlungen Gedanken zu machen?

Herr Kollege Keith, Entschuldigung, dass ich Sie unterbreche. Der Kollege Nettekoven würde Ihnen gerne eine Zwischenfrage stellen.

Nein, ich möchte durchgehend sprechen.

Okay.

Die AfD-Fraktion begrüßt den Ansatz von Talentsichtung und -förderung sowie den Ausbau von Sportschulen ausdrücklich.

Gerne hätten wir daher mit Ihnen im Ausschuss über das wichtige Thema „Nachwuchsförderung“ diskutiert und die fehlenden Aspekte aufgegriffen. Sie lassen aber hier und heute direkt über Ihren Antrag abstimmen.

Mit Ihrer Mehrheit werden Sie ihn natürlich auch durchbekommen – schade. Nachhaltige qualitative Veränderungen an den Sportschulen wird es deswegen nämlich nicht geben. Unsere Stimme geben wir Ihnen daher auch nicht. – Vielen Dank.

(Beifall von der AfD)

Vielen Dank, Herr Kollege Keith. – Für die Landesregierung spricht

Frau Ministerin Gebauer in Vertretung für Herrn Ministerpräsidenten Laschet.