Die Transformation erfordert von Unternehmen und insbesondere ihren Beschäftigten ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Beispielsweise mit dem Förderprogramm „Fit für die Zukunft“ bietet die Landesregierung besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen ein Beratungsangebot, das die Beteiligung der Beschäftigten mit einschließt.
Mit dem Transformationscoaching für Beschäftigte „Coach2Change“ ergänzt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sein Beratungsangebot und stellt hierbei die Beschäftigten in den Mittelpunkt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden in die Lage versetzt, Arbeitsstrukturen und -abläufe zu verändern und neu auszurichten, damit die Transformation am eigenen Arbeitsplatz gelingt.
Darüber hinaus bieten Berufsbildungszentren wie zum Beispiel die neu entstehende Zukunftswerkstatt bze in Euskirchen weitere vielfältige Möglichkeiten der Qualifizierung und Weiterbildung von Beschäftigten.
Die größte Innovationskraft liegt jedoch unverändert bei unseren Betrieben und Unternehmen. Alle gemeinsam – Unternehmen, Region und Land – übernehmen Verantwortung und treiben die Transformation maßgeblich voran.
Das muss ein ganz besonderer Ausschuss sein. – Der Kollege Benjamin Rauer hat jetzt das Wort für die Fraktion der Grünen. Bitte sehr.
Sehr geehrter Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Ich darf hier heute zu einem Antrag der SPD zur Transformation der Arbeitswelt reden – ein sehr aktuelles Thema, das uns alle sehr beschäftigt.
Wie die SPD-Kollegen richtig feststellen, ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt aktuell eigentlich zufriedenstellend. Wie sie jedoch weiterhin feststellen, stehen wir vor tiefgreifenden Veränderungen und Herausforderungen, die durch die Transformation des Arbeitsmarkts getrieben werden.
Es ist aber schon seltsam, dass viele Punkte aus dem Antrag aus der von der SPD selbst beantragten Enquetekommission „Transformation der Arbeit“ stammen, die Enquete selber aber mit keinem Wort erwähnt wird.
Die Transformation wird durch die Demografie, durch die Nachhaltigkeit und vor allem durch die Digitalisierung getrieben. Die Digitalisierung verändert nicht nur Arbeitsinhalte und Prozesse, sondern stellt auch neue Anforderungen an die Beschäftigten.
Dabei besteht die Gefahr, dass der Einsatz digitaler Technologien zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse zugunsten der Unternehmen führen könnte. Es liegt daher in unserer Verantwortung sicherzustellen, dass die Transformation für bessere Bedingungen der Beschäftigten und nicht gegen die Beschäftigten gestaltet wird.
Ich möchte hier auf drei bedeutende Landesinitiativen eingehen, die darauf abzielen, Veränderungsprozesse für Beschäftigte und Unternehmen erfolgreich zu gestalten.
Beispielsweise hat das Projekt „Arbeit 2020“ Wege und Instrumente entwickelt, um die mit der Digitalisierung einhergehende Entwicklung und Veränderung sozialpartnerschaftlich zu gestalten. Durch den Dialog zwischen Betriebsräten, Beschäftigten und Unternehmen wurden zahlreiche Zukunftsvereinbarungen und betriebliche Zielbilder entwickelt, die die weitere Zusammenarbeit zur Gestaltung der Digitalisierung verbindlich machen.
Ein anderes Beispiel ist die „Initiative Wirtschaft & Arbeit 4.0 in Nordrhein-Westfalen“, eine Kooperation von Landesregierung, Gewerkschaften, Arbeitgebern und der Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam werden hier Wege gesucht, um die Digitalisierung zu gestalten, damit der Fortschritt den Menschen dient und die Arbeit flexibler, sicherer und interessanter wird. Diese Initiative vernetzt vorhandene Kompetenzen und strebt die konsequente Nutzung der mit der Digitalisierung verbundenen Chancen für die Menschen und die Wirtschaft an.
Abschließend möchte ich das Förderprogramm „Fit für die Zukunft“ erwähnen, welches Unternehmen und ihre Beschäftigten in Transformationsprozessen, insbesondere im Rheinischen Revier und im nördlichen Ruhrgebiet, unterstützt. Angesichts der Kohleausstiegs müssen Unternehmen ihre Produkte und Dienste neu ausrichten. Das Beratungsangebot „Fit für die Zukunft“ bietet schnelle und unbürokratische Hilfe und setzt auf die Beteiligung der Beschäftigten, um betriebsspezifische Lösungen zu erarbeiten.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir weiterhin Initiativen anbieten und weiterentwickeln, um den Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich zu begegnen und Zug um Zug Arbeitsplätze zu schaffen. Wie Sie aus meinen vorausgehenden Aus
In diesem Sinne überweisen wir den Antrag der SPD gerne an den Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales. – Vielen Dank.
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Fachkräftemangel stellt aktuell die größte Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt dar. Gleichzeitig kommen erhebliche Veränderungen auf die Arbeitswelt zu: fortschreitende Digitalisierung, der Einsatz von KI, aber auch die Klimaanpassung. Dazu werden weitere Veränderungen kommen, die wir jetzt noch gar nicht absehen können. Daher müssen wir offen für Wandel und Fortschritt sein.
Wenn man jedoch den SPD-Antrag liest, könnte man den Eindruck bekommen, es ginge vor allem um das Konservieren von Industriearbeitsplätzen. Als Freie Demokraten setzen wir jedoch auf Innovation und eine neue Dynamik im Sinne der Wirtschaftswende. In einer digitalisierten Arbeitswelt entstehen permanent neue Tätigkeitsfelder, und neue Berufsfelder werden hinzukommen. Wir wollen daher ein Labor „Arbeit 4.0“ gründen, um Austausch, Wissenstransfer und Modelllernen bei Themen der Arbeitswelt der Zukunft zu befördern.
Angesichts der Transformation der Arbeitswelt müssen die Initiativen des Landes zur Fachkräftesicherung gemeinsam mit Kammern, Verbänden, Tarifpartnern und der Bundesagentur für Arbeit weiterentwickelt werden.
Dazu müssen wir insbesondere Branchen und berufsspezifische Bedarfe und Best-Practice-Beispiele zum Wissenstransfer in den Fokus nehmen.
Lebenslange Weiterbildung hat in einer Welt im Wandel zentrale Bedeutung. Aus-, Fort- und Weiterbildung bleiben das ganze Leben Grundlage für sozialen Aufstieg und beruflichen Erfolg. Die Entscheidung für Weiterbildung darf nicht finanziell erschwert werden. Mit dem Qualifizierungschancengesetz wurden Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung von Beschäftigten bereits verbessert und deren Förderung ausgeweitet. Zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit und den Sozialpartnern müssen aber Information und Beratung weiter ausgebaut werden, um eine stärkere Inanspruchnahme dieser Möglichkeit zu erreichen.
Weiterbildung benötigt einen einheitlichen Zertifizierungsrahmen, um Qualität und Vergleichbarkeit zu sichern.
Wir setzen uns außerdem für einen aktiven Ausbau von modularen, digital gestützten und damit zeit- und ortsunabhängigen Weiterbildungsangeboten in Nordrhein-Westfalen ein, gerade auch durch die Hochschulen, aber auch durch die Kammern und durch private Anbieter.
So können Strukturen des lebenslangen Lernens entstehen, die Angebote bestehender Bildungseinrichtungen zusammenführen, öffnen und erweitern.
Eine digitale Arbeitswelt braucht aber auch andere Regeln. Wir wollen auf Bundesebene das Arbeitszeitgesetz im Rahmen der EU-Richtlinie flexibler gestalten und die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten ausbauen und nicht durch komplizierte Vorgaben für Homeoffice einengen. Eine Möglichkeit wäre es, eine wöchentliche statt einer täglichen Höchstarbeitszeit einzuführen. Damit könnte sich jeder die Arbeit selbst einteilen.
Aber keine Sorge, auch dabei ist ein moderner Arbeitsschutz möglich. Niemand soll weniger Pausen machen oder mehr arbeiten als bisher. Aber die Einteilung der Arbeitszeit muss flexibler möglich sein. Die Summe der täglich notwendigen Ruhezeit bleibt bestehen. Flexible Regelungen sollen jedoch in einem Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung rechtssicher ermöglicht werden. Zudem darf die von vielen gelebte und geschätzte Vertrauensarbeitszeit, in der Arbeitnehmerinnen und Arbeitsnehmer selbstständig über ihre Arbeitszeit bestimmen können, zukünftig nicht eingeschränkt oder gar verhindert werden.
Mehr Flexibilität und Selbstbestimmung führen zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Mehr Freiheit in diesem Bereich wirkt sich auch positiv auf Arbeitszufriedenheit und Gesundheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus.
Es gibt zahlreiche Aspekte, die wir im Ausschuss weiterdiskutieren können. Ich freue mich darauf und danke Ihnen fürs Zuhören.
Es gruselt einen ja schon ein wenig, wenn ausgerechnet der Staat nun die Arbeitswelt digital transformieren will. Ich höre im Kopf schon das Thermopapier rascheln.
Man denke nur an Erfolgsstorys wie die Corona-App beispielsweise. Da konnte sich der normale Bürger schon einmal davon überzeugen, wie gut das wahrscheinlich funktionieren kann. Wer noch weitere Beweise braucht, der geht einfach einmal in den kommunalen Servicepoint seiner Wahl. Ich denke, da kommt der normale Bürger hinterher heraus und sagt sich: Da sitzen die Digitalprofis, die jetzt die Arbeitswelt von morgen gestalten und höchstwahrscheinlich digitalisieren.
Aber wenn in den Kommunen selbst eine Deadline von 2030 zur engen Geschichte wird – allein schon wegen der überbordenden Demokratie –, nur weil man einen digitalen Mülleimer an der nächsten Haltestelle aufstellen möchte, dann weiß man, wie erfolgversprechend das sein wird, wenn die SPD sich einmal mehr einmischt.
Nein, was der Staat lieber tun sollte, ist, ein vernünftiges modernes Arbeitsrecht zu besorgen, die Lohnnebenkosten zu senken, die Infrastrukturen, insbesondere auch die digitalen, zu stärken, die Steuern zu senken und vor allen Dingen für Bildungsangebote zu sorgen, damit auch zum Beispiel auf dem zweiten Bildungsweg, insbesondere bei den MINTFächern noch einmal nachgefasst werden darf. Die Wirtschaft schafft das dann schon von ganz alleine, auch die Weiterqualifikation ihrer Mitarbeiter, auf die sie so dringend angewiesen ist.
Der Staat – das ist das Allerwichtigste an dieser Stelle – darf hier nur nicht wieder zum zentralen Bremsklotz werden, weil die SPD meint, es besser machen zu können als die Profis in der freien Wirtschaft. Da verlassen wir uns lieber auf diejenigen, die es können und die Arbeitswelt auch schon in der Vergangenheit transformiert haben. Das sind unter Umständen auch Menschen, die wir noch gar nicht kennen, die mit kleinen Start-ups vielleicht heute in den Startlöchern stehen und die disruptive Technologie von morgen an den Start bringen. Die SPD, aber auch der Staat hängen immer zwei Schritte hinterher.
Wir können zumindest die vernünftige Infrastruktur auf den Weg bringen, um diese Träume von morgen zu realisieren. – Vielen Dank.